Das Weihnachtsgeschehen aus der Sicht Josefs, der es als Lebender bis in unser Jahrhundert geschafft hat.
Sehr interessant! Bitte weiter!
Teil 3 von Josef und einen schönen 3. Advent:

Noch in Gedanken setzt er sich in den nächstbesten Zug, der gerade am Bahnsteig hält. Es geschieht an einem Vormittag, und wenn etwas Bedeutendes geschieht, wirkt es schicksalhaft fort. Josef fährt an diesem Tag mit dem Zug bis zur Endstation. Er ist in Backnang, die so schwäbische Kleinstadt am Rande des schwäbischen Waldes. Hier nimmt in einem kleinen Theater die Geschichte ihren Lauf, deren Folgen Josefs Seelenleben nachhaltig durcheinanderwirbeln sollte.
Bei der Erkundung der Stadt fällt sein Blick auf das Straßenschild „Am Ölberg“ und erinnert ihn an seine Heimat. „Der Ort erhält doch erst viel später seine Bedeutung und nicht jetzt vor Weihnachten“, murmelt er befremdet, als er auf das Programm des kleinen Kellertheaters in der Gasse aufmerksam wird und neugierig die ausgetretenen Sandsteinstufen nach unten steigt. Der Raum wirkt im Halbdunkel heimelig und warm. Josef erinnert sich an ähnliche Unterkünfte zur Zeit der Geburt des Sohnes, als sie glücklich gewesen wären, eine solche Herberge vorzufinden. Wie er aus dem Programm des Theaters erfährt, besteht diese Veranstaltungsstätte am Ölberg schon einige Jahre und erfreut seine kleinen Besucher mit klassischen Märchen und die Erwachsenen an den Abenden mit unterhaltsamen, doch tiefgründigen Geschichten.
Teil 4 der Josefsgeschichte:

Gedankenversunken steht Josef auf der steilen Treppe, als sich erste Zuschauer einfinden und fröhlicher Kinderlärm an seine Ohren dringt. In diesem Augenblick schaut er direkt in die Augen der begleitenden Lehrerin zwischen der Kinderschar. Braune Augen, ein gewinnendes Lächeln und eine rote Nase, die der Kälte gezollt scheint, sehen ihn erwartungsvoll an. Rosanna, so stellt sie sich vor, lächelt Josef freundlich entgegen. Dabei sieht er direkt in ein Augenpaar, das ihn sehr ernsthaft anblickt. „Soll ich den Eintritt gleich bezahlen oder hinterher?“ fragt sie in der Annahme, dass er zum Theater gehöre.
„Diese so dunklen und tiefgründigen Augen erinnern mich so sehr an Anna aus meinen Jugendtagen. Vielleicht hätte ich in jener Zeit um sie, statt um Maria werben sollen,“ denkt Josef. „Nun, wenn ich als Mitglied des Theaters dieser Rosanna näherkommen kann, will ich mich gerne hier nützlich machen,“ folgert er weiter, „auch wenn ich von früher her nur die Amphitheater kenne, deren Darbietungen sicher nicht für Kinder waren. Unter den Augen der Römer haben immer wieder Menschen meines Volkes auf bestialische Weise ihr Leben verloren. Wurde so die Opferrolle bei meinem Volk schon zu jener Zeit manifestiert und prägt auch mich bis heute?“
Etwas verunsichert, ob diese Geschichte überhaupt gelesen wird, nun der 5. Teil von Josef:

„Wie sie wollen“, kommt schließlich seine Antwort, „sie können gleich bezahlen oder aber hinterher, wenn Sie sich nicht einfach aus dem Staub machen“, scherzt Josef jetzt, froh von den dunklen Gedanken der Vergangenheit abgelenkt zu sein. Er hatte mittlerweile einige der hier üblichen Redewendungen begriffen, um sie sogleich bei jeder passenden Gelegenheit anzuwenden. „Gut, dann bezahle ich hinterher! Ich werde auch nicht weglaufen“, nimmt Rosanna scherzhaft den Faden auf und lacht ihm direkt ins Gesicht. Der Blick seiner Augen trifft sie bis ins Innerste. Erstaunt, weil so lange nicht mehr erlebt, nimmt sie es verwundert wahr. Schließlich sitzen die Kinder gespannt auf ihren Stühlen, nur Rosanna hat noch keinen Sitzplatz gefunden. Wieder treffen ihre Augen auf die durchdringenden Blicke von Josef.
Der tut inzwischen hier unten alles für die Vorbereitung des Spieles, was von den Spielern dankbar angenommen wird. Rosanna weiß nicht, wie sie den Blicken dieses Mannes begegnen soll, denn ein eigenartiges Gefühl breitet sich in ihr aus. Ihr wird immer klarer, dass sie diesem Blick nicht standhalten kann oder will. Sie hat das Gefühl, als schaue er ihr direkt in die Seele, in ihr Herz und sähe dort Dinge, die er eigentlich nicht sehen durfte. So weicht sie seinem Blick aus, so lange es geht.
Ich lese...Mach bitte weiter!
LG
Jeanie
Ok, Guten Morgen und zu Teil 6:

Josef kann sich auch während der Vorstellung der Erscheinung dieser Frau nicht entziehen und schaut im Halbdunkel des Raumes immer wieder verstohlen zu ihr hin. „Was zieht mich so an dieser Lehrerin an, die so gar nicht zu dem Frauentyp passt, der mich sonst fasziniert“, fragt er sich, als er ihr unter einem Vorwand seine Handynummer aufschreibt. Das moderne Ding hatte er vor ein paar Stunden im Bahnhof erworben. Um damit zurechtzukommen ließ er sich beim Kauf zum Glück die wichtigsten Funktionen erklären. Er weiß nicht warum, aber während die Kinder mit glücklichen Gesichtern das Theater verlassen, ist er berührt – sie hatte ihn berührt. „Nein, nicht körperlich“, meint er, „es ist der Blick oder ihr Lächeln,“ das er immer noch zu sehen glaubt.
Auf dem Heimweg ist Rosanna mit ihren Gedanken noch immer im Theater. Der Blick und die Worte „Melden Sie sich - ich warte“, die Josef ihr im Theater beim Gehen noch schnell zugeworfen hatte, lassen sie nicht los. Sie spürt, dass eine längst tot geglaubte Saite in ihr zu schwingen beginnt. Sie ist von dem Gedanken gefesselt, sich tatsächlich bei ihm zu melden. Selbst die Kälte hätte sie nicht von diesen durcheinanderwirbelnden Gedankenfetzen ablenken können.
Die Stunden ziehen an ihr vorüber, ohne dass sie davon viel wahrnimmt. Bis in den Nachmittag überlegt sie fieberhaft, was sie tun soll. Ohne sich dessen bewusst zu werden und ohne es wirklich zu wollen - oder etwa doch? - es ist entzündet, das Spiel mit dem Feuer. Rosanna muss eine Entscheidung treffen. Wollte sie diesem lange nicht mehr erlebten Gefühl Raum geben, das sich so plötzlich eingestellt hat und ihr bewusstmacht, was „leben“ auch bedeutet? Sie überlegt hin und her und fasst den Entschluss, sich zu melden.
Teil 7 von Josef:

Mit klopfendem Herzen nimmt sie Verbindung auf, um Josef anzuvertrauen, dass in ihr der Wunsch nach Begegnung gewachsen sei. Zweifel an der Entscheidung machen das Warten auf seine Antwort nicht leichter. Wird er sich melden, wie wird er reagieren? Wollte sie diese Begegnung wirklich? Oder vielleicht doch nicht?
Sie ist so gespannt, dass ihr das Herz bis zum Hals pocht. Mit angehaltenem Atem liest sie die Einladung zu einem Treffen beim Tee. Ist es das, was sie einerseits erwartet und gleichzeitig auch gefürchtet hat? Sie verspürt eine unglaubliche Freude, denn es ist also nicht nur ihr so ergangen. Auch Josef ist von der Begegnung berührt und äußerte den Wunsch nach einem Wiedersehen. Rosannas Herz klopft so mächtig, als müsste es zerspringen. Ihre Hände zittern. Die verschiedensten Gedanken jagen ihr durch den Kopf. Nur zu gerne hätte sie Josef einfach mit einem „Ja, gerne, wann sehen wir uns?“ geantwortet.
In der Nacht, die dieser schicksalshaften Begegnung folgt, ist an Schlaf nicht wirklich zu denken. Rosanna wälzt sich unruhig in ihrem Bett hin und her, und Bedenken tauchen auf, verschwinden wieder und neue bahnen sich machtvoll ihren Weg. Sollte sie sich auf eine erneute Begegnung einlassen, mit der Gefahr, wieder diesem Augenpaar ausgesetzt zu sein und Dinge spüren zu müssen, zu dürfen, die sie schon lange nicht mehr für möglich gehalten hat? Sollte sie nicht besser dankend ablehnen und diesen Gefühlen keinen Raum geben?
Da ich erst wieder am Montag dazu komme, heute noch Teil 8:

Glücklicherweise hat Rosanna am nächsten Tag eine Verabredung mit einer Freundin, der sie sich anvertraut und der sie schildert, was ihr Herz so sehr bewegt. Sie sind sich schließlich einig, dass sie von ihrem Gefühl geleitet schon das Richtige tun wird. Zudem hatte Rosanna bei ihrem Besuch im Theater den Eindruck, dass Josef anders war als der Mann, mit dem sie zusammenlebt. „Liegt das an seiner im Dunkeln verborgenen Geschichte und ist es das, was mich fasziniert? Gemeinsam mit ihm seine Welt zu entdecken? Es sollte mich jedenfalls nicht hindern, im Gespräch mit diesem anziehenden Mann bisher nicht erlebte Gebiete zu erforschen, selbst wenn ich einem anderen gehöre. Aber kann man überhaupt jemanden gehören?“ fragt sie sich im gleichen Moment und bemerkt, wie sehr sie doch von ihrem kleinbürgerlichen Umfeld geprägt ist.
Josef könnte Rosannas Gedanken um Etliches ergänzen, wüsste er davon. Er würde ihr aus eigenem Erleben von den Besitzansprüchen der Männer in seiner palästinensischen Heimat erzählen. Es erschien ihm wie Jahrhunderte, bis sich dort nur ein wenig an dem Rollenverständnis geändert hat. Vielfältig hat sich der Wandel bei ihm vollzogen. Geprägt von verschiedensten Frauen über die lange Zeit und die dadurch erlangten vielgestaltigsten Erkenntnisse, hofft und wünscht Josef, Frauen endlich zu verstehen. Hier in der Mitte Europas, wie er aus den im Theater gespielten Stücken für Erwachsene erkennt, hat sich das Blatt eher gewendet. „Schon wieder so eine Redewendung, die ich mir erst erklären lassen musste – nun ja, die hatten wir in meiner alten Heimat auch. Jedenfalls drängt sich mir der Eindruck auf, dass hier die Männer ihren Frauen gehören, mit Geschick geführt werden und davon nichts bemerken.“ Josef muss bei diesen Gedanken lächeln.
Doch noch Teil 9, sonst komme ich bis Weihnachten nicht bis zum Ende:
Entschlossen teilt Rosanna Josef mit, dass sie sich gerne mit ihm treffen wolle. Alleine die Gefühle, die sie zu diesem Treffen begleiten, sind deutliche Anzeichen dafür, dass sich zwei Seelen begegnet sind, die einander lange verloren hatten und einander gesucht haben. Weder Rosanna noch Josef ahnen aber davon, und so gewinnt das Geschehen an Dynamik. Rosanna ist vor diesem Nachmittag so nervös, als ob es ihr erstes Rendezvous mit einem Mann wäre. Klarheit bei allem gefühlten Durcheinander ist ihr wichtig. Schon gar nicht sollte er auf die Idee kommen, sie suche etwa ein Abenteuer. Würde sie ihn überhaupt wiedererkennen?
Rosanna bezweifelt das, denn sie hat Josef ja nur für eine kurze Zeit im Halbdunkel des Theaters wahrgenommen, gesehen wäre schon fast zu viel gesagt. Und dennoch, gesteht sie sich ein, konnte sie so viel Nähe spüren. Pünktlich zur verabredeten Zeit steht Rosanna mit klopfendem Herzen im Kaffee. Und keine Spur von dem Mann. Nervös beginnt sie sich umzuschauen, als sie ihn schließlich auf einem gemütlichen Sofa entdeckt. Noch immer sind die hohen Stühle unbequem für Josef. Lieber würde er auf einem der handgeknüpften Teppiche sitzen, wie er es eigentlich gewohnt ist.
Dann weiter mit Teil10:

Jetzt ist es so weit; der herzlichen Begrüßung folgt ein Austausch von Höflichkeiten. Bald stellen beide fest, dass sie eine große gemeinsame Leidenschaft verbindet, die Kunst. Und bei solch interessanten Gemeinsamkeiten und dem lebhaften Gespräch vergeht die Zeit wie im Flug. Josef fühlt sich in seine Jugend zurückversetzt, besonders als sie, wie ein scheues junges Mädchen, ihm gegenübersitzt. Dabei fällt ihm ein, dass er sich in seiner Jugend nie hätte mit einem Mädchen in der Öffentlichkeit treffen können, und schon gar nicht in einem Teehaus, das nur den Männern vorbehalten war.
Ganz im Gegensatz zu dem kurzen Gespräch im Theater, wirkt Rosanna auf ihn eher unsicher. Sie vermeidet es, ihn länger anzuschauen, so dass er sich später gerade noch an die braunen Augen und den warmen, wenn auch kurzen Blick erinnern wird. Was ihm auffällt, ist ein blauer Lidstrich unter den Augen und eine für diese Jahreszeit fast bronzene Hautfarbe, die ihn an Menschen seiner Heimat Palästina erinnert und das er sehr anziehend findet. Aber, und das wird ihm sofort klar, er hätte sich unweigerlich in diese Frau verliebt, was auch immer sie für vermeintliche Makel haben mochte. Sind es die Augen, die Stimme oder musste es einfach so sein, dass sich ihre Lebensbahnen kreuzen?
Er hat das Gefühl, diese Frau schon immer zu kennen, als hätten sie sich nur vor langer, langer Zeit verloren. Beim Abschied vor dem Cafe beschließen sie, in Verbindung zu bleiben. Was sollten sie auch sonst tun, denn er spürt, wie intensiv sie einander erleben. Bald schon nehmen sie wieder Kontakt auf, und ein lebhafter Austausch findet statt und es scheint, als führten ihre Seelen sie zusammen. Kann man sich so nahe fühlen, wenn man sich erst zwei Mal begegnet ist?
11:

Josef braucht dafür keine Erklärung, denn für ihn ist es einfach so. Sein, aus seiner Vergangenheit von Fatalismus geprägtes Wesen nimmt diesen heiligen Prozess an. Er hat gelernt die Herausforderungen des Schicksals anzunehmen, seien sie schlecht oder gut. Er vermag nicht auszudrücken, was er für Rosanna empfindet, und müsste er es mit Musik bekunden, so würde er vor ihrer Tür einen Chor das Gloria anstimmen lassen, denn es jauchzt alles in ihm.
Er ist von einem Gefühl der Liebe und Hingabe ergriffen. „Hingabe“, meint er, „er als Mann sich hingeben?“ Ja, er hat nicht den kleinsten Zweifel, er ist dazu bereit, jetzt oder wann immer es sein sollte. Schon zu Marias Zeiten hat er sich hingegeben, ihr gleich nach dem Kind die Hauptrolle in der Weihnachtsgeschichte überlassen. „Das scheint von einem Leben zum anderen mein Schicksal zu sein.“ Und doch spürt er eine Ehrfurcht vor diesem Gefühl, wie er es von sich nur kennt, wenn er eine heilige Stätte betritt, und derer gibt es viele im „Heiligen Land“. Hatte er sich in all den Leben je einer Frau so nahe gefühlt, von der er glaubt auch ohne Kommunikationsmittel immer mit ihr in Verbindung zu stehen?
Und wie empfindet es Rosanna, in der etwas am Erwachen ist, das allzu lange geschlummert hat und ihre Seele nach Erquickung streben lässt? Josef möchte es von ihr hören. Und sie spricht es aus: „Ich bin von dir aus meinem Dornröschenschlaf erweckt worden. Mein Herz ist erfüllt von Dankbarkeit und Liebe, von einer Liebe, die ich überhaupt nie für möglich gehalten hätte. Du hast mir gesagt, dass du Ziele hast, Visionen für die Zukunft, für eine Zukunft mit mir. Ich bin tief bewegt, hat ein Mann mir gegenüber doch noch nie solche Worte gebraucht. Wie eine Verdurstende trinke ich jedes deiner Worte, und in Zeiten der Trennung scheint mir die Zeit still zu stehen, still zu stehen vor Sehnsucht.“
Teil 12:

Ja, sie stimmt ihm zu, sie will im "Jetzt" sein, die Gegenwart annehmen. Josef erlebt eine wunderbare Übereinstimmung auf all den drei Ebenen menschlichen Daseins, von Körper, Geist und Seele. Die gemeinsamen Stunden sind von einem tiefen Verständnis für Rosanna geprägt. Können zwei Menschen, die sich derart lieben ihre irdische Gemeinsamkeit überhaupt leben?
"In meinem Kopf laufen die Stunden, die wir gestern miteinander verbringen durften, wie ein Film ab, den ich an bestimmten Lieblingsstellen anhalte, um sie wieder zu genießen", so klingen die Botschaften, die ihn erreichen und tief in seinem Herzen bewegen. Bei einem so schönen Gefühl scheint die bedingungslose Hingabe nicht mehr nur ein Traum zu sein. Traum oder Wirklichkeit, Josef vermag es fast nicht mehr zu unterscheiden. Hatte er nur geträumt, war es tagträumerisches Wunschdenken oder geschah das alles in einer Parallelwelt, aus der er morgens zurückkehrt?
Denn so empfindet er es immer wieder, wenn er nach einem seiner unbegreiflichen Träume am Morgen aufwacht. Er ist sicher, auf einer wunderschönen Blumenwiese mit Rosanna getanzt zu haben. Die Sonne strahlte vom blauen Himmel und Rosanna und Josef fassten sich an den Händen und bewegten sich in wildem, fröhlichem Reigen, bis auch ihre Herzen den leidenschaftlichen Tanz aufnahmen. Gemeinsam sanken sie ins Gras und schauten sich in die Augen, und Rosanna spürte, wie Josefs Blicke ihre Seele liebevoll streichelten. Traum oder Wirklichkeit, es verwirrt ihn, und doch ist er sich sicher, dass er immer wieder ihre Stimme hört und sich einbildet ihren Atem an seinem Ohr zu spüren.
13:

Die gegenseitige Anziehung lässt eine hocherotische, knisternde Atmosphäre entstehen, in der alles um sie herum verschwindet. Ein loderndes Feuer der Leidenschaft ist entbrannt, welches sie beide in seiner ganzen Macht erfasst. Und so geschieht, was geschehen musste, der Tanz auf der Wiese setzt sich in einem wilden, leidenschaftlichen Reigen fort. So werden auf wundervolle Weise Körper, Geist und Seele, wie ein Aufleuchten am Himmel, für einen kurzen Moment zu einer Einheit. Es erinnert Josef an den Kometen, der gleißend hell mit seinem Feuerschweif an einem der letzten Abende wie eine Erscheinung lautlos über ihn hinwegzogen war. Genau wie zu jener Zeit in Bethlehem, als er an der Seite von Maria in dem armseligen, aber warmen Stall von den Königen Besuch erhielt.
Rosanna findet es faszinierend, wie vielfältig und spannend die Zeit ist, die sie gemeinsam mit Gesprächen verbringen. Und dann seine unglaubliche Anziehungskraft, die sie mit offenen Augen träumen lässt. Es geschieht, dass sich mitten im Gespräch ihre Lippen treffen und eine unaufhaltsame Welle des Begehrens sie erfüllt. Beide wollen und können es nicht stoppen.
Derweil stehlen sich immer wieder trübe Gedanken in Rosannas Kopf und legen sich wie ein grauer Nebelschleier über ihre Begeisterung. Sie wird im Bewusstsein ihrer Zerrissenheit an bisher nicht gekannte Grenzen geführt. „Die Vernunft arbeitet gegen das Gefühl und empfiehlt immer den bequemeren Weg“, meint Josef.
Noch hält er Rosannas Brief mit ihrem Bild in Händen, auf dem der fast von Josef als Schwur angenommene Satz in großen kalligraphischen Lettern steht: „Josef, ich lasse dich nie allein“. Und doch sind sie innerhalb von wenigen Stunden so weit von einander entfernt, als lägen Kontinente zwischen ihnen. Das scheinbar „Unabänderliche“ wird von Rosanna vernichtet. Josef bleibt in einer Dunkelheit zurück, die ihn in einen Abgrund zu stürzen droht. Hat er all die wunderschönen Stunden nur geträumt? Nein, das ist keine Sonnenfinsternis, das ist seine Apokalypse, ein Inferno widersprüchlichster Gefühle, die sich gegenseitig anziehen und sich gleichzeitig wieder zerstören. Zurück bleibt Asche, denn die Sinnhaftigkeit seines Daseins ist Josef abhandengekommen
Hier mal ein kleines Quatschgedicht von mir, als vor einigen Jahren mein Chorleiter Probleme mit seinem Computer hatte .... 


Der bockige Rechner     

Maestro - der aus Luckenwalde,
warf fast sein' Rechner auf die Halde,
da dieser ziemlich unverdrossen,
die Umlaute stets rausgeschmossen.

Selbst "Eszett" - auch das war zu klaeren,
verschwand in virtuellen Sphaeren.    

Maestro doch, weise und kluch, 
hatte bald davon genuch
die Lueckentexte anzugucken,
die sein Rechner aus wollt' spucken.

 So kam er mit sich ueberein:
 "Ein Trick muss her. So soll es sein!"  

Und "Big R" hatte bald erkannt,
wie dieses Unglueck leicht gebannt:
"Umlaute gibt's im Text zuhauf.
Wenn Du mir schreibst, loese sie auf!"

Ich hoffe, dass es mir geglueckt,
und sein Computer nicht mehr spueckt!       
Nun hier der 14. und letzte Teil dere Josefsgeschichte. Ich wünsche allen, die meine Geschichte gelesen oder auch nicht gelesen haben, ein friedliches Weihnachtsfest.

Nun versteht er auch, was die Menschen hier meinen, wenn sie von der Achterbahn der Gefühle sprechen. „Doch meine Bahn ist abgestürzt, gescheitert an der Rationalität bürgerlichen Denkens. Es hat sich nichts geändert seit ich Jerusalem verlassen habe.“ Mit solchen Gedanken kehrt Josef nochmals zu dem Kellergewölbe zurück, in dem die Geschichte ihren Anfang nahm. Als er bemerkt, dass die Tür nur angelehnt ist, stapft er schweren Schrittes die Treppe hinunter. Auf der kleinen Bühne sind die Proben im Gange und wie er aus den Dialogen erkennt, handelt es sich um die „Weihnachtsgeschichte“. „Du da, du siehst aus wie ich mir den Josef vorstelle. Komm doch mal hoch auf die Bühne“, ruft der Regisseur der Probe Josef zu. „Wie soll der auch wissen, wie recht er hat“, denkt Josef und springt mit wiedererwachendem Lebensmut auf die Bühne. Die Anwesenden konnten ja nicht ahnen, dass die Weihnachtsgeschichte seit Jahrhunderten Teil seiner Vergangenheit ist und er nun wieder an der Seite von Maria, wenn auch eines Doubles, das sich ewig wiederholende Ritual für kleine und große Besucher in dem kleinen Theater am Ölberg zelebriert.
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