Leiolente hat geschrieben:
Shekinah hat geschrieben: Vergessen ist ein natürlicher Schutzmechanismus des Hirns, um uns vor einer zu grossen Reizüberflutung zu schützen, die uns letztendlich in den Wahnsinn treiben würde.


Ich hab ein gutes Gedächtnis, also ich kann auf Erinnerungen, oder auf Erlerntes, auch auf Erlebtes und Erlittenes zugreifen, wenn ich das möchte, es mir in der Gegenwart wichtig erscheint.

Aber deshalb hab ich nicht ständig ´Reizüberflutung´..das schwirrt mir nicht ständig im Kopf rum.

Es ist jedoch abrufbar.

Ich hab da so eine Registratur eingerichtet, wie ein Archiv, nach Jahreszahl und Betreff, nach Mitmenschen, nach Reisen..also mehrfach katalogisiert.

Wenn ich will, geh ich in diese Registratur, zieht die Regale raus, wühle in den Registern..sichte vergangenes, und erinnere mich daran...und wenn nicht, dann nicht..

Wichtig erscheint mir- egal wie zugemüllt die Vergangenheit ist, dass es in dieser Registratur auch noch viel freien Platz für die Zukunft gibt.

Mich würde es unglücklich machen, wenn meine Erinnerungen futsch wären, aber es würd mich auch nicht glücklich machen, wenn sie meine Gegenwart und Zukunft bestimmen würden. Deshalb dieses Ablage- System.



Ad ´Reizüberflutung´

Jein ...

Zumindest bei mir war die ´Reizüberflutung´ die mich "fertig" machte (z.B.: Wenn mehr als Mensch geredet hat). Mein Neurologe meinte, dass wäre "normal" (in diesen Fällen) und wird besser werden (was tatsächlich so wurde).



Ad Gedächtnis

Bei mir ist, Gott (?) sei dank, alles da (zumindest wie ich glaube *G*).

Aber für mich wäre das Schlimmste, wenn die "Semantik" des Hirns (bzw. der Sprache) weg (gewesen) wäre bzw. ist. Dann kann man vielleicht Sprechen (z.b. "Tisch"), aber man weiß nicht mehr, warum bzw. was man mit einem Tisch macht (etwas darauf geben etc.) oder man weiß nicht mehr, was links oder rechts bedeutet etc.


LG. Hans 
Vergessen......
 meiner Meinung nach kann der Mensch niemals vergessen...
an der Oberfläche ja, aber:
das Unterbewußtsein vergißt NIE... 
Wichtige, elementare Dinge und Vorkommnisse im Leben eines Menschen wird er niemals vergessen (können).
Sie bleiben an der Oberfläche,
abrufbar,  .....lästig, drängend, gemein oder aber auch liebevoll, versönlich, beruhigend. wohlgemerkt, ich spreche jetzt von einem "normalen" und nicht kranken Gehirn .

Selbst ein Verdrängen löscht die Erinnerungen und Erfahrungen nicht aus...!
Bestimmte Ereignisse und Vorkommnisse erzeugen sofortige Erinnerungen....!

Wie sonst wäre es möglich mittels Hypnose längst vergessen geglaubte Erlebnisse hoch zu holen.

Das Gemeine am Unterbewußtsein ist es doch auch, daß das Unterbewußtsein viel mehr Dinge gespeichert hat, als der Mensch in der jeweiligen Situation selbst.

Warum kann der normale Verstand das in einer Situation nicht alles erfassen und in sich verankern?Warum braucht der Mensch das Unterbewußtsein, die Träume um alles zu verarbeiten.?
Unwichtiges kann ich vergessen.

Wenn ich verletzt werde versuche ich es, gelingt aber nicht immer. (verzeihen kann ich)

Aber was mir wichtig und teuer war, kann ich nicht vergessen, z.b. eine verlorene Liebe.
Dieser Schmerz bleibt immer.
Interessant ist aber auch, was einem alles - wie auf Kommando - wieder präsent wird, wenn man auf Stichwort sich auf Dinge erinnert, die man glaubte, längst schon vergessen zu haben.
So erging es mir oft beim hören von bestimmte Melodien, auf einmal sehe ich eine Szene und kann sogar das Parfüm riechen, das  ich damals trug... als ob es gestern gewesen wäre...
Gestern...
gestern hatte ich mal wieder so richtig Lust zum "Kramen"

Viele Jahre hatte ich uralte Gebetsbücher...Gottesdienste gesammelt.
Mit der Zeit habe ich immer mal wieder die nicht so Schönen aussortiert und auf dem Flohmarkt verkauft.
Nun, gestern fielen mir eben die dennoch vielen übrig gebliebenen Relikte in die Hände...und was soll ich sagen,
eines, es ist unscheinbar, sticht ab von all den anderen, aufwendigen, teuren Büchlein, lag da so armselig zwischen all den PROTZIGEN.
Ich nahm es, schlug es auf und


es stand dort


mein Name, meine damalige Adresse, ....Datum 1957

Mein Gott,
da kamen die Erinnerungen
an meine 1. HL. Kommunion
vor gut 60 Jahren

ein vergessenes Büchlein...

erinnern ist schön...!
macht vergessen glücklich ?

ich glaube, dass man das Vergessen nicht sehr gut beeinflussen kann - auch wenn man es gerne möchte.....oder denkt, man könnte es....

als ich - nach fast 40 Jahren - meinen Pferdeberuf aufgegeben hatte (vor 8 Jahren) - bin ich jahrelang im Traum weiter geritten - hatte Stürze - hab mich geschämt, weil ich nicht gut genug war im Sport - hatte Stress bei Fohlengeburten - und ich hab weiter Reit-Unterricht gegeben...

erst jetzt läßt das langsam nach :!:
Hawaii.72 hat geschrieben: Das war vor mehr als 50 Jahren ein Deutschprüfungs-Aufsatzthema:
Vergessen - ein Fehler, eine Tugend, ein Glück


Mit allen drei Situationen sind wir in unserem Leben konfrontiert worden.
Ostern 2018 habe ich wieder einmal an meine/unser Schulclique gedacht ...wir waren 4.......2 Mädels, 2 Jungs...und sind in all den vielen Jahren bis heute, obwohl zwischendurch doch immer wieder viele Jahre vergingen bis wir uns wieder anriefen, sahen, noch genau so " verbunden" wie wir es früher waren.

Wir verstehen uns auch heute noch ohne viele Wort

In den gut 50 Jahren dazwischen habe ich so manches Klassentreffen veranlasst

Also, ich hab einem von diesen DREIEN ..Fritz..eine WhatsApp geschickt...fröhliche Ostern.

Es kam eine WA zurück.

Liebe R... kannst du denn Gedanken lesen?
Gestern war ich bei Wolfi und wir haben von Dir gesprochen.
Ein Klassentreffen wäre mal wieder angebracht....und....
nachdem du das all die Jahre immer wieder mit Bravur gemacht hast...was meinst...willste wieder machen.

Meine Antwort:
Lieber Fritz,
Ich freu mich, dass ihr an mich gedacht habt,
aber
dieses Mal muss ich passen aus Mangel an Zeit.
In meinem Haushalt gibt es eine/meine Mami ..sie ist 95 und fordert meinen
Einsatz rund um die Uhr.

Aber, was meint IHR?
Ich lade dich und Wolfi und Hilde zu mir ein und wir machen uns einen wunderbaren Tag.

Antwort von Fritz:

Hab Rücksprache gehalten


WIR KOMMEN....SEHR GERNE UND FREUEN UNS.



ICH FREU MICH AUCH...

auf die Jugenderinnerungen, Streiche, die Lebensrückblicke jedes Einzelnen..


Vergessen, nein, vergessen haben wir uns nicht.
Wir sind glücklich, dass wir uns nicht vergessen haben und uns heute noch genau so gut verstehen wie damals.
Die Frage ist:

Macht vergessen glücklich.

Tja,
wenn ich etwas vergessen habe, dann kann ich weder glücklich noch unglücklich sein, denn ich habe es ja vergessen und kann deshalb über diese Frage bzw. Sache NICHT MEHR NACHDENKEN, respektive philosophieren , denn ich hab sie ja vergessen. Darüber also glücklich sein...geht also nicht.
Wenn, dann müsste der Gedanke neu kommen und dann wäre aber die Überlegung wahrscheinlich wieder ganz anders, denn es ist dazwischen sicherlich viel Zeit ins Land gegangen und der Blickwinkel hat sich somit verändert.

Sich an Vergessenes zu erinnern heisst also, es war nur verdrängt, oder man würde durch irgendeinen Menschen, Umstand, Begebenheit wieder an diese Situation o.ä. erinnert.
VERGESSEN IST VERGESSEN.
Nein, so einfach ist die Sache nicht.
Vergessen kann man nur als Unzulänglichkeit sehen, das passiert jedem.
Menschen werden beleidigt und bedroht, vergeben und vergessen zu können ist als Charaktereigenschaft positiv zu beurteilen.
Unsere Vorfahren haben schlimme Kriegszeiten miterlebt, dass sie anschließend doch wieder glücklich werden konnten beruht auf der Tatsache, dass sie dieses Unglück vergessen konnten.
Ähnlich agieren Touristen, die nach blutigen Anschlägen bald wieder in die gefährdeten Urlaubsgebiete reisen.
Frisch im praktischen Feldversuch ermittelt:

Vergessen kann sehr unglücklich machen.
Wenn es z.B. den Hausschlüssel, die PIN von der Bankkarte oder den Hochzeitstag betrifft.

Das sind unvergessliche Momente.
Da gibt es Leute, die, sobald sie einen nickname und eine Tastatur unter den Pfoten haben, ihre gesamte zivilisatorische Erziehung vergessen und die Sau oder den Bonobo in sich rauslassen.

...und vergesen dabei , dass das Netz nichts vergisst.
Das Netz kann ganz schrecklich nachtragend sein.
das Netz sind wir !
und wenn man das mal verinnerlicht hat, dann versucht man nicht nachtragend zu sein...gelingen tut es nicht immer....

denn hinter diesem Netz stehen Menschen .....da sind Menschen dabei, die verletzt worden sind.....und aus diesem "Verletztwordensein" heraus outen sie sich hier.....und ja - sie jammern ....und manchmal nerven sie auch.....

aaaber.....wer von uns war noch nicht in so einer Situation ?

und nochwas:
sich hier stark zu präsentieren - anderer Leute Beiträge zu kommentieren - das ist doch die leichteste Übung.....
Respekt habe ich vor den Leuten, die sich ehrlich outen und sich öffnen - und dann auch noch den Gegenwind von dem einen oder anderen User aushalten können :!:


Das hier gemeinte "Vergessen" ist sicherlich nicht im buchstäblichen, sondern im übertragenen Sinne zu verstehen:

Macht es glücklich, all das, was einen bedrückt und belastet hat, irgendwann wieder los zu lassen und sich auf neue Möglichkeiten zu besinnen, um auch wieder gute und schöne Erfahrungen im Leben zu machen?

Wenn das gelingt: Auf jeden Fall! ... Denn ganz am Schluss kommt eh das große Vergessen. :wink:




Du bestätigst meine Varianten des "Vergessens" vom 15.5. :wink:
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