Wichtiges Wasser – Wo Sparen wirklich Sinn macht

Wichtiges Wasser – Wo Sparen wirklich Sinn macht

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Wasser gilt als Basis für alles Leben auf der Erde. Für den Menschen ist der Zugang zu sauberem Wasser lebensnotwendig. Wie wichtig es ist, unser Trinkwasser in Menge und Qualität zu erhalten, ist sicherlich jedem klar. Aber macht Wassersparen Sinn in einem Land, in dem das Süßwasser im Überfluss existiert?

 

Wassersparen ist in Deutschland gelernt, verinnerlicht und wird in nahezu jedem Haushalt praktiziert. So kann das Umweltbundesamt vermelden, dass der Pro-Kopf–Wasserverbrauch in Deutschland seit 1991 kontinuierlich zurückgegangen ist. Waren es damals noch 144 Liter pro Kopf, so wurden 2014 nur noch 121 Liter Trinkwasser pro Kopf verbraucht. Doch, warum muss eigentlich gespart werden? Laut Umweltbundesamt werden nur 2,7 Prozent des in Deutschland verfügbaren Wasser-Angebotes als Trinkwasser genutzt. Es wäre also mehr als genug des lebensnotwendigen Nasses vorhanden.

 

Den direkten Wasserverbrauch in Deutschland zu reduzieren hilft wasserarmen Ländern nicht. Zudem schafft das Sparverhalten allgemein bekannte Probleme in der Kanalisation. So kann es in manchen Gegenden vorkommen, dass das Trinkwasser in den Leitungen nicht mehr ausreichend fließt. Dies kann die Wasserqualität beeinträchtigen. Auch in einigen Abwasserkanälen ist der Durchlauf zu gering, so dass sich Faulgase bilden. Üble Gerüche und Korrosion müssen mit Mitteln wie Klärgel bekämpft werden. Die überdimensionierten Rohre, die einst für einen wesentlich höheren Wasserverbrauch geplant und gebaut wurden, müssen immer wieder mit Trinkwasser gespült werden. Notwendige Gegenmaßnahmen sind teuer. Das schlägt sich in steigenden Wasserpreisen nieder. Ohnehin besteht der größere Teil der Haushaltskosten für Wasser aus einem fixen Anteil. Kosten reduzieren kann man beim Kaltwasser-Sparen also eher nicht. Die Gründe für den häufig zu geringen Wasserfluss innerhalb der Rohre liegen allerdings nicht allein im Sparverhalten der Deutschen, sondern auch in der demografischen Entwicklung und in der Verwaisung einiger Gegenden durch anhaltenden Wegzug. Dennoch zeigen diese Informationen, dass es wenig sinnvoll ist, beim Kaltwasser zu sparen. Der Umwelt zuliebe wäre es manchmal sogar besser, mehr Kaltwasser zu verbrauchen. Eine gut durchgespülte Toilettenschüssel hat zum Beispiel einen geringeren Putzmittelbedarf.

 

Durchaus Sinn macht es aber, den Warmwasserverbrauch zu reduzieren. Denn dies verringert auch die für die Erhitzung des Wassers notwendige Menge an Energie. Ein großer Teil des Warmwassers wird für die Körperpflege verbraucht. Mit Sparduschköpfen, Perlatoren oder Durchlaufbegrenzern lässt sich der Wasserstrahl so beeinflussen, dass weniger Wasser für ein gleich bleibend gutes Reinigungsergebnis benötigt wird.

Wird für die Warmwasserbereitung eine Zirkulationspumpe eingesetzt, kann deren Schaltung mittels Zeitschaltuhr individuell angepasst werden. So lässt sich der für die Pumpe notwendige Stromverbrauch reduzieren.

Auf dieWaschmaschinen-Vorwäsche kann in der Regel getrost verzichtet werden. Das ist Wasser- und Energie sparend und schont die Kleidung. Wer stark verschmutzte Wäsche mit Gall- oder Kernseife vorbehandelt, muss diese später in der Waschmaschine nicht länger und heißer waschen, damit sie sauber wird.

Werden elektrische Kleinspeicher verwendet, können diese auch mal ausgeschaltet werden, wenn niemand zu Hause ist. Die eingestellte Temperatur bei zentralen Warmwasseranlagen muss nicht höher als 60 Grad Celsius sein. Bei Durchlauferhitzern genügen sogar maximal 45 Grad.

 

Wer weiß, wie knapp das trinkbare Wasser in vielen anderen Ländern ist, verspürt vielleicht den Wunsch, auch hierzulande am Wasser zu sparen. Will man wirklich dabei helfen, in trockenen Ländern Süßwasser zu sparen, so ist dies indirekt über das eigene Kaufverhalten möglich. Für die Herstellung der von uns genutzten Güter und Nahrungsmittel wird Wasser in unterschiedlich hoher Menge verbraucht. Dieses für uns nicht sichtbare Wasser wird als „virtuelles Wasser“ bezeichnet. Bei der Berechnung des virtuellen Wasserverbrauchs wird der gesamte Herstellungsprozess betrachtet, zum Beispiel die Bewässerung der Felder, Trinkwasser und Futteranbau für Vieh, Reinigung von Ställen, Wasserverunreinigungen durch Gülle, etc. Deutschland ist im internationalen Vergleich der zweitgrößte Importeur virtuellen Wassers. Wird beim Wasserverbrauch das virtuelle Wasser mitgezählt, liegt dieser in Deutschland bei ca. 4.000-5.000 Liter pro Person und Tag! Begründet wird das durch den hohen Konsum an Industrieprodukten und Fleisch. Die UNESCO gibt an, dass zum Beispiel bei der Produktion eines Baumwoll-T-Shirts ca. 2.000 Liter Wasser verbraucht, für 1 kg Hühnereier ca. 4.500 Liter, für eine Jeans ca. 6.000 Liter, für 1 kg Rindfleisch über 15.000 Liter. Virtuelles Wasser sparen ließe sich demzufolge durch einen verringerten Fleischkonsum oder auch durch den vorwiegenden Kauf regionaler Produkte. Achtet man beispielsweise darauf, regionales Obst und Gemüse zu kaufen, lässt sich ausschließen, dass es sich um weitgereiste Nahrungsmittel aus einer wasserarmen Gegend handelt, die mit dem wenigen vorhandenen Wasser bewässert werden mussten. Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte, kauft regionale Bio-Produkte, deren Anbau durch Gründüngung zu einer besseren Wasserhaltefähigkeit der Böden und zum Sauberhalten des Grundwassers beiträgt.

Besonders bewässerungsintensiv ist der Baumwollanbau. In Indien, einem Hauptlieferant für die in Deutschland getragene Baumwolle werden für den Anbau von 1 kg Baumwolle mehr als 23.000 Liter Wasser eingesetzt. Hinzu kommen im konventionellen Anbau massiv eingesetzte Insektizide, die das Grundwasser verunreinigen. Umweltschonender ist fair gehandelte Bio-Baumwolle, weniger Wasser wird für den Anbau von Hanf und Leinen verwendet. Kleidung länger zu tragen, zu tauschen oder auch hochwertige Stücke secondhand zu kaufen, reduziert den virtuellen Wasserverbrauch enorm.

 

Betrachtet man also den Gesamtwasserverbrauch der Deutschen inklusive virtuellem Wasser, kann von Sparsamkeit keine Rede mehr sein. Wasser sparen macht auf jeden Fall Sinn, aber an den richtigen Stellen: Beim Warmwasser und vor allem beim virtuellen Wasserverbrauch.

 

 

 

Foto: © Romolo Tavani/fotolia.de

 

 

Quellen:

Redaktion, 07.07.2016

jacaranda03
1 | 07.07.2016, 20:25

Ich dachte, zur Zeit gibt's genug Wasser in Deutschland?