"Eine Influenzaimpfung scheint zusätzlich vor schweren COVID-19-Verläufen zu schützen. Das zeigt jetzt eine große Studie zum Thema. 

Mit 74.754 Probanden ist die in PLOS One erschienene Arbeit die größte ihrer Art. Kurz gesagt kommen die Autoren zum Ergebnis, dass eine Grippe-Impfung Patienten vor Hospitalisierung, Sepsis und Schlaganfall als Teil von COVID-19 bewahrte. Um diesen Effekt genauer fassen zu können, untersuchte ein Forscherteam um Susan Taghioff, Universität Miami, die Daten zehntausender Patienten aus der ganzen Welt im Rahmen einer retrospektiven Analyse. Die Wissenschaftler verwendeten dazu ein Electronic Medical Record (EMR) Netzwerk, in dem Daten aus über 56 Gesundheitsorganisationen zusammenliefen.

Das Team scannte so anonymisierte Patientenakten von über 70 Millionen Menschen, aus denen zwei infrage kommende Gruppen von je 37.377 Probanden gefiltert wurden. Auf sie trafen Faktoren zu, die das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs von COVID-19 erhöhten, wie Alter, Geschlecht, Raucherstatus und gesundheitliche Probleme wie Diabetes, Adipositas und COPD. Die eine Gruppe hatte innerhalb von 6 Monaten bis 2 Wochen vor einem positiven Test auf SARS-CoV-2 eine Grippeschutzimpfung erhalten, die andere nicht.

Die Forscher halten fest, dass SARS-CoV-2-positive Probanden, die im festgelegten Zeitraum vor der Diagnose eine Impfung gegen Influenza erhalten hatten, weniger oft eine Sepsis (p < 0.01, Risk Ratio: 1.361–1.450, 95 % CI: 1.123–1.699, NNT: 286) und einen Schlaganfall (p < 0.02, RR: 1.451–1.580, 95 % CI: 1.075–2.034, NNT: 625) über alle Zeitpunkte (30, 90 und 120 Tage nach dem Corona-Test) hinweg erlebten. In dieser Probandengruppe gab es auch weniger Einweisungen auf Intensivstationen (p < 0.03, RR: 1.174–1.200, 95 % CI: 1.003–1.385, NNT: 435), sie näherten sich nach 60 Tagen der Signifikanz (p = 0.0509, RR: 1.156, 95 % CI: 0.999–1.338). 

Die Patienten mit Grippeimpfung hatten zudem seltener tiefe Beinvenenthrombosen in den ersten 60–120 Tagen nach ihrem positiven Corona-Test (p < 0.02, RR:1.41–1.530, 95 % CI: 1.082–2.076, NNT: 1.000) und mussten seltener notfallmedizinisch behandelt werden (p < 0.01, RR: 1.204–1.580, 95 % CI: 1.050–1.476, NNT: 176; 90–120 Tage nach Testergebnis).

Das Fazit der Autoren fällt eindeutig aus: Eine Influenza-Impfung scheint eine nicht zu unterschätzende Schutzwirkung auch gegen schwerwiegende Effekte einer Infektion mit SARS-CoV-2 zu haben. Die Reduzierungen der Risiken für Sepsis, Schlaganfall, Thrombosen, Notfallbehandlungen und intensivstationäre Aufnahmen fallen signifikant aus. 

Dies sei besonders für Patienten- und Bevölkerungsgruppen interessant, die nicht ohne Weiteres gegen COVID-19, wohl aber gegen Influenza geimpft werden könnten. Auch für den Fall, dass beispielsweise Corona-Impfstoffe fehlen, könnte der indirekte Schutz einer Impfung gegen Grippe helfen. Weitere Forschungsarbeit sei somit berechtigt und lohnenswert."
Quelle: DocCheck

https://journals.plos.org/plosone/artic ... ne.0255541

Lasse mich seit über 20 Jahren jährlich gegen Grippe impfen, deshalb finde ich diese Studie für mich sehr gut.
Ich verlasse mich nicht auf eine Grippeimpfung. Eine Bekannte im vergangenen Herbst gegen Grippe geimpft, wäre im vergangenen Februar beinahe an Corona verstorben und leidet noch an Long- Covid und das ist nicht lustig
Ich empfinde die Überlegungen zu Alternativen zur Covid-Impfung z.Z. als nicht zulässige Verharmlosung. Insbesondere, wenn Überlegungen von Laien aufgegriffen und diskutiert werden.
Aber: Die aktuellen Covid-Impfungen sind natürlich nicht das Gelbe vom Ei. Es gibt aber im Augenblick nichts Wirksameres.
Hallo @Lea956 (29.08.2021, 23:00)

Die Studie klingt in der Tat recht verheißungsvoll für insbesondere diejenigen, die nicht mit einem derzeit verfügbaren Impfstoff gegen Corona geimpft werden können (oder das ablehnen, aber dafür dem „Grippeimpfstoff“ vertrauen).

Bemerkenswert erscheint mir allerdings noch nachstehendes Zitat aus Deinem Beitrag:

„Die Reduzierungen der Risiken für Sepsis, Schlaganfall, Thrombosen, Notfallbehandlungen und intensivstationäre Aufnahmen fallen signifikant aus.“

Hier sollte man beachten, dass der Begriff „signifikant“ nicht mit einer statistischen Signifikanz der Resultate verwechselt werden darf – hier besteht durchaus die Gefahr einer Fehlinterpretation.

Nach meiner Auffassung sind diese Ergebnisse eben noch NICHT statistisch signifikant, deshalb sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Diese Resultate sind lediglich indikativ, haben aber durchaus das Potenzial, bei weiteren quantitativ angelegten Studien (statistische Hypothesentests) auch signifikant im statistischen Sinn zu werden.

Das betrifft m.E. insbesondere das Merkmal „weniger Einweisungen auf Intensivstationen“ – hier liegt der p-Wert immerhin bereits jetzt bei p = 0,0509).
Lea schreibt:

'Kurz gesagt kommen die Autoren zum Ergebnis, dass eine Grippe-Impfung Patienten vor Hospitalisierung, Sepsis und Schlaganfall als Teil von COVID-19 bewahrte.'

Die Grippe- Impfung ist nicht anstatt der Impfung gegen Covid-19 gedacht, sondern hat für schon Covid-Erkrankte einen positiven Effekt.

Am besten unterstützen beide Impfungen. .
Das ist ja super! Dann haben wir bald eine Impfquote von 90% oder mehr und endlich Corona besiegt. Und Grippeimpfung für den 2G Nachweis - toll.
Ist nur die Frage, wie konnte gerade in Europa mit seinen hohen Grippe-Impfquoten, dabei liegt Deutschland mit 50% im Mittelfeld, das Virus so schreckliche Folgen haben? Wo doch gerade ältere Menschen sich impfen lassen.

Aber es kommt noch besser. Kürzlich wurde in umfangreichen Studien nachgewiesen, dass die Grippeimpfung sogar vor Alzheimer schützt (s. Artikel in der FAZ):
https://www.faz.net/aktuell/wissen/medi ... 46902.html

Was ist denn nun wirklich dran an diesen Studien? Dazu muss man etwas über Statistik wissen. Bei der Zulassung der Corona-Impfung wurde in klinischen Studien die Wirkung des Impfstoffes bei einer Infektion überprüft und festgestellt. Das ist ein valides Ergebnis.

Die oben erwähnten Studien zur Grippeimpfung sind aus Analysen von Datenbeständen hervorgegangen. Was liefern solche Analysen? Ihr Ergebnis ist eine mehr oder weniger große Korrelation zwischen den betroffenen Größen. Und Korrelation bedeutet, dass ein irgendwie gearteter Zusammenhang bestehen kann aber nicht, dass ein Zusammenhang bestehen muss. Und schon gar kein kausaler Zusammenhang!

Also: Es gibt eine Korrelation. Was besagt das? Ohne weitere detaillierte klinische Untersuchungen erst mal sehr wenig. Um das zu verdeutlichen ein kleines Zitat aus einem meiner Beiträge im Wissenschafts-Forum (97% ist schon fast sicher):


dick01 hat geschrieben: Korrelation zwischen der Anzahl weiblicher Doktoren in Naturwissenschaft und Tod durch „aus dem Bett fallen“ ist ca. 0,97
http://tylervigen.com/view_correlation?id=79721
Eine Ergänzung zum Vorhergehenden:
Man muss mit solchen Korrelationen sehr vorsichtig sein, da sie, wie das Beispiel zeigt, auch zufällig sein können.

In der Regel deutet aber eine hohe Korrelation auf einen verborgenen, nicht unbedingt kausalen Zusammenhang hin. Bei Alzheimer wurde neben der Grippeimpfung auch bei anderen Impfungen eine Verbesserung festgestellt. Alzheimer wird auch als eine Autoimmunerkrankung angesehen. Die Interpretation der Ergebnisse, und insofern kann man das auch auf Corona anwenden, ist, dass die Impfungen zu einer verstärkten Abwehrreaktion des Körpers führen und somit auch einen positiven Einfluss bei anderen von der Immunabwehr betroffenen Krankheiten haben.

Das ist eine plausible Hypothese, aber eben nur eine Hypothese und bedarf der Validierung durch klinische Studien. Und selbst dann, wenn sie korrekt ist, bedeutet das keinesfalls, dass eine Grippeimpfung auch nur ansatzweise die Corona-Schutzimpfung ersetzen kann.

Noch ein kleines Beispiel zum oben erwähnten verborgenen Zusammenhang:
Es gibt eine starke Korrelation zwischen der Höhe des Einkommens und der Schuhgröße. Nun bin ich natürlich nicht meiner Sorgen ledig, wenn ich mir die Schuhe ein paar Nummern größer kaufe. Die Korrelation begründet sich im besseren Verdient der Männer gegenüber den Frauen, die auch im Schnitt deutlich größere Füße haben. Betrachtet man Männer und Frauen getrennt, so findet man keine Korrelation.
Wenn 100% der Bevölkerung geimpft sind, liegen auch 100% Geimpfte im Spital.
Das ist eine Denksportaufgabe, die nicht einmal alle Journalisten durchschauen .

Da gibt es eine Menge Raum für Interpretationen - je nach dem, was ausgesagt werden will.
Die Korrelation kann so manche Statistik verschönen.
barbera hat geschrieben: Wenn 100% der Bevölkerung geimpft sind, liegen auch 100% Geimpfte im Spital.
Das ist eine Denksportaufgabe, die nicht einmal alle Journalisten durchschauen .


Das muss man den Journalisten nachsehen. Denn interessanterweise haben wir es hier mit einem Impf-Paradoxon zu tun und solch eine Denksport überfordert ein normales Journalistenhirn.

Aber zum Paradoxon:
1. Je mehr Bürger geimpft sind, um so mehr Geimpfte landen im Krankenhaus ggf. im Intensivbett
2. Daraus folgt, dass zum Schutz der Geimpften die Impfquote sinken muss.
3. Somit dient die Senkung der Impfquote dem Interesse der Geimpften und dem Interesse der Impfgegner, also dem Allgemeininteresse.
4. Wie sich in der Vergangenheit gezeigt hat, führt eine geringe Impfquote zur Überlastung des Gesundheitssystems.
5. Somit läge die Überlastung des Gesundheitssystems im Allgemeininteresse.

Also: Hört auf, die Impfgegner zu drangsalieren und verleiht ihnen das Bundesverdienstkreuz.
Vielen Dank @dick01 für diese längst fällige logische Erklärung. Eigentlich hätten wir selbst darauf kommen müssen, aber -wie oft festgestellt wurde-, sind wir ja dumm. :(

Nun überlege ich aber, wie wir die Impfquote senken können: Muss das Serum jetzt wieder raus aus den geimpften Körpern? Wie denn bloß?

Oh Gott oh Gott, nichts als Probleme! :roll:
Vielen Dank Dick!
Das ist mal eine logische Erklärung!
Kannst Du sie nicht auch bei P&Z einstellen.
Da würden sich sicher einige sehr freuen!
Bitte!!!
das wäre nur Zeitverschwendung...... :?
Gundulabella hat geschrieben: das wäre nur Zeitverschwendung...... :?

Das glaube ich auch....
dort wird dir (zum x-ten male) nur erklärt
u.a.


was hat Spahn gesagt.....
was hat Drosten vor 2 Jahren gesagt.....
was hat Kekule gesagt.....
was hat Reitschuster gesagt.....
"mein" gestärktes Immunsystem....
genverändernde Impfung.....
zusammengrührte Plörre spritzen....
Coronaimpfung ist fast wie CONTERGAN.....
Verfolgung wie im 3. Reich.....
fast schon DDR....
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und noch weitere mindesten Zwfölfunddreissig "Fakten"....
flesermutzel hat geschrieben: Vielen Dank Dick!
Das ist mal eine logische Erklärung!
Kannst Du sie nicht auch bei P&Z einstellen.
Da würden sich sicher einige sehr freuen!
Bitte!!!

Das mache ich nicht. Ich lasse mir nicht, wie geschehen, von einem AfD-Fascho ein gefälschtes antisemitisches Zitat unterschieben. Und wenn die Administration dann nichts daran auszusetzen hat, ist m.E. eine faire Diskussion nicht möglich. Wenn Rechte und Faschisten sich nicht an Regeln halten müssen, bietet man ihnen nur eine Propagandaplattform. Dabei möchte ich nicht unterstützen.
Gerade bei DocCheck gelesen:

"Long-Covid: Hilft die Impfung doch nicht?

Einzelberichten zufolge kann die Impfung gegen Corona Long-Covid-Beschwerden von Betroffenen mindern. Doch eine erste Studie zum Thema bringt Ernüchterung."

"Die Arbeitsgruppe um die Ärztin Jenny J. Lin aus New York veröffentlichte nun den Preprint einer prospektiven Kohortenstudie, die erstmals 453 Patienten mit PASC einschließt und deren Symptome vor sowie nach der Impfung erfasste und verglich. Alle Teilnehmer wiesen mindestens ein PASC-Symptom auf, 324 (72 %) der Sudienteilnehmer wurden im Beobachtungszeitraum von 6 Monaten mit einem Impfstoff der Hersteller Pfizer, Moderna oder Johnson & Johnson gegen COVID-19 geimpft.

Keine Besserung der Symptome

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe zeigen: Zwischen geimpften und ungeimpften Patienten ließ sich kein signifikanter Unterschied in der Abnahme der PASC-Symptome feststellen. Für die Studie wurden bei allen Patienten die folgenden Symptome und Messwerte erfasst: Anosmie, Dyspnoe, (produktiver) Husten/Reizhusten, Depression, Angstzustände, Symptome einer PTBS, Fatigue, Schlafverhalten, Schmerzen, Blutdruck und BMI.

Nach 6 Monaten Follow-up konnten bei keiner Gruppe signifikante Unterschiede festgestellt werden. Außerdem war keines der Symptome signifikant mit dem Impfstatus assoziiert. Die Forscher konnten keine signifikanten Unterschiede im Bereich „Lebensqualität“ zwischen Geimpften und Ungeimpften feststellen. Dieser Bereich umfasste die Aspekte Müdigkeit, Schlaf und Schmerzen. Auch nach Bereinigung der Daten ließen sich in keinem der Bereiche signifikante Unterschiede nach einer Impfung feststellen."