Das erste Buch, das ich als Kind bekommen habe und das ich buchstäblich 'zerlesen' habe ;) -
Ginzkeys 'Hatschi Bratschis Luftballon' - ich bin erstaunt, dass das überhaupt noch neu aufgelegt
werden darf, ist es doch von A bis Z politically incorrect :lol: - die Titelfigur ist ein Kinder fangender
Türke; dann kommt eine Hexe vor, die verbrennt; die 'Menschenfresser' sind sowieso schon vor 50
Jahren durch 'Affen' ersetzt worden (menschenfressende Affen - dass da nicht die Tierrechtler aufschreien...), und am Ende wartet dann der strenge Papa mit der Rute... :roll:
Kein Wunder, wenn ganze Generationen durch so rassistische und gewaltverherrlichende Lektüre
grundlegend verdorben wurden. Dieses Machwerk ist 1904 erstmals erschienen - wer weiß wie
viele Katastrophen des 20. Jh. verhindert werden hätten können, wenn es gleich eingestampft
worden wäre... :twisted:

P.S. - zufällig beim Aufräumen gerade gefunden:

Christine Nöstlinger: "Der Neger bleibt ein Neger"

Rassismus ist eine Gesinnung, an der sich leider wenig ändert, wenn man Wörter abschafft. Die Struwwelpeter-Geschichte vom "Mohren" etwa könnte man wohl als rassistisch bezeichnen. Aber nicht, weil der schwarze Bub "Mohr" genannt wird, sondern weil die spottenden Buben mit schwarzer Haut bestraft werden. Und das - könnte man sagen - hieße doch, dass eine weiße Haut besser als eine schwarze sei. Sonst wäre es keine Strafe, kohlrabenschwarz geworden zu sein.
Könnte man sagen, muss man aber nicht. Und ich tue es auch nicht. Ich habe einfach keine Lust, Sheriff zu spielen und in alten Geschichten, die keinem Kind geschadet haben, Wörter zu verhaften. Kinderbücher sind keine Pflichtlektüre. Wer meint, ein bestimmtes Buch könnte einen Schaden in Kinderseelen anrichten oder Minderheiten verletzen, muss es nicht erwerben. Und Bücher, die nicht gekauft werden, sind schnell weg vom Markt. Womit sich dann der Fall sang- und klanglos erledigt hätte.
...
Eben habe ich mit meiner Tochter, die in Antwerpen lebt, telefoniert. Sie hat mir erzählt, dass sich in Antwerpen neuerdings viele junge selbstbewusste Schwarze stolz erhobenen Hauptes Neger nennen. Keine Ahnung, wie und wo ich das jetzt einordnen soll.
Der Mohrenkopf und der Amerikaner haben ohnehin zu viel Zucker und zu viele Kalorien, vom Mohr im Schlafrock ganz zu schweigen. Mit dem Lumumba und dem Pharisäer wird der Alkoholismus gefördert und der Sperbertürke belastet den Kreislauf. Da hilft kein Umbenennen. Hier müssen Verbote her!
Dieses Thema scheint unerschöpflich. Lassen wir doch die alten Texte so, wie sie geschrieben wurden und bemühen uns lediglich, sie zu verstehen.
Lysandra
Ich finde es bedenklich wenn Bücher umgeschrieben werden und Wörter verboten werden. Aus welchen Gründen auch immer. Wehret den anfängen..
In der Tat ist dies eine gefährliche Entwicklung vor allem im gesellschaftlichen Bereich.
1. Schritt: "political correctness"
2. Schritt: Neusprech (Newspeak).
Helmut562 hat geschrieben: Gesprochene Sprachen sind lebendig, und Begriffe wandeln sich. Was früher korrekt war, kann durchaus heute beleidigend sein. Und hier sollte man in erster Linie auf das Empfinden der Betroffenen abstellen, und nicht die deutsche Sprache zur Zeit der Monarchie zu bewahren versuchen. :roll:

Ich bin behindert (gehbehindert). Heute ist Behinderter das korrekte Wort. Und nicht mehr "Krüppel" wie früher. Und das ist auch gut so. Auch wenn es Ewiggestrige gibt, die leider anderer Meinung sind.


Es ist ja wohl ein Unterschied, ob es um Bezeichnungen im Alltag geht oder um Literatur, das Werk eines Autors, das in der Zeit dieses Autors geschrieben wurde und im Nachhinein geändert wird. Dieser Eingriff stellt m. E. eine Vergewaltigung seines Werkes dar, ich wundere mich, dass das so einfach möglich ist!
Ich warte auf den Tag, wo die Operette "Zigeunerliebe" in "Sinti-und-Roma-Liebe" umbenannt wird ;-)))))
Offenbar beschäftigt unser Staat jede Menge Spione, die die politische Korrektheit der Sprache überwachen. Als hätten wir keine anderen Sorgen!
Dieser panische, vorauseilende Gehorsam, um ja jedwede drohende Diskriminierung zu vermeiden, ist sowas von lächerlich! Denn das Wort ändert die Einstellung zu der Sache sicherlich nicht. Der Ton macht's!
Ich denke auch, dass man Literatur in ihrer Zeit belassen sollte, weil damit frühere Lebensweisen und Einstellungen zum Ausdruck kommen, die man sonst gar nicht mehr nachvollziehen kann. Dass man sich heute im alltäglichen Sprachgebrauch tatsächlich etwas umgewöhnen sollte, finde ich grundsätzlich in Ordnung. Aber es ist ja auch so, dass sich geachsene Sprache in ihrer Bedeutung auch ändert. Nach wie vor hat Sarotti den Mohren noch als Logo - was wohl auch unkorrekt ist... aber zur Firmengeschichte gehört, wie bei anderen Firmen, nicht nur Apotheken. Die müssen sich jetzt wohl alle umbenennen. Und die Operette "Der Zigeunerbaron" auch. Für Zigeunersteak hab ich noch kein anderes Wort gefunden, was ich nie als diskriminierend empfunden habe, weil es für mich für "feurig". Und sicher werden wir uns noch von weiteren Namen/Begriffen lösen müssen, weil sie jemanden stören. Ist Hartz-4-Empfänger nicht auch eine Diskriminierung?
Den Begriff Krüppel fand ich übrigens immer schon abartig, wenn er in Bezug auf einen Menschen verwandt wurde.