Wir (eine Freundin und ich) haben letztes Jahr auf unserer Weltreise ein Womo in Australien gekauft. Dieses steht nun in Melbourne und wartet auf unsere Rückkehr. Wir werden im November wieder für ein paar Monate durch Down Under reisen, um dann die Reise Richtung Europa zu starten.
Ob es wohl möglich ist, hier gleichgesinnte zu finden? Vielleicht auch nur für Teilstrecken. Wir sind zeitlich nicht gebunden und lieben es etwas planlos zu reisen.
@talasi,
das muss man Euch lassen, Ihr seid bewundernswert unternehmungslustig. Wir kommen Mitte Februar mit dem Schiff von Costa Rica (Enkel und ich) über den Pazifik in Australien (Sydney) an. Möglicherweise seid ihr ja noch da. Enkel bleibt in Australien (Studium) und ich bleibe Zigeuner.
Grüße und Hochachtung
Felix
@41acul
Wir werden im Februar auf jeden Fall noch in Australien sein. Da wir ein Visum für 12 Monate haben können wir uns viel Zeit lassen.
Wirst du in Australien auch mit dem Womo unterwegs sein?
Ich wünsche dir noch eine schöne Zeit mit deinem Enkel. Bin ja ein bisschen neidisch, hätte auch gerne einen Opa gehabt der mit mir die Welt bereist.
Liebe Grüße aus der verregneten Heimat
@talssi,
danke für Deine nette Antwort. Nun, ich habe das Gefühl, man steht in Australien und staunt zuerst nicht schlecht. Ein Wohnmobil zum Einfühlen ist bei diesem Zustand natürlich ideal. Hier in Deutschland besitze ich eines und es ist sozusagen auch ein bisschen Heimat. Ich werde mich einmal im Internet schlau machen, welche Modelle in Australien so gängig sind. Mir ist natürlich auch klar, dass die Gelände im Oststreifen und im weiten roten Wüstengebiet gegen Westen völlig andere sind.
Das ist auf jeden Fall ganz klar, Eure Erfahrungen sind wirkliche Schätze. Was habe ich zu bieten? Abenteuerlust, Verträglichkeit, praktische Hände - Chirurg und Notarzt. Auch Automechanik usw.. Und richtig gut dabei im Hochseesegeln. So ein Segelschiff ab zehn Meer Länge bringe ich sicher nach Europa, so ich denn will:-).
Ganz herzliche Grüße
Felix
Hej Felix,

kannst Du auch noch kochen :lol: :D

HG
Ohewa41
Wetten dass, ohewa. Wird er in Naumburg beweisen.
Man munkelt, daß es inzwischen Männer geben soll, die in der Lage sind,
selbständig eine Dose zu öffnen :wink:
Ja, selbstverständlich kann ich auch kochen. Kein Seemannslatein: Bei Windstärke fünf Thai-Curry und am nächsten Tag "Schnellstes Huhn der Welt" = "Provenzalisches Huhn" von Biolek mitten auf dem Atlantik. Segler mit 41Fuß.
Wo ist der Trick? Schon im Hafen von Teneriffa wurde jeder gefragt, was er denn so drauf hätte. Und dann gingen wir danach einkaufen. Die Ladung wurde allerdings mit dem Lastwagen angefahren.
Für eine Landratte ist er schwer vorstellbar, bei diesen ununterbrochenen Schleuderbewegungen die Töpfe auf dem Herd zu halten. Sie sind zwar kardanisch aufgehängt. Aber das Trägheitsmoment!!! Ich bin stolz auf diese akrobatische Leistung. Allein die Essensausgabe und die heißen Teller, sie müssen ununterbrochen gehalten und ausbalanciert werden. Das macht man mit dem Arsch, das Gefühl:-)
Mein Vater sagte immer, wenn Dich keiner lobt, dann lobt Dich selber. Ein ungetrübter Genuss für die Seele, keine "Ich-Illusion".
Felix
Toll, ich wünsche Euch, dass ihr dieses Abenteuer machen könnt.
Das ist Leben pur.
Grundsätzlich würde ich diesen Traum auch träumen.
Aber realistischer wäre für mich ein anderer Traum, die 66 von Chicago bis Kalifornien.
Wer träumt auch davon?
Remis auf der Mastspitze
Von einem Neuseeländer, Rugby-Spieler, der mir doch tatsächlich mein Thai-Curry aufs Deck kotzte.



Und so rauschten wir auf unruhigen Planken dahin, schaukelten von Steuerbord nach Backbord, hoch und runter. Der kräftige Nordostpasat gab sich viel Mühe, unablässig, ruhelos setzte er seine Windstöße. Über uns die ächzende Takelage mit den prall gespannten Segeln und sie protestierten mit Jaulen und Knattern. Man gewöhnte sich, es ging ja Tag und Nacht so und man verrichtete unverdrossen seinen Tagesablauf. Denn es ging nach Amerika, von Gran Canaria nach St. Lucia in die Karibik. Mit uns eilten in endloser Zahl die aufgetürmten Wellenberge dahin, aufgereiht schaute man sie bis zum Horizont, bis zum Nirgendwo. Sie wölbten sich auf, drohten mit Mächtigkeit und an ihren oberen Kanten riss der zupackende Wind Kaskaden von weißem Wasser zu klatschenden Brechern herab. Windstärke sieben war es wohl seit Tagen.
Sechs Mann Besatzung waren wir. Ein junger Neuseeländer, ein Österreicher, ein Franzose und drei Deutsche. Wir vertrugen uns alle prächtig und versahen klaglos immer im Wechsel jeweils zu zweit unsere vierstündigen Wachen bei Tage und bei Nacht, ein 24-Stunden-Job. Einer muss ja sofort handeln bei Mann über Bord. Er wäre sonst verloren, nicht mehr zu finden in den Bergen und den Tälern der aufgewühlten See. Kochen, Reparieren, Angeln und Palaver.
Doch, da war doch noch was? Ein Steckschach hatte der Franzose mitgebracht, klein aber fein, so groß wie eine Untertasse. Schnell stellte sich heraus, alle waren mit diesem Spiel mehr oder weniger vertraut. So passierte dann das: Die tägliche Fahrt auf dem hopsenden Schiff war Routine geworden, der neue Kick wurde das Schachspiel, und das hatten wir uns auf eine besondere Weise zusätzlich spannend gemacht:
Das ging dann so: Ein Turnier wurde ausgelobt, drei Mann gegen die anderen drei, dazu jeder gegen jeden, jeder einmal mit Schwarz, dann noch einmal mit Weiß. Der Preis war eine Einladung in St. Lucia durch die unterlegene Mannschaft im feinsten Restaurant mit allem Zubehör, allem! Freie Auswahl wurde also zugesagt!
Und auf ging es und dauerte doch tatsächlich zwei Wochen. Abends schon wurde immer die mögliche Eröffnung von Weiß heiß diskutiert. Und sechs Augenpaare starrten dann auf den „Spielteller“ mit den Figuren und das Spektakel von Wind und Wellen um uns herum war zu Spielzeiten völlig vergessen. Die Steuerung des Schiffes überließen wir gelassen einer gewitzten Selbssteueranlage am Heck. Unverhofft brachte unser Schwächster gegen den Stärksten der Gegenseite einen Sieg auf unser Konto und wir machten einen Fehler: Wir tanzten ausgelassen herum, reizten unsere Gegner durch Schilderung phantastisch ausgemalter Leckereien, die diese ja jetzt wohl bezahlen müssten. Das kam bei aller ehrlichen Freundschaft nicht gut an. Aber gemach, das Schicksal hatte noch packende Wendungen parat.
Denn nach zwei Wochen, nach 23 Partien stand es dann doch wieder Unentschieden und eine einzige Begegnung war noch nicht gespielt, die letzte, die entscheidende. Und, ich wage es noch heute kaum zu sagen, unser schwächster Mann hatte das zweifelhafte Vergnügen unsere Fahne gegen den Stärksten zu behaupten. Ehrlich gesagt, wir waren chancenlos, bettelten scham- und ehrlos um ein Remis, man hätte doch jetzt zwei Wochen gespielt und immer noch ein Unentschieden. Unsere Gegner machten das einzig Richtige: Sie sagten: „Nix da, wohl verrückt geworden“. Und außerdem diese Schmährufe früher, nichts hatten sie vergessen, nachtragend aber verständlich. Und grinsten aufreizend gemein.
In der Nacht vor unserer Schmach, ja, solch eine Bedeutung hatte das Spielereignis bekommen, stand ich um ein Uhr nachts am Steuer. Ein ohrenbeteuernder Knall. Das Schiff glitt weiter geradeaus, am Steuerrad war nichts zu spüren, doch wir fuhren deutlich langsamer. Sofort waren alle an Deck. In tiefdunkler Nacht war nicht viel zu erkennen. Doch das Geheimnis lüftete sich: Das mächtige, riesige Parasegel hatte es uns an der Mastspitze weggerissen und seine Teile trieben steuerbord und backbord seitlich mit dem Schiff dahin. Den Umlenkblock, der, der das Fall – die Leine zum Hochziehen dieses Segels – unbedingt benötigt, hatte es auseinandergerissen.
Am Morgen. Palaver, Palaver. Das Schachspiel war zunächst vergessen. Doch es tritt wieder ins Geschehen und wie! Ja, einer müsste zur Mastspitze hochklettern und den Block austauschen. Schwindelfrei und furchtlos meldete ich mich. „Nein, das auf keinen Fall, wenn wir im Hafen erzählen müssen, dass der Älteste dort hoch musste, dann sind wir blamiert bis auf die Knochen“. Na gut. Unser Neuseeländer trat an, Rugbyspieler, 30 Jahre. Und auf ging es. Nach drei Metern wurde er kreideweiß und alles zurück, er kotzte kräftig über Deck und erklärte danach: „unmöglich bei diesem schwankenden Schiff in voller Fahrt“. Unfassbar, es war mein gelungenes Tai-Curry, diese Undankbarkeit! Jetzt erklärte sich der Österreicher, Bodybuilder, zur Arbeit bereit. Immerhin jetzt ging es von geforderten 14 Metern fünf Meter aufwärts, dann Rückzug. „Das geht einfach nicht, zu große Schwankungen“.
Ratlosigkeit, Sprachlosigkeit. Dann: „Wir hatten doch da noch einen Freiwilligen“. Na endlich. Zugesagt und getan. Bestückt mit angeseiltem Werkzeug und notwendigen Leinen, geschützt vor Absturz mit dem Bootsmannstuhl, erreichte ich die Mastspitze, umklammerte wie ein Schraubstock mit den Oberschenkeln den Mast. Trotzdem, die schleudernden Seitwärtsbewegung waren beträchtlich. Zusätzlich klemmte ich mich während der Reparatur oben zur Sicherung zwischen Achtersteg und Mast, verrichtete erfolgreich meine Arbeit und wieder abwärts. Auf halbem Weg schon jubelnder Beifall, so tauchte ich an Deck zwischen strahlenden Kameraden ein. Ich war wieder „Zuhause“ und bestellte einen doppelten Rum, klar doch, und jetzt? Überrumpelnd streckte ich meinem gegnerischen Schach-Spielführer umgehend die Hand aus: „Remis?“. Natürlich konnte er nicht anders und schlug ein. So hatte ich meiner Spielmannschaft unser ersehntes Remis auf der Mastspitze verdient. „Dass Du in solch einem Augenblick an uns gedacht hast!“. Meine Spielcrew war überglücklich.
Am nächsten Morgen waren die Oberschenkel innen komplett blau angelaufen. Das Essen fand natürlich trotzdem statt, ohne Einladung. Es war eine grandiose Essensorgie nach so vielen entbehrungsreichen Tagen auf hoher See. Wir kamen kaum noch zum Schiff zurück, wir brauchten dazu die Hilfe der Inselbewohner. Prost! Der Arsch für das Gleichgewichtsgefühl war wie weggeblasen.

Felix