Kultur ist, wenn man nichts versteht. Oder zumindest nicht sofort. Oder zumindest nicht sofort, wenn man eher bäuerlicher Herkunft ist wie ich.
Erst im reiferen Alter wurde ich sanft an Kultur herangeführt. Eine Frau steckte dahinter.
Große Stücke und große Charaktere. Shakespeares Richard III. habe ich angesehen und konnte nach dem ersten Mal in intellektueller Runde danach wenig Kluges beitragen. Außer: "Der hat so kompliziert gesprochen." Solche Beiträge brachten mir den deutlich zur Schau getragenen Unmut der Herzdame ein.
Am zweiten Richard-III.-Abend war ich besser: Das Drama, so parlierte ich, glänze doch vor allem durch das mächtige Hervortreten des scharf gezeichneten Charakters des Helden, dieses dämonischen Obermenschen. Die Holde an meiner Seite ward dieses Mal sanft gestimmt; dem Lexikon sei Dank.
Als ich dann Goethes Faust sah, war ich gleich besser vorbereitet und wußte - obwohl ich kurz eingenickt war - zu loben, wie gut der Herr Geheimrat in der Figur des Mephistos die Macht des Bösen als eine natürliche Kraft dargestellt habe. Als ich dann noch über Mephistos weltmännische Gewandtheit und seinen Zynismus referierte, schlug mir ein weibliches Herz heiß entgegen.
Natürlich wurde ich gefragt, ob Mephisto meine Lieblingsfigur in der Literatur sei. Nein, nein, das nicht, sagte ich. Das sei Herr Tur Tur, der Scheinriese aus dem Stück mit Jim Knopf und Lukas dem Lokomotivführer. Das sei ein Mensch, der nur in der Ferne riesig groß erscheine. Wenn er nahe komme, schrumpft er auf Normalmaß zusammen. Wie so viele.
Die anderen kannten das Stück nicht. Ich glaube, es hätte sie intellektuell überfordert.

angenehme Woche
Rangi
Hallo Rangie,

oh man, da bist du ja ganz schön ins schwere Kulturleben hinein gedrängt oder gestürtzt worden, dann noch Konversation treiben, Hut ab! :P

Ich bevorzuge die etwas leichteren Stücke, die Operette, oder gar jetzt die Musikals. Auch da Konversation treiben ist schwer, denn jeder sieht die Figuren aus anderer Perspektive, auf einen Nenner kommt man nie, Einglück auch.

Kultur ist immer schwer zu verstehen, es ist die Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen der Gemeinschaft, also Bildung, Gesittung und Lebensweise und die kann man nicht und nimmer auf einen Nenner bekommen.

Schönen Abend

Es grüßt

Elke :wink:
:lol: Herr Tur Tur wurde auf meiner Beliebtheitsskala von Filemon Faltenreich abgelöst:

Filemon Faltenreich hatte nichts gegen die nützliche Verwendung als Gartenhaus durch andere Tiere seines Daseins einzuwenden, sofern man ihn dabei in Ruhe ließ und ihn nicht am Nachdenken hinderte.

Wenn zum Beispiel der samtblaue Nachthimmel Indiens sich in dem Wasser zu seinen Füßen spiegelte, dann war Filemon Faltenreich ergriffen und dachte voll Ehrfurcht: Mond! Sonst dachte er nichts, nur einfach: Mond! Es war ein sehr großer Gedanke.
8)
Aus Filemon Faltenreich
von Michael Ende
Ich habe nichts gegen Herrn Faltenreich, ganz im Gegenteil, aber das Spiegelbild des Mondes in einer windstillen Nacht, spült bei mir andere Vorstellungen und Erinnerung hervor.

"Der Vollmond neigt sich zum Horizont. Delphine springen über seine silberne Bahn. Ihre metallisch glänzenden Leiber schnellen in die Höhe, drehen sich im Sprung, scheinen für zeitlose Augenblicke zu schweben, ehe sie mit lautem Klatschen auf das Wasser zurückfallen. Sie befreien sich so von Parasiten. Glucksende Wellen an den Bordwänden, sanftes Rauschen des Kielwassers, eintöniges Flappen und Ächzen der Segel und Schoten. Der Wind flötet zwei Töne auf den Masten; endlos und schwermütig wehen sie davon. Aus den Kojen ertönt ein leises und manchmal auch schmetterndes Schnarchkonzert."
( aus dem Buch " Es ist kein Traum" von K.G.)

….Erinnerungen an vergangenen Zeiten...

Aber wenn sich der Morgen ankündet.....

Die Morgenröte hat den weiten Erdkreis eingesammelt.
In ihrem Rosenlicht blüht lotusgleich die Schönheit auf.
Mag unten drehen sich das endlos Rad der Zeit,
inmitten unbewegt
kommt aus der Tiefe neu das Leben.


Träumerische Zeit
Rangi