Aus gegebenem Anlass...


Darf man kein kaufsüchtiger Sünder mehr sein?
Wann sind denn Sünden billiger zu kriegen?
Wann darf ich, ganz Konsumschwein, mich fragen allein:
Wann kommt die Wa(h)re Moral effizienter zum Erliegen?

Wann darf ich frenetischer konsumieren,
mein ganzes Geld auf den Kopf hauen,
„Kaufrausch“ als Kunstform implementieren,
am Werk globalen Wachstums mit herumbauen?

Ja, wann bloß ihr lieben Leit,
wenn nicht in der Vorweihnachtszeit?!



:wink:


Ich schreibe mal eine Geschichte. Vielleicht gefällt sie ja jemanden.

Unglaublich! Wirklich unglaublich. Die Zeit vergeht wie im Flug. Obwohl Zeit eine Konstante ist. Na gut, nach Einstein nicht.
Aber die Zeit ist nun gekommen. Mein ganz persönliches Grauen naht.
Schuhkauf.
Mein Gott, ich habe mir doch erst vor gar nicht allzu langer Zeit Schuhe gekauft. Anfang 2014 und jetzt schon gibt dieser Neuerwerb seinen Geist auf.
Es läuft gerade „Ashes to Ashes“ von Bowie im Radio. Passt! Jetzt bin ich schon wieder vom Thema wech.
Kaufen.
Erinnert mich daran, dass ich erst im Sommer mir eine neue Jeans zugelegt habe. Eine Zweithose, da die erste andere Zweithose als solche nicht mehr zu gebrauchen war und die Ersthose in die Wäsche musste. Es hatte also halt eine gewisse Dringlichkeit. Kurzentschlossen ins Geschäft und auf die schnelle eine Levis 527 Größe 32/32 erwerben und das Thema ist vom Tisch.
Trage seit Jahren diesen Typ mit einer gewissen variablen Größennummer. Ich würde jetzt lügen, wenn ich damit die Beinlänge meine.
Aber diese blöde Ami-Firma hat sich auch dem Modediktat unterworfen und das Model vom Ladentisch genommen und schon sah ich ganz schön blöde aus.
Auf einmal war ich mit so abstrakten Nummer wie 511 und 514 oder Namen wie Slime Line und Slime Fit Line konfrontiert.
Also versuchte ich mein Glück mit den Buchsen in der Umkleidekabine, ein großes Wort für dieses kleine Räumchen. Die Enge des Kabuffs passte sich den Hosen an. Bei dem kläglichen Versuch, in gebückter Haltung meine Quadratlatschen durch die engen Stumpen zu drücken, stieß ich andauernd mit meinem Hintern gegen den kalten Spiegel und drohte, auf einem Bein stehend, auch noch ständig gegen diesen zu klatschen, was die ganze Sache noch mehr zu einem unvergessenen Kauferlebnis machte. Und irgendwo in den Verkäufsräumen dieses First-Class-Einkaufstempels las ich einen Werbespruch mit dem Motto: „Tauchen sie ab in eine neue Erlebniswelt“, was das ganze gerade für mich noch absurder machte.
Nach getaner, schweißtreibender Arbeit steckte ich in diesem Beinkleid und kratzte meinen ganzen Mut zusammen und traute mich aus der Kabine in die Öffentlichkeit und vor einem Spiegel, der natürlich auf der anderen Seite dieser Shopping-Mall befand und alle anderen Kunden, die mich jetzt sahen, den Begriff „neue Erlebniswelt“ endlich verstanden.
Da stand ich nun vor dem Spiegel mit meiner Slime-Line und dachte sofort an die Fleischereifachverkäuferin, die gestern, nachdem ich nach Brühwürstchen fragte, freundlich nach hackte: Die extra dünnen?“ und ich dachte: Wie mögen die wohl aussehen?“. Jetzt wusste ich es. Ich sah meine Beine und ich verstand. Es fehlte nur noch der Naturdarm und man hätte das Ganze als Bioware, „wir kennen die Sau mit Namen“, über die Ladentheke als „extra-super-slime“ reichen können.
Geschwind zurück in diesen Abstellraum und raus aus dieser Zwangsjacke für Beine in der ich steckte und jetzt feststeckte. Mir hatte keiner gesagt, dass man zum entfernen dieser Hose eine zweite Person braucht.
Mit dem Hintern am Spiegel klebend versuchte ich wenigstens einen Fuß durch das Hosenende zu ziehen und dachte dabei an das Mädchen mit der ich vor einer Ewigkeit schnellen Sex haben wollte und sie ein gefühltes ganzes Leben an meinen Cowboy-Stiefeln zerrte, da ich vergaß meinen hölzernen Stiefelknecht in die Kneipe mit zunehmen, was mir seitdem eine Lehre war und seit jenem Tag sich jedes junge Fräulein fragte: Was hat der wohl in der Umhängetasche?“ Mit dieser Hose und so ungelenk wie ich heute bin, wäre ich wohl jungfreulich in die Ehe gegangen.
Mit Schmerzen in den Beinen und krummen Rücken brachte ich die Hose zurück und entschied mich nun für eine 501er, denn in der sah ich mal vor 30 Jahre gut aus.
Ab in die Buchse und vor einen Spiegel. Was ich natürlich nicht bedachte, zwischen den Blicken in einem Spiegel mit diesem blauen Gewand lagen nun wirklich, wirklich viele Jahre. Und wäre nun in diesem traurigen Moment noch eine Young-Fashion Fachverkäuferin, die meine Tochter oder Enkelin hätte sein können, aus dem Nichts an meine Seite getreten und hätte mir ins Ohr gesäuselt“ „Die steht Ihnen aber gut!“ hätte ich jetzt eine Klage wegen Beleidigung und unzüchtigem Benehmens gegenüber „Fachverkäuferinnen“ am Hals.
So marschierte ich Tage später mit einer dreckigen Ersthose am Hinter und defekter Zweithose im Beutel zu einer Schneiderin, die mir dann erklärte: „Scheiden tut weh. Da hilft auch keine OP.“
Jetzt bin ich stolzer Besitzer einer 501er, nachdem ich mich zwischenzeitlich über die unterschiedlichsten Blautöne schlau machen durfte.
Mit dieser Erfahrung stecke ich meine ramponierten Schuhe in einen Beutel, besuche voller Hoffnung einen Schuster und hoffe auf eine Not-OP.


Ich habe mir vorgenommen,
Schweres leichter zu nehmen.

Üppigen Gedanken die Freiheit von Schneeflocken zu geben,
heumzuwirbeln und
sich sanft auf ein neues Gedankengebäude zu legen.

Heute einen Ideenturm im Schneesturm entstehen zu sehen,
und morgen ganz sicher
ein neues Sinnbild pulsierenden ewigen Schaffens.

Geschmolzenen Schnee,
sprudelnde Quellen, tiefe Seen.



Heute überraschenderweise im Unterhaltungsforum im "Minisaga"-Thread (50 Wörter) entstanden;
passt gut auch hierher, finde ich.
:)


Gedanken nach meinem Inselurlaub auf Juist

Und die Sehnsucht ist es, die bleibt….
in das Lächeln in dir
das Verstehen
und einfach Weitergehen
in die Welt
dorthin
wo der Adler ruft und die Möwe schreit
der Wind sich dreht
Staub aufwirbelt
neue Formen schafft
und dann wieder vergeht....

Wellen
klatschen an den Strand
gehen zurück, wieder in ihr Land
hell. aufschäumend
lieblich
Bilder
Stimmen ertönen in ihr
eine Melodie
Zauber
Magie
immer wieder
Tag und Nacht
entfacht...

Sonne leuchtet
ganz hell
so weiß und manchmal knallrot...
dort oben
und hier
in Dünen und Sand
verläuft sie sich

strahlt die Rosen an, Heckenrosen
überall...
Duft verwirrt deine Sinne-
schließ die Augen und spür
das Wunder der Natur....
in dir….

Pferdegetrappel
jetzt im Galopp
so stetig neu
und doch beharrend
mit den Füßen auf der Erde,
jetzt und dann
und morgen auch
ES IST…

copy. Ursula Jahnel
In Verbundenheit

Still verbunden, schweigend,
den Kopf zur Geliebten neigend.
Süßlich schmeckender Kuss;
wer so geliebt seit Jahren,
hat es längst schon erfahren,
Liebe ein Hochgenuss.

Wer mit Herz und Verstand
sich seine Liebe eingestand,
Ohne Worte sich versprochen,
dass ein Leben zu zweit,
gemeinsam das Herz befreit;
Stumme Dialoge gesprochen.

Wer in dieser Frühlingszeit,
seine Gefühle zuließ jederzeit,
öffnete den Geist für seinen Traum;
welches Glück als ich sie fand,
neigte mich zu ihr nonchalant
und küsste sie unter´m Apfelbaum.

Frühlingsgefühle sind geblieben,
ich werde sie auf ewig lieben.
Doch sitze ich nun schweigend,
betrachte stumm die Rosen,
kann sie nicht mehr liebkosen;
den Kopf zum Grab hin neigend.

© Susan Melville
Atemlos

Lass uns dem Sommer in die blitzenden Augen schauen,
ihm folgen bis in den blassen Morgen.
Lass uns im Sommergewitter die Nacht durchbeben,
bis der Tag errötet und der Sturm den Atem anhält.

Wagrier
Ich bin
nicht perfekt,
aber
perfekt
ich selbst.
:wink:
Nicht mehr
aber
auch
nicht weniger.
:wink:
Dies jedoch
genügt
vollkommen,
zum Leben
und auch
zum Lieben


© ValentinAK 1992
Sommertag des Glücks

Sommerwind, leichtfüßig tanzt er
durch die Baumwipfel
bring diese zum Schwingen
die Blätter tanzen im Reigen
läßt sich hernieder über die Sträucher
hinein in die Ähren
und weht sie umher
und so tanzen auch die Ähren
mit dem Wind um die Wette
sie bewegen sich im Rhythmus

und ein Liebespärchen liegt in den Ähren
vor allen Blicken geschützt
der Sommerwind macht sich lustig über sie
und weht über ihre nackten Brüste
so dass sie ein Frösteln überkommt
und der Junge umfaßt ihre Brüste mit den Händen und
versucht, sie zu wärmen

und der Wind albert weiter herum
er kitzelt den Jungen in der Nase
so dass er niessen muss
sie lacht darüber
und die beiden lachen glücklich
mit den tänzelnden Sommerwind um die Wette
heiter, ausgelassen, unschuldig, schön in ihrer Jugend

und es ist ein Sommertag des Glückes
ein Geschenk
ein entrückter Sommertag
voller Freude, Wärme, Licht und Liebe

und der Sommerwind neckt die Beiden noch etwas
tanzt noch um sie herum
spielt mit ihren langen blonden Haaren
in denen sich die Sonne spiegelt
und sie sehen wie die Ähren aus
zerzaust sie etwas

dann wirbelt er sich auf
wirbelt über die Bäume, lacht nochmal laut über das Liebespärchen im Glück

wirbelt weiter und wart nicht mehr gesehen

- meins -


So fern unter den Menschen


Manchmal möchte ich woanders sein,
dort, wo ich gerade nicht sein kann,
immer dort, wo ich nicht sein kann,
so fern unter den Menschen.

Orange-gelbe Vorhänge,
durchsichtig, zart, ein Hauch.
Ein Schatten dahinter, die Silhouette einer Frau.
Die Schönheit, die erahnbar ist
und sich dennoch entzieht – vielleicht
nur in der Fantasie existiert.

Der Andere ist ein zerbrechliches Wesen,
anfällig für fremde Gedanken,
die ihn beschädigen...

Die Körper sind einander zugewandt,
die Blicke scheinen einander zu erfassen,
die Münder bewegen sich und formen
eine gemeinsame Sprache.

Der Andere ist vertraut, das Schema ist bekannt. Wir zeichnen die Linie
der Gesichtszüge in unserem Geiste nach und überwinden damit alle
Grenzen. Wir zweifeln nicht daran,
den anderen zu kennen.
Wir hören seine Gedanken und sehen seine Zukunft. Alles liegt
vollkommen ausgebreitet vor uns.

Und doch ist es nur das Spiegelbild
unserer selbst. Der Andere ist ein Phänomen, das
sich entzieht – es bleibt fremd,
so fern unter den Menschen.


© Verdandi, 2003



Heckenrosen

Erinnerungen:
duftende Rosenblätter!
Vom Winde verweht - .

Mila 2018
Frühlingssonne
bescheint alte Gemäuer -
ein Schmetterling tanzt...
Sommer

Wolken ziehen
Stunden fliehen
Vögel singen
Lieder klingen
Bäche rauschen
Frauen plauschen
Blumen blühen
Wangen glühen
Saaten reifen
Mäher greifen
Motoren dröhnen
Bauern stöhnen
Räder ächzen
Raben krächzen
Amseln schlagen
Pferde traben
Abendwind
schlaf gut mein Kind
Mitten im Schrank
weiß und ganz blank
so ganz verlassen
zwischen den Tassen
lag es ziemlich hinten.
Wieso nicht vorn?
Ich sah es mir an
es war nur ein Korn
klein und weiß
aus Reis
nixe, ich les deine humorvollen gedichte so gerne
Der Lack ist ab....

Der Lack ist ab,
die Knochen knacken
und ein Wehwehchen hier und da.

Die Haut schon runzlig,
und ein paar Falten.
Nicht mehr wie 20, ist doch klar.

Und mit dem Spiegel,
so jeden Morgen,
der dumme Kampf ist sonderbar.

Die Haare stumpf,
zu viele graue.
und manche kräuseln sich sogar.

Ich wollt schon immer
so Locken haben.
Nun ist die Lockenpracht sehr nah.

Wo ist die Brille,
die zum Lesen,
liegt sie vielleicht da auf der Bar?

Ich kann nicht lesen,
so ohne Brille,
was auf dem Beipackzettel war.

Und doch, das Hirn
hat keine Falten.
Es regt und schlägt sich wunderbar.

Und die Erfahrung,
allendhalben,
hat doch was für sich, sonnenklar.

Ich mag sie,
diese 60 Jahre,
die ich schon auf der Erde war.

Der Lack ist ab,
die Knochen knacken,
so um die 60 - das ist doch klar...
cron