Kosmos/Gott - Berg/Transzendenz - Leben/Intuition

Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen.
X 36, IX 1, XII 24, VII 47, VII 55, XII 23, IX 22.

"Was ist Asien und Europa? Ein paar kleine Stückchen der Welt.
Was ist das ganze Meer? Ein Tropfen in der Welt.
Und der Athos? Eine Weltscholle.

Alles ist klein, veränderlich, verschwindend.
Aber alles kommt und geht hervor
oder folgt aus jenem allwaltenden Geiste.

Denn die Allnatur ist das Reich des Seienden.
Diese steht mit allem Vorhandenen in engster Verbindung.
Ferner wird jene auch die Wahrheit selbst genannt
und ist tatsächlich der Urquell alles Wahren.

Welch ein Glück, wenn du plötzlich über die Erde emporgerückt
von oben herab auf die Menschenwelt herniederschaust,
um den großen vielgestaltigen Wechsel in derselben wahrnehmen
und zugleich den ganzen Umkreis luftiger und ätherischer Wesen
mit einem Blicke übersehen zu können!

Betrachte den Umlauf der Gestirne, als wenn dein Leben mit ihnen umliefe.
Und erwäge beständig die wechselnden Übergänge der Grundstoffe ineinander.
Denn solche Betrachtungen reinigen dich vom Schmutz des Erdenlebens.

Sieh dich nicht nach den leitenden Grundsätzen anderer um,
sondern schaue vielmehr unverwandten Blickes auf das Ziel,
zu dem die Natur dich hinführt, jene Allnatur
in allem, was dir widerfährt,
und deine eigene durch deine Obliegenheiten.

So ist auch der ein von Gott Geführter,
der sich von Gott auf dessen Wegen
übereinstimmend mit seiner Gesinnung
zu gleichen Zielen führen lässt.

Forschend wende dich deiner eigenen Seele,
der Seele des Weltganzen und deines Nächsten zu.
Deiner eigenen Seele, um ihr Sinn für Gerechtigkeit einzuflößen,
der Seele des Weltganzen, um dich als Teil des Ganzen zu erinnern,
der Seele deines Nächsten, um zu erkennen,
ob derselbe unwissentlich oder wissentlich gehandelt habe,
und zugleich zu bedenken, dass sie der deinigen verwandt ist."


Quelle: Projekt-Gutenberg.org

Die Stoiker entwerfen eine Ethik, die in der intuitiven Natur des Menschen liegt und im Kosmos verankert ist. Das Allnatur-Zitat von Marcus Aurelius fasst dieses Leitziel der antiken Stoiker sehr gut zusammen, nämlich die synchrone Ausrichtung auf den all-gegenwärtig handelnden kosmischen Logos (Gott), was sich in allen Teilbereichen harmonisch ausgleichend auswirkt in übereinstimmendem Einklang mit dem Logos als göttlichem Prinzip des Kosmos (Allnatur).

Die menschliche Natur wird dabei als Teil der all-umfassenden Natur untergeordnet bzw. die menschliche Vernunft als Teil der kosmischen Vernunft (Logos) betrachtet. Es geht also darum, intuitiv in Einklang mit der menschlichen & all-umfassenden Natur der Vernunft zu leben, da der Logos (Gott) sowohl in der menschlichen wie in der all-umfassenden Natur wirksam ist.

Verhaltensweisen oder Handlungen eines Lebewesens, die mit der kosmischen Vernunft (Logos) und damit mit der wahren Natur des Handelnden in Einklang sind, nennt die Stoa das Angemessene (Kathekon), was einem Wesen auf angemessene Weise als Recht und Pflicht zukommt und entspricht.
Da, wo der Stoiker sich auf das unbeirrbare Verfolgen seines Zieles beschränkt, seine Vorhaben in die Tat umzusetzen, und da, wo dies nicht möglich ist, unbeirrbar darauf zu hoffen, dass dies auch später noch der Fall sein wird, wenn es zur Zeit nicht möglich ist, handelt er vernünftig.

Dabei braucht er sich nicht auf die Vernunft eines Andern zu berufen, oder gar auf ein vermeintlich göttliches Prinzip, welches angeblich in jedem Menschen wohnt, und einen gerechten Ausgleich verlangt, sondern er kann ausschließlich von seiner eigenen Vernunft ausgehen.

Hierbei stellt die Verwirklichung der eigenen Interessen den Zweck dar, der auf ökonomische Weise die dazu aufgewändeten Mittel heiligt, was das Wesen jeglicher Vernunftsentscheidung ist, und jedem selbstschädigenden, sozialen Ausgleich widerspricht.

Wer sich nun wie Marcus Aurelius als einen „Sohn des Himmels“ betrachtete, und seinen eigenen Willen mit dem eines Gottes gleichsetzt, mit dessen angeblicher Zustimmung er seine asozialen Untaten rechtfertigt, um dem Zorn der von ihm Geschädigten zu entgehen, handelt natürlich auch höchst vernünftig, weil vernünftigerweise Selbstschutz immer vor Fremdschutz rangiert.

Das Prinzip der unmittelbaren Erkenntnis Dessen jedoch, was das angebliche Logos (bzw. ein Gott) gerade will, scheint Marc Aurel von den christlichen Mystikern übernommen zu haben, die sich Gnostiker nannten.

Bei Denen ging es jedoch - zumindest vordergründig - nicht um das aktivische, „unbeirrbare Wollen“, was auf der Vernunft beruht, sondern um das passivische, „unbeirrbare Vertrauen“, welches man fälschlicherweise auch „Glauben“ nennt.

Dem liegt ein „allumfassendes Verständnis“ zugrunde, was angeblich nur durch eine „direkte Schau“ erfahren werden könne, ohne dass dazu erst eine vorherige Belehrung durch einen vertrauenswürdigen Lehrer nötig sei.

Das ist allerdings schon allein kognitiv ein Ding der Unmöglichkeit, weil jede Erfahrung zumindest einer rudimentären Vorkenntnis Dessen bedarf, was sie - einer (selbst oder von Anderen) bestimmten Idealvorstellung (Logos) entsprechend - zu bedeuten hat, sodass ohne diese Voraussetzung gar keine Erkenntnis erfolgen kann, sondern jegliche Sinneseindrücke unverstanden blieben.

Was nun das unbeirrbare Vertrauen in den Lauf der Welt betrifft, so muss es da bei einem Hoffen bleiben weil weder der „Lauf der Welt“ eine vertrauenswürdige Person ist, noch ein „allgemeiner Logos“, dem leider nur einige und nicht alle Menschen folgen, solange man sie nicht mit der Androhung von drakonischen Strafen für ihren Ungehorsam dazu zwingt.

Die Dickfelligkeit des Stoikers hingegen ist genauso wenig geeignet dazu, wie die Heuchelei des Gnostikers, um fremdes Leiden zu empfinden und sich sogar deswegen sozial zu betätigen, indem man nicht nur das eigene Wohl bei seinen Entscheidungen anstrebt, sondern auch das Wohl Desjenigen, den man wegen seiner Nützlichkeit liebt, wie es im Christentum empfohlen wird.

Darüber hinaus auch für das Wohl Derjenigen zu sorgen, die der Hilfe ohne Ansehen ihrer Person - also unverdientermaßen - bedürfen, entspricht eher der Idealvorstellung einer karitativen Ethik, wie der des Humanismus , welcher keine Gottheit mehr braucht, um den Vorrang sozialer (gemeinschaftsförderlicher) Gesetze vor angeblichen "Naturgesetzen für Stärkere" zu rechtfertigen.
Der Philosophenkaiser Marc Aurel empfiehlt immer wieder, eine bewusste Haltung der Wertschätzung gegenüber den profanen Dingen und Lebewesen einzunehmen durch eine erweiterte Perspektive, jeden Betrachtungsgegenstand im Kontext des Kosmos zu sehen und diesen jeweils in das schöne und intelligente "Design des Kosmos" einzugliedern. LOGOS, das Prinzip der Weltgestaltung, das den Kosmos durchdringt, wird von den Stoikern mit Gott gleichgesetzt. Logos ist im Judentum das ewige Denken des einen G-ttes, das bei der Schöpfung wirkt, und im Christentum ist Logos von Gottes Wesen und als Wort bei Gott im Anfang aller Dinge. Also klare Parallelen.

Die antiken Stoiker entwickelten eine Ethik, die in der Natur des Menschen gründet und im göttlichen LOGOS des Kosmos verankert ist. Logos (Geist Gottes) gestaltet die Hyle (stoffliche Materie) und durchdringt diese, so wie die vergeistigte Seele den materiellen Körper durchströmt und durch diesen tätig wird, dabei jedoch ihre eigene Existenz beibehält.

Der in Naturgesetzen und in geistigen Gesetzmäßigkeiten wirkende Logos (Vernunft Gottes) entspricht dem aktiv Tätigen, Materie und Leiden-schaften sind dem passiv Leidenden (hyle = Materie, Stoff) zugeordnet.

Nach den Stoikern sind die Leiden-schaften (pathê) wörtlich „Dinge, die man durchmacht“, und stehen im Gegensatz zu Handlungen oder Angelegenheiten, die man tut.

Leiden-schaft = also etwas, was Leiden (er)schafft!

Das Bestreben der Stoiker, im ursprünglich hellenistischen Sinne „apathisch“ zu sein, zielt nicht darauf ab, sich um nichts zu kümmern, sondern bedeutet lediglich, sich nicht passiv von den Leiden-schaften beherrschen zu lassen, stattdessen vielmehr selbst aktiv zu werden und positiv einzuwirken auf die eigenen Reaktionen. Es bedeutet eine unabhängige Art des autarken Selbstmanagements und Selbststeuerung. Die Stoiker bejahen gute Gefühle wie Freude, Geistesgegenwart, Freundlichkeit, Großzügigkeit und Herzenswärme.

Materie ist QUANTITATIV, Zeit/Logos ist QUALITATIV.

"Dabei durchdringt der die Materie (hyle) formende und QUALIFIZIERENDE Logos (die Vernunft) diese ganz und gar."

Quelle: (Stoa unter 2.2. Physik) bibelwissenschaft.de/stichwort/53988/

"Der Raum ist eine quantitative Dimension, die Zeit eine QUALITATIVE."

Quelle auf Youtube: (ab 1:00)
Urknall, Weltall und das Leben - Harald Lesch - Die vierte Dimension: Was ist Zeit? - Kosmologie youtu.be/dUf2ZHtF2IA

Wie oft planen wir Tage, Wochen und Monate im Voraus. Dabei sind es oftmals Minuten oder gar Sekunden, die über unser Leben entscheiden. Das erinnert mich wiederum an die ergreifende Rede des römischen Stoikers Seneca zur ZEIT.
Youtube: Zu Glück, Schmerz, Seelenruhe von Lucius Annaeus Seneca
youtu.be/DAjcjaW4LXM
Der Ursprung der Stoa lag zeitlich ja näher bei Epikur als bei Marc Aurel, und hat wohl auch die christlichen Gnostiker beeinflusst, anstatt ihrerseits von ihnen beeinflusst worden zu sein.

In der epikuräischen Lehre vom „guten Leben“, die angeblich zu Unrecht als rein hedonistisch bezeichnet wurde, wird daher - genauso, wie in der stoischen Lehre auch - ausdrücklich betont, dass damit nicht nur das eigene guten Leben gemeint sei, sondern auch das soziale Miteinander.

Dementsprechend argumentierte dann auch noch Kant mit dem Logos eines „kategorischen Imperativs für Vernünftige“, welcher sich eher im „Gehorsam aufgrund der Furcht vor Strafen eines strengen, aber gerechten - und daher göttlichen - Herrschers, wie dem Preußenkönig“, zeigt, als aus „Einsicht in eine soziale Notwendigkeit, für Notleidende mitzusorgen, obwohl man selber gar nicht darauf angewiesen ist, sich auf diese Weise deren Wohlwollen zu erwerben und auch auf Dauer zu erhalten“.

So ist der Stoizismus, wo es vor Allem um eine gute, eigene Stimmung geht, die man unter allen Umständen beizubehalten trachtet, dem ebenso selbstgefälligen Hedonismus wohl doch näher verwandt, als die christlichen Soziallehre, die - bei aller monotheistischen Götzenanbetung - besonders aufgrund ihres sozialen Sprengstoffs zur verbreitetsten Befreiungsideologie gegen die römische Versklavung im ganzen Mittelmeerraum wurde.

Das vorbildliche Leiden Christi am Kreuze als sinnbildliches „Ertragen herrschaftlicher Unterdrückung mit Hoffnung auf ein paradiesisches Leben nach dem Tode“ darzustellen, ist hingegen jeder auf das Diesseits gerichteten, sozialen Befreiung von Tyrannei entgegengesetzt und damit ebenfalls in höchstem Maße scheinheilig.

Befreit man nun diese Ideologien von ihrem ethischen Aspekten, die gar nicht zu ihnen passen, bleibt eine vernunftsbezogene Nützlichkeit übrig, die vor Allem dem eigenen Glück zuträglich ist und nicht dem Gemeinnutz oder gar dem Nutzen Anderer, die dessen mehr bedürfen, als man selber.

Leiden-schaft = also etwas, was Leiden (er)schafft!

Die Leiden(sbereit)schaft erschafft insofern kein zusätzliches Leiden, als dass sie lediglich aus der Freiwilligkeit besteht, das Leiden als verhältnismäßig geringen Preis für die scheinbar viel größeren Freuden, die man dafür zu erlangen hofft, leichter ertragen zu können..
Es sind nicht die Dinge selbst, die uns bewegen, sondern die Ansichten, die wir von Ihnen haben.
Epiktet
Der Stoizismus ist wirklich eine gute Basis der Vernunft ohne Widersprüche zur Lebenswirklichkeit, d. h. im Stoizismus steht die geistige Ebene nicht im Widerspruch zum Irdischen, sondern bildet eine natürliche Einheit. Es wird nichts ausgeblendet oder dogmatisch verneint. Mit der stoizistischen Lupe kann ich auch andere Lehren betrachten und deren widersprüchliche Aussagen im stoizistischen Erklärungsmodell auflösen und bereinigen. Auf diese Weise kann ich die dortigen ungeschliffenen Edelsteine als Gewinn bergen, die mir sonst nicht zugänglich wären, weil die Widersprüche zur Vernunft oder Realität Widerstand in mir erzeugen würden. Ich beachte dabei auch den Umstand, dass der Mensch dazu neigt, intuitive Eingebungen subjektiv durch Urteile zu verfälschen. Gerade dort setzt der Stoizismus bereinigend an.

Entwickle für Dein Ziel eine klare Vision - wie ein Schiff - und behalte dies im Fokus,
indem Du Ablenkungen davon loslässt, wie bei einem Heißluftballon.
Wirf unnötigen Ballast ab, um den schwerfälligen Kahn hochzubringen, zuerst äußerlich, dann innerlich.

Der in Naturgesetzen und in geistigen Gesetzmäßigkeiten wirkende LOGOS (Geist Gottes) des Kosmos entspricht dem aktiv Tätigen, Materie und Leiden-schaften sind dem passiv Leidenden (Hyle = Materie, Stoff) zugeordnet.

Der kosmische Logos (Geist Gottes) gestaltet die Hyle (stoffliche Materie) und durchdringt diese, so wie die vergeistigte Seele den materiellen Körper durchströmt und durch diesen tätig wird, dabei jedoch ihre eigene Existenz beibehält.

Je schwerer beladen das Schiff, desto langsamer bewegt es sich vorwärts.
Deshalb lasse die Leiden-schaften los, die Dich in eine materielle Schwere binden und leiden lassen,
und richte Dich innerlich und äußerlich auf Deine eigentliche intuitive Zielvision aus,
damit Deine im LOGOS verankerte Seele ihre beflügelnden Träume entfalten kann wie ein Adler
und in der Geistestätigkeit des LOGOS synchron funktioniert und auf das Ziel hinsteuert.

Es braucht zuerst das große äußere und innere Aufräumen und Abwerfen bei sich selbst (bei mir durch die Philosophie des Minimalismus und Stoizismus), um sich herauszuarbeiten aus der Lageorientiertheit in eine angstenthobene, peripher fokussierte Zielgerichtetheit, so wie ein Heißluftballon durch Abwurf der belastenden Gewichte in die Höhe steigt und sich vom Wind des kosmischen Geistes (LOGOS) tragen lässt. Nun geht es darum, Feuer in den Ball zu lassen und den Heißluftballon in die richtige Richtung zu steuern, dabei nicht von den Ängsten diktiert zu werden, sondern den Antrieb darin zu finden, sich von den eigenen intuitiven Zielvisionen beflügeln zu lassen.

Expecto Godi - Inspiration & Empathie - Entspannungsmusik - Tiefenentspannung Stressabbau - Freiheit Leichtigkeit - Heißluftballon - Ballon youtu.be/er000o2f4rA
Das Schicksal bezieht sich bei den Stoikern auf den Kausalitätsbegriff von Ursache und Wirkung, unterteilt in vorstellungsauslösende und dadurch den Anstoß zur Handlung gebende externe Ursachen oder Wirkung hervorbringende interne Ursachen, basierend auf der Wahlfreiheit des Menschen, wie er auf die Vorstellung reagiert, ob er den Anstoß zur Handlung umsetzt oder zurückweist.

Widervernünftiges Handeln ist nicht auf die Durchsetzung des Triebes gegenüber der Vernunft (Logos) zurückzuführen, sondern beruht auf einem falschen Verstandesurteil, die dem Trieb eine falsche Richtung weist. Die Affekte gehen auf falsche Urteile zurück oder sind selbst falsche Urteile. Erst durch das kognitive Urteil, die „Zustimmung“ (Assensio), werden die Wahrnehmungen des Bewusstseins (Propatheiai = unwillkürliche Gefühlsreaktionen als Vorstadien der Affekte), zu eigentlichen Affekten. Ein Affekt (Pathos) ist nach altstoischer Auffassung „pervertierte Vernunft“, angestoßen durch den Einfluss, welche die äußeren Dinge über die Vorstellungsbilder auf den Menschen ausüben und durch den Einfluss der Meinungen „der Vielen“.

Ziel ist die Vollendung des Logos, die völlige Freiheit (Apathie, was keineswegs Gefühllosigkeit bedeutet) von den auf falschen Urteilen basierenden Affekten.

Laut den antiken Stoikern werden also erst durch das kognitive Urteil der „Zustimmung“ die Wahrnehmungen des Bewusstseins (unwillkürliche Gefühlsreaktionen als Vorstadien der Affekte) zu eigentlichen Affekten.

Das passt ja wieder sehr gut zur heutigen Kognitionspsychologie, die auf dem antiken Stoizismus aufbaut.
Das habe ich mehrfach gelesen und wird auch von einem Verhaltenstherapeuten bestätigt, der ganz bewusst den Stoizismus mit der heutigen Verhaltenstherapie vergleicht in seinen interessanten englischsprachigen Texten, z. B. in folgendem Artikel, wo er sogar Bezug nimmt auf das Schiff im Sturm und dies nun auch noch verhaltenstherapeutisch ergänzt mit der sogenannten AWARE-Methode

AWARE (Accept - Watch - Act - Repeat - Expect), also
- Akzeptiere Deine Angst als normale, harmlose, vergängliche Erstreaktion, wie bei einem wogenden Schiff im Sturm.
- Schaue Dir diese flottierenden Angstgefühle mit Abstand wertfrei von außen an, wie vorüberziehende Wolken.
- Verhalte Dich der Angst gegenüber gelassen, sanftmütig, achtsam geduldig und mutig, ohne Überbewertung.
- Wiederhole angstneutralisierend die stoizistische Gelassenheit und gewöhne Dich an die Angst, ohne Vermeidung.
- Erwarte eine realistische Verbesserung dadurch.

Quelle: medium.com/stoicism-philosophy-as-a-way-of-life/being-aware-of-anxiety-1a71b9e1924d

Weitere englischsprachige schöne Artikel zur verhaltenstherapeutischen Anwendung des Stoizismus:

medium.com/stoicism-philosophy-as-a-way-of-life/how-to-think-like-marcus-aurelius-232eea728ed4

theatlantic.com/entertainment/archive/2013/05/marcus-aureliuss-one-question-to-beat-procrastination-whining-and-struggle/276288/

Ziel ist also im Stoizismus die Vollendung des Logos, die völlige Freiheit von den auf falschen Urteilen basierenden Affekten, die angestoßen werden durch den Einfluss, welche die äußeren Dinge über die Vorstellungsbilder auf den Menschen ausüben und durch den Einfluss der Meinungen „der Vielen“.

Vera F. Birkenbihl erklärt genau das auf Youtube, inwiefern eben wirklich alles von der urteilenden Vorstellung abhängt, also auch hier eine klare Parallele zum Stoizismus:
Richtige Einstellung - Mindset für Erfolg - Neues Denken - Lernen der Zukunft - Vera F. Birkenbihl youtu.be/fxemEX44qj4

Ergänzend zur erwähnten Birkenbihl-Methodik
Birkenbihl 3-Schritte-Methode des Erfolgs 1. - Thema suchen - Plan fassen - Zieldefinition

Youtube: Ziele erreichen - Grenzen durchbrechen - Die beste Methode - Vera F. Birkenbihl youtu.be/i0buVqFRY_I

Youtube: Ziele erreichen - Einstellung verändern - Richtig denken lernen - Vera F. Birkenbihl youtu.be/LjX7JxIsA0M

Eine Parallele zwischen wissenschaftlicher Kognitionspsychologie und (römischem) Stoizismus ("den römischen Fluss Rubikon überschreitend" als Redewendung für eine entscheidende Zielhandlung) findet sich im Erweiterten Rubikon-Modell ZRM der Uni Zürich mit den 5 Phasen bis zur Handlung.

ZRM-Online-Tool - Uni Zürich (kostenlos) zrm.ch/zrm-online-tool-deutsch

Rubikon-Video auf Youtube: majastorch - ZRM-Training youtu.be/ideJm4BsskA
Man kann es mit vielen Worten beschreiben und erhöhen. Trotzdem, der Stoizismus ist eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Er hat wie Kant die Wucht der Emotionen nicht beachtet. Die Unterdrückung und Leugnung war das Ziel, um "sauberes" Denken, den blanken Spiegel in der Achtsamkeit zu bekommen. Die moderne Neurobiologie ist da weiter, die Emotionen sind die wahren "Herrscher" und beeinflussen die Vernunft. Nicht umgekehrt. Der Cortex - Frontalhirn - hat keinen Einfluss auf die Amygdala - Limbisches System. Wenn diese Systeme - besonders Amygdala - loslegen, ist die evolutionär neue Struktur Cortex machtlos.

Einen kleinen Schritt weiter war Epikur. Nach dem Tod ließ er die Atome des gesamten Organismus sich wieder mit dem Weltall - Sternenstaub - vereinen. Ganz ähnlich auch die Buddhisten. Die Stoiker um Marc Aurel glaubten noch an einen Versammlungsort, wo sich die "Seelen" nach dem Tod zusammen treffen.

Felix
Die unbeirrbare Verfolgung von Zielen, die man sich selber gesetzt hat, ist die beste Grundlage für Fanatismus, mit dem es besonders schwer fällt, von seinen Zielen, abzulassen, wenn sie sich als unerreichbar herausstellen, weil sie nicht mehr zur gegenwärtigen Realität passen.

Das unbeirrbare Durchhalten in leidvollen Situationen, die man nicht ändern kann – nur, um zu beweisen, dass man es doch kann - ist insofern keine Alternative zum notgedrungenen Aufgeben, weil man dafür doch noch soviel Macht benötigte, dass man die Zustände ändern könnte, sodass ein unbedingtes, willentliches Durchhalten gar nicht mehr erforderlich wäre.

Was nun das Logos des Menschen betrifft, der - wie der Christus – sinnbildlich ans Kreuz der Materie mit ihren 4 Elementen gebunden ist, so gibt’s für den ebenfalls keine Freiheit, sich dafür oder dagegen zu entscheiden, solange er - wie der Körper auch - dem Zwang von Ursache und Folge unterliegt.

Das bedeutet jedoch auch noch nicht, dass man damit automatisch dem Willen von übermächtigen Göttern ausgeliefert sei, sodass man deren göttlichen Logos richtig erkennen muss, um ihn erfüllen zu können und dafür ins Paradies zu gelangen, wie mächtige Demagogen dem unwissenden Volk bis heute erfolgreich einreden, um damit ihr eigenes Wollen als rechtens zu legitimieren.

Denn - wie schon Schopenhauer feststellte - , der Mensch kann zwar tun, was er will, sofern sich die Gelegenheit dazu bietet, indem er auch die Konsequenzen dafür trägt, aber er kann nicht denken, was er will, solange ihm die dafür nötigen Voraussetzungen fehlen.

Der rechte Umgang mit den eigenen körperlichen und geistigen Voraussetzungen, wie ihn Buddha bereits vor den Stoikern empfohlen hat, besteht somit weder aus einer grundsätzlichen Unbeirrbarkeit, die in ihrer aktivischen Ausprägung zum Fanatismus führt, noch aus einer Unbeirrbarkeit, die auf passivische Weise zum Fatalismus führt, sondern lediglich zur Erkenntnis Dessen, was machbar ist, und was nicht.

Die jeweilige Methode, das Leiden zu beheben, ist dabei der Anerkenntnis des Leidenszustandes nicht nur nachgeschaltet, sondern muss auch der jeweiligen Art des Leidens angemessen sein, um damit das Leiden beheben zu können.

Das bedeutet, dass man sich in dem Falle, dass die Ursache des Leidens nicht behebbar ist, mit der „Symptombehandlung durch Schmerzbetäubung“ begnügen muss, wozu auch die Bekämpfung übermäßiger Angst und Wut zählt.

Die sind jedoch kein Zeichen von "pervertierter Vernunft", sondern stellen ein überlebensnotwendiges Regulativ zur Verhaltensaussteuerung gegenüber der Umwelt dar, indem sie den Leichtsinnigen daran hindern, zu große Risiken einzugehen, und den Verzagten dazu ermutigen, sich gegen Andere durchzusetzen.
Mann kann Logos nicht einfach mit Logik und Ratio gleichsetzen. Empfehlen kann ich einen wirklich lesenswerten, interessanten englischsprachigen Artikel zum Stoizismus in der Stanford Encyclopedia of Philosophy plato.stanford.edu/entries/stoicism/

Siehe den dort ebenfalls zu lesenden Artikel zu Marcus Aurelius plato.stanford.edu/entries/marcus-aurelius/

Inhaltlich vergleichbar ist dazu der deutschsprachige Bibelwissenschaftsartikel zur Stoa bibelwissenschaft.de/stichwort/53988/

Siehe dort auch den Artikel zum Logos bibelwissenschaft.de/stichwort/51968/

In diesen wissenschaftlichen Zusammenfassungen gibt es weiterführende Quellenangaben.

Interessant sind übrigens auch die metaphorischen Parallelen zwischen dem Stoizismus der Antike und den Religionen, gerade wenn es um die Transformation der Affekte (Sinnbild Reptil) und die Transzendenz im Logos geht (Sinnbild Vogel). Es ist vergleichbar mit dem Atmen und Singen, wo der Affekt der kräftigen Bauchstimme sich vom Zwerchfell her bis zu den Stimmbändern transformiert (Reptil) und dort zu einer melodiösen Stimme in den weiten Schallraum transzendiert (Vogel).

awakentheworld.com/de/film/samadhi-parte-1-maya-la-ilusion-del-ser/

awakentheworld.com/de/film/inner-worlds-outer-worlds-teil-3-die-schlange-und-der-lotus/

Derzeit habe ich das Design am PC dunkel eingestellt, um meine leicht gereizten Augen zu schonen. Außerdem passt das dunkle Design gerade ideal zu meiner inneren Einkehr, wozu ich jetzt gar nicht groß schreiben möchte. Es ist ein geschützter Inkubationsraum des Verarbeitens und sich neu Aus- und Aufrichtens zum Universum (Gott - Logos), um den stressigen Alltag leichter anzunehmen. Das gelingt dadurch überraschend gut.

Ich bin dabei, die Erkenntnisse des Stoizismus zu vertiefen, dies im Vergleich zu ähnlichen Lehren, denn es ist oft so, dass gemeinsame Nenner, aber auch Unterschiede die stoizistische Sichtweise noch verständlicher und plausibler machen, gerade bei den harten Lektionen. Die gemeinsamen Nenner zeigen gleichzeitig, dass alles aus derselben Urquelle des Seins stammt und es nur an der menschlichen Bewertung liegt, wenn sich Unterschiede und Unstimmigkeiten einschleichen. Der Stoizismus ist für mich persönlich der stimmigste Zugang.

Andere Lehren mit ähnlichen Kernaussagen wirken teilweise wie auseinandergedriftete Kontinente, die eigentlich zusammengehören auf logische und vernünftige Weise, jedoch durch eine verstärkte Gefühlsdiktion diese durchgängige Logik eingebüßt haben und dogmatische Axiome als Klammern herhalten, die einfach geglaubt werden müssen. Beim Stoizismus ist das nicht nötig durch die Logik des Logos.

Jemand, mit dem ich vor kurzem über die Unterschiede und Parallelen des Stoizismus zu anderen Lehren sprach, verglich die heterogenen Lehren mit Nüssen, die äußerlich unverdaulich jedoch den gleichen wahren Kern beinhalten, was ich sehr treffend finde und sich in diesem preisgekrönten Film ähnlich wiederfindet als Metapher (Kiefernzapfen) ab 11:30

https://awakentheworld.com/de/film/inne ... der-lotus/

Auch er sprach die Gefühlsebene an, die neben dem logischen Sinnkontext wichtig sei. Im Stoizismus geht es ja auch klar über die eigene Natur (Intuition - verkörperte Logos-Seele), die im Kosmos (Allnatur - Gott - Logos) verankert ist, so wie alles Seiende. Die Intuition verbindet die Wahrnehmung des Gefühls mit der Logik.

Der Buddhismus ist mit dem Stoizismus nahe verwandt. Es gibt auch ein Buch dazu: Hermann Jacobi, Lothar Baus, Joseph Dahlmann, Richard Garbe, Wilhelm Geiger - Buddhismus und Stoizismus - zwei nahverwandte Philosophien und ihr gemeinsamer Ursprung in der Samkhya-Lehre, Asclepios Edition.

Der Stoizismus ist keine religiöse Lehre, sondern eine offene Philosophie ohne jegliche Pflichtvorgaben. Außerdem besteht ja die Hauptlehre gerade darin, dass jeder über die eigene Natur (Intuition) zum Kern der Wahrheit findet, weil jedes Wesen in der kosmischen Allnatur verbunden ist.

Deshalb kommen manchem Dogmatiker die antiken Stoiker auch nicht so diszipliniert vor, weil es letztlich keine dogmatische Lehre ist. Auch andere Philosophen, wie die (teilweise atheistischen) Epikureer, wurden von den Stoikern akzeptiert. Marc Aurel und Seneca beziehen sich positiv auf diese. Erst bei der christlichen Aneignung des Stoizismus wurden die atheistischen, mehr weltzugewandten Epikureer verunglimpft.

Bei den Facebook-Gruppen zum Stoizismus gibt es viele atheistische moderne Stoiker, denn das lässt der Stoizismus agnostisch offen, auch wenn die Stoa von einer kosmischen Ordnung ausgeht (Logos), was ja heute durchaus naturwissenschaftlich passt. Die antiken Stoiker waren die ersten Naturwissenschaftler.

Es ist sogar so, dass die heutigen modernen Stoiker mit Atheismus-Affinitäten (also sehr viele), ganz gern den spirituellen Aspekt des antiken Stoizismus umdeuten und gleich alle antiken Stoiker als verdeckte Atheisten sehen wollen, aber das stimmt natürlich überhaupt nicht. Das waren die wenigsten, manche wohl tendenziell Agnostiker, aber atheistisch kaum. Bei den Epikureern gab es aber atheistische Vorstellungen, weil sie weniger von einer kosmischen Ordnung und Schöpfungsallmacht ausgingen. Sie waren auch weniger tugendhaft ausgerichtet bzw. ihre Ethik war eher sozial-ökonomisch orientiert. Letztlich waren sie auch minimalistisch und sozial im Denken, wollten aber das Leben genießen, also eine möglichst optimale Life-Work-Balance, während die Stoiker strebsamer waren in Bezug auf Arbeit und Tugend. Das alles erfährt man natürlich nicht aus oberflächlichen Bestsellerschinken wie den "täglichen Stoiker", sondern nur durch Lesen der Primärliteratur, dies im historischen Kontext. Es gab schon früher solche Sprüche-Sammlungen für das Volk, auf diese Weise lernt man natürlich nicht, was den Stoizismus ausmacht. Das wird dem nicht gerecht, würde ja auch beim Zen-Buddhismus nicht klappen. Gerade die Achtsamkeit ist auch bei den antiken Stoikern ein wichtiger Aspekt. Es geht darum, seine Gedanken und Gefühle an sich vorbeiziehen zu lassen und zu erkennen, wie man sich dazu verhält, ob durch Zustimmung oder Loslassen, denn dadurch befreit sich der Meditierende von den Affekten.
In der praktischen Umsetzung erhält manches Erstarrte wieder Lebendigkeit und Authentizität, das gilt auch für den Stoizismus, Verstehen kann man den Stoizismus nur durch pragmatisches Anwenden, worauf Marc Aurel mit dem Ringer-Beispiel auch deutlich hinweist.

Marcus Aurelius Antonius, Selbstbetrachtungen.

"Bei Anwendung deiner Grundsätze
sei dem Ringer und nicht dem Zweikämpfer ähnlich.
Dieser nämlich wird niedergestochen,
sobald er sein Schwert verliert,
jenem aber steht sein eigener Arm immer zu Gebote,
und derjenige hat weiter nichts nötig,
als ihn recht zu gebrauchen.

Wer von den Grundsätzen der Wahrheit durchdrungen ist,
für den ist auch der kurze und allseits bekannte Spruch genügend,
um ihn an ein getrost furchtloses Wesen zu mahnen."


Quelle: Projetk-Gutenberg.org

Auch Seneca war kein reiner Theoretiker. Er hat viel Gutes bewirkt und maßgeblich zur Befreiung der Sklaven im römischen Reich beigetragen. Seneca hat die damalige Gesellschaft des römischen Rechtssystems geprägt, die Grundpfeiler des heutigen Rechtswesens und der Demokratie.

Mit "Vernunft" ist LOGOS gemeint, also das AllEine (AllNatur, Universum, Gott), was auch Seele & Herz umfasst (kurz: Intuition = "wahre Natur"). Wenn man den Stoizismus umsetzt, wird er lebendig im Herzen. Der Verstand von heute sieht nur die starren stoizistischen Ruinen der Antike. Es gibt eine gemeinsame lebendige Urquelle.

Ich habe immer den ursprünglichen (gemeinsamen) Kern gesucht in den Religionen und Philosophien, also das keimhaft aus der Intuition entstandene Wesentliche ohne dogmatischen Überbau, dies auch durchaus verknüpft mit der Psychologie und Naturwissenschaft. Letztlich lebe ich die Lebensphilosophie des Minimalismus und innerlich des antiken Stoizismus. Der Daoismus kommt mir auch sehr ursprünglich vor (Dao = Logos). Die Anschlussfähigkeit an die Religionen finde ich positiv. So kann ich z. B. auch viel aus dem Judentum und Christentum für mich gewinnen, ebenso aus dem Buddhismus. Ich sehe halt viele Parallelen und diese Übereinstimmungen rühren vom gleichen Ursprung der menschlichen Veranlagung her (Intuition). Eigentlich suche ich nur die Entsprechungen, die in mir selbst von vornherein intuitiv erfahrbar sind.

Ich beschäftigte mich früher auch mal intensiv mit Autohypnose und las sehr viel dazu, gerade Wissenschaftliches. Ich war erstaunt, wie viele unterschiedliche Techniken letztlich zum gleichen Ergebnis führen. Es spielt eigentlich keine Rolle, ob man sich durch Konzentration und eine starke Aufmerksamkeitsbündelung oder durch Entspannung eine innere Leere erschafft, wodurch im Vakuum letztlich das Wesentliche präsent wird, es also gleichzeitig eine achtsame Aufmerksamkeit bedeutet. Das zeigen mir auch die unterschiedlichen Lehren, die im Kern trotzdem erstaunlich ähnlich sind.

Im Stoizismus geht man den Weg der Konzentration und Aufmerksamkeitsbündelung im aktiv tätigen Logos. Durch diese Fokussierung wird gleichzeitig eine Menge losgelassen an Reizüberflutung und Energieverschwendung. Es wird zur meditativen Innenschau. Andere Lehren blenden das Äußere aus und erstreben die innere Leere in der Achtsamkeit und Meditation, wodurch der universale Logos ebenfalls präsent wird. Es sind zwei Seiten einer Medaille, Trance und Meditation, Konzentration und Tiefenentspannung. Erklärt wird es damit, dass durch die Aufmerksamkeitsbündelung auf den Konzentrations- oder Meditationsgegenstand bzw. Zustand sehr viel Energie vom Körper abgezogen wird und dadurch automatisch eine Entspannung eintritt.

Ist es nicht so, dass gerade auch bewertet wird, um gar nicht erst von einer Situation vereinnahmt zu werden? z. B. Joggen auf einem Weg, jemand kommt einem entgegen, Bewertung der Gefährlichkeit des Gegenübers, harmlose Alte mit Stock, keine Gefahr, weiter joggen. Also keine spezielle Aufmerksamkeitsabziehung auf Zielperson, welche näherkommt. Und so passiert das doch laufend im Alltag. Eine gewisse Grundbewertung ist notwendig zum Überleben. Eine Aufmerksamkeitsvereinnahmung wäre schon affektiv und gerade dort hilft der Stoizismus, dies auf vernünftige Weise zu kontrollieren.

Ich mache es ganz einfach, indem ich es zu Gott (Logos) delegiere und darauf vertraue, dass ich von Gott die richtigen intuitiven Eingebungen erhalte, um die jeweilige Situation für den Moment passend zu bewerten auf die Frage: Bin ich durch diese Situation aufgefordert zu handeln oder dem nachzugehen oder nicht?

Im tiefen Gottvertrauen kann man diese Einschätzung jedoch getrost Gott überlassen und dann die intuitiven Eingebungen zu den jeweiligen Lebenssituationen und traumatischen Trigger empfangen. Dadurch werden verfehlte Schemata, negative Suggestionen und verzerrte Selbstbilder und Fremdbilder losgelassen. Es sind nur Meinungen, Zerrbilder, Gedankenkarussells. Der Stoizismus hilft, sich verstärkt mit dem Universum zu verbinden, wodurch sich die Perspektive verändert. Man kommt aus der Opferrolle des falsch Programmierten raus und öffnet sich für die universale Wahrheit, die befreit.

Die antiken Stoiker setzten den die Welt gestaltenden Logos mit dem vielfältigen Gott des Universums gleich. Die Götter werden zu der damaligen Zeit metaphorisch als vielfältige Wirkung des einen allumfassenden Logos (Allnatur-Universum-Gott) interpretiert. So kann die Stoa die Volksfrömmigkeit durch vertiefende Interpretation in ihr philosophisches System aufnehmen und trotz Vielheit der Götter den Monotheismus etablieren. Damit beziehe ich mich auf die historische Entwicklung vom Pantheismus zum Monotheismus bis zum Agnostizismus, der schon bei den antiken Stoikern spürbar im Kern beginnt und bei den Epikureern teilweise in den Atheismus mündet.

Epikur war kein Stoiker, da gibt es schon Unterschiede, gerade was den Seelenbegriff angeht. Epikur hatte seine eigene Schulrichtung. Die Vorstellung einer Seele, die bei den antiken Stoikern noch eine Rolle spielte, löste sich bei Epikur auf. Bei den Stoikern wird die Seele eher als Tropfen des Meeres gesehen oder eben als göttlicher Funke des Logos, der zur Urquelle zurückkehrt im Naturkreislauf, der vom Logos durchwirkt gedacht wurde, so wie die Seele des Menschen im Körper wirkt und doch für sich Gestalt sein kann.

Warum scheint es für manche ausgeschlossen zu sein, dass ein übergeordnetes Bewusstsein existiert, obwohl man von individuellen Bewusstseinsentitäten ausgeht oder sogar einer kollektiven Einheit dieser Bewusstseinsentitäten? Und warum soll es nicht auch geistige Naturgesetze geben können? Davon gehen nämlich die Stoiker aus. Es bildet alles eine Einheit als AllNatur.

Es ist vergleichbar mit einer Honigwabe. Die Wabe ist die Materie und im Honig ist der Logos. Die Materie wurde von den antiken Stoikern nicht gleich definiert wie heute, sondern als das passiv zu Gestaltende aufgefasst (Hyle), während der Logos dem schöpferisch tätigen Ordnungsprinzip des Lebens entspricht und mit Gott gleichgesetzt wird. Marc Aurel spricht vom allwaltenden Geist und der Urquelle alles Seins.

In der damaligen Vorstellung der antiken Stoiker, die sich noch nicht auf dem heutigen Wissensstand befanden:

Aus der Synthese von Materie (Hyle) und Vernunft (Logos) entsteht und vergeht in periodischen, sich wieder erneuernden Zyklen evolutionär aus dem schöpferischen Logos die Welt. Die erzeugende Weltvernunft (logos spermatikos) befähigt analog zum Keim, der im Samen enthalten ist, die Materie (das Wasser) zu den weiteren evolutionären schöpferischen Leistungen.

Allfällig erneuerte irdische Lebensläufe wären dabei jedoch so angelegt, dass der Mensch sein samenhaft angelegtes Schicksal selbst steuert, indem er einen schicksalhaft gegebenen Anstoß zur Handlung umsetzt oder zurückweist. Folglich gibt es bei den Stoikern keine karmisch bedingte Unausweichlichkeit des Schicksals aufgrund eines schuldhaften Verhaltens oder einer Schandtat.

Also wenn Wiedergeburt, dann des gleichen Lebens, nur mit neuer Wahlfreiheit, womit jeder sein Leben verändern kann. Marc Aurel deutet jedoch an, dass diese Erneuerung nicht ewig läuft.

Man könnte es eine andere Art von Reinkarnationslehre betrachten mit einem Nirvana am Schluss. Letztlich geht aber nichts verloren, der Tropfen ist Teil des Meeres. Die Wahlfreiheit wird logischerweise auch darin bestehen, ob wieder dieselben Entscheidungen getroffen werden, was aber nicht der Fall ist, sodass eher von Paralleluniversen ausgegangen werden muss, aber nacheinander.

Klingt alles irgendwie nach raumzeitlich relativierten Quantenphysik-Theorien zum Universum. Evolutionärer Urknall aus dem Logos. Schon erstaunlich, zeigt aber, wie die Intuition erahnt und schattenhaft skizziert, was sein könnte. Den Stoikern war eine wissenschaftliche Verifizierung sehr wichtig. Sie gelten, zusammen mit den anderen antiken Philosophen, als Vorläufer und Begründer der Naturwissenschaft.
Der Stoizismus als „psychologischer Weg zur Gelassenheit“ kann im Sinne des TE natürlich dem Choleriker oder dem Hysteriker dabei helfen, sozialverträglicher mit seinen Affekten umzugehen, entspricht aber noch keiner Philosophie als Weltanschauung, bzw. einem Weltbild, welches an die Schüler einer Philosophenschule vermittelbar ist.

So stellt die Erweiterung des Stoizismus über die reine Methode hinaus, indem man ihn mit einer jeweils selbst bestimmten, ethischen oder ideologischen Kosmologie verbindet, eine Entgrenzung des Begriffes dar, die bis hin zur Beliebigkeit reicht, und auf diese Weise - ganz unabhängig von der jeweils aktuellen Geistesströmung - von Jedermann für seine Zwecke instrumentalisiert werden kann.

Am einfachsten ist es daher, wenn man den Stoizismus nicht als eine Ideologie betrachtet, sondern schlicht und einfach als eine Methode, die sowohl griechischen Polytheisten, als auch römischen Monotheisten, oder Kaisern und Sklaven schon in gleicher Weise von Nutzen war, und die auch heute noch dazu taugt, um sich vor Allem kurzfristig im Kampf gegen seine Gegner zu behaupten, indem man sowohl ihr Mobbing als auch ihr Stalking einfach ignoriert.

Das langfristige Ignorieren dringender Erfordernisse kann hingegen zu schwerwiegenden, negativen Folgen führen, sodass man da besser hinschaut und seinem Überlebenstrieb nachgibt, was wohl auch der rationale Forderung der Stoiker nach ökonomischem Handeln entspricht und nicht einem gnostischen Logos, der über die verirrten Seelen wacht.
Die Gnosis hat nichts mit der Stoa gemeinsam, ganz im Gegenteil: Die Welt ist für die Gnostiker nicht vom Logos getragen, sondern schlichtweg etwas Schlechtes und Gottfernes, ein Sündenfall. Die Stoa ist ein Anpassungsprogramm an die Lebensbewältigung, die Gnosis jedoch eine radikale Weltabkehr.

https://www.bibelwissenschaft.de/wibile ... 7b693/#h15

Die Stoa ist auch keine Ideologie, sondern eine offene Philosophie ohne jegliche Dogmatik. Und klar kann jeder daraus entnehmen, was ihm hilft. Trotzdem gibt es eine antike Stoa-Lehre, worauf sich die antiken Stoiker einigen konnten, welche überaus hartnäckig weitertradiert wurde bis in unsere moderne Zeit, was ich sehr gut finde.

Die Stoa hat auch nichts mit den heutigen Vorstellungen des Begriffs "stoisch" zu tun. Deshalb kam es im englischsprachigen Raum zu einer Unterscheidung des Begriffs, was die Rechtschreibung betrifft (substantive revision 2018). Wer sich damit auf die antiken Stoiker bezieht, muss alles groß schreiben, also "Stoic" für stoisch und "Stoics" für Stoiker, "Stoicism" für Stoizismus.

Ein gutes Beispiel, wie das Wort "stoisch" sogar gerichtlich kriminalisiert wird:

https://www.lto.de/recht/feuilleton/f/s ... rteidiger/

Der Stoizismus hat auch nichts mit einer traumatischen oder alexithymen Notfall-Erstarrungsreaktion zu tun, wie das auf Youtube beschrieben wird von einer Traumatherapeutin: Verena König - Erstarren & Funktionieren als Traumafolge - Podcast #131 in youtu.be/JSfL5zriCpk

Gerade die antiken Stoiker waren sehr handlungs- und zielorientiert sowie umsetzungsstark. Sie haben ihre Philosophie erfolgreich angewandt und konnten nachhaltig Wirkung erzielen damit, was sich bis heute ausgewirkt hat.
Hallo, liebe Laura-Maelle, sehr danke ich Dir für Deine beiden Links, werde sie erneut anklicken, sobald ich etwas Zeit habe!
Bin dankbar, dass Du Deine mich sehr anregenden Beiträgen hier im philos. Forum mailst!
Wenn ich hier bei 50plus reinschaue, lese ich zunächst immer Deine Beiträge, auf die ich gespannt bin, und lasse sie auf mich wirken...
Werde heute wie jeden Tag immer wieder daran danken, im Kosmos bewusst zu atmen...
Wünsche Dir von Herzen einen schönen Sonntag! :D

Migranda
Vielen Dank, liebe Migranda! :)

Ja, die Links sind wirklich gut, hab sie teilweise mehrfach angegeben, weil sie bei so viel Text und Dialog hier schnell untergehen, was schade wäre, weil durch sie vieles, was ich hier geschrieben habe, besser verständlich wird. Ich sauge mir das ja nicht alles aus den eigenen Fingern, sondern beziehe mich auf historische Forschungen & Erkenntnisse.

Du bist mir auch gleich positiv aufgefallen hier beim 50plus!
Ein schönes Willkommen, herzlichen Dank!
Liebe Grüße aus der Schweiz!
Laura Maelle