Klassische Zutaten – Von Herkunft und Gebrauch

Klassische Zutaten – Von Herkunft und Gebrauch

1 | 5782 Aufrufe

Vieles von dem, was die 50+ Generation seit Kindestagen auf dem Teller liegen hat, gilt landläufig als „typisch“ schweizerisches Gericht. Dabei stammt jedoch nicht nur der heute so beliebte Kürbis ganz und gar nicht aus Europa, geschweige denn aus unserer Region. Folgen Sie uns auf eine kleine Geschichts- und Erdkundestunde, die durch den Magen geht.

 

 

1. Die Kartoffel

Salz-, Pell,- Brat-, -püree, -gratin, Rösti – was wäre die schweizerische Küche ohne die Kartoffel? Und gerade weil die goldige Knolle so vielseitig ist, kann sie auch auf eine wirklich lange Geschichte als Bestandteil europäischer Geschichte zurückblicken. Aber sie stammt weder aus Deutschland, noch einem anderen Land in der Nähe.

Ursprünglich wuchs die Kartoffel sowohl als Wild- auch als Kulturpflanze nur in den südamerikanischen Anden, wo sie von den dort lebenden Völkern verspeist wurden. Der erste Europäer, der die Knolle kennenlernte, war der spanische Konquistador Gonzalo Jiménez de Quesada. Er ass 1537 in einem kolumbianischen Dorf davon. Es sollte aber noch fast 40 Jahre dauern, bis die Kartoffel das europäische Festland erreichte. In unserer Ecke wurden die ersten Kartoffeln sogar erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts angebaut – damals noch als Zierpflanze. Zur Speisepflanze wurde sie hierzulande sogar erst Anfang des 18. Jahrhunderts.

 

2. Der Pfeffer

Ein Pfefferstreuer gehört heuer in praktisch jeden Haushalt, sodass man auch hier vermuten könnte, dass es sich bei seinem Inhalt um ein europäisches Produkt handelt. Nichts könnte jedoch weiter davon entfernt sein: Der Pfeffer – und praktisch alle anderen Gewürze mit ihm – hat seine Ursprünge fernab von Europa. Die vermutlich einzigen genuin-europäischen Gewürze sind nämlich:

·       Bärlauch

·       Beifuss

·       Borretsch

·       Brunnenkresse

·       Eberraute

·       Kren

·       Kümmel

·       Schnittlauch

·       Sellerie

·       Süssdolde

·       Wacholder

Doch zurück zum Pfeffer: Er stammt ursprünglich aus Indien und wurde während der Antike von den Römern nach Europa transportiert – vor allem, weil er die lange Schiffsreise als eines der wenigen Lebensmittel überstehen konnte. Damals und bis teilweise in die Neuzeit wurde das Gewürz mit Gold aufgewogen, war unglaublich kostbar und wenige Reiche und Gesellschaften hatten das Import-Monopol – selbst die Reise von Kolumbus lässt sich auf Pfeffer zurückverfolgen: Er wollte unter anderem deswegen einen neuen Seeweg nach Indien finden.

 

3. Der Kopfsalat

Von allen Salatsorten ist der Kopfsalat der wohl beliebteste Zentraleuropas – und auch er stammt von weit weg, wenn auch nicht so weit, wie die bisherigen Lebensmittel: Ganz eins sind sich die Wissenschaftler nicht, von welcher Pflanze unser kultivierter Salat abstammt, sicher ist nur, dass es eine Lattich-Art ist, die in Vorderasien gedeiht. Angeblich kannten schon die Ägypter und Römer ihn und schon im vormittelalterlichen Europa wuchs der Kopfsalat – wenn auch in einer heuer nicht mehr nachvollziehbaren Verwendung.

Die ersten Kopfsalate in heutiger Form entstanden erst Anfang des 17. Jahrhunderts – vor allem in Frankreich, wo man am Hof Ludwigs des 14. ganz vernarrt in die Speise war. Und von dort fand er den Weg auch in die Schweiz – wo er heute integraler Bestandteil des Speiseplans ist.

 

4. Die Tomate

Welcher Hobbygärtner hat sie nicht in seinem Beet und freut sich über das unverkennbare Aroma? Doch auch unsere geliebte Tomate – übrigens weder Obst noch Gemüse, sondern ein Mittelding – hat eine weite Schiffsreise hinter sich. Auch sie wurde erst von den Konquistadoren in die „Alte Welt“ zurückgebracht.

Die wilden Vorfahren der Tomaten wuchsen ursprünglich im nordwestlichen Südamerika. Majas und Azteken brachten die Xitomatl jedoch hoch nach Mittelamerika und kultivierten sie dort schon vor unserer Zeitrechnung. Als dann die spanischen Eroberer auf die Tomate trafen, assen sie sie zwar und befanden sie auch für köstlich, das Problem war jedoch: Es war extrem schwer, die leichtverderbliche „Gemüsefrucht“ zurück über den Atlantik zu bringen – die ersten Zuchttomaten wuchsen wohl deshalb auch erst um 1540 in Deutschland und Italien – und wurden als „Goldener Apfel“ oder „Peruanischer Apfel“ bezeichnet. In unseren Breiten und weiter nördlich der Alpen war auch die Tomate bis ins 18. Jahrhundert eine Zierpflanze – dann wurde allerdings bekannt, dass die Italiener sie schon seit langem assen und so verbreitete sie sich als Lebensmittel rasend schnell. Und interessanterweise verwendeten sie auch unsere Vorfahren schon so, wie wir es heuer tun: Als Suppe, Sosse und im Salat.  

 

Fazit

Nur weil die Generation 50+ etwas schon ihr Leben lang kennt, heisst das nicht, dass es auch von hier stammt. Wen die vorangegangenen Fakten schockten, sollte sich indes eines fragen: Schmecken diese und alle anderen von ausserhalb stammenden Lebensmittel unseres Speiseplans deshalb schlechter, nur weil sie nicht von Anbeginn in schweizer Erde kultiviert wurden?

 

 

Foto: © boedefeld1969 / fotolia.de

Redaktion, 25.10.2016

Dieser Artikel hat zur Zeit noch keine Kommentare.