Wieder was gelernt. Für mich war es bisher so selbstverständlich, in Farbe zu träumen, dass ich mich über die Schwarzweissträume gar keine Gedanken gemacht habe.
in Memoriam an eine (n) Pute(r) ,der mich vom Radl holte :cry:


Mir ist nur grade mal so zumute,
zu denken...an die gute Pute
eine "halbe" hat er mir angeboten
ich dachte,er erzählt mir Schoten!
frisch geschlachtet lag sie da
die letzte aus einer Putenschar :shock:
leider mußte ich verneinen,
denn sonst fing ich an zu weinen :cry:
ich lobte....es sei sicher gutes Fleisch, :idea:
aber eher nach frischem Salat und Gemüse ........heisch!
Nun hoffe ich, er wird mir die Absage verzeihen
und mich nicht in die Spielverderber einreihen :D

Gut ist....wir Menschen sind verschieden :lol:
wichtig ist doch..daß wir mit uns ...zufrieden :P
„Schau mir in die Augen, Kleines“
„Here´s looking at you, kid”

Dialoge, eines der wichtigsten Aspekte des fiktionalen Schreibens.
Nur der handwerkliche Teil des kreativen Prozesses lässt sich dabei erlernen und weiter verbessern. Dialogschreiben als Talent.

Der theoretische Ansatz von Jürgen Habermas ist interessant:
Er unterscheidet zwischen verständnisorientierter und strategischer Kommunikation.
Verständnisorientierte Kommunikation: Der Versuch der Teilnehmer auf der Basis gemeinsamer Überzeugungen Einverständnis herzustellen.
Strategische Kommunikation: Das Ziel ist die Einflussnahme auf die Einstellung des Gegenübers.

Felix
Jetzt mal abgesehen von Habermas ...
Manchmal ist die Übersetzung besser als das Original.

Erika Fuchs hat die Mickey Mouse Geschichten zu sprachlichen Kunstwerken gemacht.
Ihre Übersetzungen - oder besser gesagt - ihre Übertragungen, übertreffen das Original bei weitem.

Es gibt noch ein Beispiel genialer Übertrageung - Hans Wollschlägers Übersetzung des "Ulysses" von James Joyce.
Das Original ist für Deutschsprachige kaum zu lesen und fast nicht zu verstehen.

Wollschläger hat jahrelang recherchiert, bis die kongeniale Fassung druckreif war.
Das Ergebnis ist ein Lesevergnügen der Sonderklasse.
Ein Tag im Leben eines Durchschnittsmenschen - mit allen Banalitäten und Abgründen.
Ich werde Wollschlägers Übersetzung des "Ulysses" von James Joyce ansehen.
Danke für den Tipp.

Felix
Ein Tipp - beginne von hinten zu lesen - mit dem Monolog der Molly Bloom.

Das ist ein Monolog ohne Interpunktion - ein Lamento der Sonderklasse!

Wenn man sich drauf einlässt, ist es ein ganz besonderes Vergnügen.
Aber - man muss sich drauf einlassen wollen - lach!
Wer erzählt was wem wie? (Dialog)

Die Person kann:

1. Mit anderen reden, kommunizieren (Gestik, Mimik)


2. Zu sich selbst, inneres Selbstgespräch (Wer bin ich und wenn ja wie viele?)

3. Zum Publikum, zu den Lesern, der Kern der Ich-Erzählung

Und selbstverständlich ist das alles zusammen in einer einzigen Dialogabfolge möglich.

Der Versuch eines Beispiels:

Nehmen wir Max, sein mageren Lebensunterhalt erwirbt er mit der Suche nach vermissten Katzen. Er ist unterwegs:
Ah, das könnte sie doch sein? (innerer Dialog)
Eine weiße Katze putzt sich gerade sorgfältig. Sie sitzt auf einer Kiste. Max kommt vorsichtig näher.
„Mitze, Mitze“, säuselt er, streckt die rechte Hand nach vorn und reibt lockend die Finger.
„Was soll das denn!“ Nur kurz unterbricht die Katze dabei ihr Putzvergnügen. Verblüfft bleibt Max stehen.
Wow, habe ich das jetzt richtig gehört? Doch, doch, ganz deutlich war es. Bin ich etwa verrückt? (innerer Dialog)
Er wendet sich verzweifelt zum Publikum im off: „Ihr habt es doch hoffentlich auch gehört!?“
Katze: „Mach kein Theater und setz Dich.“
Max: „Oh, vielen Dank, sehr freundlich von ihnen. Mein Name ist Max. Wie darf ich Sie denn nennen?“

Felix
41acul hat geschrieben: Das Außergewöhnliche am Gedicht: Der Traum

Wir Normalsterblichen sind es gewohnt aus tristen Traumwelten in die bunte Wirklichkeit der Wachheit aufzutauchen. Denn die meisten Menschen träumen in Schwarzweiß - nur etwa 10% der Träume sind farbig. Felix


Hallo Felix,

danke für diese Information.
Woher kommt das, daß manche Menschen farbig träumen ?
Wurde das bisher erforscht ?

Lieben Gruß
Milady
@Milady,
das ist eine interessante Frage. Doch leider, sie lässt sich nicht beantworten.
Die wissenschaftlichen Bemühungen über den Traum sind riesengroß, seit Jahrtausenden. Doch, wir wissen immer noch nicht, warum wir träumen. Ganz sicher ist, dass auch Tiere träumen.
Die besondere Grammatik der "Traumsprache" ist weiterhin ein Rätsel. Die gängigste Hypothese ist: Es sind notwendige Reparaturarbeiten des Gehirns, die diese Phänomene der Traumbilder auslösen.
Denn die Nervenzellen (Neurone) haben eine Besonderheit. Sie sind die einzigen Körperzellen, die nicht durch Neubildung ersetzt werden können. Reparaturen gehen also nur innerhalb der bestehenden Zellen. Und dazu braucht es den unverzichtbaren Schlaf.
Lieben Gruß
Felix
Dialoggestaltung (erzählende Prosa, Dramaturgie- Theater, Film)

Don´t tell it, show it.
(Sprich es nicht aus – zeig es.)

Was will das denn sagen? Handlung, Konflikte, Charaktere müssen nicht ausführlich beschrieben werden, sie gehen aus dem Dialog indirekt hervor, ziehen die Aufmerksamkeit an sich durch wecken von Neugier.

Nehmen wir einen großen Meister, Murakami aus seinem Roman „Kafka am Strand“.

(eine erste Begegnung)

„Guten Tag“, sagte der alte Mann
Die Katze, ein betagter, großer schwarzer Kater, hob kurz den Kopf und erwiderte den Gruß leise und schwerfällig.
„Schönes Wetter heute, was?“
„Mmm“, machte der Kater.
„Kein Wölkchen am Himmel.“
„… noch nicht.“
„Meinen Sie das Wetter hält nicht?“
„Gegen Abend wird es schlechter, das habe ich im Gefühl“, sagte der schwarze Kater und streckte träge ein Bein aus. Er nahm den Mann nochmals forschend in Augenschein.
Der Mann lächelte dem Kater freundlich zu.
Für einen Augenblick war der Kater verdutzt. „Aha, sie können sprechen …“ sagte er dann gleichmütig.
„Ja“, erwiderte der Mann etwas verlegen und nahm respektvoll seine abgetragene Baumwollmütze vom Kopf. „Nicht, dass Nakata immer mit jeder Katze sprechen kann, aber wenn es gut läuft, kann er sich einigermaßen unterhalten.“
„Hmm,“ kommentierte der Kater knapp.
„Dürfte Nakata sich wohl einen Augenblick hierher setzen? Er ist ein bisschen müde.“
„Bitte, bitte, setzen Sie sich, wohin sie mögen. Da hat niemand etwas dagegen.
„Aha, Sie sind also Herr Nakata, ja?“
„Ja, der Name ist Nakata. Und Sie, Herr Kater, wie ist Ihr werter Name?“
„Hab ich vergessen“, sagte der schwarze Kater.
„Ja, was man nicht braucht, ist gleich vergessen. Nakata geht´s genauso“, sagte der Mann und kratzte sich am Kopf.
„Dürfte Nakata Sie vielleicht Otsuka nennen?“, fragte er dann.
„Otsuka?“ Der Kater sah ihn verblüfft an. „Was soll das? Wieso wollen Sie mich Otsuka nennen?“.
„Ach, das hat nichts zu bedeuten. Ist Nakata gerade nur so eingefallen. Ohne Namen kann er sich nicht erinnern.“

Der Dialog zeigt es: Namen, Status, Charaktere und die Handlung.
Felix
Der Subtext im Dialog:

Was ist das? Der große Schauspiellehrer Stanislawski (1863 – 1938) gibt die beste Antwort (1):
„Es ist das nicht offen Ersichtliche aber innerlich Spürbare (…), das beständig unter den Worten des Textes strömt.“

Der Text ist der Dialog, den die Figuren tatsächlich sprechen. Was ausgesprochen wird, ist immer nur ein Teil dessen, was aber gedacht wird.

Die Aufgabe des Autors ist es, die zweite Ebene für den Zuschauer zugänglich zu machen. Wie ist die Gestik, Mimik, Handlung und Ausstattung der Figur? Stimmen sie mit dem Gesagten überein?

Nehmen wir einmal den schwarzen Kater im Dialog zuvor. Natürlich ist er brennend interessiert, ein Mensch kann die Katzensprache, unglaublich. Doch er mimt den Coolen, Gelangweilten, möchte im Status oben bleiben. Nakata? Er nimmt die abgetragene Baumwollmütze vom Kopf, bleibt bescheiden. Denn er hat auch ein Ziel, er möchte die Katze ausfragen, will sich Vertrauen erspielen.
Das bekommt man als Subtext hier mit. Das strömt unterschwellig unter dem Text dahin.

Ganz raffiniert sind Lügen und der Leser kennt den Grund. Er weiß es durch das Vorgeschehen. Hier wird starke Spannung aufgebaut: Wie reagiert der Angelogene, wird er es glauben? Ist die Lüge gut vorgetragen?

Eine berühmte Szene von Dürrenmatt. Zwei Figuren sitzen an einem Tisch, zwei Gläser. Der Leser ist informiert, dass in einem Gift durch einen der Beteiligten enthalten ist. Der andere ist als Einziger ahnungslos. Wird hier der Leser durch den Dialog „mitgenommen“, dann würde er gern hineinrufen: „trink das nicht!“

Wichtig ist, dass der Leser in die Lage versetzt wird, den Subtext zu verstehen.

Felix

(1) Konstantin S. Stanislavski: "Die Arbeit des Schauspielers an sich selbst.", Bd 2, Berlin 1986.
Der Status im Dialog

Jedes Gespräch hängt vom Status der beteiligten Personen ab. Dabei kann man einen tiefen sozialen Status haben, aber einen hohen spielen und umgekehrt. Es geht also nicht so sehr um den sozialen Status, sondern um das Verhältnis der beteiligten Personen untereinander.
Somit liegt jedem Gespräch eine bestimmte Konstellation von Statuszugehörigkeit untereinander zugrunde. Und jede Äußerung ist somit eine Aussage über diese Statuszugehörigkeit, auch wenn sie völlig neutral ist. Darauf hat man beim Dialogschreiben entsprechend zu achten, kann das zur Verbesserung der Lebendigkeit der erzählenden Prosa gestalten. Doch das ist keine festgefügte Einteilung, er kann innerhalb eines Gespräches sogar dramatisch wechseln.
Schwierig und gleichzeitig interessant wird es, wenn beide Beteiligten den gleichen Status anstreben oder wenn der dargestellte Status den tatsächlichen Begebenheiten widerspricht.
Vor etliche Jahren hat man versucht, daraus eine Psychotherapie zu erarbeiten. Es war das damals sehr verbreitete NLP (Neurolinguistische Programmieren). Ganz nach Freud wurde gesprochen im Kindheits- Erwachsenen- oder Über-Ich (Eltern- Erziehungs-Ich). Es würde dann aus dem entsprechenden Status auch kommuniziert. Daraus leitete man dann Diagnosen und entsprechende Therapien ab.
Nur als erklärendes Beispiel: Eine Person mit sozialen Angststörungen sollte sich aufmachen und beim Sprechen den Status Kindheits-Ich verlassen und zum Erwachsenen-Ich wechseln. Sie sollte jetzt diesen Status spielen und verinnerlichen.
NLP hat sich nicht nachhaltig als Psychotherapie erwiesen.

In dem vorherigen Dialogbeispiel zwischen Otzuka (schwarzem Kater) und Nakata (Mensch) hat hier Otzuka zur Überraschung eindeutig den Hochstatus und Nakata den Tiefstatus. Das trägt natürlich deutlich zur Spannung bei. Denn Nakata möchte ja auch etwas erfahren. Wie geht es wohl weiter? Ändert er seinen Status, wenn er sein Ziel erreicht hat?

Felix
Was Dialoge zu leisten vermögen

Das ist für mich wohl der beste Dialog, den ich bisher gelesen habe. Er wurde hier bei 50+ von einem wirklichen Meister vorgestellt. Er selbst war für das weltberühmte Literaturinstitut in Leipzig vorgesehen. Der Traum von ganzen Heerscharen von Autoren. Und was machte er? Er lehnte ab. Auch ein abschließende Gespräch mit dem zuredeten Direktor stimmte ihn nicht um. Egal jetzt, wir erleben jetzt noch einmal seine Kunst. Danach werden wir uns vorsichtig fragen, wo ist das Geheimnis? Wieso braucht es einfach Talent?

Sex in der Sauna
10 | 97 Aufrufe | 24.08.2018, 00:14
„Sonforfun“

mit einem fiktiven Ausflug in eine russische Seele...

„Nein“, sagt die ältere Dame, „in Bezug auf Männer habe ich keine Wünsche mehr. Ein Mann in meinem Alter sucht ja keine Frau, sondern eine Pflegerin.“
Sie bedenkt mich mit einem schelmischen Augenaufschlag, der nicht ganz zu ihren Worten passen möchte.
„Und einen jüngeren wollen Sie auch nicht?“ frage ich.
„O, mein Gott, da käme ich mir pervers vor, denn das kann ja selbst nur ein Perverser sein.“
Sie lacht so ein tiefes Lachen, so etwas heiser und verrucht.
Vielleicht war sie in ihrer Jugend eine Sexbombe, überlege ich und trinke einen Schluck kaltes Budweiser. Umgekehrt als Mann spreche ich ja genauso über junge Frauen. Doch gefeit davor, im Alter den Verstand zu verlieren ist weder sie noch ich.
Neuerdings bombardiert mich eine junge Russin täglich mit Mails, weil ich eine russische Seele habe, sie kann nachts nicht schlafen, und wenn sie eine Seite im Buch liest, hat sie am morgen vergessen, was sie gelesen hat, weil sie an mich denkt, die ganze Zeit. Soll ich mit der Krankenkasse reden, sie als meine Pflegerin einzuquartieren, anstatt andauernd diese Italienerinnen, die Autistinnen sind, als Untermieterinnen aufzunehmen?
„Du musst gehen zum Tangokurs!“ O Mann. Das war die letzte Italienerin. „Mamma will kommen zu Besuch und reden mit dir.“
Zum Glück nun allein, und ich komme klar, ich kann auch hart sein, und jetzt, diese Russin.
Der Altersunterschied ist für die schöne Russin kein Problem, weil ich so ein interessanter Mann bin. 36 Jahre! Bin ich Chaplin?
„Bitte, Lenara,
ich bin nicht der richtige Umgang für dich. Begreife doch mal, dass ich 68 Jahre alt bin, ich habe auch nicht im Lotto gewonnen. Ich kann nur für mich allein mit der Rente leben.
Und du brauchst einen jüngeren Mann.“
In zwei Jahren heirate ich sie, in drei Jahren bin ich tot, und die Witwe kann mit ihrer guten Rente wie versprochen ihre verschwiegenen Kinder nachholen. Warum muss ich immer so schlecht über Menschen denken?
„Ich muss weinen, wenn du nicht mehr schreibst.“
Wir sitzen im Ruheraum der Sauna, warm und gemütlich in Decken gehüllt…
„Woran denken Sie?“
„Ach an nichts eigentlich.“
Vorhin im Schwitzraum hatte ich die Frau, nackt im Halbdunkel schimmernd wie eine Marmorstatue, für eine schöne junge Frau gehalten, aber das lag natürlich auch daran, dass ich keine Brille aufgesetzt hatte. Darüber schweige ich.
Wir hatten uns beide bei der Lektüre meine Zeitung geteilt und sind über einen Artikel ins Gespräch gekommen. Eine Journalistin schrieb über das Alter und wie nach und nach die Frau in die zweite Reihe zurück tritt, das begänne schon mit vierzig, schrieb die Frau von der schreibenden Zunft.
„Und Sie“, will die Dame wissen, „haben Sie keine Lust auf junge Haut?“
„Da müsste ich mir eine Prostituierte bestellen, kostet hundert Euro die Stunde“, sage ich, „bisschen teuer und der Faktor der Perversion spielt natürlich auch eine Rolle.“
Bisschen Liebe, denke ich, muss ja auch dabei sein, aber solche Gedanken verrate ich lieber nicht einer gleich älteren Dame, schon zündeln die ersten kleinen Flämmchen der Liebe in ihrem Herzen auf.
Davor schütze man sich besser.
Im Alter wird man nicht klüger, aber vorsichtiger.
Wieder lacht die Dame.
„Das macht denen nichts aus, alte Haut auf junge, meine ich“, sagt sie... überlegt etwas und sagt dann, „vermute ich jedenfalls…“
„Aber mir schon inzwischen“, antworte ich ebenfalls lachend.
„Diese Frauen gehen auch auf spezielle Wünsche ein“, sagt sie. Und sie lächelt so ein wenig nach innen. Ja, im Alter tun wir alle so, als wüssten wir Bescheid.
Ich denke, sie war bestimmt früher eine Sexbombe. Wobei die Sexbomben früher oft erstaunlich naiv waren, was sexuelle Wünsche anging, wenn ich mich recht erinnere.
„Wenn mich eine Prostituierte nach speziellen Wünschen für die hundert Euro fragen würde, würde ich sagen, am liebsten, du lässt das mit dem Sex und putzt mir gründlich die Wohnung.“
Die ältere Dame lacht schallend, „dafür bleibt sie fünf Stunden…“
„Neulich fragte mich eine gute Freundin, ob ich überhaupt noch könnte, wenn ich doch nicht mehr möchte…“ ich trinke noch einen Schluck Bier.
„Und was haben Sie geantwortet?“
„Woher sollte ich das denn wissen, habe ich geantwortet.“
„Sie sind ein Schelm“, sagt die ältere Dame und rückt ihren Korbsessel an meine Seite, so können wir beide zum Kamin schauen, in den die junge Saunawärterin gerade Holzscheite wirft, die auflodern wie lebende Feuergeister.
„Noch ein Bier?“ fragt die junge Frau.
„Gern“, sage ich.
Draußen zieht Regen auf wie in einem romantischen Film.
„Ich nehme einen Schoppen Rotwein“, sagt die ältere Dame zu der jungen Frau.
„Kommt alles sofort“, sagt die junge Frau und freut sich über uns.
Das sieht man irgendwie ihrem Gesicht an.
Vielleicht erinnern wir sie an ihre Großeltern, das waren die ehemaligen wilden Achtundsechziger. Jedenfalls tun sie heute oft so, als ob sie damals wild waren. Die meisten jedoch waren genauso brave Kleinbürger wie ihre Enkel heute.
Meine Zeitung ist ausgelesen.
Es dunkelt auch, dass es zu mühselig wäre für alte Augen zu lesen…
„Prost“, sage ich zehn Minuten später und füge hinzu,“ - vom Rotwein bekomme ich neuerdings immer Sodbrennen. Aber Bier ist okay - noch.“
Die ältere Dame lächelt.
Sie schweigt.
Ich schweige auch.
In den Lautsprecherboxen singt eine Geige.
Zwei Minuten später sinkt der Kopf der älteren Dame an meine Schulter.
Sie gähnt, die Geige singt immer noch.
„Obwohl, wenn der richtige käme und einen noch mal zu Boden knutschen täte“, sagt sie leise, „wäre ich bereit…“
Darauf gehe ich nicht ein. Ich höre auf die Geige.
Wenig später schnarcht die ältere Dame leise neben mir, direkt in mein rechtes Ohr, dass noch intakt ist. Die Geige ist nun ein Vögelchen, das sich über einen Baum erhebt, an dem unten jemand sägt.
Ich denke, na das ist Sex im Alter und träume.
Jetzt spielt einer Klavier. Horowitz?
Ich halte ganz still inne… um sie nicht aufzuwecken.
Das gehört sich doch so, oder.
Sie schnarcht perfekt im Takt, im Grundschlag betont, immer bei eins, zieht sie die Luft ein.
Die Russin kann auch gut putzen, hat sie geschrieben.
Ich werde jetzt ebenfalls müde.
„Werde nicht müde, wenn du meine Mails liest.“
Uff. Die hat 's drauf. Das sollte ich in meine Geschichten einbauen: Liebe Leserinnen und Leser, werdet nicht müde, wenn ihr meine Geschichten lest.
„Ich muss immerzu an dich denken.“
Vergiss mich endlich... Lenara.

„Tschüss bis nächste Woche.“
„Tschüß.“
Wir stehen vor der Sauna.
Die ältere Dame schmunzelt:
„Vielleicht kann ich ja wieder ein Schläfchen auf Ihrer Schulter machen.“
Lachend in Richtung, jede/r in ihre/seine Heimat. Früher bin ich oft einige Biere zischen gegangen. Aber nach so langer Zeit das erste Mal wieder in die Sauna, man ist nicht der Jüngste...
Ich möchte nach Hause und schlafen.
Schnell noch den PC an, ach Gott, eine Mail:
„....Ich war so aufgeregt, einen Brief zu schreiben, dass ich fast vergessen hätte, deine Fragen zu beantworten. Du musst dir keine Sorgen machen, dass du viel älter bist als ich. In der Tat mag ich, dass Sie ein Mann des Alters sind. Ich mag es nicht, ernsthafte Beziehungen mit Gleichaltrigen aufzubauen. Sie wissen nicht, was sie vom Leben wollen und wissen nicht, wie sie eine Frau richtig behandeln sollen. Ich möchte eine ernsthafte Beziehung mit einem reifen Mann haben. Ich habe dich gewählt. Freust du dich nicht darüber?“.... Seitenlang, wer soll das lesen?
Aus, aus, aus das Ding. Auf die Couch, Ruhe hier. Katze komm her.
Nein, nein, nein, ich freue mich nicht darüber. Merde.
Hier hilft nur noch das Schweigen.
Okay, jetzt doch noch ein kaltes Bier aus dem Kühlschrank.
Och, du hast noch gar nicht dein Fressen bekommen.
Kann man so eine Russin nicht wie früher in die Verbannung schicken?
Ich gehe auf den Balkon und rauche eine Zigarre, am Himmel zucken erste Blitze.
Ich sag nur eins: Katerina Maslowa sollte man nach Sibirien schicken, ich reise ihr dann nach... Auferstehung.

Schön, wie entspannt man nach einer Sauna ist.
Das Problem ist gedanklich gelöst. Es donnert. Unter meinem Stuhl maunzt die Katze. Aber sie rennt nicht weg.
Mag halt Gewitter.
Ist eigentlich nicht typisch für so ein Tier.
Oder.
Der Dialog gefällt mir sehr gut!
Er ist mit Witz, Geist und Lebenserfahrung geschrieben!
Wie ein guter Film läuft die Geschichte vor meinen Augen ab. So möchte ich schreiben können - oder zumindest schreiben lernen!

Zu schreiben macht mir Spaß!
Vielleicht gibts workshops in meiner Nähe....
Ja, Leonetta, das ist schon aller höchste Kunst. Zunächst die Raffinesse, wie der Ich-Erzähler sich vorstellt durch seine Gesprächspartnerin. Dann seine Gesprächsebenen, die Saunabesucherin, mit sich selbst, dann der Trick über die E- Mails der Russin und zum Schluss auch noch die Katze.
Es gibt noch viel zu besprechen über Subtext und Status.
Gruß
Felix