Zum 2.ten Link (Anstieg Meeresspiegel): Da spare ich mir die Mühe eines Kommentars. Man schaue sich die Quelle „EIKE“ an. Das Motto des „Instituts“ lautet „Nicht die Umwelt ist bedroht, sondern die Freiheit“. Vizepräsident laut Impressum ist Herr Michael Limbach, der sonst viel in der Internetzeitung „Die Freie Welt“ veröffentlicht. Deren Herausgeber ist Herr Sven von Storch. Der Herr dürfte jedem, der sich über die AfD informiert hat, bekannt sein.

Interessanter ist der Link zum Klima der Kreidezeit und der Vergleich mit dem heutigen Klima. Welches Klimamodell liegt dahinter und ist ein Vergleich überhaupt sinnvoll?

Zum Klimamodell:
Im Wesentlichen die CLAW-Hypothese aus 1983/1987. Ein recht einfaches Modell, das sich auf den Einfluss von Aerosolen auf die Wolkenbildung und deren Klimawirkung kapriziert. Hier wird vor Allem das DMS (Dimethylsulfat) betrachtet, das vom Plankton erzeugt wird. Klimawirksam ist aber das Aerosol Schwefeldioxid, das aus dem DMS durch Oxydation entsteht. Kennt jeder vom Thema „saurer Regen“. Durch die anthropogene (Industrie!) Produktion ist inzwischen der Gehalt an Schwefeldioxid das Dreifach!! des Gehaltes des vorindustriellen Zeitalters mit etwas kühlender Wirkung.

Zum Vergleich:
Während des gesamten Mesozoikums (Trias, Jura und Kreidezeit) gab es nach heutiger Kenntnis auf der Erde keine großflächige Vereisung, wenn auch kühlere und wärmere Phasen, und der Meeresspiegel lag etwa 80 m über dem heutigen Niveau. Die Temperaturen lagen in der Nordhemisphäre, wahrscheinlich aber auch im globalen Mittel, 6 bis 8 °C über den Werten der Gegenwart, gegen Ende sogar 8 bis 10 °C. Im Mesozoikum gab es riesige tropische Wälder, in denen u.a. die Dinosaurier lebten. Große tektonische Umbrüche ( Laurasia im jüngeren Mesozoikum und frühen Paläogen – etwa 200 bis 55 Mio. J. v. j. Der nördliche Großkontinent bestand nach dem Zerfall Pangaeas bis zur Öffnung des Nordatlantiks und umfasste die heutigen Kontinentalblöcke Nordamerika und Eurasien) veränderten die Verteilung von Land und Meer und führten in der Kreidezeit (135-66 Millionen Jahre) zur Öffnung des Atlantiks. Für die mesozoische Warmphase waren verschiedene Prozesse verantwortlich. Zum einen entwickelte sich die Tierwelt auf dem Land, die CO2 produzierte. Zum anderen zerbrach der Superkontinent Pangaea, wodurch die tektonischen und vulkanischen Aktivitäten deutlich verstärkt wurden und damit auch der vulkanische CO2-Ausstoß. Und drittens nahm die Sonneneinstrahlung weiterhin zu.
Das Ende der Kreidezeit, der letzten mesozoischen Phase, wird heute auf 66 Mio. Jahre v.h. datiert. Es geht ungefähr einher mit dem Ende der Existenz der Dinosaurier und einem großen Massensterben an Lebewesen auf der Erde. Seit den 1990er Jahren wurde dafür der Einschlag eines Asteroiden in Mexiko als Ursache angenommen. In den 2010er Jahren wurden jedoch mehrere Forschungsarbeiten publiziert, die gewaltige Vulkanausbrüche auf dem indischen Dekkan als Hauptverursacher erscheinen lassen. Vor allem die Eruption von Gasen, wie Wasserdampf, Kohlendioxid, Schwefeldioxid, Chlor und Fluor, die bis in die Stratosphäre hinaufgeschleudert wurden, haben danach einerseits zu einer abrupten globalen Erwärmung und andererseits zu einer Versauerung der Ozean geführt, durch die das Massensterben ausgelöst wurde.

Fazit: Der Vergleich ist unpassend, da die Gesamtkonstellation eine völlig andere war als heute.
Ich habe gerade einen schönen Urlaub auf Kreta hinter mir. Dort ist zwar vor einigen Jahren die kurze Blütezeit der Hippiekultur in Matala zu Ende gegangen – das war aber nicht die Erste.

Ende der Bronzezeit (um 1200 v. C.)

Die ausgehende Bronzezeit war das Goldene Zeitalter der Frühgeschichte. Die Mykener in Griechenland, die Hethiter in Anatolien, die Ägypter in Nordafrika waren die Säulen, auf denen viele kleinere Reiche ihren Wohlstand aufbauten. Es herrschte Globalisierung im 14. und 15. Jahrhundert v.Chr. Auf Fresken im nordägyptischen Avaris, heute Tell el-Dab’a, hinterließen Künstler aus Kreta ihre Handschrift. Siegel aus Mesopotamien und Vorratsgefäße aus Kanaan gelangten in die ägyptische Metropole, wo sie Archäologen gut drei Jahrtausende später aus der Erde schabten. Minoische Keramik tauchte in Ausgrabungen in Israel auf, in Jordanien, Zypern, Syrien und Ägypten. Schrifttafeln aus Mari, im heutigen Syrien, dokumentieren den Austausch von Ärzten, Handwerkern, Webern, Musikern und Sängern zwischen den damaligen Reichen. Korn, Wein, Gewürze, Holz, Textilien und Sklaven haben keine Spuren hinterlassen, waren aber vermutlich Verkaufsschlager dieser buchstäblich goldenen Zeit.
Übersicht:
https://www.google.de/search?q=bronzeze ... 9045156744
Die Ursache dieser kulturellen Katastrophe ist noch nicht gesichert erklärt. Es gibt dazu viel Infotainment über räuberische Seevölker, Ketten von Erdbeben usw..
https://www.youtube.com/watch?v=3oLGma2DxJw
Nun, wie bei allem in der Natur, war es ein komplexes Zusammenwirken vieler unterschiedlicher Ursachen. Der Auslöser war wohl ein Klimawandel, der sich auf der nördlichen Hemisphäre vollzog. Im Mittelmeerraum sorgte er in manchen Bereichen für kaltes und nasses Klima, in anderen für Dürren. Dadurch wurde der gesamte wirtschaftliche Unterbau destabilisiert, es kam zu Migrationsbewegungen, ganze Städte und Landschaften wurden aufgegeben, die Palastkulturen zerbrachen und es kam zu all den bekannten sozialen und kulturellen Einbrüchen. Dazu gibt es eine sehr schöne Arbeit von F. Falkenstein „Kulturwandel und Klima im 12 Jh. v. C.“ (ab Seite 505 der untigen Schrift):
http://www.vfg.uni-wuerzburg.de/fileadm ... __2013.pdf
Gerade in letzter Zeit belegen immer mehr Studien diesen Klimawandel in der Region; auf S. 508 gibt es eine schematische Darstellung, wie sich ein solcher Wandel auswirkt, wodurch die Zusammenhänge deutlicher werden.
Gibt es Parallelen zu heute? Man erkennt die Migrationsbewegungen, hervorgerufen durch Versteppung von Anbaugebieten. Das wird sich mit dem weiteren Anstieg des Meeresspiegels noch potenzieren. Die weiteren Veränderungen insbesondere im sozial-kulturellen Bereich werden sich dann noch einstellen.
Gibt es Unterschiede? Sicherlich. Der größte Unterschied: Die Klimaveränderung wurde von uns selbst verursacht – wir sind nicht das wehrlose Opfer sondern selbst schuld!
Extremwetter

Vielen ist schon aufgefallen, dass sich die sogenannten Extremwetterlagen in den letzten Jahren verstärkt haben und häufiger geworden sind.
Frage: Ist das wirklich der Fall und steht das mit dem Klimawandel in Verbindung?

Dazu muss man erst einmal wissen, wie solche Wetterlagen entstehen. Jedem, der öfter einmal Geschirr spült oder in der Badewanne sitzt, ist sicherlich schon aufgefallen, dass sich der Wirbel beim Ablauf des Wassers immer in die gleiche Richtung dreht. Tatsächlich, das liegt an der Corioliskraft. Eine Scheinkraft, die aus der Gravitation und der Erdrotation entsteht.
https://www.youtube.com/watch?v=YIzLm6z4_Ro
(Woher der Wind weht, kann man sich buchstäblich an den Fingern abzählen – es gilt die „3-Finger-Regel“ für die Corioliskraft!) Für unser Wetter in Europa und Nordamerika besonders wichtig ist der polare Jetstream.
Bild
Die Corioliskraft bewirkt somit, dass der Jetstream von West nach Ost verläuft. Der unterschiedliche Luftdruck zwischen der warmen Luft im Süden (höherer Druck) und der kalten Luft am Pol (niedrigerer Druck) erzeugt eine Kraft in Richtung Pol.
https://www.youtube.com/watch?v=Lg91eowtfbw

Aber weshalb bewegt sich die Luft in Strömen und nicht irgendwie gleichverteilt? Vereinfacht dargestellt:
1. Luftmassen, die in der Höhe des Äquators polwärts strömen, sinken wegen der polwärtigen Flächenkonvergenz der Erde größtenteils spätestens über rund 30° Breite ab.
2. Luftmassen, die vom Pol äquatorwärts wegströmen, erwärmen sich und steigen ab rund 60° Breite in die Höhe.
3. Zwischen diese beiden Systeme jeder Hemisphäre passt jeweils ein drittes, gegenläufiges, hinein. Sowohl auf der Nord- als auch auf der Südhalbkugel finden sich dementsprechend drei (bodennahe) Windsysteme:
4. Passate, in niederen Breiten, als Nordostpassat auf der Nordhalbkugel, als Südostpassat auf der Südhalbkugel
5. Westwinde in der Höhe über den gemäßigten oder mittleren Breiten, da polwärts strömende Luftmassen wegen der Corioliskraft westliche Winde ergeben (Westwinddrift).
6. Polare Ostwinde in den Polarzellen.

Bild

Die unterschiedlichen Kräfte bewirken zudem, dass die Jetstreams in planetaren Wellen, sogenannten Rossby-Wellen verlaufen (deren Nachweis erst per Satellit 100Jahre nach ihrer Formulierung erfolgte).

Der Polarfrontjetstream mäandert also in Rossby-Wellen um die Erde, im Norden mit Tiefdruckgebieten und im Süden mit Hochdruckgebieten. Je grösser die Temperaturdifferenz umso schneller der Luftstrom. Zudem führen Hindernisse wie Gebirge etc. zu Verwirbelungen (also insbesondere auf der Nordhalbkugel) und damit auch zu häufigem Wetterwechsel.

Und was ist jetzt anders?
Die Arktis erwärmt sich viel schneller als der Rest des Planeten, seit dem Jahr 2000 etwa doppelt so schnell. Einer der Gründe dafür ist das Schrumpfen der hellen Meereisflächen – so wird weniger Sonnenlicht zurück ins All reflektiert, denn der offene Ozean ist dunkler und erwärmt sich stärker. Das Schmelzen der Eisschilde lässt sich im Wesentlichen zurückführen auf unseren Lebensstil und den Ausstoß beispielloser Mengen von Treibhausgasen. Mit den steigenden Temperaturen in der Arktis sinkt die Temperaturdifferenz zu anderen Regionen. Doch eben diese Temperaturdifferenz ist der Haupttreiber für die Luftströmungen in der Atmosphäre, die unser Wetter bestimmen.
Vereinfacht dargestellt geschieht folgendes: Die geringere Temperaturdifferenz zwischen Tropen und Pol, hervorgerufen durch die überproportionale Erwärmung der Pole, führt zu einer Abschwächung der Jetstreams und zu einer geringeren Frequenz der Rossby-Wellen. Dies führt dann zu „quasistationären“ Zuständen, will heißen, dass die durch die Wellen bewegten Tief- und Hochdruckgebiete über längere Zeit an einer Stelle verharren: Überflutungen in einem Gebiet und entsprechend Dürren und Waldbrände in anderen Gebieten.
http://www.pnas.org/content/111/34/12331

Und was lernen wir daraus? Nichts natürlich. Treibhausgase CO2 und Methan auf Rekordhöhe? Wen interessieren die Klimalügen. Dürre und Waldbrände in Kalifornien? Da ist die Forstverwaltung dran schuld!
Gewohnt informativ und gut dargestellt, danke.

Nur eine winzigkleine Kritik habe ich, und die betrifft den Strudel im Abfluss.
Ein immer wieder gern erzähltes Märchen, aber: die Corioliskraft ist viel zu schwach, um auf dieser Distanz eine regelmäßige Ablenkung zu bewirken. Die Drehrichtung im Strudel ist vollkommen zufällig.

Die Corioliskraft resultiert aus der Tatsache, dass auf der Strecke vom Äquator zum Pol (immerhin 10 Millionen Meter) die polwärts ziehenden Strömungen immer näher zusammenrücken, und sich schließich entgegen der Drehrichtung des Globus ablenken. Von unserem Waschbeckenrand bis zum Abfluss ist dieser Effekt nicht meßbar - sonst könnte kein Mensch geradeaus nach Norden laufen, sondern würde immer nach Osten abdriften.
Das hängt ganz von der Größe der Badewanne ab. Also bei ca. 1 km Länge kommt die Corioliskraft zum Tragen.
Spaß beiseite - tatsächlich hängt die Drehrichtung wesentlich von anderen Faktoren ab wie Wannen- und Abflussform etc.. Das hat mir vor ca. 35 Jahren ein Bibliothekar in der Uni Mainz erzählt und ich habe leider nicht nachgerechnet. Vielen Dank für den Hinweis.