Film-Empfehlung: Silent Heart – Mein Leben gehört mir

Film-Empfehlung: Silent Heart – Mein Leben gehört mir

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Filmstart in den deutschen Kinos am 24.3.2016

 

Die etwa 70-jährige Esther (Ghita Nørby) leidet an einer unheilbaren, den Körper zerstörenden Nervenkrankheit. Um nicht langsam und qualvoll sterben zu müssen, hat sie entschieden, sich selbst das Leben zu nehmen. Nachdem sie sich das Einverständnis ihrer Familie gesichert hat, laden Esther und ihr Mann Poul (Morten Grunwald) ihre zwei Töchter Heidi (Paprika Steen) und Sanne (Danica Curcic) mit deren Partnern und Heidis Sohn Jonathan (Oskar Sælan Halskov) zu einem letzten gemeinsamen Wochenende ein. Auch  Esthers beste Freundin Lisbeth (Vigga Bro) reist an. Im Laufe des Wochenendes kommen Sanne und Heidi immer mehr Zweifel an der Entscheidung ihrer Mutter. Sanne plant sogar, den selbstbestimmten Tod ihrer Mutter zu verhindern.

 

Der Regisseur Bille August („Fräulein Smillas Gespür für Schnee“) hat für sein Drama ein allein stehendes Landhaus gewählt, einen Ort, der ohne Störungen von außen auskommt. Er ist perfekt geeignet, um die volle Aufmerksamkeit auf das eigentliche Thema des Films zu richten: Wie geht man mit dem angekündigten Suizid eines Familienmitglieds um?

In dem Film geht es nicht darum, ob ein Selbstmord die richtige Entscheidung ist. Dem Zuschauer wird es im Gegenteil sogar leicht gemacht diesen Entschluss zu verstehen. Nur, wie erträgt man es, vom geplanten Todeszeitpunkt eines geliebten Menschen zu wissen?

 

Die Unsicherheit der geladenen Gäste ist deutlich spürbar. Jeder geht auf seine eigene Weise mit der belastenden Situation um. Die unterschiedlichen Charaktere werden mit Feingefühl dargestellt. Die selbstsichere und eher nüchterne Heidi möchte alles dafür tun, damit dieses Wochenende genauso verläuft, wie ihre Mutter es sich wünscht. Ihre depressive Schwester Sanne kann den Entschluss ihrer Mutter nicht akzeptieren. Poul ist seiner Frau eine Stütze. Alle Figuren sind sehr bemüht, stehen spürbar unter Druck. Aber es ergeben sich auch entspannte, sogar ausgelassene Momente. Zweifel flammen dennoch immer wieder auf. Irgendwann entlädt sich der Druck in einer Überreaktion. Auch wenn dies für den Handlungsverlauf nicht nötig gewesen wäre, zeigt es doch, wie angespannt die Situation tatsächlich ist.

 

Die sparsam eingesetzte, fast schon triste Musik unterstreicht die Stimmung genauso wie die gedeckten, warmen Farben. Jedoch, nie wirkt das Bild düster. Das Licht der Fenster ist oft geradezu strahlend. Von Anfang an werden immer wieder Uhren ins Bild gerückt. Die Uhr tickt. Mit jeder verstrichenen Sekunde bleibt Esther weniger Zeit zum Leben. Eine Tatsache, die ihr bewusst ist, mit der sie aber umgehen kann. Ghita Nørby zeigt dem Zuschauer eine starke Esther, die ihre Entscheidung getroffen hat und dazu steht. Die schauspielerische Leistung von Ghita Nørby ist bemerkenswert.

 

Es ist Bille August gelungen, mit einem hervorragenden Cast eine Stimmung zu erzeugen, deren Auswüchse und Veränderungen nachvollziehbar sind. Dabei wird der Film nie übertrieben emotional, sondern erzählt unaufgeregt und trotzdem bewegend. Unser Fazit: Ein sehenswerter und sehr berührender Film mit glaubhafter Handlung. Hätten wir Sterne zu vergeben, würde dieser Film 5 von 5 Sternen erhalten.

 

 

Genre: Drama (Dänischer Kinofilm aus dem Jahr 2014)

Regie: Bille August („Fräulein Smilla Gespür für Schnee“, „Pelle, der Eroberer“)

Drehbuch: Christian Torpe

Produktion: Jesper Morthorst

Kamera: Dirk Brüel

Musik: Annette Focks

Schauspieler:  Ghita Nørby, Paprika Steen („Adams Äpfel“), Danica Curcic („Schändung“), Morten Grunwald, Jens Albinus, Vigga Bro, Pilou Asbæk („Schändung“, „Game of Thrones“ 2016), Oskar Sælan Halskov

Länge: 98 Minuten

FSK: Ab 12 Jahren

 

Redaktion, 23.03.2016

Gru541
0 | 28.03.2016, 18:20

diesen Film schau ich mir an.
Obwohl ich nicht oft ins Kino gehe.
Aber aus Erfahrung kann ich es nachempfinden.
Mal sehen ob ich nach dem Film auch noch so denke

Rosenblatt
1 | 23.03.2016, 19:26

Den Tod und den Todeszeitpunkt selbst zu bestimmen,
erfordert erheblichen Mut.

Guenni01
0 | 23.03.2016, 10:16

Der Film ist sicher sehenswert. Unter anderem auch deswegen, da vermutlich nicht wenige Familien von einer gleichgelagerten Situation betroffen sind. Der Situation, dass ein Familienmitglied sterbenskrank ist, und ihm ensprechende Suizidgedanken durch den Kopf gehen.

Jedes Gegenüber geht individuell damit um.

Und aus meiner Sicht kann sich niemand diesen emotionalen mehr oder weniger stark prägenden Gefühlslagen entziehen.

Auch wenn es hier nicht schwerpunktmäßig daraum geht, so möchte ich doch zum Ausdruck bringen, dass ich die Hilfe für einen Suizid unter konkret festzulegenden gesetzlichen Regeln, für richtig halte.