Ein Versuch die Liebe zu erklaeren. (Wikipedia)


Liebe (von mhd. liebe "Gutes, Angenehmes, Wertes") ist im engeren Sinne die Bezeichnung für die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen Menschen zu empfinden fähig ist. Analog wird dieser Begriff auch auf das Verhältnis zu Tieren oder Sachen angewendet. Im weiteren Sinne bezeichnet Liebe eine ethische Grundhaltung ("Nächstenliebe"), oder die Liebe zu sich selbst ("Selbstliebe").

Im ersteren Verständnis ist Liebe ein Gefühl oder mehr noch eine innere Haltung positiver, inniger und tiefer Verbundenheit zu einer Person, die den reinen Zweck oder Nutzwert einer zwischenmenschlichen Beziehung übersteigt und sich in der Regel durch eine tätige Zuwendung zum anderen ausdrückt. Hierbei wird nicht unterschieden, ob es sich um eine tiefe Zuneigung innerhalb eines Familienverbundes ("Elternliebe") handelt, um eine enge Geistesverwandtschaft ("Freundesliebe") oder ein körperliches Begehren ("geschlechtliche Liebe"). Auch wenn letzteres eng mit Sexualität verbunden ist, bedingt sich auch in letzterem Falle beides nicht zwingend (z. B. sog. "platonische Liebe").

Begriffliches
Ausgehend von dieser ersten Bedeutung wurde der Begriff in der Umgangssprache und in der Tradition schon immer auch im übertragenen Sinne verwendet und steht dann allgemein für die stärkste Form der Hinwendung zu anderen Lebewesen, Dingen, Tätigkeiten oder Ideen. Diese allgemeine Interpretation versteht Liebe also zugleich als Metapher für den Ausdruck tiefer Wertschätzung.

Kulturell und historisch ist "Liebe" ein schillernder Begriff, der nicht nur in der deutschen Sprache in vielfältigen Kontexten und in den unterschiedlichsten Bedeutungsschattierungen verwendet wird. Das Phänomen wurde in den verschiedenen Epochen, Kulturen und Gesellschaften unterschiedlich aufgefasst und erlebt. Jede Zeit und jeder soziale Verband setzt je eigene Verhaltensregeln für den Umgang mit der Liebe. Daher können die Bedeutungsebenen zwischen der sinnlichen Empfindung, dem Gefühl und der ethischen Grundhaltung "Liebe" wechseln.

Ebenso vielschichtig wie die Bedeutungen der Liebe sind die Bedeutungen der Antonyme. Im Hinblick auf die emotionale Anziehung zwischen Personen ist es der Hass. Im Sinne der Abwesenheit von Liebe kann aber auch die Gleichgültigkeit als Antagonismus angesehen werden. Im christlichen Verständnis gilt auch die Angst - als der Mangel oder die Abwesenheit von Liebe und Geborgenheit - als Gegensatz der Liebe. Fehlentwicklungen der Liebesfähigkeit sind im Sinne des "reinen" Liebesbegriffes das Besitzdenken (Eifersucht) oder verschiedene Formen der freiwilligen Abhängigkeit bzw. Aufgabe der Autonomie bis hin zur Hörigkeit.


Liebe als intersubjektive Anerkennung
Liebe wird häufig als eine auf Freiheit gegründete Beziehung zwischen zwei Personen gesehen, die ihren Wert nicht im Besitz des adressierten Objekts findet, sondern sich im dialogischen Raum zwischen den Liebenden entfaltet. Die Liebenden erkennen einander in ihrer Existenz wechselseitig an und fördern sich "zueinander strebend" gegenseitig.

Liebe wird teilweise als quasi anarchisches, asoziales und entgrenzendes Gegenmodell zu den Beschränkungen, Anforderungen, Funktionalisierungen und Ökonomisierungen der menschlichen Alltags- und Arbeitswelt aufgefasst. Auch wenn Liebe kein bewusster oder rationaler Entschluss der Liebenden ist, muss sie deswegen nicht als irrational betrachtet werden.

Im Sinne des Diskurses der Anerkennung (z. B. John Rawls, Axel Honneth) enthält Liebe nämlich die von Hegel betonte "Idee der wechselseitigen Anerkennung", was ihr ein moralisches Fundament verleiht. Liebe ist daher für Honneth neben dem Recht und der Solidarität eines der drei "Muster intersubjektiver Anerkennung". Die moralische Grundierung unterscheidet Liebe daher auch vom reinen Trieb.


Klassifizierungen
Die abendländische Auffassung von Liebe wird von der Dreiteilung Platons geprägt, die in der antiken Philosophie später ausgebaut wurde. Sie basiert auf den folgenden Konzepten:

Eros - bezeichnet die sinnlich-erotische Liebe, das Begehren des geliebten Objekts, der Wunsch nach Geliebt-Werden, die Leidenschaft
Philia - bezeichnet die Freundesliebe, Liebe auf Gegenseitigkeit, die gegenseitige Anerkennung und das gegenseitige Verstehen
Agape - bezeichnet die selbstlose und fördernde Liebe, auch die Nächsten- und "Feindesliebe", die das Wohl des Anderen im Blick hat
Die genauen Bedeutungen und Schwerpunkte der Begriffe haben sich im Laufe der Zeit verändert, so dass - im Gegensatz zum ursprünglich Gemeinten - unter "Platonischer Liebe" heute ein rein seelisch-geistiges Prinzip ohne körperliche Beteiligung und Besitzwunsch verstanden wird, dem das leiblich-erotische Modell von geschlechtlicher Liebe schroff gegenübergestellt wird.

Im Laufe der Zeiten wurden diese Grundformen der Liebe immer wieder differenziert. So bezeichnet man manchmal die Interessenliebe als "stoika", die spielerisch-sexuelle Liebe als "ludus", die besitzergreifende Liebe als "mania" und die auf Vernunftgründen basierende Liebe als "pragma". Ein besonderes Liebesverhältnis stellt in theistischen Religionen auch jenes zwischen der erbarmenden Liebe Gottes zu den Menschen und der verehrenden Liebe der Menschen zu Gott dar.

In Anlehnung an diese Dreiteilung kann man die Ausprägungen des Phänomens der Liebe in Empfindung, Gefühl und Haltung unterscheiden:


Liebesempfindung

Angelo Bronzino, Allegorie der Liebe (1540/45), DetailUnter Liebesempfindungen versteht man die primär sinnlichen Liebesgefühle, insbesondere die Verliebtheit und die sexuelle Anziehung. Sie stehen in der Regel in Verbindung mit den beiden anderen Formen der Liebe, können aber auch durch die Wahrnehmung eines fremden Körpers, d.h. durch visuelle, olfaktorische oder taktile Reize, ausgelöst werden oder ganz einfach durch den empfundenen Mangel an einem geliebten Gegenüber. Die Liebesempfindung steht in enger Verbindung mit der Sexualität, d.h. sexuellen Wünschen, Bedürfnissen und Handlungen (z. B. dem Geschlechtsverkehr, auch bezeichnet als "Liebe machen").


Liebesgefühle
Unter Liebesgefühlen allgemein versteht man ein komplexes, vielfältiges Spektrum unterschiedlicher Empfindungen und Haltungen gegenüber verschiedenen Arten von möglichen Liebesobjekten, in denen die sinnlich-erotische Komponente nur sekundär von Bedeutung ist. Sie führen zu einer Hinwendung und Zuwendung zum Anderen, dem Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Zärtlichkeit geschenkt werden.

Sympathie, Freundschaft, Sorge und emotionale Liebe sind Erscheinungen, in denen Liebesgefühle eine große Rolle spielen. Ebenso können die kontemplative Liebe (z. B. zur Natur), die aktive sorgende Liebe um den Nächsten (caritas), die religiöse bzw. mystische Liebe und das Mitleid hierzu gerechnet werden.


Liebe als Grundhaltung
Liebe als ethische "Geistes-" oder Grundhaltung, als Tugend, ist das Paradebeispiel für rational begründete Moralität; eine Fremdliebe, die eine Interessenbalance zwischen Egoismus und Altruismus herstellt. Nächstenliebe wird dabei üblicherweise nicht als altruistische Selbstaufgabe aufgefasst. Bei Immanuel Kant wird die Liebe als Grundhaltung mit den Begriffen Achtung und Würde verknüpft. Daraus ergibt sich eine allgemein-menschliche "Pflicht zur teilnehmenden Empfindung" mit dem Anderen.

In den meisten Religionen ist die Liebe der zentrale Begriff, ein wichtiges Gebot im Christentum lautet "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" (Markus 12,31; Matthäus 22,39; Römerbrief 13,8-10). Analoges gilt für das Judentum und den Islam. Im Buddhismus stehen Mitgefühl (d.h. allumfassendes Mitleid und Mitfreude) und Weisheit im Bezug auf alle fühlenden Wesen (z. B. auch gegenüber Tieren) im Mittelpunkt.


Art des Liebesobjekts
Selbstliebe: Selbstliebe wird in der Regel als die Voraussetzung zur Fähigkeit zum Lieben und zur Nächstenliebe angesehen, wobei nach Auffassung von Erich Fromm Selbstsucht Selbsthass bedeute. Selbstsucht äußere sich in der Liebe durch besitzgieriges Interesse. Fromm behauptet, dass zu starke Selbstlosigkeit keine Tugend sei, sondern ein Symptom, durch das unbeabsichtigter Schaden entstehen könne. Pathologische Selbstliebe wird als Narzissmus bezeichnet.
Partnerliebe: Die geschlechtliche Liebe kann in gegengeschlechtliche (Heterosexualität) und gleichgeschlechtliche Liebe (Homosexualität) unterschieden werden, und findet oft in Liebesbeziehungen Ausdruck, für die in heutigen europäischen Kulturen das Ideal der Partnerschaft, vermischt mit dem ehemals höfischen Ideal der romantischen Liebe, betont wird. Eine besondere Rolle nimmt in vielen Gesellschaften die eheliche Liebe ein, die oftmals Exklusivität für sich in Anspruch nimmt (siehe Monogamie). Nicht auf exklusiven Zweierbeziehungen beruhende Liebesmodelle (Polygamie) spielen in außereuropäischen Kulturen und in den letzten Jahrzehnten auch im Westen ("Polyamory") eine größere Rolle.
Familiäre Liebe: Neben der partnerschaftlichen Liebe sind insbesondere die Liebe zwischen (engen) Verwandten (Vaterliebe, Mutterliebe, Kindesliebe) und die Freundesliebe in menschlichen Gemeinschaften von größter Bedeutung.
Nächstenliebe: Die Nächstenliebe gilt im Sinne von Religion und Ethik primär den Bedürftigen, während die Philanthropie sie zur allgemeinen Menschenliebe ausdehnt (vgl. Menschlichkeit). Die Feindesliebe ist eine im Neuen Testament auf Feinde bezogene Nächstenliebe, die oft als christliche Besonderheit gilt, aber in abgeschwächter Form auch in anderen Religionen vorkommt. Noch weiter geht das Konzept der "Fernstenliebe".
Objekt- und Ideenliebe: Insbesondere in jüngerer Zeit ins Zentrum gesellschaftlicher Begriffe gerückt sind auch "Tierliebe" oder die "Liebe zur Natur". In der weitesten sprachlichen Auslegung "liebt" man seine Hobbys oder Leidenschaften und kann diese dann auch als Liebhaberei oder Vorlieben bezeichnen. Auch Ideale können demnach geliebt werden, etwa durch den Begriff "Freiheitsliebe" dargestellt, aber auch Zugehörigkeiten wie Vaterlandsliebe (Patriotismus). Diese Vorlieben können bis hin zu Fanatismus gehen, der Begriff Fan wird aber heutzutage auch für nichtfanatische Formen der Bewunderung, Verehrung bzw. Anhängerschaft verwendet.
Gottesliebe: Eine besondere Rolle nimmt die Gottesliebe ein, in ihrer allgemeinen Form die Liebe zu einem Gott oder mehreren Göttern bzw. einer spirituellen Entität.
"Objektlose Liebe": Liebe als Grundhaltung benötigt für christliche Mystiker wie Meister Eckhart kein Objekt. Liebe wird hier als bedingungsloses öffnen verstanden. Der Philosoph und Metaphysiker Jean Emile Charon bezeichnet diese "universale" Liebe gar als "Finalität der Evolution" und "Selbsttranszendenz des Universums".

Ausdrucksformen
Liebe, insbesondere Verliebtheit ("Verliebtsein") kann sich nonverbal, etwa durch Blicke, Mimik, Unruhe oder Körperhaltung ausdrücken. Beruht die Liebe auf Gegenseitigkeit, drückt der Mensch sie durch Zärtlichkeiten, insbesondere Küssen und Berührungen aus. Die körperliche Vereinigung (Sex) kann dabei als intimste Ausdrucksform der Liebe dienen.

Verbale Ausdruckformen sind in erster Linie Bezeichnungen der oder des Geliebten, meistens in Form von Komplimenten und Koseworten bzw. Kosenamen wie "Liebling" oder "Schatz".

Besondere, konventionelle Formen sind die "Liebeserklärung" oder der "Liebesbrief", die auch in der Literatur eine besondere Würdigung erfahren haben. Auch Rituale wie die Verlobung oder Symbole wie der Freundschaftsring gehören hierzu.

Das Ideal einer "Liebe als Verehrung" unter Ausschluss einer konkreten körperlichen Beziehung gehört eher in die (Literatur-)Geschichte und fand dort eine besondere Form in der so genannten "hohen minne", ein Begriff, den Walther von der Vogelweide als Gegenbegriff zur "nideren minne", also der körperlich erfüllten Minne, verwendet. In dieser poetischen Form der Liebe bleibt die "frouwe" unerreichbar.


Wissenschaftliches

Biologie und Physiologie
Der Begriff "Liebe" ist in der Biologie nicht definiert und damit keine wissenschaftliche Kategorie. Allgemein ist es schwierig, emotionale Prozesse mit naturwissenschaftlicher Methodik zu bearbeiten, zumal die zugrunde liegende Biochemie noch nicht ausreichend bekannt ist. Gesichert sind beim Menschen lediglich folgende Erkenntnisse:


Neurobiologie der Verliebtheit
Neueren Untersuchungen des Gehirnstroms und Studien zufolge bewirkt Verliebtheit in Bereichen des menschlichen Gehirns, die auch für Triebe zuständig sind, die höchste Aktivität, was darauf schließen lässt, dass das Gefühl, das gemeinhin als "Liebe" (i.S.v. Verliebtheit) bezeichnet wird, in seinem biochemischen Korrelat einen starken Zusammenhang mit dem biologischen Trieb aufweist.

Die mitunter sehr lang anhaltenden Wirkungen der Verliebtheit (Limerenz) deuten aber auch auf neuroendokrine Prozesse hin, die dem Phänomen zugrunde liegen. Das würde sich auch in das Entstehungsfeld einfügen, das in der Sexualität zu suchen ist und die selbst wiederum maßgeblich der diencephalen neuroendokrinen Steuerung unterliegt. Nicht zuletzt die endogenen Opiate des Hypophysenzwischenlappens spielen dabei eine Rolle.

Verliebt sich ein Mensch, so sorgen verschiedene Botenstoffe für Euphorie (Dopamin), Aufregung (Adrenalin), rauschartige Glücksgefühle und tiefes Wohlbefinden (Endorphin und Cortisol) (umgekehrt können Momente, in denen man nicht mit der geliebten Person zusammen ist, als schmerzhaft empfunden werden) und erhöhte sexuelle Lust (Testosteron sinkt bei Männern, steigt bei Frauen). Auch Sexualduftstoffe (Pheromone) werden vermehrt abgegeben. Hingegen sinkt der Serotoninspiegel stark ab, wodurch der Zustand der Verliebtheit in diesem Punkt eine Ähnlichkeit mit vielen psychischen Krankheiten aufweist. Das trägt dazu bei, dass Verliebte sich zeitweise in einem Zustand der "Unzurechnungsfähigkeit" befinden können, sich dabei zu irrationalen Handlungen hinreißen lassen und Hemmschwellen abbauen. Nach einiger Zeit (wenige Monate) gewöhnt sich der Körper an diese Dosen und ganz allmählich (laut WHO maximal nach 24-36 Monaten) beendet das Gehirn diesen sensorischen "Rauschzustand".

Nach vier Jahren Verliebtheit sind laut internationalen Statistiken die Scheidungen bei Menschen am häufigsten. Nach dieser Phase spielen die Hormone Oxytocin und das männliche Gegenstück Vasopressin, die Vertrautheit und Bindungen verstärkt, und Endorphine eine Rolle. Nach etwa 2-4 Jahren muss die Verliebtheit in eine andere Form der Liebe übergehen, in der Beziehung der Partner eher vom freundschaftlichen Ausleben gemeinsamer Interessen geprägt sein muss, denn die berauschenden Hormone können ab einem bestimmten Punkt ihre Wirkung nicht mehr entfalten. Als Folge stellt der Körper ihre Produktion ganz ein. "Entzugserscheinungen" können die Folge sein; nun treten auch viele vormals nicht störende Eigenschaften beim Partner offen zutage. Aus rein hormoneller Sicht wäre eine Trennung nun oft ebenso vorteilhaft wie ein weiteres Zusammenbleiben, um die Kinder aufzuziehen.


Evolutionsbiologie der Liebe
Das vertiefte Gefühl der Liebe ist aus evolutionsbiologischer Sicht möglicherweise im Zusammenhang mit der Sexualität entstanden, wobei die Liebe es ermöglichte, die erfolgte Partner-Selektion und damit die Paarbeziehung über längere Zeiträume zu stabilisieren. Es sind zwar bei vielen Tierarten monogame Paarbeziehungen bekannt (z. B. auch bei den Graugänsen von Konrad Lorenz), aber ob diese Tiere dabei so etwas wie "Liebe" empfinden, ist wohl eine aus erkenntnistheoretischen Gründen unbeantwortbare Frage.

Im Rahmen des Konzepts der biologischen Determiniertheit entsteht Liebe zwingend aus bestimmten körperlichen Reaktionen. Viele Menschen empfinden diese naturwissenschaftliche Einengung der Liebe auf körperliche Funktionszusammenhänge als unzureichende Beschreibung eines inneren Phänomens bzw. subjektiven Erlebens.


Psychologie und Psychiatrie

Darstellung aus dem Narrenschiff: Cupido schießt blind, der Tod grüßt.Die Psychologie beschäftigt sich mit den zahlreichen Spielarten der Liebe und des Liebesentzuges.

Nach Auffassung der Evolutionspsychologen werden Frauen und Männer bei der Partnerwahl von Vorlieben regiert, die sich über Millionen von Jahren von unseren Vorfahren auf uns weitervererbt haben. Diese "Steinzeit-Psyche" soll Frauen auf starke oder statushohe Beschützer-Typen reagieren lassen; Männer dagegen auf junge, hübsche Frauen. Schönheit gelte bei beiden Geschlechtern offenbar als Indiz für "gesunde Gene", wie auch Humanethologen bestätigen. In diesem Zusammenhang wurde auch vielfach untersucht, was "Schönheit" in diesem Zusammenhang bedeutet, welche körperlichen Merkmale für beide Geschlechter als attraktiv gelten ("Durchschnittlichkeit" als Ideal).

Die Psychiatrie befasst sich unter dem medizinischen Aspekt mit dem Phänomen. So wird zum Beispiel die Psychopathologie des "Liebeswahns" im Zusammenhang mit paranoischen Vorstellungen diagnostiziert (vgl. Wahnsinn).


Soziologie

Allgemeines
Es liegen in der Soziologie mindestens vier substantielle, thematisch einander eher ergänzende Ansätze zur Liebe vor. Sie betonen mehr oder weniger die "liebalen" Aspekte Kommunikation (Interaktion) und Semantik. Demnach wird Liebe definiert als Emotion (z. B. Jürgen Gerhards), Kulturmuster (z. B. Niklas Luhmann), Intimsystem (Becker/Reinhard-Becker/Fuchs) und nicht-kognitive Form kommunikativer Praxis (Günter Burkart, Cornelia Koppetsch).

"Liebe" wird u.a. als ein gesellschaftlich wirkendes Symbol für Interaktionen betrachtet (vgl. Symbolischer Interaktionismus) und auf seine soziale Funktion hin untersucht. Die Soziologie untersucht zahlreiche Einzelformen der Liebe, etwa die "romantische" Liebe, die "Liebe" im Bürgertum, die "Mutterliebe", die "Vaterlandsliebe" (oft als Ideologie), die Bezüge zwischen Liebe, Gewalt und Macht u. a. m. Unter den gegenwärtigen Soziologen behandelt z. B. Bálint Balla Liebe in seiner Soziologie der Knappheit eingehend, Horst Herrmann untersucht die (geschlechtsspezifischen) Zusammenhänge von Liebe und Gewalt sowie die gesellschaftlich wirkenden Modelle heutiger Liebesbeziehungen.

Auch hat die Soziologie angrenzende soziale Bräuche wie die Koketterie (Georg Simmel) oder den Flirt untersucht.


Systemtheoretische Ansätze
Die Systemtheorie nahm eine einschneidende Begriffsverengung vor, indem sie Liebe neu als eine "gesellschaftliche Semantik" bzw. als Code des Miteinander-Umgehens definierte. So formulierte Niklas Luhmann in Liebe als Passion (1982) romantische Liebe als ein Phänomen der Moderne, welches seine Grundlegung vor allem im Bürgertum des 18. Jahrhunderts erfährt.

Liebe fungiert - nach Luhmann - in der heutigen funktional ausdifferenzierten Gesellschaft in erster Linie als "symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium", das unwahrscheinliche Kommunikation wahrscheinlich machen soll. Die Gesellschaft differenziert sich immer stärker in einzelne Teilbereiche. Jedes einzelne Individuum ist nicht mehr nur in einem Bereich, z. B. der Familie verwurzelt, sondern in vielen Teilbereichen, etwa Freizeit oder Beruf. Auch ist es immer auch nur zu einem Teil verortet und bewegt sich ständig zwischen verschiedenen Bereichen hin und her. Auf Grund dieser kommunikativen "Polykontexturalität" erschwere sich die identitätsbildende Interaktion.


Guido Reni, Caritas (1604/07). Die Allegorie der fürsorgenden Liebe kann u.a. die mütterlich-familiäre Liebe meinenDem Einzelnen fällt es vor diesem Hintergrund zunehmend schwerer, sich selbst zu bestimmen. Hinzu kommt, dass diese Individualität und Identität im kommunikativen Austausch mit anderen bestätigt werden muss. Diese "höchstpersönliche" Kommunikation nimmt in einer derart ausdifferenzierten Gesellschaft aber ständig ab, denn zum einen wird durch die Vielzahl an Rollen in den beschriebenen Teilbereichen (z. B. als Tochter, Sekretärin, Freizeitsegler, etc.) dort auch nur unpersönliche Kommunikation erfahren, und zum anderen begreift sich der Mensch als Individuum, also etwas Besonderes, Einzigartiges, anders als die Anderen. Angesichts dieser Entwicklung ist es nicht nur schwierig, miteinander in Kontakt zu treten, es wird auch schwierig, einander überhaupt noch zu verstehen bzw. die Motivation zu finden, sich auf einen doch so Besonderen, Anderen einzulassen. Genau dieses Problem zu bewältigen ist - in dieser Theorie - Aufgabe der Liebe. Fuchs definiert Liebe daher als "wechselseitige Komplettannahme im Modus der Höchstrelevanz". Liebe als Kommunikationsmedium motiviert dazu, sich dem Anderen unter Ausblendung von Idiosynkrasien in seiner "Ganzheit" zu nähern und nicht unter der verengenden Perspektive des jeweiligen Sozialsystems (z. B. als Freizeitsegler). Durch diese Komplettannahme entsteht eine wechselseitige Bestätigung des "Selbst-Seins" und des jeweiligen "Weltbezugs" .

Liebe, bzw. genauer das Intimsystem, das im Medium Liebe operiert, ist eine Vorform des Sozialsystems "Familie", dem grundlegende gesellschaftliche Funktionen zukommen (nämlich Reproduktion und Sozialisation). Des Mediums Liebe bedarf es, da unwahrscheinliche Ereignisse (zwei Menschen begegnen sich unter Millionen anderen und begründen und stabilisieren ein Zusammenleben) erwartbar gemacht werden müssen. Liebe ist also wie Geld oder Macht ein so genanntes Steuerungsmedium, das die Chance auf das Eintreffen unwahrscheinlicher Sinnzumutungen steigert. Überraschend ist dabei jedoch, dass Intimsysteme auf dem paradoxen, komplexen und sehr täuschungsempfindlichen Medium Liebe basieren.


Sonstige Aspekte
Wesentlich ist im sozialen Kontext die Unterscheidung zwischen der einseitigen und der gegenseitigen Liebe. Erstere hat ihren Spezialfall in der im Volksmund so genannten unglücklichen Liebe (vgl. Liebeskummer).

Viele Bezeichnungen für Fachgebiete sind, ebenso wie eine Reihe anderer Begriffe, auf dem Präfix phil- aufgebaut. Hierzu zählen insbesondere die "Philosophie" (ursprünglich: "Liebe zur Weisheit") und die "Philologie" (ursprünglich: "Liebe zu Sprachen"). Die "Philatelie" sei stellvertretend für andere Sammelleidenschaften genannt, der Name "Philipp" ("Philhippos", verschiedene Schreibweisen) bedeutet "Pferdeliebhaber".


Tizian, Himmlische und irdische Liebe (1515)
Einen christlichen Standpunkt innerhalb der Existenzphilosophie vertritt Gabriel Marcel in "Sein und Haben": Der Mensch existiert ursprünglich nicht in der Abgrenzung, sondern der Teilhabe am Mitmenschen und am göttl. Sein, in dieser Seinsteilhabe verwirklicht sich die Liebe, die sich vorbehaltlos öffnet, wenn sich der Mensch in einer innerlichen, dem Sein hingebenden Andacht, diesem gewahr wird.

Polytheistische Religionen kennen zumeist Göttinnen, denen die Liebe zugeordnet wird und die sie befördern (vgl. Aphrodite, Hera). In monotheistischen Religionen ist die Allliebe Gottes eine seiner Eigenschaften; da er aber auch Zorn oder Eifersucht zu seinen Eigenschaften zählt, hat die Theologie hier ein komplexes Arbeitsfeld. Selbst in der negativen Theologie, wie auch in der Mystik wird als einzige Aussage über das Unsagbare in der Regel dennoch die Feststellung Gott ist die Liebe anerkannt; vgl. dazu auch die Natürliche Theologie.
Tja....das ist ja wirklich interessant.....

Stellt sich die Frage, ob ich mir nun einen Wellensittich kaufe, ober eher Philosoph werde, um platonische Zuneigungsgesten zu empfangen. Aber ok.....

Besonders würde mich aber interessieren, wie die diencephale neuroendokrinen Steuerung der Hypophyse und der eventuelle Einfluss des Hypothalamus Auswirkungen auf den Hyppocampus und den Mandelkern haben. Aber auch ob der Thalamus im Zusammenhang mit den endogenen Opiaten des Hypophysenzwischenlappens eine tragende Rolle spielt.

Aber auch beim betrachten der intersubjektiven Liebe als ethische "Geistes-" oder Grundhaltung, kann man das als Paradebeispiel für rational begründete Moralität ansehen.

Sehr schöne Aspekte, die es wirklich lohnt zu betrachten.

so...Pause ist um....
ach gott, ob mein mann das auch weiß???
Roland4855 hat geschrieben: Tja....das ist ja wirklich interessant.....

Stellt sich die Frage, ob ich mir nun einen Wellensittich kaufe, ober eher Philosoph werde, um platonische Zuneigungsgesten zu empfangen. Aber ok.....

Besonders würde mich aber interessieren, wie die diencephale neuroendokrinen Steuerung der Hypophyse und der eventuelle Einfluss des Hypothalamus Auswirkungen auf den Hyppocampus und den Mandelkern haben. Aber auch ob der Thalamus im Zusammenhang mit den endogenen Opiaten des Hypophysenzwischenlappens eine tragende Rolle spielt.

Aber auch beim betrachten der intersubjektiven Liebe als ethische "Geistes-" oder Grundhaltung, kann man das als Paradebeispiel für rational begründete Moralität ansehen.

Sehr schöne Aspekte, die es wirklich lohnt zu betrachten.

so...Pause ist um....


.......das hat mich ja wirklich zum lachen gebracht. Danke fuer deinen Beitrag. Hab zwar nix verstanden aber so gehts ja vielen mit der Liebe auch.

Schoene Gruesse,


Wolfgan
Ja Roland da hast du jetzt bei deinen Bemühungen der Kultivierung von geistig minderbemittelten deutlich Verstärkung bekommen :wink:

Ich habs leider nicht ganz gelesen, war mir echt zu lang :D
ja Sally......das ist so ähnlich, wie mit dem PC-Muskel.......nur umgekehrt! :) :) :) :)
Roland4855 hat geschrieben: ja Sally......das ist so ähnlich, wie mit dem PC-Muskel.......nur umgekehrt! :) :) :) :)


das ist wohl eher eine kleine Erweiterung anatomischer Kenntnisse, hat mit "Kultur" recht wenig zu tun, ( du enttäuschst mich), liegt vieleicht auch daran, daß ich von der Re-aktivierung dieses Muskels <noch nicht> betroffen bin :wink: Asche auf mein Haupt, du bist sowieso der Größte. 8)
PC-Muskeltraining empfehlen Ärzte bereits in jungen Jahren.
Außerdem erhöht es die Libido und fördert die Genussfähigkeit . (Tantra)
Also hat das nichts mit dem Alter zu tun.
Aber es ist nie zu spät, was Neues zu beginnen.
Hallo Wolfgang, hallo Roland
mir ist Wolgangs Ausführung auch wie Sally echt zu lang, auch wenn's
interessant sein mag. Aber Roland, dein Beitrag übtrifft bis jetzt alles,
was ich gelesen und gehört habe - nicht nur in 50+ (im Ernst). Diese Sätze gehörten nicht nur hier herein. Bewahr sie dir auf - sie sind es wert. Ich werd's tun und noch oft herzhaft darüber lachen.
Wolfgang, ich stell mal die Verbindung zwischen deinen beiden Threads her:
Realität ist, wäre ich eine Frau, könnte ich mich in dich verlieben, wenn die
Realität "nichts dagegen hätte", bei einem Treffen.
Liebe erklären: ohne psychologischen Hintergrund ist sie für mich erst mal
das Gefühl des Hingezogenseins zu jemandem/etwas (kann auch ein
Tier sein). Man kann vielleicht die Auswirkungen, auch auf die Gefühle, beschreiben, aber die Liebe selbst?
Das Hingezogenfühlen, die Zuneigung - sind das nicht nur Auswirkungen?

Da ist mir eben noch etwas eingefallen, was ich in einer Komödie mal gesehen bzw. gehört habe. Ich formulier's mal passend um:

Liebe ist: wenn man sich gegenseitig aufessen will
Realität ist: wenn man es (mehr oder weniger lang nach der Hochzeit)
bereut, es nicht getan zu haben.
Gruß
Ralph
Wolfgang, gib's zu, du schreibst (auch) eine Dissertation: über 50+ und die Liebe :wink:
Grüße von Ralph
Da wüßte ich aber was Besseres 8)
lach sally....und was mach ich nun....grien
Na gut, wenn ich wissen will was Liebe im wissenschaftlichen Sinne ist, lese ich nach.
Wenn ich die Liebe finde, gebe ich mich ihr hin, da betrachte ich dieses Wunderwerk der Schöpfung nicht wissenschaftlich. Warum auch, da hätte ich ja gar keine Zeit mehr zu lieben.
Ist wohl nicht das Thema hier, na macht nix.
Froggy, Du hast mir aus der Seele gesprochen!!! :lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:
hallo mein Lieblingsfrosch,

wenn man doch nix hat, dann muss man so langewierige Berichte schreiben :?
Deswegen schreib ich auch so viel :oops: