Könnte man Mut kaufen, würde ich gerne mal zugreifen.
Ich bin nicht mutig, würde nie mehr Achterbahn fahren . Fliegen tue ich auch nicht gern, ich mach es, ankommen ist schön. Es gibt so vieles was ich nicht machen würde, aber das sind Dinge, die man nicht machen muß. Das Leben bewältigen ist eine andere Sache, da habe ich vieles bewältigt, für andere konnte ich kämpfen, wenn es um mich geht ist es mir lieber ich stecke den Kopf in den Sand ich will es nicht wissen. Gut fühle ich mich nicht dabei mit Zweifeln leben ist auch nicht schön.
Gerne würde ich mich  stellen, Entscheidungen treffen , konsequent  sein, sagen diesen Weg gehe ich jetzt. Warum kann ich das nicht, warum möchte ich mich am liebsten hinter jemanden verstecken und sagen: bitte mach du es, nimm es mir ab. Warum bin ich so eine Memme?
Kann das jemand nach vollziehen, packt ihr immer alles an, mutig mit Blick nach vorn? 
Ja ich kann das nachvollziehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nur einen einzigen Menschen gibt, der wirklich immer alles anpackt nur mit Blick nach vorn, wie du es nennst. Unsicherheiten und Zweifel gehören zum Leben. Allerdings gibt es schon Möglichkeiten, daran zu arbeiten, die se Unsicherheiten und Zweifel zu minimierren.
Hi Igelchen, da gibt es noch so jemand. Denk mal, dass wir so sind, hat viel mit unserer Kindheit zu tun, jedenfalls ist das bei mir so. Hat jahrelang bei mir auch mit mangelndem Selbstvertrauen zu tun gehabt. Unterstütz wurde immer meine Schwester - obwohl 4 Jahre jünger - war sie immer die stärkere, sie hat immer vermittelt bekommen, dass sie es schafft und ich war die "Verliererin". Sowas prägt.

Aber seit diesem Jahr hab ich angefangen, mir selbst zu beweisen, dass ich das, was ich möchte und das für mich richtig ist, in die Tat umzusetzen, mutig zu sein und Dinge zu tun, die ich nie für möglich gehalten hätte. Heute kann ich auch ohne schlechtes Gewissen einfach mal "nein" sagen. Ich will und brauch auch nicht mehr "jedermanns Liebling" zu sein. Und ich merke, mit jedem getanen Schritt werd ich mutiger, Risiko bereiter.
Mutig ist wer seine Angst überwinden kann.

Ich war immer in der Rolle, der Entscheidungen getroffen hat, von dem erwartet wurde Sachen anzupacken, den Blick nach vorne zu richten, Verantwortung für andere zu tragen. Trotzdem, oder gerade deshalb kann ich dich Igelstachel verstehen. Auch wenn es nach außen hin so erscheint man wäre "stark" und wüsste immer wo und wie der beste Weg sei, es einfach sei eine Entscheidung zu treffen, so sieht es innerlich doch oftmals anders aus. Hin und wieder hat man auch Angst, den richtigen Schritt zu unternehmen, Angst davor eine "falsche" Entscheidung zu treffen und zu handeln. Doch ich gehe wenn etwas anliegt und mir wichtig erscheint nicht lange damit "schwanger". Wenn ich die Richtung entschieden habe, so versuche ich dies umzusetzen, zweifle nicht an der Entscheidung und frage nicht danach, was wäre wenn ich anders entschieden hätte.

Ich denke, vieles hängt vom Selbstvertrauen und von der Selbstsicherheit ab, von der persönlichen Erfahrung über Erfolg und Mißerfolg, von der Einschätzung seiner persönlichen Leistungsfähigkeit, sowie von dem Vertrauen und den Erwartungen, das andere zu einem haben.
Ich treffe meine Entscheidungen meist aus einer Mischung von Ratio und Intuitio, selten lass ich Emotio mitreden.

Manchmal gehts gut aus und manchmal eher weniger..

Aber das ist mir irgendwie egal, der Ausgang ist immer ungewiss..

Bis jetzt ist noch nix schlimmeres passiert als die Erkenntnis: Das hättest Du auch besser hinkriegen können.
Eins meiner ersten Erinnerungen war, so mit 3 Jahren, ich war hingefallen ich blutete und fragte meine Mutter: muß ich jetzt sterben.
In Norddeutschland bin ich geboren und  habe  meine ersten Jahre dort verlebt. Wenn die Wolken tiefer  hingen und der Wind kräftig blies bin ich oft von der Schule  kommend nach Hause gelaufen und habe gefragt, ob die Welt untergeht.  Es kam mir eben umheimlich vor.Dann habe ich gebetet, lieber  Gott  laß die Welt nicht untergehen und hab gezittert wie Espenlaub.
Natürlich   ist mir  heute klar,    daß ich Kriegserlebnisse meiner Mutter und anderer Flüchtlingen verarbeitet habe, die, wenn sie sich getroffen haben, natürlich ihre traumatischen Erlebnisse ausgetauscht  haben, war  sicher auch nötig war, nur an die Kinder, die zuhörten, hat man nicht gedacht.  Ich könnte vom Krieg erzählen , von den Angriffen, von den Fahrten auf offenen Güterwagen, als ob ich dabei gewesen wäre. Bin aber 46 geboren.
Bei mir fließen leider die Emotionen schon mit ein. Bin halt so. Kann ich auch nicht ändern :-))

Habe früher auch viel rumgegrübelt und Entscheidungen lange rausgezögert. Zu lange.  Und mir ist dann immer buchstäblich der berühmte Stein vom Herzen gefallen, wenn ich entschieden hatte.
Und was ist passiert ?   Es ging mir immer danach besser als vorher.  

Dann gibts noch nen Anteil an spontanen Entscheidungen, solche, die nicht unbedingt das Leben verändern, die sind dann sehr spontan bei mir, lach. Und manche/r wundert sich.
Und was ist ? Auch dabei gehts mir gut.

Igel.stachel, du wirst sehen, wenn du Entscheidungen triffst, wenden sich vielleicht manche Menschen von dir ab, aber dafür treten neue in dein Leben.   Es ist halt auch mit ein bißchen Arbeit verbunden :-))

LG  
Igel.stachel, haben deine Erinnerungen aus dem Krieg etwas mit der jetzigen Situation zu tun ?

Wenn nein, dann laß dich davon doch jetzt nicht ablenken :-)
Translation sonst wärst Du sicher nicht eine erfolgreiche  Architektin geworden.
Das ist so gradlinig, da kann man privat auch nicht anders sein. 
Igelstachel ...

Zum Thema Nachkriegskinder und Auswirkungen auf sie kann ich Dir das Buch "Wir Kinder der Kriegskinder" empfehlen. Deine Mutter war zwar vermutlich kein Kriegskind mehr (ich nehme an, sie war bereits älter), trotzdem ist das Buch sehr informativ und erklärt so manches.

Leider hat es ja lange Zeit gedauert, bis thematisiert werden durfte, dass auch deutsche Kriegskinder traumatisiert sind und Folgeschäden mit sich tragen und natürlich übertragen. Das hat sich aber nun Gott sei Dank geändert. So kann auch heute noch einiges aufgearbeitet werden.

AK
Igelchen, war vor ca. 3 Wochen bei einer Familenaufstellung. Wollte mir das einfach nur mal anschauen, da ich schon etliches darüber gelesen habe.
Beim Anschauen blieb es nicht, ich wurde auch aufgestellt als agierende. Hätte das vorher nicht für möglich gehalten, was da ganz emotional und intuitiv ans Tageslicht kommt.
Werd jetzt selbst mal in nächster Zeit als Fragende mein Problem analysieren lassen, bin schon jetzt gespannt, wie es wird.
Kia, hab das auch schon erlebt, allerdings als Zuschauer bzw. wurde aufgestellt.
Es ist unglaublich. Aber selbst aufstellen lassen,i ch glaube nicht, ich möchte nicht in meine Seele reinschauen lassen, bin aber nicht so verschlossen, daß ich nie über Dinge rede, das kann ich absolut.
Aber Familienaufstellung  kann eine sehr große Hilfe sein . Aber in dieser Runde ( mit so vielen fremden Menschen könnte ich es nicht). Ich habe es in einer Kurklinik kennen gelernt, da war jede Woche 2 x Familienaufstellung in großer Runde, da wär ich zu schüchtern gewesen, mich auch einmal zu melden. Hab mich immer im Hintergrund gehalten, wenn aufgestellt wurde, bis auf einmal wo ich den Großvater spielen mußte. Aber es war immer beeindruckend und bedrückend.
Igelchen, ja das ist schon sehr beeindruckend. In der Runde, in der ich aufgestellt wurde - sozusagen als spirituelle Arbeit - das hat mich umgehauen. Wollte mir das auch nur mal anschauen, aber inzwischen bin ich so weit, dass ich selbst stellen möchte.
Man macht sich ja selbst ein Bild von sich und was die Ursache des Problems ist und da möchte ich für mich einfach mal wissen, ob ich mit meinen Vermutungen richtig liege. Mir ist schon bewusst, dass es ganz arg in die Tiefe gehen kann. Wir waren eine recht kleine Gruppe, aber selbst der "ich sag mal Therapeut" der die Gruppe leitete, sagte im Anschluss, dass sowas ganz selten passiert.
Denke, da muss auch das Umfeld stimmen.
Meine Schwester war auch dabei, aber die möchte das nicht mehr machen.
Anne Klatsche, Kriegskinder haben auf jeden Fall Traumatas  zurück behalten, so viele Ängste sind einfach verdrängt worden. Wer hat damals an die Seele gedacht, daß die  auch erkranken könnte.
Meine Mutter hat den 1. Weltkrieg als Kind erlebt, sie ist 11 geboren, ihr Vater war in Rußland inGefangenschaft  geraten. Sie selbst ist 44 geflohen mit meiner Schwester, sie waren die ersten die fliehen mussten, das Memelland war der Front am nächsten.
Als Flüchtling dann in einem Bauerndorf in Norddeutschland gelandet, Bauer war nicht schlimm, sie kam zwar aus einer Handwerkerfamilie, aber jeder hatte auch eine kleine Landwirtschaft, aber bei alteingesessenen Bauern unterzukommen war nicht einfach. Die Frauen mussten hart auf den Feldern arbeiten, meine Mutter konnte melken und hat u.a. Jeden Tag Kühe gemolken, nur um etwas zu essen zu haben und ein Dach über dem Kopf zu haben.
Sonntags trafen sich alle Frauen, nur eine hatte noch einen Mann. Dann wurde sich über die Heimat unterhalten ,geweint , und über die Flucht erzählt. Wir Kinder krabbelten am Boden und hörten alles. Manchmal wurde auch geflüstert und manchmal hörte man nur das Wort Gestapo, dann schauten alle sich um, ob da jemand wäre, sie hatten sogar noch nach Kriegsende Angst.
Aber niemand wäre  auf die Idee gekommen zu denken, die Kinder sollten das nicht hören, geflüstert wurde oft, aber um so besser hören Kinderohren.
Sicher brauchten es die Frauen, sie mussten sich das Grauen von der Seele reden. 
Als ich das erste mal eine zerstörte Stadt sah, das war in Rendsburg und in Lübeck, war ich nicht im mindesten erstaunt darüber, obwohl ich es vorher nie sah, das kleine Bauerndorf hatte nur ein paar Blindgänger in den Feldern abbekommen, ich wußte einfach wie es aussah, aussehen mußte. 
Irgendwann hatte ich auch von Juden , von umgebrachten gehört. Konnte das natürlich nicht zuordnen, kann mich aber erinnern daß ich geweint  habe und kaum zu beruhigen war. Gottes Kinder zu töten, ich muß wohl  einiges aus der Bibel gehört haben und Gottes Kinder waren in meiner Vorstellung mehr als eine Prinzessin,  Königin oder Kaspar. Das hört sich jetzt seltsam an, aber ich lebte in einer  Welt ohne Bücher . Da hatte man nur eigene Fantasie.
Wenn ich mich heute unterhalte mit Gleichaltrigen, haben wir mehr oder weniger dasselbe erlebt, die jüngeren haben schon ganz andere Erinnerungen. 
Ich sehe heute noch den Angriff auf Hamburg vor meinen Augen, so wie es meine Mutter erzählte, als es Phosphor vom Himmel regnete und die Menschen die es berührten brannten, ins Wasser liefen und dort weiterbrannten. Ich habe es ganz deutlich vor Augen, obwohl in damals nicht mal gelebt habe. 
Igelstachel ...

Ja, es ist teilweise ganz schlimm, was da übertragen wurde.

Aber das war von unseren Eltern keine böse Absicht. Sie wussten es einfach nicht besser. Und sie hatten so viele Sorgen. Wir - die wir so was nie erlebt haben - können uns das gar nicht vorstellen.

Es gab ja auch furchtbar schreckliche Dinge. Nicht wenige Kinder - egal ob Mädchen oder Buben jeden Alters - wurden auf der Flucht vergewaltigt oder mussten zusehen, teilweise starben sie daran oder wurden gar umgebracht. Diese Erlebnisse wurden nie verarbeitet. Das prägt und nicht verarbeitete Ängste beeinflussen das ganze weitere Leben und auch das Umfeld.

Bei mir ist es eigentlich relativ harmlos. Ich habe mich immer gefragt, woher es kommt, dass ich immer viel Vorrat zuhause haben muss. Als ich das Buch las, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Klar, meine Eltern hatten die Angst vor Hunger unbewusst auf mich übertragen, denn hungern musste ich nie. Aber ich agiere als ob.

Und so ist es eben mit vielen anderen Erlebnissen auch.

AK
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