@ andre3010 – und jeden den es interessiert…

Wenn Du von „unserer Demokratie“ sprichst, was genau verstehst Du darunter:

- Die verfassungsgemäße Institution mit den Grundfesten: Gewaltenteilung, die Wahl der Volksvertretungen in allgemeinen, unmittelbaren, freien, gleichen und geheimen Wahlen, die Meinungs- und Pressefreiheit?
- Das Verständnis von Demokratie der gewählten Volksvertreter im Bundestag und in den Länderparlamenten, das sich aus ihren Haltungen und Handlungen ablesen lässt?

Was die Verlautbarungen der Presse betrifft, sitzen mögliche Übel nicht nur in ihren Äußerungen, sondern bereits in der Wurzel. Die Frage dazu muss lauten: Existiert wirklich Pressefreiheit, wenn sich die Eigentumsverhältnisse bei den Presseverlagen auf derart fast schon monopolhaft wenige Konzerne konzentriert haben, wie das heute bei uns der Fall ist?

In Dortmund existierten früher zwei unabhängige Tageszeitungen neben der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung der WAZ-Gruppe Essen: Die Westfälische Rundschau und die Ruhrnachrichten. Inzwischen wurde die Rundschauredaktion zerschlagen, die Zeitung erscheint aber weiterhin: von der WAZ-Gruppe produziert, der Lokalteil von den Ruhrnachrichten des Lensingverlages mitproduziert, der inzwischen der Funke-Mediengruppe gehört… >>Deutschlandweit wurde das Dortmunder Geschäftsmodell unter dem Schlagwort „Zombie-Zeitung“ bekannt, es wurde auch in Castrop-Rauxel umgesetzt.<< (Wikipedia)

Und was die großen, renommierten überregionalen Tages- und Wochenzeitungen betrifft: Auch diesen Kuchen teilen sich inzwischen ein paar Riesenkonzerne – aber vielleicht gäbe es sie sonst gar nicht mehr?

Von Volker Pispers gibt es eine schöne Info-Satire zum Thema „Wem gehören die Medien?“ – Einigen wenigen Familien, regionalen Monopolisten:

https://www.youtube.com/watch?v=LMr0eAPhDcE

Das ist wohl auch ein Grund dafür, zumindest parallel nach unabhängigen politischen Seiten und Blogs im Internet Ausschau zu halten, wobei man sich aber, wenn man fündig geworden zu sein glaubt, wiederum unabhängig über diese Quellen informieren sollte. Das bedarf sehr viel an Aufwand und Eigeninitiative, die man investieren muss, um sich sukzessive ein eigenes und unabhängiges Bild zu verschaffen.

Beispiel: Ich war, wie viele, zuerst sehr entsetzt über all die Bilder der Zerstörung in einigen Straßen und Stadtvierteln rund um den G20-Gipfel von Hamburg 2017. All die vermummten Gestalten und ...zerstörten Autos! Die Bilder davon und die empörten Kommentare der „Augenzeugen“ waren allgegenwärtig, insbesondere durch die pausenlos gesendeten Videos bei Twitter @ Co. Wo man das „hautnah“ miterleben - und gleich seine eigenen empörten Ausrufe postenderweise ungefiltert durch vorheriges Nachdenken loswerden konnte. Ich habe sogar die ausgesprochen rechten Profile dabei gemieden und mich hauptsächlich auf den Seiten jüngerer Reporter gemäßigter Medien bewegt.

Trotzdem war ich noch lange danach schockiert – aber nicht über die Bilder und Berichte selbst, sondern darüber, wie leicht ich mich emotional habe hereinziehen und manipulieren lassen von ihnen!

Mit einigem Abstand und nach eigener Gedankenarbeit konnte ich wieder unabhängig feststellen:
Die „Gewalt“ hatte sich auf Sachbeschädigung beschränkt. Menschen kamen nur ausnahmsweise, weniger gezielt durch Schläger als im Eifer des Gefechtes zu Schaden. Ermordet wurde niemand.

Die Statistiken der Straftaten weisen bei rechtsextremen Ausschreitungen überwältigend mehr Schäden an Personen auf als bei linksextremen. In Hamburg 2017 wurden jedenfalls keine Menschen gejagt, wie in Leipzig 2018.

Die von Dir verlinkte Seite wurde von einen ehemaligen, unzufriedenen SPD-Anhänger gegründet. Der ursprünglich Gedankenfreiheit propagierende Tenor soll sich inzwischen aber auf die pauschale Verurteilung Neoliberaler verengt haben, also auf ein - um Deine eigenen Worte in umgekehrter Richtung zu benutzen - unsägliches Herumhacken auf die nicht der Meinung des Verantwortlichen dieser Seite entsprechenden politischen Verlautbarungen gewählter Volksvertreter und der etablierten Medien, die als zu bekämpfen angeprangert werden. Die Einstellung ist latent antiamerikanisch und prorussisch. Das sind nur vorgekaute Statements, sich kritisch gebend, aber eher in indoktrinierender Manier. Anstöße und Anregungen zum Selber-Nachdenken der Leser sähen m.E. anders aus.

Ich hätte übrigens eine alternative Empfehlung: Die Progressive Soziale Plattform, 2018 von Linken der SPD gegründet, für alle Interessierten offen:

https://www.plattform.pro/

Nachdem der von mir persönlich sehr geschätzte SPD-Bundestagskandidat meines Wahlbezirks – einer der Gründer der o.a. Plattform – aus Protest gegen die verweigerte Selbsterneuerung und einer eindeutigen Haltung gegen den Lobbyismus – aus der Partei ausgetreten ist, aber sozialdemokratischen Grundsätzen weiterhin treu bleiben will, werde auch ich mich für die nächste Wahl neu orientieren, was viel Recherchearbeit und viele Diskussionen mit sich bringen wird. Denn eines ist klar: Die bleiernen Jahre sind lange vorbei, alles ist im Fluss.

Zum Beispiel wird die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens inzwischen auch von etablierten, aber natürlich eher linken Parteien bzw. deren linken Flügeln, viel öfter erwähnt als vor Jahren noch.

Und der scheinbar unvereinbare Konflikt „Klimaschutz gegen Stellenabbau in der Braunkohleindustrie“ in meinem Bundesland ist ebenfalls ein sehr wichtiges Thema, das mit entweder/oder-Einstellungen und weiteren endlosen zeitlichen Verzögerungen wirklich nicht zu lösen sein wird.

All diese komplexen Aufgaben erfordern ein Umdenken in allen Bereichen.

Und „Heimatverteidigung versus Einwanderungstoleranz“ ist eines der irrationalsten Probleme überhaupt – denn Globalisierung bedeutet auch, uns unseres Menschseins rund um den Globus bewusst zu sein und zunehmend Toleranz für Andersaussehende aufzubringen, zumal auch wir hier unsere genetischen Wurzeln allesamt in Afrika haben. :wink:



@verdandi schreibt
Und „Heimatverteidigung versus Einwanderungstoleranz“ ist eines der irrationalsten Probleme überhaupt – denn Globalisierung bedeutet auch, uns unseres Menschseins rund um den Globus bewusst zu sein und zunehmend Toleranz für Andersaussehende aufzubringen, zumal auch wir hier unsere genetischen Wurzeln allesamt in Afrika haben. :wink:


Da bin ich immer wieder begeistert, wenn von Einzelnen großspurig vom Menschsein gefaselt wird. Wenn man über die Globalisierung nicht abstimmen konnte warum soll man dann deren Folgen unwidersprochen hinnehmen. Und ob der Mensch wirklich aus Afrika herstammt ist auch sehr strittig, denn es geht auch nicht um das Aussehen dieser Menschen sondern um deren Schmarotzertum in den Sozialsystemen.

"Globalisierung" ist im Grunde ein sehr einfacher Begriff, den man auch großzügig positiv besetzen kann. Und dabei hinterlasse ich dann tatsächlich viel lieber große als zu kleine Spuren. :lol:


Verdandi hat geschrieben: [color=#004080]
"Globalisierung" ist im Grunde ein sehr einfacher Begriff, den man auch großzügig positiv besetzen kann. Und dabei hinterlasse ich dann tatsächlich viel lieber große als zu kleine Spuren. :lol:


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Ja diese Aussage passt wahrlich gut zu Dir, denn Globalisierung bedeutet faktisch, dass die einzelnen Staaten verschwinden sollen und undemokratische Großkonzerne die Macht und die Rohstoffe und Genressourcen an sich reißen.
Gewinne werden privatisiert und Verluste sozialisiert, so wie beim letzten Bankenskandal zu ersehen war.
@verdandi
"Die von Dir verlinkte Seite wurde von einen ehemaligen, unzufriedenen SPD-Anhänger gegründet. …."
Wen soll man glauben? Den offiziellen Medien natürlich und den Politikern, die einem sympathisch sind? Diesen Exil - SPD - Politikern offensichtlich nicht...., schon gar nicht, wenn dieser russlandfreundlich ist... das ist ein no go!!!! Wir, die Europäer, brauchen das Feinbild "Russland", wie wollen wir die Rüstungsausgaben rechtfertigen, wie wollen wir die NATO rechtfertigen??? Weder die NATO noch die EU wollten Russland in ihren Reigen aufnehmen!!!.... Gedanken, die in unseren offiziellen Medien unangenehm sind.
Was ist Demokratie? Für mich ist Demokratie Ehrlichkeit!!!! Frei von Interessengruppen, frei von politischen Ideologien ....Meinungsfreiheit, ohne dass man unangenehme Meinungen üder die Medien verteufelt oder in eine politische Schublade steckt. Ehrlichkeit ist die wichtigste Eigenschaft einer Demokratie!!! Doch diese Eigenschaft ist die unagenehmste .... Manipulation, Interssengruppen .. unter dem Deckmantel "politische und gesellschaftliche Verantwortung", das ist bestehnde Demokratie ...
So wird das nicht gehen, dass wir erst den Menschen verbessern, seine angeborenen Unarten wegerziehen und dann Demokratie beginnen. Die Gewaltenteilung hat ja hier ihren Sinn, Auswüchse unter Kontrolle zu halten.
Von den möglichen schlechten Gesellschaftsformen (Platon), ist die Demokratie die beste. Ein Schuss von Schlechtigkeit ist immer dabei, denn man kann sich den Menschen zwar perfekt wünschen, er ist es aber nicht.
Felix
Einen sehr schmerzhaften Fehler der Gewaltenteilung erlebten wir in der Weimarer Republik. Dieser Konstruktionsfehler war fatal. Der vom Volk gewählte Präsident (hier Hindenburg) konnte den Kanzler bestimmen und dieser sein Kabinett zusammenstellen. Damit war die Exekutive zunächst fertig. Durch die Möglichkeit der Notverordnungen wurde die Legislative, das Parlament ausgeschaltet. Da war Hitler nicht der erste, auch schon Brüning hat so regiert.
Felix
@41acul
keine Gesellschaftsform ist perfekt, alle werden sie von Menschen gestaltet. Aber, wir können sie verbessern! Ein schweres Unterfangen, so lange es um Macht geht. Und es geht immer und nur um Macht. Wir Bürger waren schon immer Spielball der Macht, seit der Antike. Daran wird sich nichts ändern.
Mit den heutigen Medien und deren Aufgabe wird es noch schwerer.
Meine Vorstellung: die Hauptaufgabe von Politik und Medien ist es, die Menschen zu einen, so wie Trump es in seiner Rede vorm Kongress formuliert hat. Doch die heutige Zeit zeigt uns das Gegenteil auf. Die Spaltung wird immer größer, wie es hier auch im Forum zu erkennen ist... Das macht mir Sorge,
Sag, Andre - fällt dir der Widerspruch nicht auf?

" ... die Hauptaufgabe von Politik und Medien ist es, die Menschen zu einen, so wie Trump es in seiner Rede vorm Kongress formuliert hat."

Er ruft den nationalen Notstand aus, weil er seine 8 Milliarden Dollar für den Mauerbau nicht bekommt.
Ich hab noch nie gehört, dass man durch das Aufbauen von Mauern Menschen eint.
Eine Mauer trennt nicht nur nach außen - sie trennt auch die vor - oder hinter? - der Mauer.

Bisher hat kein Präsident das Land so gespalten wie er - sein Appell zur Einigung ist nicht einer für eine demokratische Auseinandersetzung.
Sein Appell ist einer zur Einigung unter seinem Diktat.
mir macht diese Spaltung ebenfalls Sorge....
wobei weder die EU noch Amerika (Trump) noch Rußland (Putin) daran schuld sind.....
es kommt daher, dass die Menschen immer mehr verunsichert/orientierungslos geworden sind.......sie sehen kein Ziel - keine Perspektiven - mehr......
und deshalb wird auf den jeweiligen "Feind" eingedroschen.....
Von welchen Menschen redest du? Ich sehe sehr viele Menschen, die nicht orientierungslos sind, die Ziele haben, die sich nicht einmal verunsichern lassen. Aber klar, schuld ist nicht die Macht, die alles unterdrückt, nein nein, schuld sind die Kleinen. War aber schon immer so: Immer auf die Kleinen...

Und so gute 8 Mrd. Menschen können doch nicht Schuld sein am Schlamassel, das die Mächtigen rund um den Globus anrichten.
@barbara
wenn man nur in der Dimension "Mauer" denkt, dann gebe ich dir recht. Mauern trennen Menschen, egal, ob in Amerika oder in Europa. Warum geht man nicht mit der selben Anti - Mauer - Hysterie in Europa vor, wie man sie bei Trump anlegt? Was ist mit Belfast, wo man um 23 Uhr die Tore schließt???? Was ist mit Melilla, wo meterhohe Stacheldrahtzäune stehen??? Warum brauchen wir Trump für diese Mauergeschichte?? Wir in Europa sind nicht mal ansatzweise in der Lage solche "Mauerprobleme" zu lösen, nein, wir brauchen Trump!!!!
Ihr denkt wirklich nur in den von den Medien vorgegebenen geistigen Salamischeiben!!!!
Schau dir die ganze Rede an, sie findet zu mehr als 70 % Anerkennung in der amerikanischen Bevölkerung. Auch, wenn ich nicht alles teile, was gesagt wurde (auch bin ich kein Freund von Trump), finde ich die Rede im Grundtenor echt gut.
klar - "die Mächtigen" sind immer schuld, denn das sind ja "die Bösen"....

und genau deshalb sage ich, dass wir zur Zeit orientierungslos sind !
andre3010 hat geschrieben: @barbara
wenn man nur in der Dimension "Mauer" denkt, dann gebe ich dir recht. Mauern trennen Menschen, egal, ob in Amerika oder in Europa. Warum geht man nicht mit der selben Anti - Mauer - Hysterie in Europa vor, wie man sie bei Trump anlegt? Was ist mit Belfast, wo man um 23 Uhr die Tore schließt???? Was ist mit Melilla, wo meterhohe Stacheldrahtzäune stehen??? Warum brauchen wir Trump für diese Mauergeschichte?? Wir in Europa sind nicht mal ansatzweise in der Lage solche "Mauerprobleme" zu lösen, nein, wir brauchen Trump!!!!
Ihr denkt wirklich nur in den von den Medien vorgegebenen geistigen Salamischeiben!!!!
Schau dir die ganze Rede an, sie findet zu mehr als 70 % Anerkennung in der amerikanischen Bevölkerung. Auch, wenn ich nicht alles teile, was gesagt wurde (auch bin ich kein Freund von Trump), finde ich die Rede im Grundtenor echt gut.


ich gebe den USA-Demokraten recht:
eine Mauer zu bauen bringt nichts.....
es zögert vielleicht den USA Kollaps hinaus ......mehr jedoch nicht.....

es ist das alte Problem:
reiche Industriestaaten im Norden - arme Agrarstaaten im Süden.....

und genau das ist das auch das Problem der EU:
reiche Industriestaaten im Norden - arme Agrarstaaten im Süden...

dazu kommen bei der EU die osteuropäischen Staaten, die die Idee einer Demokratie noch nie so richtig verwirklicht haben....

ich weiß nur eines :
auf unsere jüngere Generation kommen enorme Probleme zu.... :!:
Hallo Andre3010,
alleine, dass Du Dich bemühst, das ist doch schon wunderbar. Es ist nicht wichtig und es ist auch nicht gut, wenn wir in allem übereinstimmen. Deine Argumente muss ich mir zurechtlegen und abwägen. Es ist immer ein Ansporn.
Aber in einer Sache stimmen wir sicher überein, Geschichte ist nicht planbar, unberechenbar. Trotzdem ist es wichtig, eine Meinung zu haben.
Ich würde mich über weitere Diskussionen freuen und werfe folgende Überlegung zurück, die Du angedacht hast.
Trump spricht von Einen. Ich habe das verdammte Gefühl, dass er seine US-Amerikaner meint - "america first". Politisch ein ungewöhnlicher Bursche, für mich sieht es so aus, als überträgt er seine erfolgreichen Spielchen im früheren Geschäftsleben auf seine Politik als amerikanischer Präsident. Aber Vorsicht, die europäische Presse lässt an ihm kein gutes Haar. In einigen Handlungen hat er aber bemerkenswerte Erfolge. Aber für mich steht trotzdem fest, er ist ein Egozentriker. Dafür schwindelt er wie gedruckt, ein extrem unzuverlässiger Partner.
Was machen wir, wenn er auf den falschen Knopf drückt. Ich meine nicht den Atomknopf.
Zur Einheit allgemein auf der Welt. Durch Technik rücken wir immer mehr zusammen. Ist es nicht möglich, dass dadurch die Gegensätze in Kultur, Lebensstandard, Religion immer schärfer und augenscheinlicher werden.
1950 gab es zwei Milliarden Menschen, jetzt sind es 7,6 Milliarden, weiter steigend. Es sieht im realen Leben eher nach mehr Verteilungskampf aus als nach Einigkeit der Menschheit. Es ist, wie es ist? Ich bin ganz sicher, es bleiben spannende Zeiten mit ungewissen Ausgang.
Gruß
Felix