Was sich meist nicht klären lässt durch direkte Kommunikation in öffentlichen Foren, auch nicht, wenn sie ganz und gar ehrlich gemeint ist …


Vieles lässt sich nur schwer und wenn, dann nur in vertrauensvollen Beziehungen direkt und privat ansprechen, diskutieren und klären.

Atmosphärisches wie ein negativ wahrgenommener „Ton“ eines Beitrags zum Beispiel. Teilt jemand eine solche Wahrnehmung mit, kann der Adressat sich leicht herausreden, den Spieß umdrehen und z.B. mit dem Vorwurf von „Animositäten“ kontern, was letztlich doppelt frustrierend sein kann für denjenigen der da nur etwas klären wollte. So kommt es gar nicht erst dazu, Ursachen für Missstimmungen auch nur im Ansatz offen ermitteln zu können.

Beim nächsten Mal verzichtet der Betreffende vermutlich von vornherein auf den Versuch, eine Lösung durch direkte Kommunikation herbeizuführen. Er muss sich dann stattdessen überlegen, wie er damit umgehen und angemessen darauf reagieren kann, ohne direkt zu erwähnen, dass er sich durch den Ton des anderen beeinträchtigt fühlt.

Als Mittel zur Wahl stehen Verzicht auf jegliche Reaktion, Weitermachen im normalen Ton unter Ignorierung der Beeinträchtigung, Übernahme des beeinträchtigenden Tons ohne den Grund zu erwähnen bis hin zu Ironie oder Sarkasmus, gar Angriff unter Bezugnahme auf einen vorgeschobenen anderen, aber konkreter erscheinenden Grund der eben für alle auf der Hand liegt.

Aber auch denjenigen, dessen beeinträchtigender Ton dies alles auslöste, kann bereits etwas am anderen gestört haben, ohne, dass dieser das überhaupt bemerkt hat und somit nie darauf kommen würde, dass er selbst die Ursache der folgenden Missstimmungen war. Und sagte der andere es ihm, würde er vermutlich ebenfalls nix davon verstehen und wissen wollen. Tja...

Wie oft habe ich solche wechselseitigen „Eiertänze“ hier in den Foren schon beobachten können!

Noch schlimmer erscheint es mir, wenn jemand aus Gründen nicht zu beherrschender Triebabfuhr unbedingt seine schlechte Meinung über eine bestimmte Person öffentlich machen will, aber aus Furcht vor negativen Konsequenzen für sich selbst vermeidet, den Adressaten zu benennen oder gar persönlich anzusprechen...

... Dann ist manchmal der Teufel los, warum? Weil sich dann nicht nur der Gemeinte (oder der vielleicht gar nicht!), sondern sofort zwei, drei andere angesprochen fühlen. Dann hat der Übel-Nachredende plötzlich seine liebe Not, den Betreffenden zu versichern, nicht gemeint gewesen zu sein - oder er geht erstmal komplett auf Tauchstation.

Der eigentlich Gemeinte kann sich unterdessen, wenn er gemerkt hat, dass er gemeint ist und sogar so schlau war, sich ganz raushalten, ins Fäustchen lachen. Trotzdem bleibt auch bei ihm ein bitterer Geschmack zurück, allein, weil über ihn - wie er ja weiß - öffentlich schlecht geredet wurde.

In vielen anderen Fällen wissen auch die meisten anderen gleich, wer gemeint ist - ohne dass dieser sich zur Wehr setzen kann, weil der Übel-Nachredende ja keinen Namen genannt hat, wohinter es sich im Bedarfsfall leicht verschanzen lässt.

Das alles kann durch direkte Kommunikation meistens nicht besprochen oder gar gelöst werden, vor allem dann nicht, wenn sich die Beteiligten ausschließlich für ihre eigenen Rechte bzw. Rechtfertigungen engagieren.

Das einzige, was letztlich wirklich helfen kann, die Wogen zu glätten bzw. dauerhafte Ressentiments zu vermeiden, ist antizyklisches Verhalten, also die berühmte (neutestamentarische) andere Wange hinzuhalten, anstatt auf die (alttestamentarische) Strategie der „gerechten“ Rache (Auge um Auge, Zahn um Zahn..) zu setzen.

Der Wald- und Wiesenspruch des Volksmundes: „Der Klügere gibt nach“ meint ganz sicher nicht dasselbe, sondern entspricht bloß dem halbherzigen Eigenrettungsversuch, vermeintlich intellektuell die Oberhand zu behalten, während man sich ganz konkret jämmerlich geschlagen geben muss.

Wirklich klug handelt dagegen jemand, der es verstanden hat, sich in Resilienz zu üben und es dabei geschafft hat, bewusst auszuhalten, was ihn seitens anderer treffen und schädigen sollte. Diesbezüglich zu erstarken, bedeutet nicht immer, sich durch Aktionen dagegen zur Wehr zu setzen. Ein Mensch mit einem gesundem Selbstwertgefühl und einem guten Selbstvertrauen hat das nicht unbedingt nötig. Er kann darüber hinweg sehen!

Das gilt in den Fällen, die objektiv betrachtet keiner weiteren Auseinandersetzung bedürfen. In anderen Fällen kann eine Richtigstellung sinnvoller sein, insbesondere dann, wenn ein Schweigen falschen Behauptungen Vorschub leisten würde. Dann ist es allerdings extrem wichtig, als Betroffener die eigene Position ausschließlich auf der Sachebene einzunehmen, sie unbedingt dort beizubehalten und das, was zu sagen ist, auf das wirklich Notwendige zu beschränken. Und das mit vollem Ernst.



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Wie kommunizieren wir am besten im Internet? – Inhaltsangabe Beiträge Verdandi - Seite 145 -





Wehret den Anfängen!
Faschistoide Umtriebe belasten allerorten die Kommunikation


In unserem Alter können wir schon auf ein längeres Leben voller Erfahrungen zurückblicken. Guten und weniger guten bis schlechten. Mit uns selbst, anderen Menschen – einzelnen, mehreren, in kleinen bis großen Gruppen, Vereinen, Institutionen, Parteien usw. bis hin zu „der“ Gesellschaft der jeweiligen Kommunität – vom Dorf bis hin zum Staat. Manche tummeln sich ständig in irgendwelchen „Zusammenhängen“, andere leben eher für sich, weitgehend abseits davon.

Welche Erfahrungen der Einzelne macht, und vor allem, wie er diese einordnet und bewertet, hängt nicht nur von der Häufigkeit und Intensität der Kommunikation ab, sondern natürlich auch und im Besonderen von der Art und Beschaffenheit seiner Intentionen und von seinen Fähigkeiten, die auf wiederum sehr unterschiedliche Weise zustande gekommen sein können.

Diese individuellen Zugangsmöglichkeiten, sich Wissen und Erfahrungen und in Folge davon eine eigene Meinung in vielen Dingen anzueignen, bewegen sich notwendigerweise in den Grenzen sämtlicher Ordnungen und Regelungen des betreffenden Staatswesens, das idealerweise ein demokratisches ist.

Selbstverständlich ist somit die Freiheit des Einzelnen durch die des anderen und die der Gemeinschaft eingeschränkt. Das ist für jeden gut nachvollziehbar: Ich darf niemanden etwas wegnehmen, was ihm gehört – muss aber meinen Teil dazu beitragen (von meinem Eigentum), um die Gesellschaft mit zu erhalten. Rechtsverstöße in beiden Fällen – die Tat im ersten, das Unterlassen im zweiten Fall, werden zu Recht sanktioniert.

Aber es geht noch weiter. Mit gesetzlichen Normen allein ist nicht alles zu regeln, um ein gedeihliches Miteinander zu gewährleisten. Da gibt es auch und im Besonderen noch die eher unbestimmten, „weichen“ Regeln der Umgangsformen und Moral, die weit in den persönlichen Verantwortungsbereich vordringen und an das appellieren, was wir „Anstand“ nennen könnten. Hält jemand diese Anstandsregeln nicht ein, kann er – soweit er keine gesetzlichen Normen verletzt hat – rechtlich auch nicht sanktioniert werden. Aber jeder andere, der in einem Verhältnis zu ihm steht, hat ebenfalls die Möglichkeit, entsprechend seiner eigenen Moralvorstellungen, adäquat darauf zu reagieren und eine „weiche“ Art einer persönlichen Sanktionierung vorzunehmen.

Die Grenzen eines anderen zu verletzen und ihm Schaden zuzufügen ist in diesem „weichen“ Bereich des Anstandes sehr leicht möglich, nur sind die Regeln dafür von jedem persönlich Beteiligten individuell und von Fall zu Fall neu aufzustellen. Oder vielleicht zutreffender: Er hat vermutlich bereits ein eigenes Gerüst an Anstandsregeln für sich aufgestellt, muss aber fallweise überprüfen, ob sie hier Gültigkeit haben und anzuwenden sind. Wenn er dann danach handelt, können andere ihn jedoch wiederum einordnen und bewerten. Damit muss er dann ebenfalls leben, ohne wiederum eine rechtliche Sanktionierungsmöglichkeit dagegen zu besitzen.

Es ist aber auf jedem Fall erlaubt, sich über die Haltung und die Verhaltensweisen eines anderen Gedanken zu machen und dabei seine persönlichen Erkenntnisse zu gewinnen – die aber in manchen schwerwiegenden bzw. sich breit auswirkenden Fällen schon zu einer übergeordneten, allgemeingültigen Feststellung führen können, die uns vielleicht zunächst verblüfft, weil wir nicht damit gerechnet haben:

In einer nachweislich demokratischen und weitgehend liberalen Gesellschaft wie der unseren, sind gar nicht selten faschistoide Züge in der Haltung, im Verhalten und in der Kommunikation Einzelner in der Öffentlichkeit auszumachen. Den Stammtisch lasse ich hier mal beiseite. Ich spreche nicht von dumpfbackigen, „Ausländer raus“ grölenden Zeitgenossen, sondern von höchst intelligenten und in den kommunikativen Techniken sowie in Eloquenz und Manipulation höchst versierten Persönlichkeiten, die auf diese Weise ihre persönlichen Ziele verfolgen, die mannigfaltig sein können.

Intrigen, die Rekrutierung informeller Gruppen „hinter den Kulissen“ ihrer „vorn“ zur Schau getragenen Wohlanständigkeit, die Kunst der Andeutungen, die Zweifel über die Integrität ihrer Opfer in der Öffentlichkeit streuen sollen und vieles mehr gehört zu ihren perfiden Vorgehensweisen.

Es existieren wissenschaftlich (historisch, soziologisch, psychologisch) fundierte Erkenntnisse zu solche Verhaltensweisen, die in gewissen Grenzen tatsächlich als faschistoid zu entlarven sind (insbesondere durch Agitation und Indoktrination), obwohl sich diese Ausformungsart oft sehr gut an die heutigen gesellschaftlichen Gegebenheiten und ihren allgemein anerkannten Moralvorstellungen anzupassen scheinen – sich somit entsprechen zu tarnen wissen und als solche dann in ihrem destruktiven Kern von der Allgemeinheit nur noch schwer zu erkennen ist.

Der ahnungslose Zeitgenosse vermeint wegen solcher Tarnung oftmals sogar, recht Positives bei solchen Personen zu erkennen: Von ihrer (scheinbaren) Betroffenheit für das Gemeinwohl bis hin zu ihrer erklärten (scheinbaren) Empathie für jeden Einzelnen ihrer Zielpersonen, die sie zu manipulieren oder „auszuschalten“ gedenken. Die fehlende echte Menschenfreundlichkeit wird hierdurch meist kunstvoll verdeckt.

Wer sind denn die Opfer? Es gibt zwei Arten:
1. Die „Verführten“, die sich zu Mitläufern machen lassen und mitschuldig werden.
2. Die Gegner solcher Machenschaften, die am Ende durch Verleumdung und Hetze unmittelbar Geschädigten.

Motive gibt es viele – ob es Neid, Missgunst, Rachsucht, psychische Deformation abseits von Geisteskrankheiten, Dominanzbestreben, Herrschsucht oder sonstige, meist niedere Beweggründe sind. Allen gemeinsam ist wohl, dass sie aus einem persönlich empfundenen Mangel heraus entstanden sind, der aber nicht durch Selbsterkenntnis und Selbsthilfe, sondern durch Fremdschädigung kompensiert werden soll.

Manche, die solche Personen zu durchschauen meinen, halten sie für Psychopathen. Aber damit wäre ich sehr vorsichtig. Psychopathie ist oft gar nicht der Anlass für ein solches Verhalten. Viele Nationalsozialisten erschienen uns im Nachhinein als psychopathisch, obwohl die meisten von ihnen nur kadavergehorsame Erfüllungsgehilfen waren und / oder sich durch das Mitläufertum bloß einen bequem zu erlangenden persönlichen Vorteil erhofften, unterdessen sie ihr vielleicht nicht gerade überragend entwickeltes Gewissen mit geringem Aufwand erfolgreich in Schach hielten.

Währenddessen die eigentlichen Rädelsführer meist einen schnellen, bequemen und unanfechtbaren Weg zur Macht suchen und sich dafür alle Mittel ausbedingen, die ihnen gerade greifbar scheinen. Ehrliche Ochsentouren sind ihnen zutiefst zuwider. Sie lieben den Putsch! Dafür wagen sie manchmal alles – das macht sie dann so gefährlich.

Und was die Schar der Mitläufer betrifft: Ich denke, es gab sie immer schon und es gibt nach wie vor Menschen, gar nicht wenige, die ihre vielleicht aufgrund ihrer Sozialisation ohnehin schwach entwickelte, für Verunsicherungen und Zweifel anfällige Empathie leichter überlagern lassen durch negative Empfindungen den Opfern gegenüber, für die sie weder Toleranz noch Sympathie empfinden wollen, wenn sie stattdessen das Privileg erfahren können, von einem Rädelsführer beachtet zu werden und ihm als Mitglied seines Hofstaates nützlich sein zu können.

Wie kann man sich, seine Integrität und Freiheit gegenüber solchen Personen bewahren und behaupten?

Man muss zunächst einmal genügend Menschenkenntnis erworben haben, um Rädelsführer und Mitläufer unterscheiden zu können, um zu erkennen, woher die eigentliche Gefahr droht, gegen die man vorgehen muss.

Ich halte es für sehr wichtig, dass auch all diejenigen, die solche Machenschaften mit faschistoiden Zügen bei anderen erkannt haben, ohne selbst beteiligt oder gar als Opfer auserkoren zu sein, sich nicht bloß erleichtert zurückhalten und schweigen – auch wenn sie eine Mittäterschaft dadurch verweigern. Es ist dennoch eine passive Haltung, die weder die Täter aufhalten noch den Opfern nützen oder sie gar schützen kann.

Erst wenn sich möglichst viele einmischen, die nicht gut finden können, was da vor ihren Augen geschieht, kann aus der Zivilcourage engagierter Einzelner eine Massenbewegung werden, die den Tätern tatsächlich Einhalt gebieten kann, ohne den Eingreifenden ernsthaft gefährlich zu werden.

Entspringt diese Erwartung einer bloßen Utopie? Ich denke, heute ist das ganz sicher eine weniger gewagte Option für das Wirken des Einzelnen in der Welt, als in der Vergangenheit.

Ich habe die Aussagen in diesem Beitrag einmal nicht speziell auf das Internet abgestellt. Denn im Grund ist es dort nicht schlimmer, sondern nur deutlicher erkennbar, als in einem gewöhnlichen persönlichen Umfeld, was in den Menschen so abgeht, die wir „draußen“ erleben können.




Jetzt mal ganz abgesehen von den Extremen...

Wenn ich mal wieder einen Blick in die nicht endenwollenden "Mein Räppelchen-Dein Räppelchen"-Streitereien in den verschiedenen Threads dieses Forums werfe...(aus denen ich mich selbst mal ein, zwei oder mehr Tage herausgehalten habe, also aus einem gewissen Abstand heraus...), denke ich mir manchmal, wie unnütz es doch ist, immerzu nur gegeneinander zu schreiben. Wie nennt man so etwas treffend: Ein Nullsummenspiel!

Wenn jeder zunächst bei sich bleiben und die eigene Weltsicht nach und nach in all ihrer Vielseitigkeit freilegen dürfte… und sich dann an den Überschneidungen mit denen anderer jeweils ein Dialog ergeben würde – in dem sich letztlich immer noch jede Menge Unterschiede herausarbeiten ließen, die aber in diesem späteren Stadium nicht mehr zu Ablehnung und Streit führen müssten, sondern bereits als Bereicherung erkannt werden könnten… – was für eine Utopie! Völlig realitätsfremd, hmm? :roll: