Ein Frage, die mich einfach interessiert, einmal in die Runde gestellt.
Das Bild des "Mondschatten" tritt inzwischen recht häufig in der Lyrik auf. Vermutlich (ohne Gewähr) inspiriert von Cat Stevens "Moonshadow". Wenn ich etwas in die Historie gehe, finde ich das Bild auch beim Dichter Dauthendey. Noch etwas weiter zurück in die Romantik finden wir es in "Gute Nacht" aus der Winterreise. Und es passt ja auch gut in die Romantik.
Weiß jemand noch ein älteres Gedicht?

Viele Grüße
Dick
Bei Rilke fand ich den Mondschatten noch einmal. Das Gedicht entstammt der Zeit 1922 - 1926.


Mein scheuer Mondschatten spräche gern
mit meinem Sonnenschatten von fern
in der Sprache der Toren;
mitten drin ich, ein beschienener Sphinx,
Stille stiftend, nach rechts und links
hab ich die beiden geboren.

- Rainer Maria Rilke -
Leider habe ich zum Thema nicht viel Neues. Aktuellerer findet sich ein Buch von Donna Gillespie mit dem Thema Mondschatten. Eine Art historischer Roman vom Kampf der Chatten gegen die Römer, sehr beliebt bei Fantasy Fans. Die Chatten waren die Ureinwohner Hessens, wovon auch der Name stammt. Man sagt, vom Körpertypus her aussehend wie Heinz Schenk (vom Blauen Bock); obere Kopfhälfte eher schmal, aber enormen Unterkiefer (benötigt man, um „Aschebechä“ korrekt hessisch auszusprechen).
Dann gibt es da noch den Kalut der Mondschatten bei YU-GI-OH, was ich nicht näher ausführen möchte. Und weiteres in ähnlicher Form.

Ich habe den Text zu Gute Nacht noch einmal angehängt sowie einen Link zum Lied. Im Film Messidor, den ich sehr mag, hat mir die Interpretation von Danielle Borst gefallen.

Gute Nach

Fremd bin ich eingezogen,
Fremd zieh ich wieder aus.
Der Mai war mir gewogen
Mit manchem Blumenstrauß.
Das Mädchen sprach von Liebe,
Die Mutter gar von Eh' -
Nun ist die Welt so trübe,
Der Weg gehüllt in Schnee.

Ich kann zu meiner Reisen
Nicht wählen mit der Zeit:
Muß selbst den Weg mir weisen
In dieser Dunkelheit.
Es zieht ein Mondenschatten
Als mein Gefährte mit,
Und auf den weißen Matten
Such ich des Wildes Tritt.

Was soll ich länger weilen,
Daß man mich trieb' hinaus?
Laß irre Hunde heulen
Vor ihres Herren Haus!
Die Liebe liebt das Wandern,
Gott hat sie so gemacht -
Von einem zu dem andern -
Fein Liebchen, gute Nacht!
Will dich im Traum nicht stören,
Wär' schad' um deine Ruh',
Sollst meinen Tritt nicht hören -
Sacht, sacht die Türe zu!
Ich schreibe nur im Gehen
An's Tor dir gute Nacht,
Damit du mögest sehen,
Ich hab' an dich gedacht.

http://www.youtube.com/watch?v=HtkfV5hiLPI

Eins der schönsten romantischen Gedichte habe ich noch hinzugefügt. Es öffnet das Herz eines jeden romantischen Menschen.

Mondnacht

Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

http://www.youtube.com/watch?v=kBGyJvHe0kc
Zur Veranschaulichung eines der seltenen Fotos des Mondschattens (SoFi '99)



5/5
Bild

© Aus meiner Galerie
Mir fällt dazu der Song von Mike Oldfield ein, gesungen vom Maggy Reilly:

"Moonlight Shadow"
https://www.youtube.com/watch?v=b6RmKZZl0xc

Der Text ist bestimmt nicht gerade Weltliteratur, aber Song und Stimme finde ich einfach schön!
Schätze mal, die Lyrik der Japaner und Chinesen werden zu diesem Thema so Einiges zu bieten haben.

Davon mal abgesehen, nicht nur eine Sonnenfisnternis ist beeindruckend, auch die Schatten auf der Erde, die das Vollmondlicht bildet, haben ihre Reize. Auch einen Mondregenbogen stelle ich mir faszinierend vor.
Das geheime Wort

Ein anderes Bild aus der Sprache der Romantik. Es findet sich in einem Gedicht von Novalis aus der Frühromanik.

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen
Wenn die so singen, oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freye Leben
Und in die Welt wird zurück begeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu ächter Klarheit wieder gatten,
Und man in Mährchen und Gedichten
Erkennt die wahren Weltgeschichten,
Dann fliegt vor Einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

Hier möchte ich noch eine Adaption von Konstantin Wecker anfügen
https://www.youtube.com/watch?v=UJQqbHGtSDM

Trotz aller Gefühlsbetonung ein sehr „logisches“ Gedicht. Aus den Voraussetzungen „Wenn“ ergibt sich der Schluss „Dann“; und von den Begriffen her antithetisch: Singen und Küssen, Märchen und Gedichte auf der Seite von Kunst und Liebe gegenüber Zahlen und Figuren, den Tiefgelehrten und den Schatten auf der Seite der Rationalität.

Und was ist der Gegenstand des Gedichtes? Es geht um „Erkenntnis“ und wie ich dazu gelange. Eben nicht mit Zahlen und Figuren, also den Naturwissenschaften, sondern mit Märchen und Gedichten, also durch die Poesie, die Macht der Sprache. Nun war Novalis durchaus kein Gegner der Wissenschaft, aber für Beschreibung der Natur und Erkenntnis wollte er Hieroglyphen und Chiffren nutzen. Und dann gab es noch die Sehnsucht nach dem „Geheimen Wort“, mit dem der Spuk beendet wird. Somit wirkt die Sprache als Geheimes Wort, als Zauberwort:

Wünschelrute

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort

(Joseph von Eichendorff)