Sexuelle Gewalt: Worum handelt es sich & wie kann man heilen?

Sexuelle Gewalt: Worum handelt es sich & wie kann man heilen?

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Sexueller Missbrauch plagt unsere Gesellschaft bereits seit Anbeginn der Zeit. Kürzlich gemeldete Fälle von sexuellem Missbrauch durch berühmte Personen haben die Diskussion über Missbrauch und Traumata in den Vordergrund gerückt. Obwohl es nun offener diskutiert wird, sind sexuelle Belästigung und Übergriffe auch heute noch große Probleme, die viele Menschen an einem lang anhaltenden Trauma leiden lassen.

 

Sind Sie oder jemand, der Ihnen wichtig ist, Opfer von sexuellem Missbrauch? Obwohl die Vergangenheit nicht ausgelöscht werden kann, können Sie Schritte unternehmen, um Ihnen selbst und anderen bei der Heilung zu helfen. Indem Sie sich und anderen Fürsorge und Mitgefühl zeigen, können Sie die negativen Auswirkungen von sexuellen Traumata reduzieren.

 

Sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt: was sind die Unterschiede?

 

Die Definition von sexueller Belästigung und Nötigung und die Unterscheidung zwischen den beiden kann schwierig sein. Aus rechtlicher Sicht sind die Definitionen dieser Begriffe oft von Region zu Region unterschiedlich. Im Allgemeinen ist sexuelle Belästigung jedoch ein weit gefasster Begriff, definiert als unerwünschte sexuelle Annäherungen, die von sexuellen Witzen, Blicken und Gesten bis hin zu körperlichen Übergriffen reichen. Unerwünschte Kommentare sexueller Natur, die Darstellung sexuell eindeutiger Materialien oder Anfragen nach sexuellen Gefälligkeiten sind gängige Formen der sexuellen Belästigung. Belästigung kann manchmal schwer zu definieren sein. Unangemessene, anstößige Unterhaltungen am Arbeitsplatz könnten beispielsweise als Schaffung einer feindlichen Arbeitsumgebung angesehen werden. In solchen Fällen können manche Kommentare unter den Begriff der sexuellen Belästigung fallen.  

 

Sexuelle Gewalt neigt dazu, in drei Hauptformen aufzutreten: Exposition, Körperkontakt oder penetrative Verbrechen. Unerwünschte Exposition oder Kontakt mit den Genitalien, dem Gesäß, den Brüsten oder anderen intimen Teilen des Körpers gelten als Formen des sexuellen Übergriffs. Penetrative Verbrechen umfassen das Eindringen eines Körperteils in einen anderen Körperteil oder ein Objekt.

 

Sexuelle Belästigung und Übergriffe sind Straftaten, die ernst genommen werden sollten. Unerwünschter sexueller Kontakt in jeglicher Form hat das Potenzial, Opfer zu schädigen, was oft zu einem dauerhaften Trauma führt.

 

Es besteht eine gute Chance, dass Sie oder jemand, den Sie lieben, Opfer sexueller Belästigung oder Nötigung sind. Wenn ja, kann das Ergreifen von Maßnahmen, um mit der Heilung des Angriffs zu beginnen, dazu beitragen, die dauerhaften Auswirkungen eines Traumas zu reduzieren.

 

Heilung nach sexueller Belästigung und Nötigung

 

Die Heilung von sexuellem Missbrauch braucht Zeit. Wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, kürzlich angegriffen wurde, ist die Meldung der Straftat oft die beste Vorgehensweise. Wenn möglich, sollten diejenigen, die körperlich angegriffen wurden, ärztliche Hilfe suchen und rechtliche Schritte unternehmen, wie z.B. forensische Untersuchungen, Verwendung von Spurensicherungssets und Meldung der Straftat an die Polizei und andere zuständige Behörden.

 

Maßnahmen zur emotionalen Heilung von sexuellem Missbrauch sind jedoch vielleicht die wichtigste Art und Weise, wie Opfer nach einem Übergriff für sich selbst sorgen können. Die Opfer sollten sich erlauben, all ihre Gefühle ohne Scham zu spüren. Wut, Angst, Trauer und Taubheitsgefühl sind normale Emotionen nach einem Angriff. Opfer sollten sich jedoch nicht selbst die Schuld für das Geschehene geben. Stattdessen sollten diejenigen, die unter Missbrauch gelitten haben, sich selbst mit Mitgefühl behandeln.

 

Sich einem Therapeuten zu öffnen, der sich auf die Heilung von sexueller Belästigung und Nötigung spezialisiert hat, ist eine der besten Möglichkeiten, die komplexen Emotionen, die aus einem solchen Trauma resultieren, zu verarbeiten. Sich vertrauensvollen und einfühlsamen Freunden und Familienmitgliedern anzuvertrauen ist eine weitere ideale Möglichkeit, komplexe Emotionen zu verarbeiten und die Heilung zu fördern. Leider deuten Studien darauf hin, dass fast ein Drittel bis die Hälfte aller Opfer von Übergriffen über ihre Erfahrungen schweigen. Schweigen oder von anderen zum Schweigen gebracht zu werden, ist mit längerem Trauma und größerem emotionalem Leiden verbunden. Leider ist es nicht überraschend, dass die meisten Opfer das Ausmaß, in dem sie über ihre Erfahrungen sprechen, einschränken; Untersuchungen haben gezeigt, dass fast 80 % der Opfer von Missbrauch berichten, für das, was mit ihnen geschehen ist, verantwortlich gemacht zu werden.

 

Wenn sich Ihnen jemand, den Sie kennen, bezüglich sexueller Belästigung oder Nötigung anvertraut, versuchen Sie, einfühlsam und unterstützend zu reagieren. Geben Sie dieser Person nicht die Schuld für das, was passiert ist, und behandeln Sie sie von nun an nicht anders wegen dem, was Ihnen anvertraut wurde. Anstatt das Opfer zu bemitleiden, streben Sie einfach danach, mitfühlend und verständnisvoll zu sein. Ermutigen Sie es, Schritte zur Heilung zu unternehmen, aber erlauben Sie ihm, auf den Missbrauch in einer Weise zu reagieren, die für es angenehm ist. Versuchen Sie auch nicht, den Heilungsprozess zu beschleunigen, indem Sie die Situation unter den Teppich kehren. Zuhören und anbieten, in jeglicher Weise zu helfen, wird zeigen, dass Sie sich wirklich sorgen.

 

Diejenigen, die unter Belästigung oder Angriffen gelitten haben, können auch ihre Gefühle selbst verarbeiten wollen. Es gibt zum Beispiel eine Reihe von Büchern, die körperliche und geistige Übungen anbieten, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Eine Liste potenzieller Trigger sowie eine Liste sexueller Handlungen, die sicher und angenehm sind, können den Opfern auch helfen, sich zukünftigen Situationen mit weniger Angst und Schrecken zu stellen. Diejenigen, die unter Übergriffen gelitten haben, können auch daran arbeiten, ihre persönlichen Grenzen zu stärken und sich erlauben, "Nein" zu sagen, wenn sie sich sowohl im beruflichen als auch im persönlichen Kontext unwohl fühlen. Die Festlegung fester Grenzen mit anderen kann das Selbstvertrauen der Opfer und das Gefühl der persönlichen Sicherheit wiederherstellen.

 

Heilung sollte auch das Wohlbefinden beinhalten. Die Ausübung der Selbstfürsorge ist zum Beispiel eine gute Möglichkeit, Mitgefühl mit dem Selbst zu zeigen. Ein Lieblingshobby zu betreiben, zu trainieren oder einfach nur einen lustigen Film zu sehen, sind alles einfache Möglichkeiten, wie man sich entspannen und seinen Wert als facettenreicher Mensch bestätigen kann. Auch wenn es einige Zeit dauern mag, sollten diejenigen, die unter Übergriffen gelitten haben, sich ermutigen, auch dem körperlichen Vergnügen wieder nachzugehen. Der freundliche Umgang mit dem Körper und die Suche nach Vergnügen durch Einzel- oder Partnersex sind ausgezeichnete Möglichkeiten, sich wieder mit den Freuden eines gesunden Sexualkontakts vertraut zu machen.

 

Im Idealfall sollte die Heilung von sexuellen Traumata die Verarbeitung komplexer Gefühle sowohl allein als auch mit anderen beinhalten. Das Vertrauen in einen Profi und andere mitfühlende Menschen im Leben ist besser, als zu versuchen, das Trauma allein zu verarbeiten. Auch wenn es schwierig sein mag, ist die Suche nach Hilfe oft der beste Weg, um den Heilungsprozess zu beginnen. Durch Selbstfürsorge und die Unterstützung anderer können die nachteiligen Auswirkungen von Übergriffen letztendlich minimiert werden, was zu einer besseren Zukunft führt.

 

Das Fazit:

 

Die Heilung von sexuellem Missbrauch ist fast immer eine Herausforderung. Man kann alle "richtigen" Dinge tun und trotzdem Triggersituationen und Rückschläge erleben. Sexuelles Trauma ist nicht etwas, das man einfach vergisst. Selbst diejenigen, die ihr Trauma gründlich verarbeitet haben, können triggernde Momente für den Rest ihres Lebens erleben. Diejenigen, die unter Belästigung oder Übergriffen gelitten haben, sollten sich jedoch daran erinnern, dass sie keine "kaputten" Personen sind. Egal, was Sie erlebt haben, Sie sind ein kompletter Mensch, der ein großartiges Leben voller glücklicher Erfahrungen verdient. Indem Sie sich selbst liebevoll behandeln und sich mit Personen umgeben, die Sie unterstützen und Ihren Sinn für Selbstwert bestätigen, können Sie letztendlich heilen.

 

 

Foto: © frank schrader / fotolia.com

Redaktion, 22.11.2018

agapos
0 | 23.11.2018, 22:37

Oft können Opfer erst nach vielen, vielen Jahren über die sex. Übergriffe, den Missbrauch, Gewalt sprechen, die sie als Kind erfahren mussten. Täter sind häufig in häuslicher Umgebung zu finden. Hier benötigen Erzieher, Richter, Lehrer, Nachbarn, Polizei, Sozialarbeiter, Pädagogen dringend Unterstützung und Vernetzung, um diese Straftaten aufzudecken und zu ahnden.
Was macht die Kirche mit solchen Meldungen? Kirche vertuscht immer noch den sex. Missbrauch und versetzt den Kirchenmann in einen anderen Ort - und dort macht er dann einige Jahre lang so weiter. Dem Papst wurden erst kürzlich die Namen einiger Missbraucher genannt.

wilma55
1 | 23.11.2018, 21:43

Dieses Thema ist in der heutigen Gesellschaft sehr schwer zu interpretieren. Es gibt auf beiden Seiten Opfer und Täter. Ich kann Frauen nicht verstehen, die mit auf ein Zimmer gehen, jahrelang davon profitiert haben und nun Opfer sind. Ich habe jahrelang mit Männern zusammen gearbeitet. Manch einer hat es versucht, doch ich habe von Anfang an gezeigt mit mir nicht. Das hat sich ausgezahlt. Ich habe aber auch die gleichen Leistungen gebracht und wollte nicht wie eine Frau behandelt werden. Das hat mir Achtung der Männer eingebracht. Ich finde Frauen und Männer gut, die ihre Täter gleich anzeigen und sich Hilfe suchen egal wie schwer für sie es ist. Und Menschen wie wir, ob Frau oder Mann sollten wir merken, dass ein Opfer unter uns ist, macht ihm Mut sein Trauma positiv zu verarbeiten. (Auch Männer können Opfer sein nur über die spricht keiner.)Sie alle brauchen unsere Hilfe

lacrima
4 | 23.11.2018, 10:09

mal so nebenbei bemerkt, es sind nicht nur Frauen Opfer...…………

Frau hat meist noch den Vorteil sich in vielen Fällen sich Kummer von der Seele zu reden. Männer, die Gewalt erlebten, brauchen z.T. kleine Ewigkeiten bis diese Erlebnisse ans Tageslicht kommen.

Leider gibt es immer noch zahlreiche Menschen, die dem Opfer eine Mitschuld geben, ein "könnte mir niemals geschehen" reicht da schon. Nein, wenn es dumm läuft kann ein jedes Ungemach einen jeden Menschen treffen...……..

regina47
4 | 22.11.2018, 17:31

@ohewa,
das war wiedermal ein typischer Kommentar für einen Mann.
Natürlich gibt es immer auch so etwas wie bei Kachelmann, aber das ist Ausnahme, und nicht die Regel.

Luisa.
3 | 22.11.2018, 16:34

das ist mal wieder typisch, da wird von einem Mann der Täter war von Opfer gesprochen.
Das ist eben das Fatale an solchen Anschuldigungen, dass die Opfer es oft nicht beweisen können und dann Aussage gegen Aussage steht. Wie soll dann da ein Richter urteilen? Da bleibt leider oft nur der Urteilsspruch "an Mangel von Beweisen"
wie im z.B. im Fall K.
Deshalb werden die meisten sexuellen Übergriffe erst gar nicht zur Anzeige gebracht, weil die Frauen (Opfer) wissen, dass sie keine Chance haben.
Daß es jemand aus Rache zur Anzeige bringt mag vorkommen. Bleibt aber garantiert
eine Ausnahme.

Ohewa41
5 | 22.11.2018, 15:15

Die Angabe sexuell belästigt worden zu sein, kann auch ein gern genutztes Mittel sein, um Rache an einem Partner zu üben, der einen verlassen oder in anderer Art unbd Weise getroffden hat.
Prominentestes Opfer der letzten Jahre dürfte der Moderator Jörg Kachelmann gewesen sein.

Katze_Kruemel
3 | 22.11.2018, 14:18

Das Fazit ist oftmals so prägend, das die nächste Generation davon mitbekommen ist.
Man versucht zuverdrängen, zu vergessen. Aber in schwierigen Situationen, z. B. Die Pubertät der heranwachsenden Kinder, kann es passieren dass man etwas unbedachtes sagt und damit die Jugend beeinflusst.