Weniger ist mehr – Warum Ausmisten der Seele gut tut

Weniger ist mehr – Warum Ausmisten der Seele gut tut

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Die meisten Menschen haben gelegentlich das Bedürfnis, etwas Ballast abwerfen zu wollen, die einen im übertragenen, die anderen im ganz konkreten Sinn. Die Ursachen dafür können sehr unterschiedlich sein. Häufig platzt die Wohnung aus allen Nähten, Gewünschtes lässt sich auch nach ausgiebigem Suchen nicht finden, und für Neues findet sich kein passendes Plätzchen mehr.

Auch ein anstehender Umzug, verbunden mit einem neuen Lebensabschnitt, kann Auslöser für den Wunsch nach mehr freier Fläche sein. Möglicherweise bieten die neuen Räumlichkeiten deutlich weniger Quadratmeter und haben eine entsprechend reduzierte Stellfläche für Möbel und Gegenstände. Häufig besteht auch einfach nur die Hoffnung, einige Dinge aus der Vergangenheit loszuwerden oder Ordnung ins persönliche Leben und die zugehörigen vier Wände zu bringen.

 

 

Klärung der eigenen Bedürfnisse

 

Wer schon einmal bei sich zu Hause gründlich und umfangreich ausgemistet oder entrümpelt hat, kennt die befreienden und entlastenden Gefühle, die damit verbunden sind. Es entstehen Leichtigkeit und auch Zeiträume, die mit Freunden und Freizeitgestaltung verbracht werden können, anstatt mit einer unaufgeräumten, übervollen Wohnung. 

Seit Langem gibt es zahlreiche Fans des sogenannten Minimalismus, die ihr Leben gerne nachhaltiger und mit weniger Ballast gestalten möchten. In der Regel sammeln sich über die Jahre hinweg große Mengen an Besitztümern an, von denen jedoch nur ein Bruchteil genutzt wird. Es gibt meist übervolle Kleider- und Wohnzimmerschränke, Mitgebrachtes aus zahlreichen Urlauben, eine Menge Musik und Literatur in den Regalen, die kaum je genutzt werden und im Wesentlichen als Staubfänger dienen. 

Wer sich trennen möchte von durchaus auch lieb gewonnenen Gegenständen tut gut daran, sich in Ruhe über die eigenen Motive klar zu werden. Was soll mit dem Ausmisten erreicht werden? Ist es Konsumverzicht, Befreiung von altem Gerümpel oder Entlastung von Dingen aus Zeiten, die mit unangenehmen Erinnerungen verbunden sind? Wenn die Gründe für den Wunsch nach Reduktion klar sind, werden häufig die nächsten Schritte deutlicher. Das Ausmisten kann auch damit verbunden sein, sich auf ein neues und freieres Leben zu freuen mit weniger Ballast und mehr Möglichkeiten, Neues zu entdecken und persönliche Freiräume zu entwickeln.

 

 

Praktische Tipps zur Umsetzung

 

Wenn Klarheit über die individuellen Ziele besteht, die mit dem Ausmisten verbunden werden, gilt es, eine Strategie zu entwickeln. Nur wenigen Menschen gelingt es, ohne Umschweife durch ihre Räume zu gehen und sämtliche nicht mehr benötigten Gegenstände zusammenzutragen. Vielfach hat sich das Kisten-Modell bewährt. Dabei werden zwei große Boxen oder Umzugskartons benötigt, die beim Ausmisten behilflich sind. In die erste Kiste kommen alle Dinge hinein, die klar und problemlos verzichtbar sind und nicht mehr benötigt werden. Sie können wahlweise entsorgt, verschenkt oder verkauft werden. Die zweite Kiste ist für die Gegenstände, die eigentlich nicht mehr gebraucht werden, aber aus emotionalen oder sonstigen Gründen noch nicht weggegeben werden können. Sie werden im Keller oder außerhalb der Wohnung deponiert. Wenn aus der Kiste binnen eines Jahres nichts vermisst wurde, kommt auch sie final weg. 

Je nach dem, wie viel es auszumisten gilt, kann das Kistenprinzip zimmerweise oder selbst schrankweise angewandt werden. Manchen fällt es leichter, einen Bereich nach dem anderen anzugehen und dazwischen einige Tage Pause verstreichen zu lassen. Es gibt keine Richtlinien oder Vorgaben für eine sinnvolle Geschwindigkeit.

 

 

Unterstützung durch einen Aufräum-Coach

 

Nicht alle Menschen sehen sich in der Lage, das gewünschte Ausmisten allein zu bewältigen. Viele holen sich einen guten Freund oder Verwandte zur emotionalen oder praktischen Unterstützung ins Boot. Wer das nicht möchte, ist möglicherweise mit einem sogenannten Aufräum-Coach gut beraten. Er assistiert beim Klarwerden über den anstehenden Prozess des Ausmistens und hilft beim Strukturieren und Präzisieren von Gedanken und Handlungen. Wer kein Land in Sicht sieht und sich überfordert fühlt von der Vorstellung, persönliche Dinge auszumisten, kann im Gespräch mit einem Aufräum-Coach die eigenen Vorstellungen reflektieren. Es geht hierbei vor allem um das Umsetzen von praktischen Tipps und systematischen Abläufen, die das spätere "dran Bleiben" erleichtern und sichtbare ermutigende Resultate ermöglichen. Auch Hilfestellungen bei der Neugestaltung des Platzes können Teil der Beratung sein.

 

 

Foto: © Vadim Andrushchenko/fotolia.de

Redaktion , 04.01.2018

avalon2
0 | 11.01.2018, 14:04

ohne Außenstehende geht es aber nicht. Es würde Jahre dauern und "nie nicht weniger werden". Wahre Freundschaften halten das aus. Ich schreibe aus Erfahrung und mach mich frisch ans Werk.

Ragwurz
1 | 05.01.2018, 06:18

Nie nicht würde ich einem Freund/einer Freundin beim ausmisten helfen. Denn 100ig kommt nach gewisser Zeit der Vorwurf "Mir fehlt (dies oder das), Du hast gesagt, ich soll es wegwerfen".