Gehirn-Jogging im Alter: 3 Fitness-Tipps

Gehirn-Jogging im Alter: 3 Fitness-Tipps

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Nachrichten aus der Hirnforschung lassen ältere Menschen immer wieder erwartungsvoll aufhorchen. Wer auch in der beginnenden zweiten Lebenshälfte bis hin ins hohe Alter mit einem gewissen Maß an Regelmäßigkeit und Intensität geistig an sich arbeitet, bringt die besten Voraussetzungen mit, aktive Teilhabe am Leben mit seinen verschiedenartigen Herausforderungen zu erhalten.

 

Was seit einigen Jahren in den USA unter dem Begriff „Gehirnjogging“ an computergestützten Lernprogrammen kursiert, beleuchtet dabei jedoch nur einen Teilaspekt. Vielmehr liegt ein ganzheitlicher Ansatz im Interesse vieler älterer Mitmenschen, die nicht nur ihre Fähigkeit optimieren wollen - etwa Zahlenketten in Rekordgeschwindigkeit auswendig lernen zu wollen -, sondern Aspekte wie allgemeine Merkfähigkeit, Orientierungssinn, generelle Lernfähigkeit und vieles mehr. Was sagt die Wissenschaft?

 

Speed of Processing

Gerade im Bereich kognitiver Leistungsfähigkeit weisen Studien darauf hin, dass die tradierte Lebensweisheit, nach der derjenige rostet, der auch rastet, ihre universelle Gültigkeit unabhängig vom Lebensalter hat. So fand die Alterswissenschaftlerin Jerri Edwards von der University of South Florida in Tampa heraus, dass Gehirn-Jogger sicherer im Straßenverkehr fahren. Auch wirken bestimmte Formen des Gehirnjoggings offenbar tatsächlich verbeugend gegen Demenz. Regelmäßiges Training vor allem der visuellen Aufmerksamkeit steigere zudem die Leistungsfähigkeit in Alltagssituationen.

 

Dafür verantwortlich sei eine spezielle Form des Gehirnjoggings, das sogenannte "Speed of Processing"-Training, dem sie sich schwerpunktmäßig in ihren Untersuchungen gewidmet hat. Hierbei sollen visuelle Aufmerksamkeit und Auffassungsgabe einer Senioren-Gruppe gestärkt und beschleunigt werden, indem etwa das Identifizieren eines bestimmten Objekts aus einem Suchbild trainiert wird. Gleichzeitig werden die Probanden mit der Zusatzaufgabe konfrontiert, währenddessen Gegenstände in einem zweiten Suchfeld möglichst umfassend wahrzunehmen. Die Forscherin fand heraus, dass durch regelmäßige Doppelbeanspruchung mit zwei parallel geöffneten Sichtfenstern die Fähigkeit der Testpersonen auf Dauer zunahm, den gesuchten Gegenstand immer schneller im Suchbild wahrzunehmen – und das auch wenn sich die Objekte sehr ähnelten.

 

In über 50 Studien konnte Edwards mit solchen Übungen zur Stärkung von visueller Aufnahmefähigkeit und Auffassungsgabe nachweisen, dass sie geeignet sind, generelle Aufmerksamkeit und Reaktionsschnelligkeit, etwa beim Autofahren zu erhöhen. So gaben weit weniger Personen in der trainierten Probandengruppe in einem langjährigen Untersuchungszeitraum ihren Führerschein ab und litten deutlich seltener unter Depressionen als ungeübte Senioren.

Ihr Fazit: Wer geistig fit bleiben wolle, solle sich am besten auf Gehirnjoggings konzentrieren, deren Wirkung durch Studien eindeutig belegt ist.

 

Krafttraining

Eine weitere Studie an der Centro Oeste Universität in Brasilien, an der insgesamt 29 ältere Frauen zwischen 60 und 70 Jahren teilnahmen, konnte nachweisen, dass regelmäßiges Krafttraining bei älteren Frauen nicht nur zu einer Erhöhung des Gleichgewichts, der Flexibilität und Steigerung der Körperkraft führte. Auch konnte nach den Trainingseinheiten eine signifikante Erhöhung der kognitiven Leistungsfähigkeit festgestellt werden.

Dabei beteiligte sich eine erste Gruppe von acht Frauen nicht an dem dreimonatigen Training, das eine zweite Gruppe durchführte. Das Training sah drei Trainingseinheiten pro Woche mit einer Kraftmuskelbeanspruchung der großen Muskelgruppen vor, mit Pausenzeiten von jeweils einer Minute zwischen den einzelnen Übungen.

Zur Auswertung der Gehirnleistung mussten sich die Teilnehmer jeweils zu Beginn und nach Abschluss der Studie einem kognitiven Leistungstest, dem sogenannten Montreal-Cognitive-Assessment (MoCA)-Test unterziehen. Er war als ein schnell durchzuführendes Screening-Instrument für leichte kognitive Einbußen konzipiert worden und bewertet unterschiedliche kognitive Bereiche:

·      Aufmerksamkeit

·      Konzentration

·      Exekutivfunktionen

·      Gedächtnis

·      Sprache

·      konzeptuelles Denken

·      Rechnen und Orientierung.

 

Die Auswertung der beiden Tests ergab unter anderem eine Leistungszunahme der geistigen Allroundfähigkeiten um circa 19 Prozent.

 

Der Mix macht‘s

Dass sich das Gedächtnis auch im Alter erfolgreich trainieren lässt und kognitives Training das Gehirn gegenüber Abbauprozessen stabil macht, bestätigt auch Demenz- Experte Dr. Martin Haupt, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und Gerontopsychotherapie. Um die grauen Zellen auf Trab zu bringen setzt er jedoch entgegen gängiger Ansicht der Befürworter von kommerziellen Gehirnjogging-Programmen und -Apps auf eine Kombination aus körperlicher Bewegung und wechselnden Gedächtnisübungen. Ziel ist eine Vermeidung von Routine.

 

Seiner Ansicht nach liegt das Hauptmanko vieler Jogging-Programm darin, dass nur bestimmte kognitive Teilbereiche durch Training stimuliert werden. Leistungserfolge im Perfektionieren bestimmter Hirnleistungen seien zwar möglich, jedoch weit weg von alltäglichem Mix aus Anforderungen, die besonders für Senioren belastend sein können.

Denkabläufe zu automatisieren wie etwa beim Kreuzworträtsel-Lösen trage nichts zum Gedächtnistraining bei, vielmehr müssten einseitige Denkroutinen zu Gunsten komplexer Prozesse vermieden werden, wie sie etwa durch beständiges Informieren über neue, noch nicht bekannte Sachverhalte, Vertiefung und Nachlesen von neuem Wissen sowie regen Austausch mit Mitmenschen gegeben sind. Auch tägliches, mindestens 20-minütiges intensives Vertiefen in eine bekannte Thematik kann bereits nach zwei bis drei Monaten erste sichtbare Erfolge zeitigen.

 

Experten empfehlen etwa, im Ruhestand beständig neugierig zu bleiben, Unternehmungen zu planen und zu organisieren oder eine neue Sprache zu lernen. Parallel dazu dient tägliche Bewegung etwa in Form ausgedehnter Spaziergänge oder Gymnastikübungen dazu, die Sauerstoffversorgung für einen funktionierenden Gehirnstoffwechsel zu optimieren.

 

 

Foto: (c) wowomnom / fotolia.com

Redaktion, 28.02.2017

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