Der Teufel in meinem Kopf: Wenn die Verlustangst zur unüberwindbaren Mauer wird

Der Teufel in meinem Kopf: Wenn die Verlustangst zur unüberwindbaren Mauer wird

5 | 1584 Aufrufe

Verlustangst dürfte ein Phänomen sein, das jedem bekannt ist: Die Wahrnehmung selbiger erfolgt jedoch bei jedem individuell und zeigt sich in verschiedenen Facetten und Färbungen. Damit verbundene Ängste reichen von der Angst den Job zu verlieren, über die Angst ein geliebtes Familienmitglied zu verlieren, finanzielle Ängste oder eben der Verlust des Partners.

 

 

Woher kommt die Verlustangst

 

Das Menschen Angst haben gehört zu ihren Urinstinkten: Angst kann uns in gefährlichen Situationen das Leben retten. Es gibt jedoch Ängste, die über das normale Maß hinausreichen, uns das Leben all zu oft schwer machen, uns in unserer Handlungsfreiheit einschränken und einen hohen Leidensdruck bei den Betroffenen hervorrufen. Vor allem traumatisierende Erlebnisse aus der Vergangenheit begünstigen die Entstehung ebendieser Ängste. 

Als Auslöser gelten hierbei insbesondere frühe Erlebnisse in der Kindheit: Die Trennung der Eltern, der Tod eines Elternteils oder die Vernachlässigung des Kindes durch die Eltern. Neben den benannten Auslösern gibt es weitere Gründe, die Verlustängste bedingen. Hier sind vor allem ein sehr gering ausgeprägtes Selbstwertgefühl, der Betrug eines Partners, aber auch übermäßig ängstliche Eltern zu nennen. Problematisch: Häufig bleiben diese Verlustängste dann bis ins hohe Erwachsenenalter bestehen und üben übermäßigen Einfluss auf unser Handeln aus, insbesondere dann wenn der jeweilige Verlust keine Aufarbeitung erfahren hat und verarbeitet werden konnte. In der Konsequenz kann das häufig dazu führen, dass die Gedanken dauerhaft kreisen, obwohl die durchdachten Ängste völlig irrational sind.

 

 

Welche Symptome können auftreten

 

Wenn das Gedankenkarusell erst einmal in Gang geraten ist, ist es schwer selbiges aufzuhalten. Die Überlegungen werden häufig zunehmend unlogischer und ergeben bei genauerem Hinsehen keinen Sinn. Die Angst ist jedoch allgegenwärtig. Der Betroffene fühlt sich häufig in ständiger Alarmbereitschaft und vermutet hinter jeder Möglichkeit einen sich ankündigenden Verlust. Die Angst wird zur existenziellen Bedrohung. Symptomatisch kann diese Angst ganz unterschiedliche Ausprägungen annehmen: Depressionen, Kontrollzwänge, Bindungsangst, körperliche Symptome, wie Schwitzen, erhöhter Herzschlag, Muskelverspannungen, Panikattacken, Schlaf- und/oder Essstörungen und Magenverstimmungen können die Folge sein.

 

 

Wie äussert sich Verlustangst in Beziehungen

 

In Beziehungen kann sich Verlustangst auch anders äußern: ein ungesundes Verhältnis von Nähe und Distanz (zurückzuführen auf die vorhandenen Bindungsängste), übermäßige Kontrolle, Bedürfnis nach Bestätigung, Klammern und ein irrationales Misstrauen dem Partner gegenüber, sowie eine extrem ausgeprägte Trennungsangst sind typische 

Häufig haben Betroffene große Angst Bindungen einzugehen, aus Angst ihre schlimmsten Befürchtungen könnten sich erfüllen. Aus dieser Angst heraus begegnen Menschen mit Bindungs- und Verlustängsten ihren Partnern häufig mit einem gewissen emotionalen Abstand - aus Angst vor einer Enttäuschung.

 

 

Umgang mit Verlustangst in Beziehungen

 

Gerade in Beziehungen lässt sich diese Art der Angst nicht ignorieren. Daher ist es wichtig sich des Problems anzunehmen und nach Hilfe zu suchen. Die gute Nachricht: Wir können lernen mit unserer Verlustangst zu leben und damit umzugehen sofern wir sie erst einmal erkannt haben. Im Anschluss gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die individuell Hilfe bieten können.

Grundsätzlich liegt daher der erste Schritt darin sich bewusst zu machen, dass die im Gedankenkarusell existierenden Ängste auf ihre Rationalität hin überprüft werden müssen. Ein Gespräch mit dem Partner oder der Familie über die vorhandenen können helfen innere Denkweise auf ihren realen Gehalt hin zu überprüfen. Für die Partnerschaft ist es dann in einem weiteren Schritt wichtig, über die Verlustangst zu sprechen, Gedankengänge zu erläutern und gegebenenfalls Ängste gemeinsam auszuräumen - dies hilft nicht nur den Betroffenen, sondern auch dem jeweiligen Partner, der so die Möglichkeit hat gewisse Denkweisen besser zu verstehen und in den jeweiligen Situationen zu bewerten. Dieser Schritt schafft Sicherheit und kann zu einer ersten Beruhigung der vorhandenen Gedankengänge führen.

Als nächstes ist es wichtig zu ergründen, wo die Ursache der bestehenden Angst liegt. Auch hier ist es unabdingbar mit sich mit der vermuteten Ursache auseinanderzusetzen und sich bewusst zu machen, dass die Ereignisse in der Vergangenheit liegen und sich nicht zwangsläufig wiederholen müssen. Eine klare Abtrennung der Vergangenheit von der Gegenwart ist für das Eintreten einer Besserung unerlässlich. 

Des Weiteren kann es für Betroffene hilfreich sein, die vorhandenen Gedanken in einer Art Tagebuch aufzuschreiben, um sich davon zu befreien. Außerdem führt dieser Vorgang dazu das innere Geschehen im eigenen Körper und Geist besser zu verstehen. 

Ein weiterer wichtiger Step, um Verlustängste loszuwerden ist sicherlich der Versuch die Gedanken weg von negativ behafteten Schwingungen auf positive Gedanken umzuleiten. Hier empfehlen Therapeuten beispielsweise täglich drei Dinge aufzuschreiben, für die man dankbar ist, um sich auch das Schöne im alltäglichen besser bewusst zu machen und sich konkret damit auseinanderzusetzen. Vielen Betroffenen hilft es zudem ihre Gedanken mit Hilfe von Meditationen und Achtsamkeitstraining zu kontrollieren. Dies unterstützt den Stressabbau und verbessert den Umgang mit dem eigenen Selbst. Viele negative Gedanken lassen sich auf diese Weise bereits aus dem Kopf verbannen. 

Sofern gewünscht gibt es darüber hinaus natürlich die Möglichkeit die eigenen Verlustängste mit Hilfe einer professionellen Psychotherapie aufzuarbeiten und dauerhaft zu beseitigen.

 

 

Fazit

 

Wichtig ist dass Betroffene den Mut nicht verlieren und niemals vergessen, dass Verlustängste überwunden werden können. Es bedarf einfach nur einem gesunden Maß an Geduld und dem Willen altbekannte Denkmuster aufzubrechen und dem Gedankenkarusell endlich ein Ende zu bereiten.

Redaktion, 30.09.2021

Dieser Artikel hat zur Zeit noch keine Kommentare.