Klammern vs. Freiheitsliebe - Wie viel Nähe verträgt eine Beziehung?

Klammern vs. Freiheitsliebe - Wie viel Nähe verträgt eine Beziehung?

4 | 6841 Aufrufe

Wie viel Distanz oder Nähe ist in einer Beziehung „normal“? Kann man das überhaupt pauschal sagen? Wie viel Nähe ist richtig, wie viel Freiheit das ideale Maß? Grundsätzlich lautet die Antwort: So viel beide Partner brauchen! Es kann also individuell völlig unterschiedlich sein. Kurz gesagt, solange beide sich in der Beziehung wohl fühlen, ist alles in bester Ordnung. Doch was ist zu tun, wenn sich die Bedürfnisse unterscheiden?

 

 

Nähe nicht mit Verlustangst verwechseln

 

Manchmal verwechselt ein Partner in der Beziehung seine Verlustangst mit dem größtmöglichen Liebesbeweis. Zu Beginn einer Beziehung ist es sicherlich ganz normal, dass man unzertrennlich ist und am liebsten möglichst viel gemeinsam unternimmt. Doch Bedürfnisse nach Nähe und Freiheit ändern sich im Laufe einer Partnerschaft. Daher muss man auch in der Lage sein, dem Partner Luft zum Atmen zu lassen, eigenen Interessen nachzugehen und auch unabhängig vom Partner glücklich sein zu können. Denn Klammern führt über kurz oder lang immer zu Beziehungsproblemen.

 

Wenn man nun selbst feststellt oder sogar vom Partner darauf hingewiesen wird, dass man ihn beinahe mit dem eigenen Bedürfnis nach Nähe erdrückt, kann man dann aus dieser Spirale auch wieder herauskommen? Auf jeden Fall! Der Schlüssel ist Kommunikation. In gemeinsamen Gesprächen kann eine Lösung erarbeitet werden. Natürlich soll man dem gesunden Bedürfnis nach Nähe auch zukünftig nachgeben. Dem „Klammeräffchen“ in der Beziehung kann es allerdings wirklich helfen, sich wieder mehr für andere Personen, beispielsweise aus dem Freundeskreis, ganz neue Dinge oder auch ein vernachlässigtes Hobby zu öffnen. Dies verändert oft sehr den Blickwinkel und hilft dabei, sich nicht zu stark auf den Partner zu fokussieren.

 

Die Angst davor, Nähe zuzulassen

 

Natürlich gibt es auch das krasse Gegenteil: die Angst davor, zu viel Nähe zuzulassen und eine daraus resultierende sehr ausgeprägte Freiheitsliebe. Auch hier ist es wieder ratsam, die Kommunikation mit dem Partner nicht zu vernachlässigen. Es empfiehlt sich, in einer ruhigen Atmosphäre abzustecken, welche Freiheiten der betreffende Partner wirklich braucht. Außerdem sollte man die Gründe besprechen, warum das Zulassen von Nähe ein Problem darstellt. Wenn man sich gemeinsam Zeit einräumt und an der Beziehung arbeitet, kann ein Prozess entstehen, der wirklich zusammenschweißt. Wenn beide Beteiligten keine 180-Grad-Wende des jeweils anderen erwarten, hat die Beziehung die Chance zu wachsen. Man lernt Step-by-Step, sich miteinander wohlzufühlen und macht damit Nähe zu einem ganz neuen gemeinsamen und wunderbaren Erlebnis.

 

Ein Wort zur Vorsicht: In beiden Fällen gilt, wenn man gemeinsam feststellt, dass ein psychologisches Problem - wie beispielsweise Erlebnisse in der Kindheit - zugrunde liegen, dann sollte man es in Erwägung ziehen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

 

Ganz grundsätzlich ist es empfehlenswert, an den Partner nicht mit zu hohen Erwartungen heranzutreten. Das beugt Enttäuschungen vor. Nähe und Distanz finden vor allem dann in eine Balance, wenn man gegenseitig versucht sich zu verstehen. Oft sendet der Partner auch nonverbale Signale, auf die man achten kann. Eine weitere mögliche Hilfe ist es, sich in bestimmten Situationen in die Perspektive des anderen hinein zu versetzen.

 

Außerdem sollte der Partner mit dem „Problem“ niemals in die Rolle des Unterlegenen rutschen. Beide Parteien müssen lernen, akzeptieren zu können. Es mag vorkommen, dass man in einer Partnerschaft die Sorgen, Nöte oder Bedürfnisse in manchen Situationen unterschiedlich bewertet. Solange es um keine elementaren Angelegenheiten geht, macht man sich das Zusammenleben leichter, wenn man Dinge in gewissen Situationen einfach „stehen lässt“. Ein wichtiger Grundsatz hierbei ist: Als Erwachsener kann man zeitweise Nähe oder Distanz auch mal aushalten - ohne, dass deswegen gleich die Beziehung zerbricht. Hierbei spielt eine Rolle, Dinge nicht zu eng zu sehen. Die Zauberworte lauten Akzeptanz und Toleranz. Außerdem beinhaltet das Erfolgsrezept auf dem Weg zur Findung der ganz persönlichen „richtigen“ Dosis Nähe oder Freiheit, Extreme in beide Richtungen zu vermeiden.

 

 

Foto: © pressmaster/fotolia.de

 

Redaktion, 10.08.2016

arsfortuna
2 | 10.08.2016, 23:25

Ein aufschlussreicher Beitrag und Service. Merci.