Weniger ist mehr: Minimalismus als Lebensstil

Weniger ist mehr: Minimalismus als Lebensstil

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Sich von Überflüssigem befreien, dem eigenen Leben mehr Raum geben, Ballast abwerfen und bemerken, dass es für ein gutes Leben nicht immer nötig ist, möglichst viele Dinge anzuhäufen, das, aber auch noch viel mehr bedeutet Minimalismus als Lebensstil der Zukunft. Weniger ist mehr und das in allen Lebensbereichen kann gerade in der heutigen Zeit des Konsumzwangs und des scheinbar grenzenlosen wirtschaftlichen Wachstums ein ganz bewusst gewählter Lebensstil sein. Es ist auch nie zu spät, ein Minimalist zu werden. Viele Menschen erkennen auch erst in der zweiten Lebenshälfte, dass mindestens 99 % der Dinge, mit denen sich ein Mensch umgibt, für ein glückliches Leben überhaupt nicht notwendig sind. Es fällt uns Menschen naturgemäß schwer, uns von Dingen zu trennen, das gilt ganz besonders für materielle Dinge, die vielleicht im Laufe eines Lebens angehäuft wurden. Doch es spricht eine deutliche Sprache, dass Menschen, vormals unglücklich, sich dann von dem ganzen Ballast entledigt haben und fortan angeben, endlich ein glückliches, wenn auch dann eher bescheidenes Leben zu führen. Wer sich in seinem Leben mit weniger nutzlosem Krempel umgibt, hat einfach viel mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge.

 

 

Durch Minimalismus sich ganz bewusst dem Diktat der Konsumgesellschaft entziehen

 

Oftmals werden einem diese fundamentalen Dinge auch erst dann bewusst, wenn das eigene Leben gründlich entrümpelt wurde. Außerdem machen viele Menschen Laufe des Lebens die Erfahrung, dass immer mehr anzuhäufen eben nicht der Weg zu mehr Glück ist. Sich Wünsche zu erfüllen mag für einen Moment in Hochstimmung versetzen, doch dieses Glücksgefühl ist vergänglich und hält nicht lange an. Selbst Menschen, die einen hohen Lottogewinn erzielt haben berichten immer wieder davon, dass das Glück nicht von Dauer war. Minimalisten lassen sich auch nicht länger von der Dauerbeschallung durch Werbung blenden, die uns stets suggeriert, erst wenn wir dieses oder jenes unser Eigen nennen, könnten wir glücklich sein. Minimalismus versteht sich also von Grund auf als Gegenbewegung zur ausufernden Konsumwelt und beschränkt sich darauf, wirklich nur das zu besitzen, was tatsächlich gebraucht und von Herzen geliebt wird. Das kann natürlich für jeden Menschen etwas Unterschiedliches bedeuten, die Grundzüge des Minimalismus sind aber dabei stets die gleichen. Es geht letztendlich einfach nur darum, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und den ganzen überflüssigen Ballast ganz bewusst wegzulassen. Wer das schafft, realisiert, dass wirkliches Glück bisher im Leben weitgehend gefehlt hat und findet Erfüllung fortan in den kleinen Dingen des Alltags.

 

 

Minimalismus befreit von Ballast und lässt auch die Seele atmen

 

Mahatma Gandhi hat einmal den berühmten Satz geprägt, dass die Welt für jedermanns Bedürfnisse genug zur Verfügung hat, jedoch nicht dafür, jedermanns unersättliche Gier befriedigen zu können. Genau darum geht es und deshalb kann auch Mahatma Gandhi als erster Minimalist der Neuzeit bezeichnet werden. Minimalistische Strömungen gab es jedoch bereits zu allen Zeiten, doch gerade heute in der Gegenwart mit ihrem maßlosen Konsum und der Ausbeutung von Umwelt und Natur wird minimalistisches Leben quasi zur Existenzfrage für den ganzen Planeten. Es bleibt deshalb zu hoffen, dass sich noch möglichst viele Menschen auf ihre inneren Quellen besinnen und das Glück nicht nur im Außen suchen. Minimalismus als Lebensstil bietet dafür die idealen Rahmenbedingungen. Minimalismus ist also viel mehr als bloß ein Trend und auch in der zweiten Lebenshälfte kann Minimalismus gut gelingen. Dazu sind auch gar keine radikalen Schritte erforderlich, sondern zunächst eine einfache Erkenntnis. Nämlich die, dass Dinge grundsätzlich nicht glücklich machen und das wir in der Regel viel mehr Sachen und Dinge angehäuft haben, als wir wirklich für ein glückliches Leben benötigen. Wer bisher sein Glück überwiegend aus Shoppingtrips oder den neuesten Automodellen gezogen hat, sollte sein Leben natürlich nicht radikal minimalistisch umstellen, sondern mit kleinen Schritten voranschreiten. Doch die Erfahrung zeigt, mit jedem abgeworfenen Ballast wird es leichter. Es gilt beherzt zu handeln, denn dabei kommt die Erkenntnis, nicht selten muss dabei jemand über seinen eigenen Schatten springen und sich von lieb gewonnenen, aber dennoch unnützen Krempel trennen.

 

 

Minimalismus vollzieht sich durch alle Lebensbereiche

 

Einfach mal die Schubladen ausräumen, sich jeden Gegenstand anschauen und dann entscheiden was davon wirklich gebraucht werden kann und glücklich macht oder nicht. Über 90 % dieser Dinge landen dann regelmäßig im Müll. Ein durchschnittlicher Bürger besitzt heute etwa 10.000 Dinge, ein wirklich ernst gemeinter minimalistischer Lebensstil sollte das Ziel verfolgen, letztendlich nicht mehr als etwa 100 Dinge besitzen zu wollen, die tatsächlich notwendig und unabdingbar sind. Wer es also ernst meint, sich von überflüssigem Krempel zu befreien, erlebt auch oft, dass sich die eigene Seele wie befreit anfühlt, ein großer Sprung auf dem Weg zu mehr Lebensglück und persönlicher Zufriedenheit. Der Konsum als Antrieb entfällt und wer weniger kauft gibt natürlich auch weniger aus. Auch finanzieller Minimalismus gehört zu diesem ganzheitlichen Lebensstil unabdingbar mit dazu. Verschlanken, vereinfachen, einfach sehr bewusst leben und sich ab jetzt anstatt über Dinge beispielsweise über einen Schmetterling auf der Wiese, einen Sonnenuntergang am Wasser oder ein tolles Gespräch mit Freunden freuen, das und noch so viel mehr bedeutet glücklich leben als Minimalist.

 

 

Photo: © ikostudio / stock.adobe.com

Redaktion, 02.12.2021

schussel44
1 | 05.12.2021, 16:44

Der Inhalt des Artikels wurde mir im Laufe meines Lebens immer klarer.
Ich bin mir sicher, dass es auch Anderen so geht, und, dass die Entwicklung und das Leben auf unserem Planeten es erfordert - auch, wenn Vieles, was uns das Leben erleichtert, wohl bleiben sollte, vielleicht nur besser genutzt werden muss....