Aus dem Urteil des BVerfG, mit dem die Strafbarkeit der Sterbehilfe gekippt wurde:
Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) umfasst als Ausdruck persönlicher Autonomie ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben
Die Freiheit, sich das Leben zu nehmen, umfasst auch die Freiheit, hierfür bei Dritten Hilfe zu suchen und Hilfe, soweit sie angeboten wird, in Anspruch zu nehmen.
https://www.bundesverfassungsgericht.de ... 34715.html

Jetzt diskutiert der Ethikrat. Sobald er ausdiskutiert hat, wird dann der Bundestag wieder feierlich diskutieren. Dann kommt das nächste Gesetz.
„Die Waage neigt sich bis zum Anschlag in Richtung uneingeschränkter Autonomie" sagt
Peter Dabrock, Chef des Deutschen Ethikrats.
Da weiß man schon, was bei der Diskussion rauskommt. Allerdings hat diese Klientel ein Problem: Das Urteil des BVerfG ist sehr eindeutig. Da wird es schwierig, das Gegenteil ins Gesetz zu schreiben.

Aber es gibt erfolgversprechende Ansatzpunkte dafür. Verfolgt man die Diskussion, so fällt immer wieder der Begriff „selbstbestimmt“.
Will heißen: Der Mensch behauptet, sterben zu wollen. Aber ist das wirklich so? Ist das die geforderte autonome Entscheidung oder wird er nicht doch beeinflusst? Er muss erst mal beweisen, dass er wirklich sterben will! Einer der Mitdiskutanten im Ethikrat hat für diese Prüfung schon einen eigenen Berufszweig ins Gespräch gebracht.

Es wird schon deutlich, wie die „Empfehlung“ und das „Gesetz“ gestaltet werden.
Was das Verfassungsgericht gefordert hat wird selbstverständlich garantiert. Aber der Sterbewillige muss seine „autonome Entscheidung“ beweisen. Dafür gibt es dann sicherlich rechtstaatliche Verfahren inklusive Gerichtsverfahren und Widerspruchsrechte. Das ist dann immerhin schon ein Fortschritt zum Mittelalter, in dem versuchter Selbstmord als Mordversuch galt und mit dem Tode bestraft wurde. Wir sind also weit gekommen.

Etwas Ähnliches habe ich als junger Mensch schon miterlebt. Ich musste meine Unfähigkeit, andere Menschen töten zu können, in 6 Verfahren inkl. 2 Gerichtsverfahren nachweisen. So etwas werde ich als alter Mensch mit Sicherheit nicht nochmals mitmachen. Sollte ich, was ich mir eigentlich nicht vorstellen kann, tatsächlich meinem Leben ein Ende setzen wollen, so werde ich diese Entscheidung keinesfalls vor irgendwelchen staatlich beauftragten Hanseln rechtfertigen.
Wird behauptet? Ja es ist so! Jedenfalls bei mir und bei allen die ich kenne, welche Mitglied bei einer Sterbehilfeorganisation sind. Nur weil andere sich nicht vorstellen können, dass dem so ist, glauben sie, es besser zu wissen. Wenn sich ein Mensch entscheidet sterben zu wollen, dann will er das. Ok du hast bestimmt mehr Geriatrieerfahrung als ich, war ja nur mittendrin, in einem privaten Krankenheim mit Frauen im Endstadium ihres Lebens und in der psychiatrischen Männergeriatrie, da habe ich ja überhaupt keine Ahnung. Viele wollten wirklch nur noch sterben und durften nicht.
das Problem ist nicht nur, dass sie nicht dürfen, sondern dass sie es selbst nicht mehr können. Der Mann von einer Freundin von mir ist im Pflegeheim mit Demenz. Er wollte zu "Lebzeiten" nie in diese Situation geraten, eher nimmt er sich das Leben. Diesen Punkt hat er verpasst .... sein Frau bezahlt dafür, in jeder Beziehung....

Ich bin vorbereitet und warte nicht, bis mir ein Politiker dafür die Erlaubnis erteilt. Schlimm ist es wirklich für die, die es selbst nicht mehr "bewerkstelligen" können und im Ergebnis dahinsiechen ... bis es von allein zu Ende geht.

Es ist auch eine finanzielle Sache.... bevor ich das Geld einem Pflegeheim gebe, gebe ich es meinen Kindern, die brauchen es eher... für ihre Zukunft. Ich werde gehen, wenn es soweit ist... auch wenn meine Kinder darüber sehr traurig sein werden, aber sie haben mit Sicherheit Verständnis für meine Entscheidung.

Die Politik sollte sich aus dem Thema heraushalten und die Entscheidung über das eigene Leben den Menschen selbst überlassen!!
Shekinah hat geschrieben: Wird behauptet? Ja es ist so! Jedenfalls bei mir und bei allen die ich kenne, welche Mitglied bei einer Sterbehilfeorganisation sind. Nur weil andere sich nicht vorstellen können, dass dem so ist, glauben sie, es besser zu wissen. Wenn sich ein Mensch entscheidet sterben zu wollen, dann will er das. Ok du hast bestimmt mehr Geriatrieerfahrung als ich, war ja nur mittendrin, in einem privaten Krankenheim mit Frauen im Endstadium ihres Lebens und in der psychiatrischen Männergeriatrie, da habe ich ja überhaupt keine Ahnung. Viele wollten wirklch nur noch sterben und durften nicht.

Das ist exakt die Konstellation, in der in für mich nicht akzeptabler Weise der Staat eingreift.
Falls überzeugende Nachweise vorliegen, dass die Entscheidung nicht selbst bestimmt getroffen wurde sondern durch äußere Einflüsse provoziert, so wäre eine Hilfe durch Dritte nicht zu vertreten. Aber dieser Beweis wird nicht geführt, sondern es erfolgt eine Umkehr der Beweislast. Der Sterbewillige soll nachweisen, dass er seine Entscheidung autonom getroffen hat. So war es schon bei der Kriegsdienstverweigerung, bei der Abtreibung etc.
Verfolgt man die Diskussion, gelangt man immer wieder an diesen Punkt. Deshalb befürchte ich, dass ein solches Verfahren wohl etabliert wird.
Ist alles so leicht gesagt,
vor allen Dingen wenn man vermeintlich noch so weit vom Geschehen ist.
Vielleicht treffe ich heute eine Entscheidung, die ich übermorgen für falsch halte, wer weiß das schon.
Wem und wie will ich das sagen, wenn ich übermorgen nicht mehr in der Lage bin, dieses adäquat auszudrücken?

Zumal selbst in Pflegeheimen von so "besorgten" Angehörigen der Tod ihrer Lieben herbeigesehnt wurde.
Nein, nein, nicht weil das Leiden so groß war, sondern weil der zu erbende Geldbeutel schrumpfte. Selten? Nein, allein ich könnte von 4 Fällen berichten.
Die Fallzahlen diesbezüglich zu Hause möchte ich mir gar nicht vorstellen.

Sterbehilfe ist auch nicht gleich Sterbehilfe.
Aktive Sterbehilfe bleibt weiterhin verboten.
Passive Sterbehilfe darf bei Menschen geleistet werden, die unheilbar krank sind und nur noch eine geringe Lebenserwartung haben.
Indirekte Sterbehilfe ist das Verabreichen schmerzlindernder oder bewusstseinstrübender Medikamente im Endstaduim schwerer Krankheiten.
Assistierter Suizid ist meist das Besorgen von Medikamenten, die todbringend sind. Verabreicht werden, dürfen sie nicht.

Palliativmediziner standen früher wegen passiver Sterbehilfe stets mit einem Bein im Gefängnis. Auch einem mir bekannten Paliativ-Mediziner hat man schon die Praxis durchsucht.
@nettestierfrau

Die beschriebenen Gesetze zur Sterbehilfe wurden gerade vom BVerfG als nicht vereinbar mit dem Grundgesetzt gekippt. Deshalb sitzen ja unsere Ethikpäpste beisammen um sich was neues auszudenken. Das wird dann im Bundestag – selbstverständlich ohne Fraktionszwang – entschieden und hinterher als großer Sieg gefeiert.

Und die beschriebenen Fälle? Richtig, Missbrauch gibt es immer. Das ist die Kehrseite der Freiheit, dass sie von manchen Menschen missbraucht wird. Aber darf man sie deshalb abschaffen? Oder sie nur nach einem „Eignungstest“ einer Person zugestehen? So wie: Du bist vertrauenswürdig und darfst entscheiden – Du bist nicht vertrauenswürdig und darfst es nicht. Ganz offiziell klassifiziert vom zertifizierten Sterbebeauftragten nach „ethischen“ Grundsätzen.

Und was die Halbwertzeit von Entscheidungen angeht, ist dies ebenfalls eine rein persönliche Angelegenheit. Daher kann ich nicht für andere sprechen. Für mich jedenfalls gibt es in solchen Fragen kein hin und her. Ich wusste mit 14 Jahren, was ich werden wollte. Und ich wusste mit 17 Jahren, mit welcher Frau ich mein Leben teile. Daran hat sich in 50 Jahren nichts geändert. Und sollte ich irgendwann entscheiden, meinem Leben ein Ende zu setzen, so werde ich diese Entscheidung ebenso ernsthaft treffen und an den ethischen Grundsätzen messen, die seit meiner Pubertät für mich gelten. Diese höchst persönliche und autonome Entscheidung werde ich nicht mit irgendeinem Hansel, dem Staat ein Amt verliehen hat, diskutieren.


@ dick01

Warum rechtfertigst Du die Freiheit, die Du Dir zu nehmen gedenkst, in Deinem letzten Absatz so ausführlich mit Deiner Prinzipientreue? Würde dieses Recht nicht auch allen anderen zuzugestehen sein, die bei Sinnen sind – und zwar ohne all diese Qualitäten einer jahrzehntelangen Standhaftigkeit vorweisen zu müssen? :wink:




So viel mir bekannt ist, hat das Oberste Gericht eine Selbsttötung als Grundrecht bestätigt. Nur Herr Spahn hat per Ministerschreiben die Möglichkeit mit einem Medikament ausgehebelt. So weit zur Dritten Gewalt im Staat!
Verdandi hat geschrieben:

@ dick01

Warum rechtfertigst Du die Freiheit, die Du Dir zu nehmen gedenkst, in Deinem letzten Absatz so ausführlich mit Deiner Prinzipientreue? Würde dieses Recht nicht auch allen anderen zuzugestehen sein, die bei Sinnen sind – und zwar ohne all diese Qualitäten einer jahrzehntelangen Standhaftigkeit vorweisen zu müssen? :wink:


Das ist keine Rechtfertigung, denn diese ist nicht notwendig, sondern eine Erläuterung. Ich schrieb das als Antwort auf die Bedenken von nettestierfrau, die nicht von der Hand zu weisen sind. Da dieser Punkt, also die Sicherheit der Entscheidung, nur aus einer persönlichen Perspektive zu beantworten ist und ich mir nicht anmaße, dies für andere Menschen beurteilen zu können, habe ich es aus meiner Perspektive getan.
Kultii hat geschrieben: So viel mir bekannt ist, hat das Oberste Gericht eine Selbsttötung als Grundrecht bestätigt. Nur Herr Spahn hat per Ministerschreiben die Möglichkeit mit einem Medikament ausgehebelt. So weit zur Dritten Gewalt im Staat!

Wenn man das Urteil liest, deshalb der obige Link, so hat das Gericht nicht nur das Recht auf einen selbst bestimmten Tod bestätigt, sondern auch das Recht, sich dabei helfen zu lassen. Und auszuhebeln hat der Herr Spahn überhaupt nichts. Da die aktuelle Gesetzeslage nicht mit der Verfassung vereinbar ist, muss sie neu gefasst werden. Warten wir ab, wie das aussieht und ob das Verfassungsgericht damit konform geht. Beim Telekommunikationsgesetz hat es auch die Neufassung wieder für verfassungswidrig erklärt. Da hatten unsere Vertreter nach dem Motto "gleicher Inhalt aber neue Verpackung" einen dummen Trick versucht.
Ist Selbstmord etwas Verwerfliches und sogar etwas gesellschaftlich Verwerfliches? Da sich der Deutsche Ethikrat schon in mehreren Publikationen damit befasst hat, scheint dies eine substantielle Fragestellung unserer Volksvertreter zu sein, für deren Beantwortung sie der ethischen Unterstützung der versammelten Ethikkompetenz bedürfen.

Was ist denn „Ethik“? Schauen wir einfach mal ins Wörterbuch: philosophische Disziplin oder einzelne Lehre, die das sittliche Verhalten des Menschen zum Gegenstand hat; Sittenlehre, Moralphilosophie. (Angefangen hat damit, wie so oft, Aristoteles und Ethik heißt eigentlich Sitte, Cicero übersetzte es mit Moralphilosophie). Also machen sich unsere Volksvertreter Sorgen um meine, deine, unser aller Moral. Ist das nicht nett? Und ich dachte immer, sie sollten die gesetzlichen Regelungen auf der Basis unseres Grundgesetzes machen.

Wir brauchen anscheinend eine moralische Regelung bestimmter Fragestellungen wie: Ist Suizid erlaubt und darf man sich dabei helfen lassen. Da entsteht dann die Frage: Welche Moral legen wir dieser Regelung zu Grunde? Die christliche – also fragen wir z. B. den Papst? Sicherlich nicht den Koran, obwohl es viele Moslems bei uns gibt. Alles falsch. Nein, wir fragen den Deutschen Ethikrat, dort hinein sind die die besten Moralapostel Deutschlands berufen. Der sagt uns dann, wie unsere Moral auszusehen hat.

Und was sagt der Rat zum Suizid? Er hat zu dem Thema bisher 2 Veröffentlichungen herausgegeben seit 2014:

1. Zur Regelung der Suizidbeihilfe in einer offenen Gesellschaft: Deutscher Ethikrat empfiehlt gesetzliche Stärkung der Suizidprävention

2. Suizidprävention statt Suizidunterstützung. Erinnerung an eine Forderung des Deutschen Ethikrates anlässlich einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts

Das haben sich unsere Volksvertreter dann zu Herzen genommen bei der Gesetzgebung. Aber leider, leider: Das Grundgesetz sagt etwas anderes. Das hätten die Abgeordneten eigentlich bemerken müssen, da sie sich am Grundgesetz orientieren sollen.

Und unsere Moralapostel? Das Bundesverwaltungsgericht haben sie schon mal in den Senkel gestellt. Und wenn der Vorsitzende Dabrock sagt: „Die Waage neigt sich bis zum Anschlag in Richtung uneingeschränkter Autonomie", werden sie wohl auch das BVerfG in den Senkel stelle.

Ich habe den starken Eindruck, die Räte haben nicht begriffen, was ihr Job ist, dass es nicht ihre Aufgabe ist, ihr Moralverständnis zur Grundlage des staatlichen Handelns zu machen.
Selbstmord ist nichts verwerfliches, darum geht es doch auch gar nicht.

Es geht darum, sich dabei helfen zu lassen
Ich hätte vermutlich Schwierigkeiten damit, andere zu beauftragen, mir dieses und jenes zu besorgen, damit ich mein Leben beenden kann.
Denn diejenigen, die mir letztendlich bei der Selbsttötung helfen, müssen mit diesem Tun weiterleben.
Und das kann durchaus zur großen Belastung werden, die auch ein Ethikrat nur schwerlich entkräften kann.

@ Nettestierfrau

Man sollte unterscheiden: Geht es hier um die Vorstlellungen Einzelner, wie Deinen und denen anderer hier?  Nein! Es geht um die offenbar bisher mehrheitlich gesellschaftlich tief verwurzelten traditonellen Werte, die oft religiös konnotiert waren und noch immer zu sein scheinen.

Wie wir (zumindest Katholiken und ehemalige wie ich) ja wissen, war früher zumindest einem Gläubigen die Selbsttötung unter höchster Strafe verboten - wurde ihm doch deswegen das Himmelreich verwehrt.

Ist das heute noch so - oder werden
von solchen Vorstellungen von "Todsünden" heute noch immer die Strenggläubigen beeinflusst? Letztetes glaube ich schon!

Meine Oma hatte mir als Kind schon erzählt, dass Selbstmörder kein christliches Begräbnis erhalten dürften,  sondern am Zaun vor dem Friedhof "verscharrt" werden müssten. Das kann heute nicht mehr so sein, weil die Friedhöfe längst Gemeindeeigentum sind und säkular verwaltet werden.

Aber vielleicht sind solche Vorstellungen in so manchen Köpfen noch vorhanden? Vielleicht gibt es auch kaum einer wirklich zu - oder weiß es selbst nicht einmal so genau - woher diese Ablehnung der Selbsttötungen wirklich herrührt - dass diese das Ergebnis einer über lange Zeiten wirkenden, starken kirchlichen Indoktrination war und noch immer ist?

In Deutschland muss man daneben natürlich auch noch berücksichtigen, dass die historischen Erfahrungen mit der Massen-"Euthanasie unwerten Lebens" eine noch heute nicht unerhebliche Rolle dabei spielt, "geschäftsmäßige Tötungen" auf Verlangen wegen der befürchteten Möglichkeit eines Missbrauchs von staatliche Seite (z.B. für den Fall, dass die Nazis wieder an die Macht kämen) abzulehnen.




Die Dunkelziffer ist sehr hoch, weil niemand darüber spricht oder sprechen darf.

Sterbehilfe wird öfter geleistet als man glauben will.
In den Fällen, von denen ich weiß, war es immer ein Akt der Gnade und der Menschlichkeit.

Was eine Kommerzialisierung der Sterbehilfe betrifft, bin ich etwas skeprisch.
Da klingt bei mir das Thema Euthanasie noch zu stark durch.

Vielleicht wäre es besser, sie nicht mehr zu kriminalisieren.
Verdandi hat geschrieben:
@ Nettestierfrau

Man sollte unterscheiden: Geht es hier um die Vorstlellungen Einzelner, wie Deinen und denen anderer hier?  Nein! Es geht um die offenbar bisher mehrheitlich gesellschaftlich tief verwurzelten traditonellen Werte, die oft religiös konnotiert waren und noch immer zu sein scheinen.

Wie wir (zumindest Katholiken und ehemalige wie ich) ja wissen, war früher zumindest einem Gläubigen die Selbsttötung unter höchster Strafe verboten - wurde ihm doch deswegen das Himmelreich verwehrt.

Ist das heute noch so - oder werden
von solchen Vorstellungen von "Todsünden" heute noch immer die Strenggläubigen beeinflusst? Letztetes glaube ich schon!

Meine Oma hatte mir als Kind schon erzählt, dass Selbstmörder kein christliches Begräbnis erhalten dürften,  sondern am Zaun vor dem Friedhof "verscharrt" werden müssten. Das kann heute nicht mehr so sein, weil die Friedhöfe längst Gemeindeeigentum sind und säkular verwaltet werden.

Aber vielleicht sind solche Vorstellungen in so manchen Köpfen noch vorhanden? Vielleicht gibt es auch kaum einer wirklich zu - oder weiß es selbst nicht einmal so genau - woher diese Ablehnung der Selbsttötungen wirklich herrührt - dass diese das Ergebnis einer über lange Zeiten wirkenden, starken kirchlichen Indoktrination war und noch immer ist?

In Deutschland muss man daneben natürlich auch noch berücksichtigen, dass die historischen Erfahrungen mit der Massen-"Euthanasie unwerten Lebens" eine noch heute nicht unerhebliche Rolle dabei spielt, "geschäftsmäßige Tötungen" auf Verlangen wegen der befürchteten Möglichkeit eines Missbrauchs von staatliche Seite (z.B. für den Fall, dass die Nazis wieder an die Macht kämen) abzulehnen.



Um den selbstbestimmt durchgeführten Suizid ging es aber in dem Urteil des BVerfG im Februar d. J. gar nicht.

Es ging um das Verbot der "geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung" in Paragraf 217 Strafgesetzbuch. Dieses wurde für nichtig erklärt.
Heißt, kein Arzt, kein Mitglied eines Sterbehilfevereins macht sich also strafbar, wenn er beim Sterben hilft.

Nicht immer wenden sich aber Sterbewillige an Sterbehilfevereine und Ärzte, sondern an Angehörige oder Freunde. Hier sehe ich das Problem.