barbera,

du musst nicht jeden thread im Philosophieforum durchmoderieren.

Versuchs doch mal - lass doch Leute miteinander diskutieren ohne Schelte und Maßregelungen.
Du musst nicht andauernd das Fräulein Rottenmeyer machen.

Versuch doch mal, dich einfach würdevoll rauszuhalten.
Versuch einmal , es einfach zu ertragen, dass nicht jedermann und jedefrau deinen elitären Vorstellungen entspricht.
Du entsprichst ihnen sehr oft auch selbst nicht.

von barbera am 09.11.2020, 21:27 Uhr im Thema Sterbehilfe.

https://www.50plus-treff.de/forum/sterb ... 6-s75.html

Der "Geist"0 erschien und schon motzte sie rum.

Die gleiche Erscheinung zwei Wochen später - und schon motzt sie - wieder - rum.
Dumm.
Warum?
Vielleicht lag es am Geist?
Im Gegensatz zum toten Martin Heidegger, den man zwar ungestraft als Nazi bezeichnen, aber ansonsten nur noch zitieren kann, wenn Einem die passenden eigenen Worte zur Beantwortung existenzfilosofischer Fragen fehlen, kann man den noch lebenden Richard David Precht noch selber dazu befragen, wie er Was gemeint hat.

Man kann die Aussagen beider Filosofen auch nicht nur als Ausgangspunkt für eigene Überlegungen benutzen, sondern sie darüber hinaus sogar in positiver oder negativer Weise kritisieren, nachdem man verstanden hat, worum es ihnen dabei ging.

Wer jedoch Precht oder einen anderen noch lebenden Filosofen persönlich beschimpft, weil ihm seine Nase oder seine Aussagen nicht gefallen, wird schwerlich von ihm eine Antwort auf seine Fragen bekommen, denn dazu ist er nicht verpflichtet, sodass es nicht nur dessen gutes Recht ist, die Unverschämten zu ignorieren, auf deren Lob oder Tadel er nicht angewiesen ist, sondern sogar das Vernünftigste, was er in diesem Falle tun kann, um sich nicht mit ihnen gemein zu machen, indem er sich auf deren Niveau herablässt.

Wer einem noch lebenden Filosofen hingegen mit Hochachtung und nicht nur mit Respekt (Rücksichtnahme auf dessen Befindlichkeit) begegnet, wird in ihm den besten Lehrer finden, den er sich vorstellen kann, denn auch dessen Weisheit wird mit seinem Tode verloren gehen, wenn er sie nicht Anderen mitteilt, und daher ist der Austausch von Ideen der vorrangige Sinn der Beschäftigung mit der Filosofie, nachdem man im stillen Kämmerlein gründlich und in Ruhe darüber nachgedacht hat.

Der reiche Fundus an Zitaten, der im gleichnamigen tread https://www.50plus-treff.de/forum/zitat ... 63180.html zusammengetragen wurde, könnte bei der Diskussion der dazu gehörigen Themen noch wesentlich mehr von Nutzen sein, als lediglich eine reine, zusammenhanglose Aufreihung derselben mit dem Ziele nachzuweisen, wie gut man googlen kann, oder wie gut man sein Evangelium auswendig gelernt hat, um von einem imaginären Herrn und Meister dafür eine gute Note zu bekommen.

Man muss das Rad nicht immerzu neu erfinden. Aus gegebenem Anlass zitiere ich mich daher heute mal selbst:


Jeder lebt in den für ihn selbst relevanten Vorstellungen, die aber idealerweise Andockstellen und Quarantänestationen für die Vorstellungen aus anderen Quellen haben, um in den eigenen geistigen Fischgründen kein Brackwasser entstehen zu lassen.

Das verbindende und zugleich trennende Element ist die Sprache, aus deren Fundus sich jeder, der etwas in Worten ausdrücken will, bedienen muss. Der Bedeutungscharakter der verwendeten Sprachelemente obliegt dann wieder der Hoheitsgewalt des jeweiligen Nutzers, der am besten gleich Interpretationshilfen mitliefert, um möglichst in der Weise verstanden zu werden, wie er verstanden werden möchte.

Inwieweit sich nun jemand tatsächlich bemühen sollte, verstanden zu werden, hängt natürlich entscheidend davon ab, welchem vordringlichen Zweck folgend er seine Vorstellungen formuliert. Ist es ein originärer Zweck, so dass der Autor zunächst nur sich selbst verpflichtet ist, kommt es vorrangig darauf an, ein systematisch geordnetes, in sich schlüssiges Gedankengebäude zumindest in einer ersten abgeschlossenen Version zu erschaffen – und zwar in dem Grad der Ausformulierung, der dem eigenen Anspruch gerecht werden kann.

Anderen, weniger oder nicht originären Zwecken folgend, wäre ein auftragsgebundener Beitrag zu einem Gesamtprojekt, an dem sich auch andere in gleicher Weise beteiligen. Hier wird von Anfang an eine Vermittlung zwischen eigener Intention und dem Zweck der Publikation erforderlich sein. Soll das eigene Werk für sich publiziert werden, muss immerhin das fachliche oder / und wirtschaftliche Interesse des Verlages und dann eine möglichst innige Verständigung mit dem Lektor angestrebt werden, um sich das Leben nicht unnötig zu erschweren.

Last but not least hängt man als Autor natürlich am Tropf der zahlenden Leserschaft. – Wie gering oder weit gesteckt damit verbundene Erwartungen sind, hängt von der Art des Materials ab, ein Stephen King - Roman verkauft sich natürlich besser, als eine philosophische Abhandlung – es sei denn, der Autor heißt Precht und das Material ist schön populär gehalten.

In einem nicht berufs- bzw. geschäftsmäßigen, sondern privaten Betätigungsbereich, wie zum Beispiel in einem Forum wie diesem hier, kommt es natürlich nicht so sehr darauf an, sich vor Erstellung und Veröffentlichung eines Beitrages genaue Vorstellungen über den Zweck und eine möglicherweise interessierte Zielgruppe dieses Tuns zu entwickeln. Dennoch kann es sehr hilfreich sein, um Entscheidungen im Hinblick auf die möglichen Folgen bewusst treffen zu können.

Den ganzen Bereich „Chatten und Smalltalk“ (ob nun freundlich oder fetzig) lasse ich hier mal aus, um bald zum Bereich eines möglichst ambitioniertere Austauschs zu kommen, denn immerhin befinden wir uns hier in einem Philosophie-Forum.

Damit ist schon mal etwas klar gestellt:
Die Bedürfnisse all derjenigen, die den Anspruch darauf erheben, alles leicht verständlich und möglichst kurzweilig für den schnellen Lesegenuss aufbereitet zu bekommen, müssen nicht bedient werden. Ihnen stehen für ihre Zwecke in der Regel bereits zig andere Foren zur Verfügung.

Niemand, der hier ernsthaft schreiben will, muss sich ihrem penetranten Genörgel aussetzen, oder sich ihnen gegenüber gar rechtfertigen. Im Gegenteil, das wäre sehr unklug, denn die Versuche, sich den Betreffenden (die nicht selten sogar noch stolz darauf insistieren „mit Philosophie nichts am Hut“ zu haben) dennoch verständlich zu machen, scheitern meist krachend. Zu blöd dann, erst am Ende zu erkennen, dass es den anderen gar nicht um den Text ging, sondern nur darum, den Autor zu beschädigen.

Da hier also eine ernsthafte Vermittlung der eigenen Sprache gar nicht anliegt, muss auch nicht hierauf abgestellt werden ... obwohl das Geschrei rundherum manchmal sehr laut sein kann. Ignorieren oder satirisch parieren – je nach (Un-) Lust und Laune – sind hier angebracht. Alles andere wäre bloß eine Verschwendung der eigenen Ressourcen.

Denkt man sich diesen Teil der Leserschaft weg, bleibt in Foren mit grundsätzlich anderen Schwerpunkten – wie z.B. hier die Suche nach einem Partner oder neuen Bekannten – allerdings nicht mehr viel übrig an potenzieller Leserschaft, zumindest den Anteil betreffend, der auch selbst Beiträge verfasst – mit dem man sich also tatsächlich austauschen könnte.

Aber das, worauf ich ursprünglich hinaus wollte, tritt oft erst an dieser Stelle ein: Da ist also ein anderer, mit dem ein ernsthafter Austausch grundsätzlich möglich scheint, so dass man tatsächlich damit beginnen kann, diesem anderen nun die eigene Vorstellungswelt zu vermitteln .... um aber bald frustriert konstatieren zu müssen, dass eine Verständigung trotz aller positiven Voraussetzungen, offenbar doch nicht möglich ist. – Woran liegt das bloß? ...frage ich mich dann.

Abgesehen von möglichen Nebengründen, die man nie ganz ausschließen kann, die über mancherlei – eher unbewusste – Umfeld- und Rollen-Prägungen ihre Ursachen haben dürften, wird die Hauptursache wohl in grundsätzlich unterschiedlichen Annahmen von all dem liegen, was der andere und ich für jeweils wahr halten. Aber auch Unterschiede auf der Metaebene: In der Art, neue Wahrnehmungen zu ermöglichen, diese zu behandeln und einzuordnen, ob ihre Bewertung flexibel und für mögliche Veränderungen offen gehalten wird oder nicht usw. bis hin zur Bereitschaft oder Nichtbereitschaft, ein einmal gewonnenes Bild von sich selbst und der Welt in Frage zu stellen.

Existieren zu große Abweichungen bei den grundlegenden Überzeugungen, wird die Sprache dazu benutzt, auf jeder Seite ein möglichst komplett in sich plausibles Weltbild zu erstellen, das sich besonders an den Stellen scharf von dem des anderen abgrenzt, die als stützende Pfeiler fungieren.

Was ich (zum Beispiel bei Richard Rorty) gelernt habe, ist folgendes:

An dieser kritischen Stelle der Konstatierung einer grundsätzlichen Unvereinbarkeit hätte ich trotz der guten Rahmenbedingungen für eine potenzielle Verständigung bisher resigniert und aufgegeben (was tatsächlich schon oft der Fall war). Denn die mir andernfalls zwingend notwendig erscheinende aber äußerst unangenehme Analyse aller zu dieser Unvereinbarkeit führenden Ursachen und Faktoren würde niemand für sich zulassen.

Das diesbezügliche Abwehr-Vokabular ist es aber Wert, mal unter die Lupe genommen zu werden. Allerdings nicht, um es zu entlarven und außer Gefecht zu setzen, sondern – ganz im Gegenteil: Um es als sprachliche Manifestation für die derzeitige eigene Wirklichkeit zu nehmen und Neues darauf aufzubauen.

Nach meinem Weltbild bin ich schon sehr weit mit mir selbst gekommen. Im Zentrum steht der Mensch als Wanderer in der Wüste, der nicht mehr zurück möchte in die „blühenden Landschaften“. Der nicht „glücklich“ ist – nicht weil er traurig wäre, sondern weil er mit dem Begriff des Glücks nichts anzufangen weiß. Die „blühenden Landschaften“ sagen ihm ebenfalls nichts. Aber die Wüste ist wirklich: Unendliche Weite, Sand soweit das Auge reicht, plötzlich ein tosender Sturm, keine Sicht mehr vor Augen, Temperatursturz... und niemand anderes in der Nähe. Jetzt spüre ich mein Herz klopfen: Ich lebe – und wie!

Es ist völlig egal, ob das jetzt ein „richtiges“ Bild ist – es ist auf jeden Fall wahr. Es kann sich verändern, immer wieder aufs Neue ein mir wichtiges Anliegen symbolisieren. Und das ist dann auch wahr... Wichtig ist allein, ob ich mich aufgehoben fühle in meinem jeweiligen Bild. Je älter ich werde, desto weniger interessiere ich mich noch für materielle Dinge. Ich finde das sehr naheliegend. Und sehr spannend.

Wenn nun jemand anderes immer wieder darauf insistiert, dass meine Auffassung von Wirklichkeit, von Wahrheit und von „Richtigkeit“ nicht gerechtfertigt und objektiv betrachtet nicht zulässig sei, ist das irgendwie ärgerlich. Ich möchte ihm sagen:

Das, was ich erzähle, das handelt von mir. Das kann nicht falsch sein. Ich finde es schade, dass deine Wirklichkeit so sehr anders ist als meine. Aber mit der musst du leben; ich muss es nicht. Ich habe meine eigene.


Verdandi, 2019





@Verdandi,
mögen wir auch eine gewisse Unverträglichkeit im Meinungsaustausch erarbeitet haben, Dein Bericht ist einfach wunderbar. Deshalb nehme ich alle Unanständigkeiten zurück und halte das Bild von Dir aus diesem "Jetzt", Deinem Bericht, in meiner Wirklichkeit fest.

"Wichtig ist allein, ob ich mich aufgehoben fühle in meinem jeweiligen Bild."

Doch diese Anmerkung muss sein:
Was wäre aus unserem Geplauder geworden, wenn Du nicht auf Streitgesprächen bestanden hättest, sondern die Form des philosophischen Gespräches bevorzugt hättest.

Gruß

Felix
Wer die Vergangenheit kennt, der kann die Zukunft gestalten.

Dieser Satz soll auf Alexander von Humboldt zurück gegehen.

Wenn ich hier in diesem Forum lesen, dann fällt mir durch die Art und Weise der Kommunikation auf, dass einige User und Userinnen vermutlich eine bescheidene Zukunft vor sich haben werden könnten.

Wenn es schon einmal Streit um eine sachliche Auseinandersetzung gab, dann sollte das irgendwann erledigt sein.

Wenn aber Verbalattacken aus der Abteilung [Zitat barbera vom 22.11.2020, 20:09 Uhr] Hirnwichsen [Zitat Ende] kommen, dann könnte man Vergangenheit und Zukunft der Zitierten als (ziemlich) ungünstig sehen. Sich so in einem Philosophie-Forum zu äußern, das sagt alles aus. Auf dieser Basis möchte ich und werde ich keine Diskussionen führen. Das gilt auch für ein anderes Forum.
Noch schlimmer erscheint es mir, dass die genannte Verbalattacke aus dem "Nichts" kam.

Über die Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung sollte sich einige ernsthaft Gedanken machen.

@ 41acul / Felix  (23.11. / 04:05h)

Vielen Dank für die versöhnliche Einlassung!
 
Erlaube mir aber bitte noch diesen Hinweis in Bezug auf den Begriff "Streitgespräch", den wir offenbar verschieden interpretieren bzw. anwenden: 

Ich bin der Auffassung, dass ein philosophisches Gespräch besonders dann wirklich interessant sein kann, wenn es in Form eines Streitgespräches stattfindet. Es sollte natürlich in konstruktiver Weise unter Einhaltung der Regeln von Respekt und Höflichkeit geführt werden. Wenn das der Fall ist, kann es doch für die Beteiligten sehr aufschlussreich sein, ihre eigenen Einstellungen an den Gegenargumenten zu erproben. 

Die philosophisch-konstruktive Bedeutung von "Streit" lässt sich am besten mit dem Begriff "Streitkultur" verdeutlichen. Hierzu gibt es zahlreiche Beschreibungen im Netz, sogar Foren, z.B. dieses:

Streiten wie Philosophen - Forum für Streitkultur
https://forum-streitkultur.de/streiten-wie-philosophen/

(Verantwortlicher: Dr. David Lanius, wissenschaftlicher Mitarbeiter am DebateLab des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), Vertretung der Professur für Fachdidaktik der Philosophie an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz.)





Die Politik, in der nicht nur Gedankenaustausch zum Zwecke des gegenseitigen Verständnisses ausgetauscht wird, sondern wo auch gemeinsam oder einzeln Entscheidungen getroffen werden, beginnt bereits in der Zweiergemeinschaft, in der eine mehrheitliche Abstimmung um das alleinige Bestimmungsrecht nicht möglich ist, sondern wo der Stärkere sich gegen den Schwächeren durchsetzt, oder aber – wenn beide gleich stark sind – der Zwang zur Einigung auf einen Kompromiss besteht, der auch darin bestehen kann, entweder zu viel, zu wenig von Etwas oder auch Garnichts zu tun, sofern das der gemeinsamen Sache dienlich ist.

Die Partnerschaft ist zwar, genau wie die Gegnerschaft, keine Person, der es gut oder schlecht ergehen kann, aber sie gehört zu den Partnern oder Gegnern als deren gemeinsamer Besitz unmittelbar dazu, und kann von Einem der Beiden beschädigt oder gefördert werden, was wiederum ihren beiden Besitzern schadet oder nützt.

Wer also der gemeinsamen Partnerschaft schadet, indem er seinen Partner (oder auch politischen Parteigenossen) bekämpft, anstatt mit ihm gemeinsam gegen einen Dritten zu kämpfen oder auch nur, um die Erleuchtung zu erringen, schädigt nicht nur den Partner, sondern auch sich selber, weil er ihn damit zu seinem Gegner macht und als Partner verliert – und darüber hinaus auch noch seinen politischen Gegnern nutzt, weil er ihnen damit in die Hand spielt.

Das bedeutet jedoch nicht, dass man auch immer derselben Meinung sein muss, wie sein Gesprächspartner - was in einem Diskussionsforum auch höchst eintönig wäre - sondern lediglich, dass man sich nicht persönlich gegenseitig bekämpft, indem man mit dem Anderen ständig um das Vorrecht der alleinigen Bestimmung Dessen kämpft, was als richtig und als falsch zu gelten hat.

Was nun die Ursache der eigenen kommunikativen Inkompetenz betrifft, so sollte man hier vielleicht dem gute Rat folgen, den Krishna seinem Schüler Arjuna vor der Bruderschlacht im Hindu-Epos Mahabharata auf dessen Frage gab, wie er denn herausfinden könne, wie stark sein Gegner sei? - nämlich: „Geh hin und frage ihn selber!“

Falls kein guter Freund in Sicht ist, der bereit ist, sich notfalls auch unbeliebt zu machen, indem er dem Anderen sagt, wo er seine Mankos hat, um ihm damit auf die Sprünge zu helfen, tuts auch ein guter Feind, der Einem taktlos seine Meinung um die Ohren knallt, um Einen zu brüskieren, und der damit oftmals besser geeignet ist, um Etwas über sich selber zu erfahren, als ein schlechter Freund, der Rücksicht auf die Eitelkeit des Anderen nimmt, um es sich nicht mit ihm zu verderben, oder gar ein schlechter Feind, der den Anderen nur beschimpft, um ihn zu beleidigen, sodass er für dessen Selbsterkenntnis genau so nutzlos ist, wie ein schlechter Freund.
@filofaxi

Du hattest kritisiert, dass ich in diesem Forum über Belarus schrieb, und meintest, darüber könnte ich doch im Forum für Politik schreiben.
Als ich diesen Thread eröffnete (wozu Du mich ermutigt hattest), fragte ich, ob uns die politische Philosophie bei der Suche nach einer Politik helfen könnte, die den inneren und äußeren Frieden sichert, die ein gutes Leben für alle anstrebt.

Wenn ich nun von Folterungen in den Gefängnissen von Belarus erfahre, davon, dass in einer Zelle für 5 Gefangene nun 35 Verhaftete schmachten müssen, dass oft kein Wasser in den Toiletten fließt, usw, bedrückt mich das tief, und ich frage mich, wie unsere Politiker nun reagieren sollten, um die Demonstrierenden besser schützen zu können.
Denn das, was in Belarus passiert, betrifft indirekt auch uns.
(Deshalb störe Dich bitte nicht daran, dass ich ab und zu in Debatten hineinplatze, weil mir etwas in polit. Hinsicht sehr am Herzen liegt.
Was aber keineswegs bedeutet, dass mich die Debatten nkicht interessieren würden, ich lese sie sehr aufmerksam!

@Verdandi

Danke für die Belehrung!
Das meine ich nun ohne Ironie, denn ich hatte ja nur in Safranskis Biografie darüber gelesen, worum es Demokrit geht, und warum Nietzsche so angetan war von ihm.

@CornusMas

Bitte urteile nicht so streng, weil ich mich zu wenig informiert hatte darüber, worum es bei der Öl-Industrie eigentlich geht, ich hatte ja nur übernommen, was Alexijewitsch (die ich tief bewundere, hab aber leider noch immer nichts von ihr gelesen) bezüglich Schädigung der Wirtschaft von Belarus durch Sanktionen meinte; wenn ich mich richtig erinnere, sprach sie von "oil-industrie".)
Du hast natürlich recht, es geht um die Transitgebühren für Öl aus Russland.
Es gab Streit zwischen Russland und Belarus, Belarus wollte weiterhin exportzollfreie Öllieferungen, laut Wiki.
Russland unterstützt Belarus schon seit Jahren, soviel ich weiß, durch gemäßigte Gas- und Ölpreise.
@Migranda
Du schreibst u.a.:
Russland unterstützt Belarus schon seit Jahren, soviel ich weiß, durch gemäßigte Gas- und Ölpreise

dasselbe Problem besteht zwischen Rußland und der Ukraine.....
die russische Pipeline geht durch die Ukraine.....Rußland hat deshalb der Ukraine Gaspreise unter dem Weltmarktpreis berechnet....
leider ist es so, dass die Ukraine die Gasleitung jeden Winter mehr angezapft hat....d.h. der Schwund wurde immer größer.....
das war vielleicht mit ein Grund, warum Nord stream 2 angeleiert wurde.....

zu Belarus:
nach wie vor bin ich der Meinung, dass die EU energischer gegen den offensichtichen Wahlbetrug und die in diesem Fall nicht vorhandene Rechtsstaatlichkeit hätte angehen sollen......
Einzel-Staaten wie Litauen sind zu schwach.....
Ich möchte generell vor Druck in Form von Sanktionen warnen, da deren Erfolg höchst umstritten ist, da das (ausländige) Regime gestärkt wird, da es ein "Feindbild" aufbauen kann und die Wirtschaft des sanktionierenden Staates punktuell negativ beeinflusst wird.
Sanktionen gegenüber Nordkorea haben bis jetzt nichts gebracht, außer Leid vor die Bevölkerung in Nordkorea.

Belarus kann sich trotz gewissen Unterschieden auf den Partner Russland verlassen und in Russland könnte es auch ein "Portokasse" für die Begleichung finanzieller Probleme in Belarus geben.

Der ökonomische Druck könnte u.a. durch Nord-Stream 2 erhöht werden. Da gibt es dummerweise massiven "Gegenwind".

Vielleicht sollte die Menschen in Westeuropa Ikea boykottieren, denn:
"... In Weißrussland werden Möbel noch einmal deutlich günstiger als in dem baltischen Staat hergestellt. „Kosten für Holz und Energie sind dort nur ein Drittel oder Viertel so hoch wie in Litauen“, sagt ein VMG-Sprecher. ..."

Bericht von Montag, 30.12.2019, 13:52 Uhr
Quelle: https://www.focus.de/finanzen/news/unte ... 83401.html


Vielleicht gibt es da noch andere Möglichkeiten.

Den besseren Weg fände ich mit "Wandel durch Annäherung". Das wurde hier schon einmal diskutiert. Das würde stark vereinfacht bedeuteten: Wirtschaftliche / finanzielle Hilfen der EU für Belarus - dafür politische Zugeständnisse.
Die Machthaber in Minsk wissen allerdings auch, dass nach dem Anfang des "Wandel durch Annäherung" am Ende das Ende des politischen Regimes war. Hier könnte wieder Russland ins Spiel kommen, um einen "fairen" Abgang des Regimes in Belarus zu ermöglichen.

Daher sollte die EU mit ihrem Druck vorsichtig und ihren Perspektiven großzügig sein. Das könnte vielen Menschen nützen - nicht nur in Belarus.
mit den Sanktionen gebe ich Dir recht.....
Sanktionen haben noch nie etwas genützt....
das haben die letzten Jahre der USA-Sanktionen deutlich gezeigt.....
gegen China ....gegen den Iran .....die Sanktions-Drohungen gegen die EU....überhaupt gegen jeden Staat, der nicht so will wie man selber....

der Witz bei diesen Sanktions-Aktionen ist der, dass man sich damit jedes Mal ins eigene Fleisch schneidet....

was könnte man ansonsten machen, um Belarus zu unterstützen ?
Lösungen sind sehr schwer und da sollte die EU viel "hinter den Kulissen arbeiten". Eine Lösung erscheint mir wieder nur mit Russland möglich. Ich kann sehr gut verstehen, wenn das einigen UserInnen absolut nicht gefällt. Man sollte die Dinge aber so nehmen, wie sie sind und sich auf dieser Basis Lösungen überlegen, die realisierbar sein könnten.

Lukashenko ist aus vielen Gründen nicht tragbar.
Freiwillig wird Lukashenko nicht gehen wollen.
Man müsste ihm also einen Abgang anbieten / "versüßen", bei dem er sein "Gesicht" waren kann.
Wie das geschehen kann, ist ein Machtspiel aus Druck und erfolgreicher Arbeit von Diplomaten, wobei man ein Land braucht, das Lukashenko aufnehmen würde, und er dort keine Folgen zu befürchten hätte.

Das ist nicht einfach.

Da gibt es jedoch noch einige WENN und ABER.
leider stellt sich Rußland nach wie vor quer.....
logisch - denn Putin hat ja ebenfalls dafür gesorgt, dass er wieder und wieder und wieder gewählt wird........ :wink:

stellt sich Rußland - und damit Putin - gegen Lukaschenko - gefährdet er sich selbst, weil dann die Gefahr groß wäre, dass das belarusische Demonstrations-System nach Rußland überschwappen könnte........
Richtig.

Russland dürfte kein Interesse am Sturz von Lukashenko haben.
... und Russland dürfte den Versprechungen des Westens und der EU kaum glauben wollen. Man müsste Russland FÜR eine Lösung überzeugen. Die Frage wäre, wie das gehen könnte.
CornusMas hat geschrieben: Freiwillig wird Lukashenko nicht gehen wollen.
Man müsste ihm also einen Abgang anbieten / "versüßen", bei dem er sein "Gesicht" waren kann.
Wie das geschehen kann, ist ein Machtspiel aus Druck und erfolgreicher Arbeit von Diplomaten,

Mit anderen Worten: man muss ihm ein Angebot machen, das er nicht ablehnen kann.
Wie das geht, weiß man auch in Weißrusland.