Diese Frage stammt aus der Existenzphilosophie. Sie ist eine typisch philosophische frage. Sie fragt danach, was uns bewegt, uns berührt, uns bedrängt, uns begeistert, puscht oder niederdrückt.
Sie ist eine ziemlich authentische frage, man kann sich nicht verstecken, sie fordert Wahrheit, eine persönliche frage.
es ist auch eine frage, die unser Jetzt angeht, wenn man so will eine Tagebuchfrage, mit dem Unterschied, dass das Früher immer irgendwie dabei ist.

Die geistigen Väter sollen sein:"Ein Leben ohne Sebsterforschung ist nicht lebenswert" SOKRATES und/oder
"Das Seiende, dessen Analyse zur Aufgabe steht, sind wir je selbst." HEIDEGGER
Man müsste zur Beantwortung vielleicht zunächst mal klären WAS ein alter Mensch ist. ;o)

Was macht einen alten Menschen zum alten Menschen? Das ALTER.
Wäre das schon geklärt.
Nur was ist ALT? Gibt es einen Zeitpunkt im Leben von dem ab man unabdingbar und zwingend ALT ist?

Da fängts dann schon an schwierig zu werden.
Mach ichs abhängig von der verbleibenden Lebenszeit, die ohnehin individuell unterschiedlich "zugewiesen" (nicht wesentlich und schon gar nicht willentlich veränderbar) ist? Dann gälte es irgendeinen Durchschnitt zu ermitteln, der irgendeine statistische Gültigkeit hätte.
Oder beginne ich zu erkennen, dass Alter ganz einfach relativ ist, sogar in dem Sinne nämlich, dass das einen Tag alte Kind ALT ist im Verhältnis zum noch Ungeborenen oder dem gerade geboren werdenden.

Das wäre eine Betrachtung entlang der Zeitschiene.
Liesse aber alles andere als Merkmal aussen vor.

Erfahrung, Wissen, Kompetenz, Abgeklärtheit, Lebensheiterkeit und was nicht alles im Laufe des Lebens entlang des Zeitstrahls angeeignet werden kann.
Dies verwiese dann schon eher auf das WIE der Frage.
Die Wahrscheinlichkeit MEHR davon zu besitzen je älter man ist, ist zwar relativ hoch, aber eben auch nicht unabdingbar zwingend.
Auch hier wieder die innewohnende Relativität, die offensichtlich abhängig davon zu sein scheint, WAS man in seinem Leben getan oder - noch wichtiger - nicht getan hat.
Das einzige was vom Ende her betrachtet sicher ist, dass das was Du nicht getan hast, unwiederbringlich verloren ist und nicht mehr zu erringen sein kann.

Man könnte jetzt daraus folgern, dass ein Mensch dann alt ist, wenn er das zu erkennen beginnt, also gleichsam sein Leben vom Ende her zu denken beginnt.
Wozu führt nun aber diese Erkenntnis? Das liesse ja dann Ableitungen auf das WIE der Frage zu.

Andererseits aber auch eine Ableitung auf eine durch Alter geklärte Wahrnehmung. Je früher man nämlich - also je weniger alt - zur Erkenntnis kommt, dass das Leben vom Ende her gedacht werden müsse, umso früher kann man sich von den Fesseln befreien, die relative Jugend einem anlegt.
Man verliert die jeder jugendlichen Handlung innewohnende Überzeugung, dass man Unverletzlich, ja quasi unsterblich sei und dass man, weil das so ist, genügend Zeit habe fundamentale Irrtümer später irgendwie wieder zu heilen.

Dem WIE bin ich damit noch nicht wirklich nahe gekommen, zumindest aber schon einmal dem WANN ein Mensch alt ist. Mögen Berufenere - oder einfach die ALTEN - den Rest klären. ;o)
@ Alter
   
    Der Bereich Älterwerden ein Weg dem Alter folgt,ist für jedem Menschen
    verschieden.
    Ältersein, lässt das Leben bewusst erkennen,vollbrachte Leistung bringt
    Zufriedenheit, ein Zurückschauen im positiven Sinn.
    Erkennen des Gegenüber,eine Sicht die mit Klarheit, Mitgefühl aber auch
    in Enttäuschung endet.
    Humor, eine Bereitschaft die Wichtigkeit von Umständen neu zu bewerten
    das Ego verliert die Macht,die Täuschung wird erkannt .
    Alter, beginnt durch Verlust von Interessen,körperlichen Einbußen,ein langsames
    unbewusstes Abbauen ,die Lebensfreude schwindet.
    Gedanken ... :|

    
ob die Lebensfreude per se jetzt schwindet, mag ich nicht so unterschreiben. Aber sie begründet sich weniger auf "Vorfreude" oder an Ziele gebunden. Für mich ist sie genauso da, aber "innerlicher", im Jetzt, kostbarer, bewusster erlebt.
Micha, du schreibst:

"Man müsste zur Beantwortung vielleicht zunächst mal klären WAS ein alter Mensch ist. ;o)

Was macht einen alten Menschen zum alten Menschen? Das ALTER.
Wäre das schon geklärt.
Nur was ist ALT? Gibt es einen Zeitpunkt im Leben von dem ab man unabdingbar und zwingend ALT ist?"

das Alter ist ein Feind/Freund, der sich heimlich von hinten anschleicht. Wenn du nicht wachsam bist oder nicht wachsam sein sein willst, ignorierst, dann bekommst du ihn spätestens dann mit, wenn jemand zu dir sagt: Du siehst aber deutlich jünger aus. Wenn du dich dann über diese antwort freust, bist du nicht wachsam.

den Kopf in den Sand zu stecken , hilft nicht weiter.
"Sie ist eine ziemlich authentische frage, man kann sich nicht verstecken, sie fordert Wahrheit, eine persönliche frage."

Wenn ich noch einen von fünf (kein Premium) über habe, fange ich an zu suchen. Diesmal hat es mich hier festgehalten. Authentische Fragen gibt es für mich nicht und auch  keine Wahrheit, was bleibt ist eine persönliche Frage.
Ich bin alt, und das Alter macht mir seit ca. 1 1/2 Jahren auch zu schaffen, das gilt für die Gesundheit.
Lebensfreude und auch Ziele habe ich aber immer. Das hängt teilweise vom Bekanntenkreis ab und auch von den Enkelkinder, die das 'Studium abschließen, Hochzeiten stehen an, im August ist wieder Klassentreffen und und und 

Was für mich wirklich schwer ist und mich auch belastet, sind die vielen Todesfälle. Ich bin fast wöchentlich auf einer Beerdigung.  Natürlich liegt das auch daran, dass ich eben viele Menschen kenne. Berufsbedingt, vereinsbedingt, choralbedingt (neue Wortschöpfung) usw. usw. 
Früher fand ich diesen "Leichenschmaus" entsetzlich, jetzt aber merke ich, dass es den eigenen Kindern der Verstorbenen gut tut. Man erzählt von früher, man erinnert sich an die guten Zeiten.
Bei den gesundheitlichen Problemen hilft es mir, dass ich den Ärzten voll vertraue und auch meine, dass diese das Beste für mich tun.  'Das mag zwar naiv sein, aber so bin ich eben. 
Hier das Statement einer - nach Jahren - wirklich alten Frau.
Ich werde im Herbst 85 Jahre alt - nach Jahren ist das ein recht hohes Alter. Ich kann also aus persönlicher Erfahrung erzählen, wie es sich anfühlt, "alt" zu sein.

Ich schicke voraus, dass ich gesundheitlich, den Jahren entsprechend, wenig Probleme habe.

Für mich ist das Alter eine sehr positive, reiche Zeitspanne in meinem Leben. Die Tage kann ich ganz nach Belieben gestalten. Ich habe eine feine Familie, der Kontakt ist lose, aber regelmässig und herzlich, wir mögen einander. Mein Bekannten- und Freundeskreis ist intakt.
  
Ich lebe in einer Stadt, die kulturell sehr viele Möglichkeiten bietet. Die eine oder andere nutze ich gerne. Auch da - wenn ich mag, ist ein Theater- oder Konzertbesuch möglich. Kleine Reisen, Ausflüge mit Schiff oder Bahn, (ich fahre nicht mehr Auto) ein Rundgang durch eine der schönen Parkanlagen am See, Gartenarbeit mit viel Schweiss und viel Freude - sind jederzeit möglich. Ich lade gerne zu einem Essen oder auch Aperitif oder Dessert ein - man kommt gerne zu mir auf die grosse Terrasse und wir geniessen, was auf den Tisch kommt und die Gesellschaft von Menschen, die ich mag.

Ich hatte ein sehr vielseitiges, gutes und oft nicht leichtes Leben. Und ich finde, ich habe gelebt.
Dem entsprechend bin ich bereit, diese Welt zu verlassen und zu schauen, wie es auf der anderen Seite weiter geht. Dass es so ist - da bin ich mir seit vielen, vielen Jahren sicher.  
Angst vor dem Sterben habe ich nicht - die Palliativpflege ist gut ausgebaut. Und gehen müssen wir alle einmal - also ok.

Ich bin dankbar für alles, was mir noch möglich ist, dankbar auch, für das Leben, das ich führen darf.  
Der letzte Weg
 @ Abschied zu nehmen  fällt schwer. Die Jugend betrachten ihre Lebensfreude ,
erzeugt die Gedanken,sie wollen leben ! Platz sollte vorhanden sein . :)
Ein Kreislauf der nicht zu ändern ist. :wink:  
Alt zu sein...ich wehre mich noch... :lol:
wulliwo hat geschrieben:
das Alter ist ein Feind/Freund, der sich heimlich von hinten anschleicht. Wenn du nicht wachsam bist oder nicht wachsam sein sein willst, ignorierst, dann bekommst du ihn spätestens dann mit, wenn jemand zu dir sagt: Du siehst aber deutlich jünger aus. Wenn du dich dann über diese antwort freust, bist du nicht wachsam.

den Kopf in den Sand zu stecken , hilft nicht weiter.


Das ist Quatsch - ein Kompliment, über das man sich freut, hat überhaupt nichts damit zu tun, dem Alter auszuweichen oder sich ihm nicht zu stellen oder "nicht wachsam" zu sein.

Für Kinder sind Erwachsene bereits "alt" - und ich glaube, es ist gut, dass es die Natur so eingerichtet hat, dass man sich gewisse Dinge gar nicht vorstellen KANN, selbst wenn man wollte, nicht. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie sich meine Mutter mit 86 gefühlt hat - ich konnte versuchen, mich in sie hineinzuversetzen, aber es gelang mir nicht.

Genauso wenig wie ich mir vorzustellen vermag, wie ich mit 86 sein könnte - da spielen so viele Faktoren hinein - ich beschäftige mich nicht (mehr) mit Zukunftsgedanken, ich lebe jetzt und heute und genieße das, so weit es geht. Was nicht bedeutet, für das Alter vorzusorgen. Aber wie das dann sein wird - das weiß doch keiner! 
Eraburis hat geschrieben: Alt zu sein...ich wehre mich noch... :lol:


"Ich wehre mich noch", bringt mich zum Lächeln.
Mit Recht, solange Du noch mitten im Berufsprozeß steckst, bist Du noch nicht alt.


Ende des Monats werde ich 64. Noch ein Jahr, dann bin ich alt :D

Ich betreute an zwei Tagen in der Woche zwei kleine Mädchen (4 und 6 Jahre alt) und
hole sie aus dem Kindergarten ab. Für die Kinder im Kindergarten und die Erzieherinnen,
die mich nicht kannten, war ich ganz klar "die Oma" und selbstverständlich alt.

Nur noch 6 Jahre, dann steht eine 7 vorne.
Ich bin wirklich gespannt, wie sich das anfühlen wird.


PS
Die Aussage: (nicht unbedingt an mich gerichtet).
"Für Ihr Alter, sehen Sie aber noch gut aus".
Ist das ein Kompliment? Bin mir da nicht so sicher.
oldlady hat geschrieben: Hier das Statement einer - nach Jahren - wirklich alten Frau.
Ich werde im Herbst 85 Jahre alt - nach Jahren ist das ein recht hohes Alter. Ich kann also aus persönlicher Erfahrung erzählen, wie es sich anfühlt, "alt" zu sein.

Ich schicke voraus, dass ich gesundheitlich, den Jahren entsprechend, wenig Probleme habe.

Für mich ist das Alter eine sehr positive, reiche Zeitspanne in meinem Leben. Die Tage kann ich ganz nach Belieben gestalten. Ich habe eine feine Familie, der Kontakt ist lose, aber regelmässig und herzlich, wir mögen einander. Mein Bekannten- und Freundeskreis ist intakt.
  
Ich lebe in einer Stadt, die kulturell sehr viele Möglichkeiten bietet. Die eine oder andere nutze ich gerne. Auch da - wenn ich mag, ist ein Theater- oder Konzertbesuch möglich. Kleine Reisen, Ausflüge mit Schiff oder Bahn, (ich fahre nicht mehr Auto) ein Rundgang durch eine der schönen Parkanlagen am See, Gartenarbeit mit viel Schweiss und viel Freude - sind jederzeit möglich. Ich lade gerne zu einem Essen oder auch Aperitif oder Dessert ein - man kommt gerne zu mir auf die grosse Terrasse und wir geniessen, was auf den Tisch kommt und die Gesellschaft von Menschen, die ich mag.

Ich hatte ein sehr vielseitiges, gutes und oft nicht leichtes Leben. Und ich finde, ich habe gelebt.
Dem entsprechend bin ich bereit, diese Welt zu verlassen und zu schauen, wie es auf der anderen Seite weiter geht. Dass es so ist - da bin ich mir seit vielen, vielen Jahren sicher.  
Angst vor dem Sterben habe ich nicht - die Palliativpflege ist gut ausgebaut. Und gehen müssen wir alle einmal - also ok.

Ich bin dankbar für alles, was mir noch möglich ist, dankbar auch, für das Leben, das ich führen darf.  


Schön wenn man mit 85 sein Leben so positiv betrachten kann und offensichtlich sehr zufrieden ist.
Dir alles Gute. :D  
Danke Agapanta! Ja ,ich bin mir bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, so leben zu dürfen.

Ich freu mich an jedem guten Tag - andere gehen auch vorbei...

Auch dir  gute Wünsche für einen schönen Sommer!

oldlady 
Das kann ich jetzt nicht sagen, weil ich mich nicht alt fühle.

Aber wenn ich den Beitrag von oldlady lese,
habe ich keine Bedenken, 85 zu werden.

@oldlady
ich wünsche Dir noch viele schöne Jahre. :wink:
Ich schließe mich gerade mal den guten Wünschen an oldlady an: Alles Gute für Dich mit Deiner bewundernswerten Einstellung. Dasselbe geht aber an @ashoggi auch!

Ja, zu der Frage, wie ist es ein alter Mensch zu sein, habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht: Ein halbes Jahr nach meiner Pensionierung mit 65 kam mein Pelle (Golden Retriever) mit 9 Wochen zu mir. Meine 15 und 13 Jahre zuvor diagnostizierte Arthrose in beiden Knien hatte ich völlig vergessen, weil sie mich nur in Abständen von mindestens 5 Jahren für ganz kurze Zeit belästigte. Heute ist Pelle 5 Jahre alt und ich kann mir die Probleme mit der Arthrose einfach nicht leisten.

Daß ich älter (alt?) werde, habe ich an Folgendem festgestellt: Wenn ich vor einigen Jahren zwischen 2 Erledigungen 20 Minuten Zeit hatte, wurden schnell 2 oder 3 Fenster geputzt. Heute warte ich ab, bis der Anfall vorbei ist, weil mir eh keiner die Arbeit wegnimmt.

Und nun bin ich zu der Erkenntnis gekommen, daß ich alt sein werde, wenn ich das alles nicht mehr im Griff habe.