Salome 2 -

Am nächsten Morgen will Liane eine Malerei fertigstellen.
Sie ist Künstlerin und verkauft ihre Bilder über Galerien.

Doch ständig denkt sie an den Fremden von gestern....
Das Bild bekommt Farben, wie von Feuer: mehr Rot -, Gelb, -
und Orange - Töne, als sie ursprünglich vorhatte zu malen.
Ihr Inneres ist in neugierig - sehnsüchtiger Stimmung....

Sie überlegt, ob sie Daniel anrufen soll.
Welche Stimme hat er wohl? Schade, daß sie gestern nicht
miteinand reden konnten....
'Er hatte einen schönen Mund'....sinniert sie....

Wenn sie ihn anruft, will sie vorerst nicht ihre Nummer preisgeben...

Um 11 Uhr wählt sie Daniels Nummer. Er meldet sich.

Seine Stimme gefällt ihr.

Gleich mit den ersten Fragen will sie klären,
wer die Anderen in der Oper waren.

Sie hört am Stimmklang, daß er lächelt...

Der Fremde erzählt vom gestrigen Tag:
Er und seine Begleitung, - Kollegen - , wurden von
ihrer Firma zu einer Tagung und einer Besichtigung von Wien
eingeladen.
Als krönenden Abschluß besuchten sie gestern die Staatsoper.
Heute ist nur noch ein gemeinsames Mittagessen vorgesehen,-
dann, gegen 16 Uhr, gehts mit dem Flieger zurück nach Deutschland.

Liane teilt ihm mit, sie möchte ihn gern nochmals treffen,
um ihm vom Stefansdom aus den Blick über ganz Wien zu zeigen...
.Er stimmt gerne zu und sie vereinbaren ein Wiedersehn um 13 Uhr
vor dem Riesentor des Doms....


Lachend begrüßen sie einand dort pünktlich,-
sie haben einand sofort erkannt.....
Dann steigen sie die 343 Stufen des Südturms hinauf.

Oben bietet sich ihnen ein traumhaft schöner Blick:
In der Ferne glitzert die Donau, der Leopoldsberg erhebt sich nordwestlicher,- und die anderen Berge im Westen ergeben ein friedliches Bild von Wien.
Südlich kennt sie einige Weinberge und 'Heurige':
Das milde pannonische Klima läßt Trauben zu einem exzellenten Wein heranwachsen.

Liane wurde in Wien geboren und fühlt sich in ihrer Heimatstadt wohl.

Sie sind alleine. Durch ein paar Worte, auch über ihr Leben,-
und Blicke merken sie,
daß sie einander sehr sympathisch sind.

Am Rückweg von der Aussichtsstelle, - im Wächterzimmer,
bleibt Daniel stehen, nimmt sie in den Arm und
gibt ihr einen liebevollen Kuß. -
Für sie mischt sich Freude mit - Wehmut,
da sie weiß, daß dies gleichzeitig auch ein Abschiedskuß ist.....

Unten nimmt er sie in den Arm, sieht sie fragend und traurig an...
Er steigt in ein Taxi zum Flughafen, sagt 'Adieu',-
dann ist er fort....

Immerhin: Nun kennt sie seinen Namen,
seinen Beruf, und weiß, daß er alleinstehend ist....
Das hat sie im kurzen Gespräch erfahren.

Wars das?
Bleibt nur die Erinnerung?
Gibts ein Wiedersehn?

Die Zukunft wird zeigen, ob mehr
aus dieser Begegnung wird ......