Darum geht es: Ganzheitsmedizin schreckt in hohem Maße vor der Schulmedizin zurück. Ist das sinnvoll? Warum soll man auf das Medizin Wissen von Tausenden von Jahren verzichten? Der Ganzheitsgedanke ist natürlich ein sehr guter Ansatz - in vielen Fällen. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, Gemeinsamkeit ist sehr stark. Die Realität ist auch, dass der "Chef" über die eigene Gesundheit immer der Patient ist und sein soll. Nur, er ist vom Wissensstand hoffnungslos unterlegen und muss entscheiden. In nicht wenigen Fällen geht der Verlauf schlecht aus. Davon ist der Bereich Schulmedizin nicht ausgenommen.
Prof. Dr. F.
Als Insider wirst du wissen, warum du den ersten Satz gerade so geschrieben hast.
Ich denke aber, Ganzheitsmedizin muss die Schulmedizin integriert haben, z.B. zur Diagnose-Erstellung und durch Komplementärmedizin ergänzt werden.
Da ich kein Professor bin und bisher, Gott sei Dank, von schweren Erkrankungen nicht betroffen war,
benötige ich praktische Beispiele, an denen die Problematik sichtbar wird.
Zunächst Kompliment. Sie haben geantwortet. Angeboten habe ich das Dilemma: Wie bin ich in unserem Gesundheitssystem vernünftig? Wie verfalle ich nicht den Sirenengesänge der Gurus, den wirtschaftlichen Interessen beider Seiten - selbstverständlich auch nicht der Schulmedizin. Gleich zu Anfang: Der Glaube an etwas ist unantastbar und für jeden frei. Denn für den Glauben braucht man kein Wissen. Deshalb, hier kommt man in Schwierigkeiten, wenn Glaube als absolute Wahrheit angeboten wird.
Prof. Dr. F.
Wunderschön, wenn es ganzheitliche Medizin gibt!
Unter ganzheitlich verstehe ich für Körper und Geist.
Ich habe es im Beruf erlebt. Wo ich gearbeitet habe, in einer onkologischen Klinik,
wurde nicht nur Schulmedizin angeboten, sondern die Patienten wurden
zusätzlich ergotherapeutisch,
physiotherapeutisch, psychologisch, religiös, auch mit TCM behandelt,
individuell verschieden. Es gab Konzerte, Kunstausstellungen, Wanderungen,
Sing- und Spielabende.
Aber wer soll das bezahlen? Seit der Fallpauschale kam unsere Klinik immer mehr in die Roten Zahlen und mußte schließen.
So gut ich ganzheitliche Medizin finde, heutzutage ist sie wohl kaum mehr erschwinglich, leider!
Vornedran wäre es nützlich zu definieren, was GANZHEITSMEDIZIN zu bedeuten hat.
Geht man von eine Reihe Bedingungen für den einzelnen ab, wird es sehr schwierig werden, eine halbwegs zufriedenstellendes Ergebnis anzubieten.

 Die Aussage „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ trifft hier sehr vortrefflich.
Das ist ein wunderbarer Start: Definieren wir, was für uns die Begriffe Schulmedizin und Ganzheitsmedizin bedeuteten. Das wird nicht leicht, Schulmedizin ist dabei nicht so schwierig, bei Ganzheitsmedizin ufert der Begriff extrem aus.
Vorschlag: Ganzheitsmedizin behandelt den kompletten Körper, natürlich erstreckt es sich auch auf den psychosomatischen Bereich.
Prof. Dr. F.
Wie @nettestierfrau schon geschrieben hat, wäre konkrete Anlässe zu beschreiben hilfreich.
"...wenn Glaube als absolute Wahrheit...." kannst du da etwas gezielter werden?
@Hawaii

Warum hälts du ihn für einen Insider??
Nicht ein jeder Prof. Dr. ist ein Halbgott in weiß. Liebe Hawaii :wink:
Wieso hackt ihr auf Hawaii herum?
Der Prof hier ist der Ansprechpartner.
Wer (Profile) lesen kann ist von Vorteil.
Gesellschafterin, ich habe Insider geschrieben, von Halbgott war nur bei dir die Rede :?
Fachliche Auseinandersetzungen wurden erwünscht und nicht Schüsse aus dem Hinterhalt, die am Thema vorbei gehen. :idea:
Dann erlaube ich mir den nächsten Schritt - vorgemerkt sei, wir sind eine Diskussionsrunde, wir sind keine Lehrveranstaltung: Schulmedizin trägt m.E. sehr viel zur Ganzheitsmedizin bei. Problematisch wird die Verknüpfung zur Alternativmedizin, wie der Name es ja auch sagt. Da trifft dann geballtes Wissen über Jahrtausende auf Ideenvielfalt. Um diese Wege zu gehen, in unserer Gesellschaft ist das jeden freigestellt, ist das ohne Glaube nicht zu schaffen. Es wurde ein Beispiel gewünscht, dann einfach einmal die Homöopathie: Jährlich geben die Gesetzlichen Krankenkassen 600 Millionen Euro dafür aus. Nach streng wissenschaftlichen Ansätzen ist keinerlei Wirkung nachweisbar. Natürlich Placebo Effekt, natürlich nicht schaden. Rauschen wir aber unter dieser Behandlung in eine ernsthafte Krankheit hinein, dann betreten diese Menschen - wenn überhaupt - meist sehr spät unsere schulmedizinische Möglichkeiten, sehr oft in einem fast hoffnungslosen Stadium. Auch hier wieder sei ausdrücklich gesagt, jeder hat das Recht dazu seinen Lebensweg abzukürzen. Homöopathie steht hier nur als hochoffizielles Beispiel.
Prof. Dr. F.
Auch für mich ist Homöopathie ein Mittel zur Unterstützung der Selbsthilfemechanismen des Körpers - keine Medizin im engeren Sinn.
Für mich stellt sich die Frage, warum Homöopathie bei Pflanzen und bei Kleinkindern wirkt,.
Bei beiden kann man den Placeboeffekt vernachlässigen.

Ich will hier kein Plädoyer für die Homöpathie halten, aber es muss ja was dran sein, wenn sie so oft wirkt.
Vieles verstehen wir wahrscheinlich nicht - oder noch nicht.
41acul hat geschrieben: Angeboten habe ich das Dilemma: Wie bin ich in unserem Gesundheitssystem vernünftig? Wie verfalle ich nicht den Sirenengesänge der Gurus, den wirtschaftlichen Interessen beider Seiten - selbstverständlich auch nicht der Schulmedizin.
Prof. Dr. F.


Ich verstehe Deine Frage so: "Wie vernünftig kann sich der Patient (patiens=geduldig) innerhalb der verschiedenen Angebote, die Heilung versprechen, verhalten?

Dazu kommt für mich aber eine weitere Frage: Wie vernünftig verhält sich der Behandler?

Wie empathisch ist die Interaktion zwischen Behandler und Behandeltem? Ist auch der Behandler geduldig (patiens)?

Ein guter Arzt.. ja, die gibt es.. kann sich auch auf den Gefühlszustand des Patienten einstellen, nicht nur auf dessen leibliche Symptomatik, und wenn er noch dazu intuitiv ist, umso besser.

Manchen Menschen ist es wichtig, verstanden/ begriffen zu werden. Da gehört auch das Anfassen dazu, das Puls fühlen, das Fieber messen mit der Hand, das abklopfen, abtasten, abhören, hin riechen...und das miteinander Reden. Das Sich-füreinander-Zeit -Nehmen.

Das macht bei uns niemand von den Schulmedizinern mehr, da wird der Patient irgendwo angestöpselt, der Doc verschanzt sich hinterm Bildschirm etc. etc. und wartet schon mal endlos lang auf Laborwerte und bildgebende Verfahren, bevor er überhaupt was macht.

Diese Vakanz, die Zuwendung, Hinwendung zum Patienten -das " Begreifen" besetzen ganzheitliche/ alternative "Heiler".