Partnerschaft: "Ich bleibe nur wegen der Kinder"

Partnerschaft: "Ich bleibe nur wegen der Kinder"

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Die traurige Wahrheit ist, dass viele Ehen nicht ein Leben lang halten. Liebe ist nicht in allen Fällen unendlich. Partner können einen enttäuschen, Menschen können sich auseinanderleben. In solch einer Situation ist es für beide Parteien eigentlich besser, wenn sie nicht nur emotional, sondern auch tatsächlich getrennte Wege gehen. Doch wenn Kinder mit im Spiel sind, ist das oftmals gar nicht so einfach und man zwingt sich dazu, bei seinem Partner zu bleiben, selbst, wenn man sich am liebsten trennen würde.

 

 

Zum Wohl der Kinder

 

Am Anfang ist jede Beziehung glücklich, sonst würde man keine Ehe schließen. Man ist verliebt, vertraut dem Anderen, möchte seine komplette Zukunft nur noch mit diesem einen Menschen verbringen. Es folgen Hochzeit und Kinder, um das Glück perfekt zu machen. Doch der Mensch ist kein Wesen, das stillsteht. Menschen entwickeln sich ihr gesamtes Leben lang weiter. Emotional und intellektuell. Wünsche und Bedürfnisse ändern sich. Aus einem gemeinsamen Ziel können zwei unterschiedliche Ziele werden, Liebe kann schwinden. Und plötzlich befindet man sich nicht mehr in einer glücklichen Beziehung, sondern sieht diese als einen Käfig an, der einen einsperrt; als eine Last, derer man sich verpflichtet fühlt. Eigentlich würde man gerne gehen und noch einmal neu anfangen, doch verkraften die Kinder solch einen drastischen Wandel?

 

Es ist kein Ausnahmefall, dass Paare sich gerne trennen würden, doch ihre Ehe bloß der Kinder wegen aufrechterhalten. Gespräche mit dem Anderen informieren darüber, dass das "Wir" nicht nur auf einer Seite gerne wieder zu einem "Ich" gemacht werden würde. Bei solchen Gesprächen werden hilflose Blicke und Phrasen wie "Aber die Kinder" ausgetauscht. Man will die Kinder nicht strapazieren oder dazu drängen, sich für einen Elternteil zu entscheiden. Sie sollen sich nicht hin- und hergerissen fühlen. Jahrelang hat man sich den Kindern als eine Front präsentiert, als eine Einheit. Plötzlich soll das anders sein, was junge Menschen sehr verwirren kann.

 

 

Was nun?

 

Kinder sind sehr sensibel. Auch, wenn sie es nicht unbedingt zeigen oder verbal äußern, spüren sie, dass mit der Beziehung der Eltern etwas nicht stimmt. Sie hören Auseinandersetzungen und fühlen Spannungen und fehlende Zuneigung. Ihnen fällt auf, dass Mama und Papa traurig und verzweifelt sind, können allerdings nicht helfen, da sie selbst nicht der Auslöser sind. Soll man Kinder tatsächlich einer solchen Situation aussetzen?

 

Kinder wollen, dass ihre Eltern glücklich sind. Wenn man genau darüber nachdenkt, ist es also besser, wenn die Partner sich trennen. Natürlich nicht ganz plötzlich und unvorbereitet. Am besten ist es, wenn man die Kinder zu einem gemeinsamen Gespräch einlädt und ihnen erklärt, was los ist. Je nachdem, wie alt sie sind, sollte man seine Sprache und die Erklärungen selbstverständlich anpassen.

 

Während des Gesprächs sollte man zeigen, dass man nicht mehr in einer Beziehung sein möchte, als Eltern aber dennoch weiterhin eine Front bildet, auf die die Kinder sich verlassen können. Niemand muss sich hier für irgendjemanden entscheiden und der Umgang miteinander wird im besten Falle respektvoll bleiben.

 

Kleine Kinder tendieren dazu, dies besser und schneller zu verstehen als ältere. Teenager erfassen Situationen zwar im allgemeinen besser und umfassender, befinden sich jedoch in ihrer rebellischen Phase und könnten auch hier eine Gelegenheit sehen, um verbal wild um sich zu schlagen und ihren hormonell bedingten Gefühlsschwankungen freien Lauf zu lassen. Doch sie sind keine Monster, sondern Menschen und man kann, nachdem sie sich beruhigt haben, vernünftig mit ihnen reden und ihnen erklären, dass man gemeinsam einfach nicht mehr glücklich ist.

 

Nach dem ersten Schock werden die Kinder bemerken, dass die Eltern getrennt glücklicher sind und sich für sie selbst nicht viel verändert. Das Wohnverhältnis ist anders, ganz klar. Aber im besten Falle bekommen sie nun zwei Weihnachtsgeschenke und reichlich Abwechslung, wenn sie den ausgezogenen Elternteil regelmäßig besuchen.

 

Die Psyche der Eltern leidet nicht mehr. Dadurch geht es auch automatisch den Kindern besser, die vorher die Spannungen indirekt abbekommen haben.

 

 

Fazit

 

Der Kinder wegen zusammenzubleiben ist ein löblicher Vorsatz mit den besten Absichten. Eine unglückliche Ehe oder Beziehung schadet den Kleinen allerdings nur. Eine Trennung ist ein kurzer Schock, stellt sich für alle Beteiligten jedoch als beste, nein, einzige Lösung heraus.

 

Redaktion, 23.03.2017

jettenini
0 | 24.05.2018, 20:40

Ich bin ein Scheidungskind. Wenn sich Zores anbahnte, schickte man mich in Begleitung einer Tante zur Großmama nach NRW. Ich liebte meinen Vater sehr, zumal ich vom Rosenkrieg ja nie etwas mitbekam, war ich danach unter Schock. Nach fast sechs Jahren war die Scheidung durch. Einen Tag danach erlebte ich einen drastischen Wutanfall meines Vaters, der mich sehr ängstigte. Meine Mama und ich waren reisefertig, da riss Er mir mein kleines Köfferchen aus der Hand und warf es voller Wucht die Treppe hinab. Mein geliebter Teddybär Max flog hinterher. Mein Vater wollte uns nicht gehenlassen. Er hielt mich an einem Arm fest, meine Mama zerrte am anderen Arm. (Der Kreidekreis lässt grüßen) Angeblich habe ich im Zug stundenlang geweint. Nach 18 Jahren sah ich meinen Vater erstmals wieder. Ich war damals 23 Jahre alt. Er gestand mir, meine Mama mehrfach mit einer anderen Frau betrogen zu haben. Sie zog daraus die Konsequenz. Ich habe das zwar verstanden, aber bei meiner ersten geplanten Ehe, riss ich 6 Stunden vorher in Panik geraten davon und floh nach Paris...nur weit weg von der Familie, die nichtsahnend am Standesamt wartete. Zwei weitere Versuche scheiterten ebenfalls durch diese Panikattacken. Allerdings bereits bevor das Aufgebot bestellt war. Heute noch denke ich, durch das Scheidungsdrama meiner Eltern war ich nie zu einer klassischen Bindung mit Urkunden und Familienstammbuch fähig.

Karin38
2 | 24.03.2017, 01:08

Ja, Rotkappe, manchmal klappt's.
Unser Sohn und "die Mutter unserer Enkel" hielten ein gutes Verhältnis der Kinder wegen für notwendig. Jeder fand seinen neuen Partner. Unsere Enkel sind inzwischen Erwachsene und alle zusammen haben schon gemeinsam gegrillt und wir teilen uns die Festtage auf, damit keiner zu kurz kommt.
Aber - wo klappt das klappt noch?

Valentio
5 | 23.03.2017, 22:17

Auch wenn die Trennung in einer unglücklichen Ehe für alle Beteiligten die beste Lösung ist, die Kinder werden immer die Leidtragenden sein.

https://www.youtube.com/watch?v=tKOEWDwZ1E8

Melissa56
5 | 23.03.2017, 15:15

Ja, und später bleibt man dann wegen der Enkelkinder zusammen.

Das ist der "Enkeltrick"   :-)))) 

Rotkappe
7 | 23.03.2017, 13:41

Und was ist, wenn nur ein Elternteil mit der Trennung zurechtkommt, während der andere kräftig dagegen steuert? Die (kleinen) Kinder als Machtinstrument "missbraucht" werden?

Nicht jede Trennung geht leider reibungslos vonstatten. Mit Glück geht man gestärkt daraus hervor.