Danke für das Weihnachtsständchen @filofaxi

Ich hoffe, dass ihr - wie in der Schweiz üblich - auch einen Weihnachtsbatzen zum Dezember-Lohn bekommt. Das ist bei uns in der Schweiz der 13. Monatslohn.

Ja, bin auch voll dafür, für seine Rechte einzustehen, am besten mit stoischer Durchschlagskraft.

Schöne Advents- und Weihnachtszeit! Auch Dir @Migranda

Ich habe auch gerade viel zu tun und werde wohl nicht mehr so schnell vorbeischauen. Dafür bin ich auch in zu vielen Foren aktiv. Da muss ich eine gewisse Auswahl treffen, wo es für mich noch sinnvoll erscheint. Hier gibt es doch viele Abstriche im Angebot, was mir nicht so gefällt. Aber das sprachliche Diskussionsniveau hat mir in diesem Thread durchgängig gefallen. Danke allen hier dafür. :)
„Stoische Durchschlagskraft“ klingt etwa so, wie das „Schnecken-Tempo“, mit dem Jemand herbei eilt, und hat wohl viel mit dem Temperament des Betreffenden zu tun.

Von den Chinesen sagte man früher ja, dass sie trotz militärischer Unterlegenheit schon bereits wegen ihrer Überzahl immer siegreich seien, denn sobald Einer von ihnen besiegt ist, stehen - ähnlich den abgeschlagenen Köpfen der griechischen Hydra - gleich 7 neue an seiner Stelle.

Leider kann man das von den ausgebeuteten und bei Protest einfach entlassenen Arbeitern nicht sagen, sodass deren Sieg auch nicht lediglich darin bestehen kann, ihre Arbeitslosigkeit stoisch so lange auf Kosten der sozialen Solidargemeinschaft durchzustehen, bis sie endlich einen neuen Ausbeuter gefunden haben, während sich der alte unterdessen billigen Nachschub im Ausland besorgt, oder aufgrund von asozialen Steuer- und Zollgesetzen gleich in Dritte-Weltländern produzieren lässt.

So kann auch die „gegen die Mutlosigkeit, sich zu wehren“, empfohlene „stoische Hoffnung auf bessere Zeiten“ nur eine Notfalltechnik zum Überleben darstellen, die genauso automatisch eintritt, wie der Flucht - Verteidigungs- oder Totstellreflex, sodass man sie noch nicht einmal dann extra zur Lebensfilosofie zu erklären braucht, wenn tatsächlich die Notwendigkeit besteht, stoisch die Ruhe zu bewahren.

Dass nur in der Ruhe die Kraft liege, ist ebenfalls ein Irrtum, denn es gibt bekanntlich ganz unterschiedliche Meditationen, die dem jeweiligen Temperament des Betreffenden angepasst sind, sodass ein dynamischer Mensch seine Regenerationskraft viel besser aus einer gleichmäßigen Tätigkeit schöpft, als ein phlegmatischer, der eher dazu geeignet ist, im Diamantsitz beim Zazen stoisch auf eine weiße Wand zu starren, bis ihn der Blitz der Erkenntnis trifft, dass Alles von Allem genauso wenig von Bedeutung sei, wie Nichts von Allem, sodass nur die geistige Leere zähle.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/ei ... t-100.html

Daher sollte der Wütende seiner Wut ruhig Ausdruck verleihen, indem er sie herausschreit, ein Trauriger sollte seinen Verlust tränenreich betrauern, der Fröhliche sollte seine Freude durch lautes Lachen kundtun, während der Ängstliche auch von seinem Recht zu schweigen Gebrauch machen sollte, wenn es ihm hilft, sich vor der Zudringlichkeit seiner Mitmenschen zu schützen – ganz nach dem Motto: „Jedem Tierchen sein Plaisierchen!“, oder:

„Ein Heller und ein Batzen, die waren beide mein!
Der Heller ward zu Wasser, der Batzen ward zu Wein!“

(Altes Studentenlied von Albert Schlippenbach / Ernst Kallipke)

In diesem Sinne möge besonders in der wieder von Corona belasteten Vorweihnachtszeit Jeder mit seinem Batzen tun und lassen, was ihm gefällt, und sich dran erfreuen, solange er noch einen hat.
filofaxi hat geschrieben: -------
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In der heutigen Zeit, wo die Heilserwartungen ins Unermessliche gestiegen sind, ist Niemand mehr ohne Not bereit, als Diener eines Herrn die Unterdrückung und Ausbeutung freiwillig zu ertragen, sodass die Aufforderung, stoisch seinen Dienst zu verrichten, um eines Tages vielleicht dafür mit einem Weihnachtsbaum belohnt zu werden, ebenfalls nicht mehr zeitgemäß erscheint.

Was nun die Seelenruhe (und nicht etwa den „Frieden mit sich selbst“) betrifft, so ist die dem Ungeduldigen nur dann vergönnt, wenn er den Lohn für seine Arbeit möglichst zeitnah erhält, was bedeutet, dass er ihn notfalls auch gegen den Willen des jeweiligen Herrn erkämpfen muss, wenn der ihn mit faulen Ausreden dazu nötigen will, sich bis zum St. Nimmerleinstag stoisch in Geduld zu üben.


Liebe Laura_Maelle,

ich frage mich gerade, ob der Stoizismus wirklich ausreicht, um außer Weisheit auch Mitgefühl, Nächstenliebe, auch Mitgefühl für Tiere, zu entfalten...
Dem Buddhismus ist ja Mitgefühl und sogar Liebe für alle Wesen ein Herzensanliegen...
Es geht mir also um politisches Engagement für Schwächere, für Ausgebeutete, auch für Tierschutz...
Vielleicht könntest Du nach Weihnachten, bzw. im Neuen Jahr, einmal bezüglich dieses Anliegens schreiben?
Vielleicht hast Du es auch schon getan, leider erinnere ich mich aber nicht daran.

Ich lese z.Zt. jeden Morgen beim Frühstück das sehr dicke, schwere Buch (fast 1000 Seiten) von Buddhagosha, wie in einer Bibel :) lese ich darin. ( Ich wurde ja sehr christlich erzogen, jeden Morgen las meine Mutter aus der Bibel vor.)
Im 5. Jahrh. lebte er. Er glaubte, Gautama Buddha war allwissend, in vielen Leben hatte er die Buddhaschaft angestrebt, voller Güte und Liebe für alle Menschen war er, und war sogar bereit, auf das Nirvana zu verzichten, um allen leidenden Menschen zu helfen, und ihnen zu zeigen, wie sie zu Glück und innerem Frieden gelangen können...
Wegen dieses Glaubens an mögliche Allwissenheit als Buddha, und des Glaubens an eine bessere Reinkarnation als Belohnung, konnte Gautama Buddha so viele Anhänger finden...
Auch an Höllenstrafen für böse Taten und ethisches Versagen glaubte er...
Ich denke, ohne diesen Glauben hätte der Buddhismus nie als Tradition erstarken können...(Er entspricht dem christlichen Glauben an Belohnung im Paradies.)
Auch mir ungläubiger Buddhistin ist das Ideal des Erleuchteten, des vollkommen Erwachten, existentiell wichtig... -

Ich wünsche Dir von Herzen eine gesegnete Weihnachtszeit!

@filofaxi
Und auch Dir wünsche ich das von Herzen!
Liebe Migranda :)

Der Buddhismus ist mit dem Stoizismus nahe verwandt und wird von den Buddhisten öfter diskutiert im Internet. Gerade dort fand ich viel Material dazu und habe auch mitdiskutiert als Laura Maelle. Es gibt ein Buch dazu:

Hermann Jacobi, Lothar Baus, Joseph Dahlmann, Richard Garbe, Wilhelm Geiger - Buddhismus und Stoizismus - zwei nahverwandte Philosophien und ihr gemeinsamer Ursprung in der Samkhya-Lehre, Asclepios Edition.

Der Stoizismus ist keine religiöse Lehre, sondern eine offene Philosophie ohne jegliche Pflichtvorgaben. Außerdem besteht ja die Hauptlehre gerade darin, dass jeder über die eigene Natur (Intuition) zum Kern der Wahrheit findet, weil jedes Wesen in der kosmischen Allnatur verbunden ist.

Die Nächsten-, Tier- und Naturliebe und Allverbundenheit im Stoizismus, die ja als Naturphilosophie der Natur am nächsten steht, habe ich bereits in einem früheren Beitrag beschrieben, den ich hiermit nochmal zitiere:

Laura_Maelle hat geschrieben: Kosmos/Gott - Berg/Transzendenz - Leben/Intuition

Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen.
X 36, IX 1, XII 24, VII 47, VII 55, XII 23, IX 22.

"Was ist Asien und Europa? Ein paar kleine Stückchen der Welt.
Was ist das ganze Meer? Ein Tropfen in der Welt.
Und der Athos? Eine Weltscholle.

Alles ist klein, veränderlich, verschwindend.
Aber alles kommt und geht hervor
oder folgt aus jenem allwaltenden Geiste.

Denn die Allnatur ist das Reich des Seienden.
Diese steht mit allem Vorhandenen in engster Verbindung.
Ferner wird jene auch die Wahrheit selbst genannt
und ist tatsächlich der Urquell alles Wahren.

Welch ein Glück, wenn du plötzlich über die Erde emporgerückt
von oben herab auf die Menschenwelt herniederschaust,
um den großen vielgestaltigen Wechsel in derselben wahrnehmen
und zugleich den ganzen Umkreis luftiger und ätherischer Wesen
mit einem Blicke übersehen zu können!

Betrachte den Umlauf der Gestirne, als wenn dein Leben mit ihnen umliefe.
Und erwäge beständig die wechselnden Übergänge der Grundstoffe ineinander.
Denn solche Betrachtungen reinigen dich vom Schmutz des Erdenlebens.

Sieh dich nicht nach den leitenden Grundsätzen anderer um,
sondern schaue vielmehr unverwandten Blickes auf das Ziel,
zu dem die Natur dich hinführt, jene Allnatur
in allem, was dir widerfährt,
und deine eigene durch deine Obliegenheiten.

So ist auch der ein von Gott Geführter,
der sich von Gott auf dessen Wegen
übereinstimmend mit seiner Gesinnung
zu gleichen Zielen führen lässt.

Forschend wende dich deiner eigenen Seele,
der Seele des Weltganzen und deines Nächsten zu.
Deiner eigenen Seele, um ihr Sinn für Gerechtigkeit einzuflößen,
der Seele des Weltganzen, um dich als Teil des Ganzen zu erinnern,
der Seele deines Nächsten, um zu erkennen,
ob derselbe unwissentlich oder wissentlich gehandelt habe,
und zugleich zu bedenken, dass sie der deinigen verwandt ist."


Quelle: Projekt-Gutenberg.org

Die Stoiker entwerfen eine Ethik, die in der intuitiven Natur des Menschen liegt und im Kosmos verankert ist. Das Allnatur-Zitat von Marcus Aurelius fasst dieses Leitziel der antiken Stoiker sehr gut zusammen, nämlich die synchrone Ausrichtung auf den all-gegenwärtig handelnden kosmischen Logos (Gott), was sich in allen Teilbereichen harmonisch ausgleichend auswirkt in übereinstimmendem Einklang mit dem Logos als göttlichem Prinzip des Kosmos (Allnatur).

Die menschliche Natur wird dabei als Teil der all-umfassenden Natur untergeordnet bzw. die menschliche Vernunft als Teil der kosmischen Vernunft (Logos) betrachtet. Es geht also darum, intuitiv in Einklang mit der menschlichen & all-umfassenden Natur der Vernunft zu leben, da der Logos (Gott) sowohl in der menschlichen wie in der all-umfassenden Natur wirksam ist.

Verhaltensweisen oder Handlungen eines Lebewesens, die mit der kosmischen Vernunft (Logos) und damit mit der wahren Natur des Handelnden in Einklang sind, nennt die Stoa das Angemessene (Kathekon), was einem Wesen auf angemessene Weise als Recht und Pflicht zukommt und entspricht.


Schöne Adventszeit ohne Stress, sondern mit viel Besinnlichkeit und freudiger Ruhe! :D

Alles Liebe, Laura Maelle
Laura_Maelle hat geschrieben: ------
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Denn die Allnatur ist das Reich des Seienden.
Diese steht mit allem Vorhandenen in engster Verbindung.
Ferner wird jene auch die Wahrheit selbst genannt
und ist tatsächlich der Urquell alles Wahren.
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Forschend wende dich deiner eigenen Seele,
der Seele des Weltganzen und deines Nächsten zu.
Deiner eigenen Seele, um ihr Sinn für Gerechtigkeit einzuflößen,
der Seele des Weltganzen, um dich als Teil des Ganzen zu erinnern,
der Seele deines Nächsten, um zu erkennen,
ob derselbe unwissentlich oder wissentlich gehandelt habe,
und zugleich zu bedenken, dass sie der deinigen verwandt ist."[/i]
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Die Stoiker entwerfen eine Ethik, die in der intuitiven Natur des Menschen liegt und im Kosmos verankert ist. Das Allnatur-Zitat von Marcus Aurelius fasst dieses Leitziel der antiken Stoiker sehr gut zusammen, nämlich die synchrone Ausrichtung auf den all-gegenwärtig handelnden kosmischen Logos (Gott), was sich in allen Teilbereichen harmonisch ausgleichend auswirkt in übereinstimmendem Einklang mit dem Logos als göttlichem Prinzip des Kosmos (Allnatur).

Die menschliche Natur wird dabei als Teil der all-umfassenden Natur untergeordnet bzw. die menschliche Vernunft als Teil der kosmischen Vernunft (Logos) betrachtet. Es geht also darum, intuitiv in Einklang mit der menschlichen & all-umfassenden Natur der Vernunft zu leben, da der Logos (Gott) sowohl in der menschlichen wie in der all-umfassenden Natur wirksam ist.

Verhaltensweisen oder Handlungen eines Lebewesens, die mit der kosmischen Vernunft (Logos) und damit mit der wahren Natur des Handelnden in Einklang sind, nennt die Stoa das Angemessene (Kathekon), was einem Wesen auf angemessene Weise als Recht und Pflicht zukommt und entspricht.


Schöne Adventszeit ohne Stress, sondern mit viel Besinnlichkeit und freudiger Ruhe! :D

Alles Liebe, Laura Maelle[/quote]

Liebe Laura_ Maelle,

sehr danke ich Dir für Deine Empfehlung des Buches über Buddhismus und Stoizismus, über ihren gemeinsamen Ursprung in der Samkya-Lehre. (Wenn es nicht zu teuer für mich ist, werde ich es bestellen.)

Ich selbst bin halt ein religiöser Typ (obwohl mir Philosophie sehr wichtig ist; glücklicherweise hatten Buddhisten auch eine Philosophie entwickelt, mit der ich mich intensiv befasse, so manches bleibt mir fremd, obwohl ich seit über 40 J. Buddhistin bin, wenn auch ungläubige), ich liebe es, mich verneigungen zu können vor Buddha, dem Symbol für Weisheit und Liebe für alle Lebewesen...-

Gefühle spielen für mich also eine große Rolle, wie z.Bsp. das Gefühl der tiefen Verehrung, und das Empfinden von Mitgefühl (Buddhisten bemühen sich ja seit 2000 J. darum, Mitgefühl für alle Lebewesen zu entwickeln, Buddhagosha z.Bsp. schrieb darüber, wie man Hass und Groll überwinden kann, wie man Güte entfalten kann zu sich selbst und zu allen Lebewesen, auch zu Feinden!), hatte nicht einmal Acul (heißt er so? bin unsicher, er postet sehr kluge Beiträge) in einer Reaktion auf Deinen Beitrag auf die Bedeutung von Gefühlen hingewiesen?-

Offenbar reicht Dir der Stoizismus als Lebenshilfe, liebe Laura Maelle, aber nur Hochgebildeten kann er vermutlich eine Lebenshilfe sein, Gefühle spielen für die meisten Menschen eine große Rolle, gerade jetzt in der Advents- und Weihnachtszeit, auch für mich selbst, wegen meiner schlimmen Arthrose kann ich nun an Heiligabend nicht mehr in die Kirche gehen, ich liebe diese Atmosphäre in Kirchen an Heiligabend, die mir vertrauen Lieder!!)

Von Herzen wünsche ich Dir eine schöne Adventszeit! :D
Liebe Migranda

Das habe ich eigentlich schon in meinen ersten Beiträgen erklärt, dass sich für mich Religiosität und Philosophie nicht ausschließen, sondern diese vielmehr historisch gesehen ineinandergreifen. Nur konzentriere ich mich wie der Stoizismus mehr auf die gemeinsame Essenz und die Quelle, woraus diese Erkenntnisse entspringen, nämlich die Intuition zwischen Gefühl und Ratio. Es geht mir um Vertiefung dessen, was ich schon intuitiv weiß, nicht um eine Methodenvielfalt. Das sind für mich unnötige Werkzeuge. Ich brauche sie nicht. Meine Intuition zeigt klar in die Tiefe des eigenen philosophischen, spirituellen und religiösen Zugangs.

Ich sehe keinen Vorteil darin, mir noch mehr religiöses oder spirituelles Wissen anzueignen, denn all die vielen Parallelen zu meinen eigenen intuitiven Eingebungen, Erkenntnissen und spirituellen Wahrnehmungen zeigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Ich machte es umgekehrt, z. B. im Fall der Bibel oder auch des Stoizismus. Da war zuerst meine eigene spirituelle Wahrnehmung von Kind an, zu der ich dann einfach Parallelen im Selbststudium der Bibel und später im Stoizismus fand. Es freut mich, wenn es passt, aber ich werde kein Glaubenskonstrukt übernehmen. Das ist nicht nötig, liegt doch die Ewigkeit in meinem Herzen, wie es der Psalmist so wundervoll ausdrückt. . :)

Der antike Stoizismus gibt eine einfache und gute Anleitung, wie jeder selbst seinen eigenen intuitiven Weg finden kann. Diese beinhaltet keine festen dogmatischen Inhalte oder Glaubensvorgaben, weil die Stoa davon ausgeht, dass dies bereits intuitiv in jedem Lebewesen angelegt ist (Wirken des Logos).

LOGOS (Gott) ist der gemeinsame Nenner zwischen Stoizismus, Judentum, Christentum und Islam. Im asiatischen Raum entspricht dies dem Begriff DAO.

Ein moderner Stoiker hat es auf seinem Blog sehr schön beschrieben. Dem kann ich mich von Herzen anschließen:
https://www.stoa-heute.de/2021/06/26/st ... onsersatz/

Der Autor hat sich lange mit Zen-Buddhismus befasst und mit Kyudo ein inspirierendes Meditations-Ritual praktiziert, wie er über sich unter "Kontakt" schreibt. Sein Blog ist bewusst leicht verständlich geschrieben, also nicht so intellektuell. :D

Laura_Maelle hat geschrieben: Der Stoiker und römische Philosophenkaiser Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen. V. 9

"Meine nicht, dass die Philosophie ein Zuchtmeister sei.
Denn nichts wird dich zwingen, der Vernunft zu gehorchen.
Man muss sich ihr vielmehr vertrauensvoll hingeben."


Quelle: Gutenberg-Projekt.org


Das Schlichte und Einfache am Stoizismus entspricht dem stoizistischen Bestreben nach Reduktion auf das Wesentliche. Gerade das gefällt mir besonders gut. Es kommt ohne diesen (für mich unnötigen, dogmatisch starren) Überbau der Religionen aus und trifft gleichzeitig doch den noch lebendigen Wesenskern der Religionen als gemeinsamen Hauptnenner der Ethik, Religiosität und Spiritualität. Ich fühle mich ausgesprochen wohl mit dem Stoizismus und bin dort wirklich angekommen. Es setzt die in den Religionen gebundene Energien frei, da es im Gegensatz zu den traditionellen Religionen kein geschlossenes, sondern ein offenes philosophisches System darstellt.

Die Philosophie der antiken Stoiker hilft mir, mich innerlich zu entlasten und räumt auf mit meinen persönlichen Diskrepanzen zu den Religionen, von denen ich mich entfernt habe, auf stoische Weise, ohne dass ich meinen Glauben verloren hätte, ganz im Gegenteil. Aber ich habe meinen individuellen Glauben gefunden und der sympathisiert mit dem Stoizismus. Sobald ich mich irgendwie belastet fühle, hilft es mir, stoizistische Texte und Zitate zu lesen.
… LOGOS (Gott) ist der gemeinsame Nenner zwischen Stoizismus, Judentum, Christentum und Islam. Im asiatischen Raum entspricht dies dem Begriff DAO. …..

Interessante Gleichsetzung von „Logos“ mit „nutzenorientierter Vernunft“ und „intuitivem Verstand (sanskr. buddhi)“, ohne den ja gar kein den jeweiligen Lebensumständen angemessenes Verhalten zum Zwecke der Selbsterhaltung möglich ist.

Das „Dao“ (oder auch Tao der chin, Taoisten) hingegen ist - im Gegensatz zur göttlichen Bestimmung - wohl eher der nicht von Göttern bestimmte Lauf der Dinge, mit dem es sich in Einklang zu bringen gilt, wie man den taoistischen Weisheitssprüchen zur klugen Lebensführung unschwer entnehmen kann.

Monotheistische Gnostiker, die meinen, intuitiv erkannt zu haben, dass sie der Liebling eines einzigen Schöpfergottes seien, oder pantheistische Naturalisten, die meinen, Alles sei von einem Alles beherrschenden, wohlgesonnenen Weltengeist durchdrungen, können sich natürlich genauso jeglichen filosofischen Weltbildes bedienen, indem sie ihre Götter dort hineinschmuggeln, um damit ihre narzisstischen Allmachtsfantasien auszuleben, wie atheistische Buddhisten (oder Stoiker), die der Meinung sind, sie seien selber alleiniger Bestimmer über ihr Leben, wenn sie alle dafür nötigen Verhaltensregeln beherzigen.

Im Gegensatz zum auf Götzenverehrung beruhendem Christentum liegt die Attraktivität des atheistischen Buddhismus natürlich darin, unabhängig von seinen Mitmenschen zu werden, um nicht mehr von ihrer Willkür abhängig zu sein, was aber nicht möglich ist, indem man sich stoisch der Einsicht verschließt, dass man dabei einem Irrtum (sanskr. „Maya“) verfallen ist, denn dadurch gerät man noch mehr in den Teufelskreis der selber verursachten Unwissenheit hinein und ihre fatalen Folgen hinein, als wenn man von diesem Größenwahn abließe, und die Dinge natürlicherweise so nähme, wie sie nun mal sind.

Zur Information über die sehr gut strukturierte, buddhistische Sittenlehre, die auch in den Klöstern unterrichtet wird, ist in der Tat das von dir, Migranda, erwähnte Werk „Visuddhi-Magga“ von Buddhagosha zu empfehlen, wofür ich dir danken will. Es ist übrigens auch als Pdf-Datei im Internet verfügbar:

https://www.abhidhamma.de/VISUDDHIMAGGA_komprimiert.pdf
Dazu fällt mir spontan ein Yogi ein, den ich auch aus dem Internet kenne, der hin und wieder von seinen Kontakten zum Dalai Lama erzählt.

Dieser Yogi (der auch ein Epikureer ist) geht von der Einheit der Religionen aus und hat dazu eine sehr nette Geschichte geschrieben und auf seinem lesenswerten Blog veröffentlicht:
https://mystiker2.wordpress.com/2013/03 ... -toleranz/

Diese metaphorische Geschichte vom Berg und den Religionen gefällt mir sehr gut. Der Stoiker hätte zu Gott die Mantren "Logos", "Kosmos", "Allnatur", "Vernunft" und "Intuition".

Besinnliche Adventszeit!
LG Laura Maelle
Die Schwachstelle des Buddhismus liegt im Wahn, sein Schicksal selber bestimmen zu können, indem man durch das Aneignen von Wissen angeblich allmächtig und damit nicht nur von der Willkür der Hindu-Götter und ihrer Priester, sondern auch von der Hilfe seiner Mitmenschen unabhängig wird.

Das zeigt sich besonders im Umgang mit dem Tode, der nicht akzeptiert, sondern auf nihilistische Weise verdrängt wird, indem man als Lohn für sein Wohlverhalten auf eine bessere Wiedergeburt in einem neuen Leben hoffen darf, oder eine schlechtere befürchten muss, welche als Strafe für Fehlverhalten im vorherigen Leben gilt.

Auf diese Weise wird das Karma-Prinzip von Ursache und Wirkung von der permanenten „Wiederholung ein und desselben Problems, sofern es nicht gelöst wird“ auf die „Wiedergeburt ein und desselben Menschen nach seinem Tode, sofern er sie nicht durch rechtes Verhalten verhindert“, übertragen.

Gleichzeitig wird jedoch das Gegenteil behauptet – nämlich, dass es gar keine geistige Kontinuität gebe, sodass auch die Vorstellung, immer ein- und derselbe Mensch zu sein, auf einem Irrtum beruhe, weil Nichts von Dauer und daher Alles vergänglich sei.

Damit wurde die hinduistische Idee der unbeweisbaren Seelenwanderung im Prinzip vom Buddhismus genauso übernommen, wie vom Christentum, wo man nach dem Tode zwar nicht physisch wiedergeboren wird, aber dennoch bei Wohlverhalten von den Priestern auf höchst weltliche Art und Weise die Freuden eines metaphysischen Paradieses nach dem physischen Tode in Aussicht gestellt bekommt.

Auf den Missetäter hingegen wartet zur Strafe die „Läuterung seiner schwarzen Seele durch das reinigende Fegefeuer“, welche er erleiden muss, bevor ihm seine Schuld im Namen der Menschen, die er zu Lebzeiten gegen ihren Willen geschädigt hat, gnädig vom jeweiligen Gemeinschaftsgeist erlassen wird – so, wie es auch vor einem weltlichen Gericht der Fall ist, wo es nicht um die Opferentschädigung geht, sondern um die zukünftige Schadensverhinderung durch eigenmächtige Bestrafung, welche letztlich den Tatbestand der Rache erfüllt.

Dass diesem Gemeinschaftsgeist jedoch gar nichts Anderes übrig bleibt, als nach dem Tode seines "Gläubigers", der ihm den Gehorsam schuldig geblieben ist, sowohl auf seine übelwollende Rache als auch auf seine wohlwollende Gnade im Falle der Reue zu verzichten, weil ein Toter weder Leid noch Lust mehr empfinden, und schon gar keine Reue mehr bekunden kann, wird dabei geflissentlich verschwiegen, um den Nimbus seiner Allmacht als übermächtiges Gotteswesen und damit als höchster Richter über Leben und Tod nicht zu gefährden.

Die fatalistische, stoische (gelassene) Hinnahme seines Schicksals, die dann übrigbleibt, wenn man keinen Einfluss mehr darauf hat, hilft Einem hingegen sehr gut dabei, angesichts eines nicht-lösbaren Problems seine noch vorhandenen Kräfte nicht noch unnötig für zwecklosen Widerstand zu vergeuden.

Solch ein fatalistisches Verhalten ist jedoch dem unbeirrbaren (scheinstoizistischen) Allmacht-Streben der Atheisten, die sich zwanghaft gegen das Unvermeidliche wehren (was Garnichts mit Stoizismus zu tun hat), und damit sogar den Tod trickreich besiegen wollen, diametral entgegengesetzt.

Ebenso wenig entspricht der Fatalismus dem ebenso unbeirrbaren (scheinstoizistischen) Allmachts-Streben der Theisten, die noch im Moment des Todes krampfhaft ihre Taten vor einem scheinbar letzten Gericht zu rechtfertigen versuchen, oder einen Priester gar mit kleinen Opfergaben dazu bringen, stellvertretend irgendwelche Götter um ihre Gunst in einem Leben nach dem eigenen physischen Tode zu bitten, was schon rein physikalisch gar nicht möglich ist.
Übrigens interessant, welchen Einfluss die Kyniker und Stoiker auch auf das Judentum hatten, bevor überhaupt das Christentum begann. So gibt es Anzeichen dafür, dass Jesus ein jüdischer Kyniker war. Die Kyniker waren dafür bekannt "anzuecken".

Aus aktuellem Anlass und in Bezug auf die Bedeutung der demokratischen Rechtsordnung als ständig neu zu verteidigende Errungenschaft der Zivilisation:

Ich schaute mir in den letzten Jahren jeweils in der Adventszeit die Chanukkah-Zeremonie in Karlsruhe an, welche der jüdische Chabad-Rabbiner Mordechai Mendelson, den ich auch persönlich kenne, auf dem Markplatz in Karlsruhe darbietet, dies als Zeichen gegen den Antisemitismus und im Wunsch der Einheit aller Menschen in Frieden & Liebe. Er lädt jeweils hochrangige Redner ein aus dem in Karlsruhe liegenden Bundesverfassungsgericht Deutschlands. Deshalb ist der Symbolcharakter sehr groß in Karlsruhe, der Residenz des Rechts in Deutschland. Die Redner aus dem Bundesverfassungsgericht sprechen tiefbewegende gute Reden. Kein Politikergewäsch. Also das ist schon toll und läuft über den ganzen Dezember mit immer weiteren Kerzen, wobei die Reden bei den letzten Kerzen folgen.

Letztes Jahr:

Youtube: Rabbiner Mordechai Mendelson - jüdische Lichterfest Chanukkah Karlsruhe 2020
https://youtu.be/WOLfXf__nGo
Liebe Laura_Maelle

ich danke Dir sehr für Deine Links, werde sie auf mich wirken lassen...

@Filofaxi

Hallo Filofaxi, hab mich echt gefreut und war erstaunt, dass Du wußtest, um was es sich beim Visuddhi Magga (WEG zur Reinheit) handelt, das Nyanatiloka, ein deutscher buddh. Mönch, übersetzt hatte, in dem von ihm gegründeten Kloster in SriLanka.
(Niemand in meinem Freundes-und Bekanntenkreis hatte von diesem umfangreichen Werk (fast 1000 S.) je gehört.
Laura_Maelle hat geschrieben: Dazu fällt mir spontan ein Yogi ein, den ich auch aus dem Internet kenne, der hin und wieder von seinen Kontakten zum Dalai Lama erzählt.

Dieser Yogi (der auch ein Epikureer ist) geht von der Einheit der Religionen aus und hat dazu eine sehr nette Geschichte geschrieben und auf seinem lesenswerten Blog veröffentlicht:
https://mystiker2.wordpress.com/2013/03 ... -toleranz/

Diese metaphorische Geschichte vom Berg und den Religionen gefällt mir sehr gut. Der Stoiker hätte zu Gott die Mantren "Logos", "Kosmos", "Allnatur", "Vernunft" und "Intuition".

Besinnliche Adventszeit!
LG Laura Maelle


Liebe Laura_Maelle,

ja, diese metaphorische Geschichte des Dalai Lama gefällt auch mir sehr gut!

Du schreibst, Dir gehe es um die Vertiefung dessen, was Du schon intuitiv wusstest, bevor Du z.Bsp. in der Bibel last...
Was genau wusstest Du eigentlich rein intuitiv?
Da ich selbst sehr christlich erzogen wurde (meine Eltern waren Baptisten), musste ich mich in meiner Jugend innerlich ganz befreien von religiösen Dogmen, und aus der geistigen Enge des Christentums...
Als ich mit etwa 30 entdeckte, dass die Inder eine spirituelle Philosophie entwickelt hatten, erlebte ich das wie eine Offenbarung, denn ich hatte ja weiterhin das Bedürfnis nach Religiosität ...-
Rein intuitiv wusste ich eigentlich nichts, ich war angewiesen auf solche "heiligen" Schriften...

Meine Frage bezüglich Deines rein intuitiven Wissens ist wohl zu persönlich, zu intim, deswegen fände ich es völlig ok, wenn Du darauf nicht antworten möchtest!

Was mir Dank Deiner Beiträge wieder einfiel: Als ich etwa 30 war, und in Schottland zeltete, las ich morgens beim Frühstücken in den beiden Reclam-Heftchen (hrsg. 1964 "Gedichte aus dem Rig-Veda", und "Upanishaden" (1966)), die ich mitgenommen hatte.
Ich hab sie tatsächlich gestern in meiner Bibliothek gefunden, und las nun noch einmal darin, was ich alles angestrichen hatte.
Ich erinnerte mich nun, wie entzückt ich war, als ich im Rigveda über den Ursprung der Welt las: Rigveda X 129.
Vers 6: "Wer weiß es gewiss, wer wird verkünden, woher diese Emanation der Welt ist..."
Vers 7: "Woher diese Emanation geworden ist, ob sie getätigt worden ist (von einem Agens) oder ob nicht - wenn ein Wächter dieser (Welt) ist im höchsten Himmel, der weiß es wohl: oder ob er es nicht weiß?

Rigveda X 121 "An den Unbekannten Gott"
"Wer ist der Himmlische, dem wir mit Opferspeise huldigen sollen..."
Eine tiefe Religiosität also, die alles offen lässt...
Liebe Migranda :)

Dein letzter Absatz vom Unbekannten Gott erinnert mich an Apostelgeschichte 17 der Bibel, wo ja auch vom Unbekannten Gott die Rede ist, als Paulus sich in Athen mit den Stoikern und Epikureern unterhält. Die dortige Aussage "Wir alle leben und weben und sind in IHM", wird in der Bibelwissenschaft stoizistisch gedeutet. Paulus war jüdischer Römer und wurde von den Stoikern geprägt und beeinflusst, wie sich auch unschwer im Römerbrief und anderen Briefen im Neuen Testament erkennen lässt. Offenbar kannte Paulus auch einen Bruder von Seneca.

Als ich in meiner Jugend zuerst das Alte Testament und dann das Neue Testament las, merkte ich sofort einen Stilbruch und fremde Einflüsse. Die Bibelwissenschaft hat das gut aufgedeckt und spricht von den möglichen oder sogar wahrscheinlichen Einflüssen auf die Juden der damaligen Zeit, auch auf Jesus und Paulus, nämlich durch die Kyniker (bei Jesus) und durch die Stoiker (bei Paulus).

Ich hing immer so ein bisschen zwischen Judentum und Christentum, weil ich diesen Sprung vom jüdischen Gott des AT zum doch stark konstruierten dreieinigen Gott des NT nicht nachvollziehen konnte und es auch nicht als biblisch betrachtete. Ich spürte bereits bei der Bibellektüre den heidnischen Überbau über dem "Juden Jesus". Aber jetzt, wo ich mich intensiv mit den Hintergründen befasst habe, kann ich viel besser begreifen, wie es zu diesem Überbau gekommen ist.

Es war tatsächlich so, dass meine spirituellen Erfahrungen bereits vor meinem frühen Bibellesen begann, denn ich sah vieles voraus, was sich bewahrheitete, auch Wahrträume. Ich nahm Gott wahr, ohne dass ich einen Namen dazu wusste. Nur konnte ich mir nicht vorstellen, dass nur ich allein diese liebende Präsenz überall wahrnehmen konnte. Deshalb beschrieb ich meiner Mutter meine Eindrücke, Visionen und Wahrträume und sie sprach von Gott und gab mir die Bibel. Deshalb lernte ich schon im Vorschulalter das Lesen, denn ich suchte nach Antworten auf meine Wahrnehmungen. Das fand ich auch wirklich in der Bibel, die ja voller solcher Erlebnisse steckt.

Ich muss sagen, dass ich sehr liberal christliche aufwuchs. Meine ersten Religionslehrerinnen in Kindertagen waren zwei Frauen als Team, eine Jüdin und eine betagte Christin, zwei Frauen mit viel spirituellem Charisma. Ich lernte zwar später auch fundamentalistische dogmatische christliche Gemeinschaften kennen, wollte mich dort aber nicht langfristig einbinden lassen. War mir einfach zu dogmatisch und zu beengend. Außerdem bemerkte ich fehlerhafte Bibelauslegungen, gerade weil ich die Bibel gut kannte. Also wandte ich mich den jüdischen Wurzeln des Christentums zu, bis ich beim Stoizismus landete. Dort fühle mich jetzt angekommen, denn ich bevorzuge eine offene Religiosität ohne allzu viele Vorgaben durch Glaubensvorstellungen und Dogmen, aber das gilt für alle Religionen.

Ich könnte aber nie Atheistin sein, weil ich einfach zu viel selbst wahrgenommen habe von der spirituellen Ebene, auch in der Begleitung von Sterbenden.

Weiterhin schöne Adventstage! Derzeit ist gerade Chanukkah.
Laura Maelle
Der „Weg zur Reinheit“ scheint mir eher ein „Weg zur geistigen Klarheit“ zu sein, denn selbst die Achtsamkeit bei der körperlichen und sozialen Hygiene bedarf eines erkennenden Verstandes und einer zweckorientierten Vernunft.

Das, was dem Menschen intuitiv (durch Eingebung) klar wird, muss ihm jedoch vorher mal eingegeben worden sein, denn nichts geschieht ohne eine dafür notwendige Voraussetzung.

Auch was die eigenen Erfahrungen anbetrifft, so werden diese - entsprechend der geistigen Vorprägung - auf das jeweilige Weltbild subsummiert, wobei es natürlich auch zu eigenen Neuschöpfungen kommt, sodass man meinen könnte, dass Alles originär sei, oder gar von körperlosen Geistern eingeblasen und eingeatmet (inspiriert) worden, wenn man es nicht besser wüsste.

Zwischen den Erfahrungen aus dem letzten Leben (Vergangenheit) und denen der Gegenwart ist der Abstand allerdings so fließend, dass es den meisten Menschen gar nicht bewusst wird, wie sehr die Folge von der Ursache abhängt, wenn sie meinen, die große Entscheidungsfreiheit zu besitzen, das denken zu können, was sie denken wollen.

Ich persönlich habe die stoische Schicksalsergebenheit nicht nur in der Literatur, sondern auch auf meinen Reisen persönlich kennengelernt und konnte die klimabedingte Mentalität der Inder im tropischen Süden des Landes genauso gut nachvollziehen, wie die der Araber in den Wüstenländern.

Was nun das Kynikertum betrifft, so wurde aus deren Bevorzugung des Geistes als dem „Herrn im Hause“ gegenüber dem „Körper als dessen Diener“ immer wieder eine prüde Verachtung aller Körperlichkeit gegenüber der Geistigkeit für fanatische Asketen und am Ende sogar die zynische Haltung des Missgünstigen, der sich über das üble Schicksal seiner Feinde freut, welches er da als Strafe des Himmels oder der Götter ansieht, wo er nicht dazu in der Lage ist, sich selber an ihnen zu rächen.

Hier hat nicht nur Jesus v. Nazareth den Racheverzicht gepredigt, sondern auch schon der Gautama Buddha, sodass sowohl die Zyniker (Menschenverächter) unter den Christen als auch unter den Buddhisten nicht im Sinne ihres Religionsgründers handeln, wenn sie ihre Mitmenschen aufgrund ihrer Unzulänglichkeiten ächten.

Dass man heute dem Erfolglosen zynischerweise sagt, er sei selber in der Schuld, was die Behebung der negativen Folgen seiner wirtschaftlichen oder sozialen Erfolglosigkeit betrifft, und nicht die Solidargemeinschaft, oder dass man den Geizigen sogar als „geiles“ Vorbild lobpreist, anstatt des Freigiebigen, stellt lediglich den "moralischen Verfall des Abendlandes" dar, aber sicherlich keine "moderne Errungenschaft hedonistischer Stoiker", wenn diese sich rücksichtslos und unbeirrt beim Verfolgen ihrer eigenen Interessen über alle guten Sitten hinwegsetzen.
Lieber filofaxi

Neulich erwähnte ich Dich gegenüber meinem gewitzten Neffen mit den Worten, dass Du, filofaxi, mich beindruckst mit Deiner Wortgewandtheit, auch wenn wir äußerst unterschiedliche Sichtweisen einnehmen. In diesem Sinne bist Du mir hier im Thread ans Herz gewachsen.

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, bist Du also Agnostiker, da Du auch die atheistische Sichtweise hinterfragst. Wenn ja, nenne ich das die sachlichste Sichtweise zum Thema Gott, zumindest wissenschaftlich gesehen. Ich wäre auch Agnostikerin, hätte ich nicht gewisse spirituelle Erfahrungen gemacht, dies über Jahrzehnte.

Mein Vater war auch Agnostiker und sehr kritisch eingestellt. Doch auch erlebte dann auf einmal solche spirituellen Erfahrungen, weshalb er seine Einstellung änderte und fortan von einem Weiterleben nach dem Tod ausging. Er konnte seine spirituellen Erlebnisse zuerst nicht richtig einordnen, doch sprachen wir darüber, auch was es an Wissen dazu gibt.

Was ich damit meine: Nur Du allein kannst herausfinden und selbst erleben, ob es noch eine weitere Dimension in der Spiritualität gibt. Und es liegt allein an Dir, ob Du das herausfinden willst oder nicht. Diese Gewissheit daraus kann man nicht einfach so einem anderen weitergeben. Ich kann höchstens dazu inspirieren, sich nicht defizitär und begrenzt wahrzunehmen, sondern über sich hinauszuwachsen. Ich traue Dir das zu, da Du Dich nicht einfach mit dem zufrieden gibst, was Dir die kapitalistische Welt suggeriert.

Schöne Adventszeit! :)
Laura Maelle