Asexualität: Sex? Nein, danke!

Asexualität: Sex? Nein, danke!

12 | 8049 Aufrufe

Asexualität ist der breiten Öffentlichkeit bisher noch wenig bekannt. Dabei gibt es viele Menschen, die kein Verlangen nach Sex haben und damit zufrieden sind. Die Liebe präsentiert sich in den unterschiedlichsten Facetten. Auch asexuelle Menschen empfinden Liebe und den Wunsch nach einer intimen Beziehung.

 

 

 

Was ist Asexualität?

 

Als asexuell werden Menschen bezeichnet, denen das Verlangen nach sexueller Interaktion vollständig fehlt. Sie werden von keinem Geschlecht sexuell angezogen. Eine Libido im Sinne von sexueller Erregung oder dem Bedürfnis nach Masturbation kann dennoch mehr oder weniger stark ausgeprägt vorhanden sein. Einige haben trotz der fehlenden Lust auf Geschlechtsverkehr freiwilligen Sex, zum Beispiel weil sie sich Kinder wünschen oder weil sie einen nicht asexuellen Partner haben. Eine statistische Erhebung dazu, wie viele Menschen sich als asexuell bezeichnen würden, wurde bisher noch nicht durchgeführt. Der amerikanische Sexualwissenschaftler und Autor des Buches „Understanding Asexuality“ Anthony Bogaert wertete eine englische Studie aus dem Jahr 1994 zum Thema Sexualität aus. Die Auswertung ergibt, dass etwa 1 Prozent der Bevölkerung asexuell ist.

 

Asexualität und Abstinenz

 

Im Gegensatz zur Asexualität, bei der von Natur aus kein Interesse an sexuellen Aktivitäten besteht, geht es bei der Abstinenz um einen freiwilligen und selbst auferlegten Verzicht. Abstinenz ist eine bewusste Entscheidung, während Asexualität eher als eine sexuelle Orientierung betrachtet wird. Wer dieser Orientierung angehört, empfindet den Verzicht auf Geschlechtsverkehr nicht als Entbehrung. Sex ist nicht gleichbedeutend mit Liebe und Liebe muss daher umgekehrt nicht zwingend über den Sex ausgelebt werden. Das Gefühl von Liebe kann auf ganz unterschiedliche Weise zum Ausdruck gebracht und erlebt werden. So gibt es Asexuelle, die in einer erfüllenden Liebesbeziehung leben, aber dennoch keinen Sex haben.

 

Asexualität – Eine Krankheit?

 

„Es gibt keine Indizien dafür, dass es sich bei der Asexualität um eine körperliche Fehlentwicklung handelt“, sagt die Hirnforscherin Nicole Prause, die sich innerhalb ihrer wissenschaftlichen Arbeiten mit dem menschlichen Sexualverhalten beschäftigt. „Es gibt keine Therapie“. Die Wissenschaflerin wehrt sich dagegegen, Asexuelle zu pathologisieren. Asexualität wird nicht als einschränkendes Leiden empfunden. Vielmehr wird das fehlende Interesse an sexueller Interaktion als zum eigenen Ich zugehöriges Wesensmerkmal verstanden. Auch bei kaum oder nicht vorhandener Libido muss es sich nicht um ein Krankheitsbild handeln, solange dieser Umstand nicht mit einem Leidensdruck verbunden ist.

 

Unverstanden und missinterpretiert

 

Für Sexuelle ist Asexualität meist völlig unverständlich. Asexuelles Verhalten wird oft als prüde oder krankhaft andersartig empfunden. Das Gefühl, nicht dazuzugehören, anders zu sein als die meisten kann zu einem Gefühl von Ausgeschlossenheit führen. Dabei ist es für einen Asexuellen so normal keine Lust auf Sex zu haben wie für andere, „es“ zu wollen. Man könnte dies mit einem begrenzten Interesse an Süßem vergleichen. Der Entschluss, überhaupt keinen Sex mehr zu haben, kann unter Umständen in die Einsamkeit führen. Die einen leiden unter dem Druck, der ihnen von unserer sexualisierten Gesellschaft auferlegt wird. Andere sehen die Dinge etwas gelassener, akzeptieren sich wie sie sind und sind überzeugt davon, irgendwann auf einen passenden Partner zu treffen und mit diesem das Glück anderswo als unter der Bettdecke zu finden.

 

Auf der Suche nach der platonischen Liebe

 

Viele Asexuelle sehnen sich nach einer romantischen Beziehung auf rein platonischer Ebene mit einem gleichgesinnten Partner. Es ist durchaus möglich, eine romantische Anziehungskraft ohne das Gefühl der sexuellen Anziehung zu erleben. Dabei können sowohl hetero-, als auch homo- oder biromantische Gefühle aufkommen. Durch das Internet ist es leichter geworden, Gleichgesinnte zu finden und in sozialen Netzwerken oder über andere Websites zusammenzukommen. Das 2001 gegründete Netzwerk AVEN (Asexual Visibility and Education Network) ist das bekannteste unter ihnen.

 

 

Foto: © Piotr Marcinski/fotolia.de

Redaktion, 09.02.2017

TOEFFLI
0 | 02.01.2018, 12:47

es gibt so viele Gründe, warum und weshalb Sexualität keine Rolle spielt. Es gibt auch andere, schöne Dinge, wie man sich näher kommen kann und das müssen beide wollen. Offenheit ist unerlässlich und Vertrauen.

regina47
0 | 11.02.2017, 11:44

11:35h
das könnte auch ein Generationenphänomen sein. Als die Generation der jetzt Älteren jung war, gab es keine Pille, und es gab viele gesellschaftlich bedingte Einschränkungen von Sexualität. Das hat sicherlich geprägt.

Dasein
2 | 11.02.2017, 09:29

Weil ich vor ca. 8 Jahren einen asexuellen Mann als Gesprächspartner hatte und eine meiner Freundinnen seit ca. 10 Jahren glücklich mit einem asexuellen Partner lebt, weiß ich um die Bedingungen, die einer "gemischten" Beziehung zum "Erfolg" verhelfen können.

Doch Garantie gibt es, wie in allen Arten von Beziehungsmustern, natürlich nicht.

Ich selbst würde mich jedenfalls auf einen asexuellen Partner einlassen, vorausgesetzt er würde von Anfang an zu sich und seiner Empfindungswelt stehen und offen mit mir über seine Form des Auslebens sprechen.

Denn Erotik gibt es auch in der Welt eines asexuellen Menschen von Sinnlich bis Pervers. Und wie in jeder Beziehung ist Offenheit von Anfang an sehr hilfreich, um nicht in "Grauzonen" ;-) abzurutschen, wenn man so gar nicht darauf steht.

Alles ist möglich, wenn es beide müssen wollen und glücklich damit sind, wie es schon einige Kommentatoren vor mir ausdrückten.

chauchat
4 | 10.02.2017, 23:50

@ Daiyogen 10.02.11.35

Zu dieser These würde ich gern Quellenangaben haben.
Wer hat darüber geforscht und geschrieben?

Karl34
1 | 10.02.2017, 12:13

Ich halte es mit dem "ALTEN FRITZ" : jeder soll nach seiner Facon selig werden

Daiyogen
2 | 10.02.2017, 11:35

Wenn Asexuelle aufeinander treffen, dürfte die Asexualität beglückend gelebt werden können. Anders sieht es aus, wenn ein Asexueller auf einen "Sexuellen" trifft, diese Beziehung dürfte nicht von Dauer sein.

Die Inzidenz der Asexualität verhält sich direkt proportional zum Lebensalter, denn von der gerontologischen Forschung weiß man, dass sich viele ältere Menschen zu überzeugten Asexuellen entwickeln und sehr glücklich dabei sind, falls sich der Partner ebenfalls zum Asexuellen entwickelt.

caro69
2 | 09.02.2017, 22:06

Das Asexuellsein kann bedeuten, eine Stufe der Entwicklung der seelischen und
körperlichen Unabhängigkeit genommen zu haben. Es bringt Freiheit. Man macht seine Liebe nicht von Äußerlichkeiten oder von der Erotik abhängig. Diese Menschen kommen zum Kern und erleben dadurch weniger Enttäuschungen.
Der Mensch wird entweder schon so geboren oder er wird es durch Erkenntnis.
Sie erleben weniger Irrungen und Wirrungen und haben meist eine klare Sicht
der Dinge.

chauchat
18 | 09.02.2017, 21:43

Es gibt Menschen, die erst einmal ein gewisses Vertrauen und seelische Nähe aufbauen wollen, bevor sie intim werden.
Deswegen sind sie noch lange nicht asexuell.
 Der allgegenwärtige Leistungsdruck hat sich leider auch auf den sexuellen Bereich ausgedehnt, was ich vollkommen kontraproduktiv finde.
Ich denke, ein bisschen umeinander werben kann viel spannender sein, als gleich in die Vollen zu gehen.
Wenn mir jemand gleich zu Beginn deutlich seine Bedürftigkeit demonstriert,  fühle ich mich unohl bis bedrängt.
 

Dasein
17 | 09.02.2017, 20:25

Sich zu akzeptieren wie man ist, zu sich selbst stehen zu können, sich treu sein zu können, das sind wohl einige der Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Egal auf welchem Gebiet man sich vom Trend unterscheidet.

Wer dann noch das Glück hat sich klar artikulieren zu können, hat es sicher einfacher als manch anderer und kann im Falle X respektvoll, ehrlich und freundlich seinen Standpunkt vertreten.

Jeder muss in diesem Leben lernen, seinen Weg zu gehen und seine Träume zu leben. Mutig, begeistert, ganzherzig und offen dafür, dass auch andere anders ticken dürfen ;-)

rabea1960
10 | 09.02.2017, 15:56

Was soll ich mich verrückt machen....?
Bin ich gleich Asexuell, wenn ich keinen Partner habe?
Oder soll ich wider meiner Meinung mich auf ONS einlassen, damit prahlen, nur damit ich nicht als Asexuell gelte?
Oder soll ich mir einen Strick nehmen, weil ich soundsoviel Jahre keinen Sex mehr hatte....

Katze_Kruemel
10 | 09.02.2017, 15:44

Die erste Antwort hier zeigt das volle NICHT verstehen auf.

cloudy
25 | 09.02.2017, 14:15

Sexualität und die damit verbundenen "Spielarten", körperliches Verlangen in all ihren Intensitäten und Facetten - sie können sehr vielseitig sein, ohne dass sie vom Grad der "Normalität" abweichen.
Ich glaube, dass sich das Sexualverhalten auch im Laufe des Lebens - geschlechtsunabhängig - verändert, so dass Zärtlichkeiten und Zuwendung nicht zwangsläufig zu körperlicher Vereinigung führen müssen und man trotzdem ein erfülltes Gefühlsleben hat.

Wichtig ist und bleibt aber, das jedes Töpfchen sein Deckelchen findet.