Eine 83-jährige alte Dame wurde wegen einer Ohren-Infektion im Krankenhaus operiert werden und kam anschließend auf die Intensivstation. Diese alte Dame hat einen Herzschrittmacher, Rücken-OP und neues Hüftgelenk. Nach einem erneuten Sturz und Wirbelbruch kam auch eine leichte eingeschränkte Alltagskompetenz hinzu. Jetzt hat sie eine Lungenentzündung bekommen.

Die alte Dame hat eine Patientenverfügung, die besagt, daß sie keine lebensverlängerten Maßnahmen wünscht, dazu gehört u.a. auch die künstliche Beatmung .....
Sie wird aber künstlich beatmet. Auch ist möglich, daß sie in nächster Zeit eine Trachealkanüle eingesetzt bekommt.
Was zählt denn da noch eine Patientenverfügung?
Können Kinder, wenn sie bevollmächtigt sind, sich über den letzten Wunsch der Mutter, der Patientenverfügung, einfach so hinwegsetzen?
Soweit ich das kenne, wird im Rahmen einer Patientenverfügung mindestens eine Person (manchmal auch zwei) eingesetzt, die mit der Betreuung und Durchsetzung der Verfügung beauftragt sind. Wenn eine solche Patientenverfügung formuliert und sowohl vom Patienten als auch der beauftragten Person unterzeichnet wird, muss ein niedergelassener Arzt zugegen sein und die Zurechnungsfähigkeit der unterzeichnenden Personen ebenfalls mit seiner Unterschrift bescheinigen.
Dann ist diese Verfügung rechtskräftig und ALLE müssen sich daran halten. Jedenfalls ist das die Theorie.
Es gibt bereits Vordrucke, die nur entsprechend ausgefüllt werden müssen.
Es kommt darauf an welche Art von Patientenverfügung die Dame gemacht hat. Es handelt sich sicher nicht um eine verbindliche, sonst würde sie nicht künstlich beatmet werden. Nehme an sie hat eine beachtliche Verfügung gemacht, an diese können, aber müssen sich die Ärzte nicht halten.
Ich finde die Situation nicht eindeutig.

Ich meine, dass so eine Patientenverfügung erst greift, wenn alle Möglichkeiten einer Behandlung ausgeschöpft sind.

Eine Beatmung bei einer Lungenentzündung ist nicht unnormal und kann durchaus wieder zur Gesundung der Frau führen. Meiner Meinung nach ist das eine Form der Behandlung.

Erst wenn diese Behandlung nicht greift - nach einem entsprechenden Zeitraum - kann man überlegen, diese Beatmung einzustellen, weil eben keine Besserung möglich ist.

AK
Hier handelt es sich um eine verbindliche Patientenverfügung, die von Bevollmächtigen unterschrieben und von einer "aussenstehenden" Person gegengezeichnet wurde.
Eine derartige Patientenverfügung finde ich deshalb bedenklich, weil sie eigentlich irgendeine Person in die Pflicht nimmt, das Leben zu beenden, also Tötung auf Verlangen. Ist das moralisch gerechtfertigt, so etwas zu fordern bzw. eine Art Rechtsanspruch daraus abzuleiten?
Einzige Möglichkeit sich über Patientenverfügung und dazu zugehörige Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung sich zu informieren ist in nachfolgendem Link des Bundesministeriums für Gesundheit oder des Bundesministeriums der Justiz ...

https://www.bundesgesundheitsministeriu ... egung.html

Liebe Grüße TOUHA1
Man sollte meiner Meinung nach diese Verfügung entweder beim Amtsgericht hinterlegen,
oder einen Anwalt damit betrauen.
ValentinAK ...Bei einer Patientenverfügung wird nie irgendwer in die Pflicht genommen, wie Du schreibst. Es sind immer Vertrauenspersonen, meist die Kinder, die, ist das Lebensende eines Menschen absehbar, nach Rücksprache mit Ärzten entscheiden, ob nur noch palliativ behandelt werden soll. Wer Vorsorge trifft und eine Patientenverfügung erstellt, möchte in Würde sterben und nicht als Probant! Die Vertrauenspersonen erfüllen den letzten Wunsch des Sterbenden, das ist doch keine "Tötung auf Verlangen". Möglich, daß es in Österreich anders gesehen wird.
Nein es wird in Österreich nicht anders gesehen, sondern so wie du es schreibst. Aber bei uns gilt eine Patientenverfügung nur dann wenn sie in das offizielle Patientenverfügungsregister eingetragen ist, ähnlich wie bei einem Testament. Das übernimmt Rechtsanwalt oder Notar. Wenn das geschehen ist kann absolut nichts passieren was der Patient nicht will! Falls du eine Angehörige der Dame bist die du hier beschreibst dann würde ich die Ärzte fragen warum sie sich nicht an die Patientenverfügung halten, es wird sicherlich Gründe geben.
Das Problem mit Patientenverfügungen ist oft, dass die Situation für die sie gelten soll nicht eindeutig beschrieben ist oder dass die beschriebene Situation so nicht zutrifft. Das ist gerade der Nachteil bei Benutzung von Vorlagen, die oft eine Wachkoma-Situation beschreiben (wie sie z. B. für Michael Schuhmacher zutrifft), die aber zum Glück eher selten vorkommt. Die Situation der nachlassenden körperlichen und auch geistgen Kräfte im Alter, also z. B. einer fortschreitenden Herzschwäche oder Demenz, werden dabei nicht richtig berücksichtigt. Ich rate davon ab, einfach Vorlagen unverändert zu verwenden. Am besten berät man sich mit vertrauten Menschen und seinem Hausarzt und formuliert so, wie man es selbst möchte. Ein vertrauter Bevollmächtigter, der im Zweifelfall klären und durchsetzten kann, ist dabei ebenfalls gut.
Binale....die alte Dame liegt im künstlichen Koma und sieht absolut nicht gut aus.Es wird angenommen, daß der Sohn mit dem Arzt vereinbart hat, Muttern noch so lange am Leben zu halten, bis seine Schwester aus dem Urlaub zurück ist. (Und das sind noch ca. vier Wochen), um dann gemeinsam Abschied nehmen zu können. Die Dame ist privat versichert, was aus eigener Erfahrung wohl auch ein wichtiger Faktor ist. Es ist traurig, aber wahr!
Oje, na dann wird mir Einiges klar. Es ist besser ich sag dazu nichts, ich weiß wozu Angehörige im Stande sind , aus beruflicher Erfahrung. Unwürdig, abscheulich...
Binale....unwürdig, abscheulich ist noch nett ausgedrückt. Für den Arzt , ich sprach heute mit ihm, ist alles, was bisher für und mit dieser alte Dame gemacht wurde, "normal". Und wenn sie dann aufwacht, bzw. zurückgeholt wird, kann sie noch ein paar schöne Jahre vor sich haben. Und wenn keine Trachealkanüle eingesetzt werden soll, dann hätte sie auch das in der Patientenverfügung erwähnen müssen. (Sie wollte diesen gesamten Zustand nicht) . Als ehrenamtliche Mitarbeiterin einer Seniorenwohnanlage leiste ich auch Sterbebegleitung .... was hier im Krankenhaus abgeht, spottet jeder Beschreibung. Morgen werde ich die alte Dame wieder besuchen.....sie ist bereits optisch ein anderer Mensch ... aufgedunsen/entstellt.
Warum kommt die Tochter nicht aus dem Urlaub, um mit dem Bruder gemeinsam von der Mutter Abschied zu nehmen. Warum nicht?
Eine Patientenvollmacht muss in Deutschland weder notariell beglaubigt noch von einem Arzt unterschrieben werden.

Fernerhin ist diese Patientenverfügung für jeden Arzt wie auch alle Angehörigen bindend und verpflichtend!

Ein Notar ist nur dann von Nöten, wenn der Verfasser nicht mehr fähig ist, mit einer eigenhändigen Unterschrift seinen Willen zu bekunden.

Wichtig ist auch zu wissen, dass eine Vorsorge-Vollmacht eine Patientenverfügung nicht ersetzt, das sind zwei ganz verschiedene Paar Stiefel. Allerdings hat ein Vorsorge-Bevollmächtigter das Recht, den Patienten zu vertreten (Vormund) und so dafür Sorge zu tragen, dass der Patientenverfügung Folge geleistet wird. Notfalls auch per Gericht. Er ist darüber hinaus ebenfalls an die Patientenverfügung gebunden, kann also nicht nach eigenem Gusto entscheiden.

Ein Arzt, der sich nicht an die Patientenverfügung hält, macht sich strafbar!

Es empfiehlt sich grundsätzlich, anstatt handschriftlicher selbst erdachter Verfügungen rechtssichere Formulare zu verwenden. Solche erhält man z.B. zu einem günstigen und für jedermann erschwinglichen Preis über Stiftung Warentest: Für € 11,99 als download, alternativ per Post für € 14,99.

Hier der link, in der Hoffnung, dass dies nicht als Werbung missverstanden wird:
https://www.test.de/shop/steuern-recht/das-vorsorge-set-sp0411/

Eine ausführliche und eigentlich für jeden zu verstehende Beschreibung die einzelnen Punkte betreffend liegt bei. Sie decken alle relevanten Situationen ab.

Das "Vorsorge-Set" beinhaltet Patientenverfügung, Vorsorge-Vollmacht, Betreuungsverfügung und Testament. Man kann die Formulare entweder am PC oder handschriftlich ausfüllen, sie müssen jedoch mit einer persönlichen Unterschrift bestätigt werden. Bei einigen Formularen ist zusätzlich die Unterschrift der genannten Vertrauensperson notwendig.

Ich würde jedem, egal welchen Alters, empfehlen, sowohl eine Patienten-Verfügung wie auch eine Vorsorge-Vollmacht zu hinterlegen! Fehlende Vorsorge-Vollmachten haben schon so manche Familien unnötig Haus und Hof gekostet, das ist Fakt.

Wissenswertes:
Eine Patientenverfügung wird erst dann umgesetzt, wenn der Patient selbst keine Möglichkeit mehr besitzt, sich selbst zu äußern bzw. geistig nicht mehr dazu in der Lage ist. Bis dahin ist stets sein momentaner Wille für alle bindend, unabhängig davon, was er in seiner Patientenverfügung fest gehalten hat!

Wer keine künstliche Lebensverlängerung wünscht, bekommt seitens der Ärzte das, was man "passive Sterbehilfe" nennt. Diese kann man bis ins Detail definieren, z.B. folgendes bejahen oder verneinen: Künstliche Beatmung, künstliche Zufuhr von Flüssigkeit, um den Durst zu stillen, künstliche Ernährung, Verabreichung von schmerzstillenden Medikamenten und Versuche einer Wiederbelebung u.a.

Meiner Meinung nach sollte man mit solchen Verfügungen nicht warten, bis der Ernstfall eintritt. Ich selbst habe mich ausgiebig mit dieser Thematik beschäftigt und für alle Situationen entsprechend Vorsorge getragen. Die Vertrauenspersonen wissen, wo diese Dokumente hinterlegt sind und besitzen zusätzlich sicherheitshalber entsprechende Kopien.

PS: Es besteht auch die Möglichkeit, bei der Vorsorge-Vollmacht zwei verschiedene Personen des Vertrauens ein zu setzen und anfallende Aufgabenbereiche entsprechend auf zu teilen.

Normalerweise wird man bei einer stationären Aufnahme gefragt, ob eine Patientenverfügung vorhanden ist und um eine entsprechende Kopie gebeten. Bitte immer nur Kopien weiter geben, niemals das Original.
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