Das tägliche Brot

Das tägliche Brot

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Eines unserer wichtigsten Grundnahrungsmittel ist Brot. In Deutschland gehört es fast zu jeder Mahlzeit auf den Tisch, ob morgens ein knuspriges Brötchen mit Butter und Marmelade oder zum Abendbrot herzhaft mit Wurst oder Käse. Ein hochwertiges Roggen-Mischbrot mit saftigem Sauerteig und einer dicken Kruste, am besten im Holzoffen gebacken. So stellt sich wahrscheinlich fast jeder Bürger der Bundesrepublik sein Lieblingsbrot vor. Die Zutaten für ein gutes Brot sind einfach. Mehl, Wasser, Hefe, Salz, Zeit zum aufgehen und zum backen im Ofen. Doch leider sieht die Realität anders aus. Discounter wie "Aldi" oder "Penny Markt", Selbstbedienungsketten wie "Backwerk", die es mittlerweile an jedem Bahnhof gibt, oder auch Tankshops backen in wenigen Minuten tiefgefrorene Backwaren auf. Die Brote riechen sehr lecker und sehen optisch geradezu perfekt aus, außerdem sind sie sehr günstig. Über den Geschmack dieser Teigwaren lässt sich streiten. Doch was ist der wahre Preis für das schnelle, billige und dem Anschein nach perfekten Brot?

 

Chemie im Brot - gesund geht anders

In Deutschland sind knapp 200 Zusatzstoffe im Backgewerbe erlaubt. Um zu verstehen, wie die Lebensmittelindustrie vorgeht, muss man kein Chemie-Laborant sein. Es reicht eine einfache Vorstellung. Brot ist ein Naturprodukt, deshalb kann es nicht jeden Tag gleich aussehen, gleich riechen und gleich schmecken. Konsistenz, Größe, Geschmack und Farbe werden von der Qualität der Zutaten bestimmt, dem handwerklichen Geschick des Bäckers, der Außentemperatur, der Härte des Wassers. Diese und viele weitere Faktoren sind essenziell für ein vollwertiges und schmackhaftes Brot. Bei der Herstellung von Billigbrot hingegen, wird zu Maschinen und vor allem zu einer langen Liste von Zusatzstoffen gegriffen. Aminosäuren wie Cystein werden zugesetzt, weil sie die Knetzeit verkürzen. Für eine sogenannte bessere Bräunung wird Glucoamylase hinzu gegeben, Hemicellulasen für die Verbesserung der Teigeigenschaften und unter anderem auch des Volumen, oder Bromatersatz um den Teig zu stabilisieren und zu entspannen. Leider ist die Liste der Zusätze mit dieser kleinen Aufzählung nicht zu Ende. Es wird schnell klar, dass industriell gefertigtes und chemisch belastetes Brot wirklich nichts mehr mit einem Naturprodukt zu tun hat, es dennoch als solches verkauft wird.

 

Wo sind die Bäckerein geblieben?

Doch nicht nur die Qualität des Brotes und die Verbraucher leiden an den den Mitteln und Folgen der Discounter Herstellung. Auch die traditionellen Bäcker trifft es hart. Weil sie den Preiskampf gegen die industriellen Brot-Hersteller verlieren, die die Discounter und Ketten beliefern, müssen immer mehr Handwerks-Bäckereien schließen. Laut Zahlen des Deutschen Bäckerhandwerks ist in den letzten 60 Jahren die Zahl der Betriebe von knapp 55.000 auf genau 12.611 gesunken. Doch auch Traditionsbäckereien sind in manchen Fällen keine Garantie für Teigwaren ohne Zusatzstoffe. Zeit-Mangel, Konkurrenz und die hohen Betriebskosten führen dazu, dass auch Bäckereien nicht auf Fertigmischungen und chemische Zusätze verzichten können.

 

Wo bekommt man noch gutes Brot her?

Eine Alternative, wenn auch nicht wie so oft vermutet eine ideale Lösung, ist Bio-Brot. Denn hier sind weniger Zusatzstoffe als in herkömmlichen Backwaren enthalten. Die EU-Öko-Verordnung erlaubt "nur" 47 Zusätze. Auch das ist nicht gerade wenig. Bei diesen Fakten fällt es als Verbraucher schwer, eine Auswahl, und dann eben auch die richtige Wahl zu treffen. Beim täglichen Kauf ist man gut beraten, wenn man einen Bäcker wählt, der ein kleineres Sortiment hat und auf Qualität und nicht auf Quantität setzt. Auch an der Kompetenz der Verkäufer erkennt man schnell, ob es sich um eine Bäckerei handelt, die auf Qualität und Fachwissen setzt. Doch die beste Lösung wäre, selbst wieder gelegentlich mit dem backen anzufangen. Sich die Zeit nehmen, zum Beispiel am Wochenende. Dann weiß man, was drinnen ist.

 

Foto: © magdal3na - Fotolia.com

Redaktion, 18.06.2015

INGABei
1 | 22.06.2015, 10:11

Backwaren sind doch nur ein Bereich der mehr oder weniger manipuliert wird mit Konservierungsmitteln. Seit meiner Stoffwechselkur vor einem Jahr achte ich beim Einkauf viel mehr auf die Inhaltsliste ... lächel dafür brauche länger zum Einkauf. Doch es lohnt sich.
Auch ich backe selbst meine Brötchen und das Brot.

pille08
1 | 20.06.2015, 18:08

Du scheinst ein Mensch zu sein, der sich viel Gedanken um andere macht.
Aus diesem Grund schreibe ich dir.ich finde das toll, denn ich weiß was es heißt Menschen zu brauchen um im Leben fertig zu werden.Ich kann einige Dinge seit einem Schlaganfall nicht mehr.kann nicht laufen, d. h. noch nicht- lebe deshalb in einem Heim.Fühle mich oft sehr allein.
würde mich freuen, wenn du mir - pille 08 schreibst.danke

ninanachteule
0 | 18.06.2015, 21:19

Unterwegs im Urlaub mußte mein Mann immer bei den kleinen Dorf-Bäckereien und auch beim Dorf-Metzger anhalten.
Da gab es dann noch die richtig guten Sachen zu kaufen.

rheinnixe
0 | 18.06.2015, 14:29

Wenn es so simpel wäre, wär's einfach. Dann brauchte ich nur zum Bäcker nebenan zu gehen und hätte gesundes Brot:
- Auch der "kleine" Bäcker verarbeitet Mehl, dem in der Mühle Gluten beigefügt wurde.
- Gehärtetes Fett zu verwenden ist auch ihm zur Selbstverständlichkeit geworden.
- Mich würde z.B. interessieren, wieviele Bäcker es in Köln gibt, die
ihren Sauerteig noch traditionell "führen" und keine Chemie zum Einsatz
bringen. Ich kenne nur einen und der ist schon in den Achtzigern.

Luisa.
3 | 18.06.2015, 14:26

Dieser Beitrag ist sehr lobenswert.Aber was bringt es die Menschen auf diese Misere hinzuweisen? Ich würde sagen nichts,denn es wird weiterhin beim Diskounter Brot gekauft und der kleine Bäcker hat das nachsehen.Ich für meinen Anteil backe seit ca.8 Jahren mein Brot selbst und weiss was drin ist. Es ist auch nicht viel Arbeit und kostet weniger als im Geschäft.