dick01 hat geschrieben: Die MSN-Startseite behauptet heute: Kim Kardashian soll ihre Tochter gephotoshoppt haben!

Ich frag mich schon seit Jahren, ob es nun "gedownloaded" (mit d hinten) heißt (wie mein Betriebsystem nach vollbrachter Tat gern und mit einem gewissen Stolz in der Message verkündet), oder nicht doch eher "downgeloadet" (mit t), was für mich -ich gestehe- "besser" klingt, obwohl's latürnich ähnlicher Dummfug ist.
Ich hab mir ja nur eine runtergeholt, also: eine Datei, oder so.

Ob das nun tatsächlich Totschlag an der deutschen Sprache, oder gar Mord ist (es sei daran erinnert, dass nach deutschem Recht hierzu das Merkmal der Heimtücke erfüllt sein muss), mag ich nicht entscheiden.

Mein weiteres Grübeln geht eher in die Richtung:
"Was ist eigentlich der Nachrichtenwert an o.a. Meldung?"
Also, ich mein: gibt es tatsächlich Menschen, die sich für vernünftig halten, und gleichzeitig der Frage, ob WTF-is-Kim ihre Tochter gephoto... -ich krieg's nicht getippert-, also: dieser Frage tatsächlich mehr als den Augenblick Aufmerksamkeit widmen, den sie zum Überfliegen brauchen?

Also, was denkt ein Redakteur, der solche Meldung an die Öffentlichkeit setzt?
Was denkt sein Chef, der so jemand beschefftigt?

Ich weiß: das Geld. Aber bevor ich mir jetzt den Sonntag vermiese, weil ich an der Menchheit verdreifle, höre ich einfach wieder auf.

Nicht ohne den Beitrag gepostet zu haben, nachdem er nun mal getippt ist.
Ich möchte einmal zwei Aspekte aufgreifen:
- Sprache
- Information

Ich bin der Ansicht, es ist Mord, weil ganz bewusst Begriffe gewählt werden, die aus dem Rahmen fallen sollen, um den Blick des gelangweilten Betrachters einzufangen. Im Bereich des Marketing wird dafür viel Geld ausgegeben. Die Kampagne zur Einführung der PET-Flasche hatte dies als ganz wesentlichen Bestandteil: Coca-Cola Flaschen waren „unkaputtbar“! In einem funktionierendem Rechtssystem steht auf Mord die Höchststrafe – also in unserem Fall „Publikationsverbot für die Schreiberlinge“!

Wer liest den Blödsinn? Schauen wir in die Medien wie Internet inkl. Online-Zeitung, TV, Smartphone,.., so finden wir nur überflüssige Informationen. Die Wahrscheinlichkeit, zufällig auf etwas Sinnvolles zu treffen, ist wie ein Lottogewinn. Allein auf Youtube werden jeden Tag über 60 Jahre an Informationen hochgeladen. Wenn ich also mein ganzes Leben Youtube schaue, habe ich gerade einmal die Informationen eines Tages gesehen. Zwanghafte Smartphone-Nutzung, schwachsinnige TV-Serien bis zum Abwinken auf den Streaming-Diensten, "Smash Hit Playlists" um mir auch noch in der letzten ruhigen Minute das Gehirn zuzududeln, usw. usw. .
Hat das Methode? Selbstverständlich. Es gibt ein schönes Beispiel aus der Mustererkennung: Auf einem Blatt Papier ist der Umriss eines Kopfes gezeichnet und klar erkennbar. Nun schüttet man ein Glas mit kleinen Stecknadeln darüber – das Muster ist verschwunden, nicht mehr erkennbar. Man verliert die Orientierung! Und Menschen ohne Orientierung lassen sich hervorragend in jede gewünschte Richtung lenken.
Fundstück von heute im Netz:

"Wenig später retweetete der offizielle deutsche Account des Getränkeherstellers den Beitrag"

Niemand kann sagen, er habe von nicht's gewusst ...

Wenn unsere Sprache nicht zu ALLEN ZEITEN im steten Wandel geblieben und sich bis heute nicht immer weiter verändert hätte, würden wir heute vielleicht noch immer so sprechen, wie Walther von der Vogelweide im 12.Jahrhundert.
(Aber nur die Hochgebildeten, der Rest spräche und verstünde nur regionale Dialekte)
Und - würde Euch das gefallen? :wink:


Nemt, frowe, disen kranz:
alsô sprach ich zeiner wol getânen maget:
so zieret ir den tanz,
mit den schoenen bluomen, als irs ûffe traget.
het ich vil edele gesteine,
daz müest ûf iuwer houbet,
obe ir mirs geloubet.
sêt mîne triuwe, daz ichz meine.



Übersetzung:

Nehmt, Gräfin, diesen Kranz!
So sagte ich zu einem schönen Mädchen.
Dann schmückt Ihr diesen Tanz
mit den schönen Blumen, die Ihr tragt.
Hätte ich Edelsteine,
sie müssten auf Euer Haupt,
wenn Ihr mir das glaubt.
Seht meine Aufrichtigkeit, dass ich es wirklich meine.






Ewig ist der Wandel und Alles fließt ist schon richtig. Das entbindet aber nicht von der Verpflichtung, seinen Kopf anzustrengen, um sich verständlich auszudrücken. Dies ist auch möglich, wie dies schöne Gedicht zeigt. Vor kurzem hörte ich in einem Hollywood-Film: Vater kann auf über vierzig unterschiedliche Arten "Fuck" sagen. Wozu soll er mehr Worte kennen?
Aber noch einmal zu scheinbar - anscheinend mit einem kleinen Text von Kafka:

Die Bäume
Denn wir sind wie Baumstämme im Schnee. Scheinbar liegen sie glatt auf, und mit kleinem Anstoß sollte man sie wegschieben können. Nein, das kann man nicht, denn sie sind fest mit dem Boden verbunden. Aber sieh, sogar das ist nur scheinbar.


"Scheinbar" ist hier von zentraler Bedeutung und gibt dem Text erst seinen Sinn. Ohne Exaktheit ist keine Kunst möglich.
Wenn die Welt zugrunde geht, ist es ihr auf gut Deutsch gesagt sowas von scheissegal, wie zugrunde gehen und scheissegal geschrieben wird, zugrunde geht sie so oder so. Das ist nämlich ihr kleinstes Problem, dieses Problem haben vor allem die Höchstverbildeten.
Genau! Alles scheißegal! Na dann Prost - darauf einen Dujardin!

Ich nehme mir vor, vornehm zugrunde zu gehen. 8)


ich mag Sprache (nicht nur die deutsche), halte mich aber deswegen nicht für höchstverbildet

........... aber wenn die Welt wirklich zugrunde gehen sollte, dann sind ihr wahrscheinlich mit englischem Rosendekor verzierte Tassen genauso egal wie die deutsche Sprache
(traurig aber wahr :? )
Verdandi hat geschrieben:
Ich nehme mir vor, vornehm zugrunde zu gehen. 8)




Beinhalten die Konsultationen eines Orthopäden immer das Beinhalten oder muss ich mit der Frage zum Linguisten?
jacaranda, du übersiehst da eine klitzekleine Kleinigkeit - ich habe mich nie über nicht perfektes Rosendekor beklagt, über nicht perfektes Deutsch wird jedoch gejammert, als ob das das allerhöchste Gut aller Güter wäre. Ist es aber nicht.

Ist mir aber auch

https://www.youtube.com/watch?v=UQ0xoUzEMhM
sag bloß Rosendekor = Rosendekor
@ Shekinah
und dir ist's egal wie's aussieht.....Hauptsache Rosen?
jede Sprache war - und ist - lebendig.....
auch die deutsche.....
meine Großmutter z.B. hat noch viele französische Begriffe verwendet....
Portemonaie, Trottoir u.a.

heute ist - statt des franzöisischen - die englische Sprache die Welt-/Wirtschafts-Handelssprache....
und ja - wir haben viele Begriffe aus dem Englischen übernommen....
shoppen ....city.....
umgekehrt haben u.a. die Engländer von uns Begriffe wie Rucksack und Kindergarten übernommen.....(Sauerkraut sowieso)..... :wink:

vor dem französischen und englischen waren Latein und davor griechisch die Weltsprachen.....
heute würden wir einen mittelalterlichen Text nur noch mit Mühe verstehen....
die deutsche Schriftsprache ist eine künstliche Sprache, die es ermöglicht hat, dass sich Süd- und Norddeutsche, Österreicher und Schweizer untereinander mit dieser Schriftsprache verständigen konnten....

ein anderes Kapitel ist, wie User sich untereinander ausdrücken....
hier schreiben Leute, deren Muttersprache NICHT deutsch ist - und dennoch schreiben viele inhaltlich sehr gut und haben kein Bedürfnis, virtuell auf ihre Mitmenschen einzuhauen....
man kann - muss sich jedoch einer Gossensprache nicht bedienen.....
das wiederum ist eine moralische Angelegenheit - keine sprachliche....
jacaranda03 hat geschrieben: sag bloß Rosendekor = Rosendekor
@ Shekinah
und dir ist's egal wie's aussieht.....Hauptsache Rosen?


Schau schau, die jacaranda die ist schlau, die hat gecheckt, dass es mir wirklich egal ist, wie das Rosendekor aussieht, Hautpsache Rosen, ganz genau. Bunt zusammengewürfelt wie Menschen, die zusammengefunden haben.
ein Beispiel .....gehört vor Jahren in einem Heidelberger Kaufhaus :

"Host dei Chipcoin scho rabattiera glost?"

Ich fand das damals ja schon sehr gewöhnungsbedürftig

Meinetwegen darf natürlich jeder reden wie er will,
aber genauso natürlich finde ich es, daß sich jemand Gedanken zu Sprachentwicklungen macht und sich darüber austauscht

.......wobei der Kommentar "scheißegal" natürlich auch als Austausch betrachtet werden kann.
Daß er sehr hilfreich in der Diskussion ist, bezweifle ich