Das sind die Lügen , mit denen wir uns selbst belügen oder auch andere, um uns zu rechtfertigen.
Aber was ist mit den Lügen die man aus Rücksicht auf Andere bewußt eingeht? Ich betone nochmals:
Aus Rücksicht auf Andere!
Nicht um mich besser ins Bild zu rücken, nicht vom Unterbewußsein gesteuert, nicht um mich zu entziehen, wenn ich mich nicht offenbahren möchte.
Wenn man Tatsachen beharrlich ignoriert, um seine Einstellungen nicht ändern zu müssen, aus Angst, dadurch ein Anderer zu werden, als der, der man mal war, und den man so sehr mag, dass man nichts dran ändern will, gehört man kurz über lang zu den Altersstarrsinnigen, die nicht mehr in der Lage sind, flexibel auf geänderte Umstände zu reagieren, und verfällt irgendwann völlig dem Wahnsinn.

Da dieses angstgesteuerte Verhalten unbewusst erfolgt, ist es zwecklos, den ziel- und planlos Umherirrenden zur Ordnung zu rufen, sofern es ebendiese Ordnung ist, mit der er nicht einverstanden ist. Daher lässt man ihm am besten seine althergebrachten, falschen Glaubenssätze, mit denen er weiter im Rad der geistigen Wiedergeburt ein und desselben Irrtums verweilt, bis dass der Tod ihn scheidet, statt ihn davon zu Lebzeiten bereits, wie Buddha es empfahl, durch Aufklärung zu erlösen.

Die Diskussion über das Thema Lüge als eine Form der arglistigen Täuschung, mit der man Jemanden um sein vorgebliches Recht auf Wahrhaftigkeit betrügt, verlegt den Schwerpunkt auf die moralisch verwerfliche LÜGE, oder auf den genauso verwerflichen BETRUG um ein Recht auf Wahrhaftigkeit, statt auf die lebensnotwendige TÄUSCHUNG (Vertauschung von Wunsch und Wirklichkeit), die – sofern kein Anderer da ist, den man täuschen kann, außer man selbst – gern als Selbsttäuschung bezeichnet wird.

Auch die trägt jedoch immer noch den moralischen Makel der vorsätzlichen IRREFÜHRUNG in sich, statt des unwillkürlichen IRRENS aufgrund von unbewusster VERDRÄNGUNG der Erkenntnis der unangenehmen Wirklichkeit, wie sie tatsächlich IST, zugunsten des angenehmen Wunsches, wie sie eigentlich sein SOLLTE.

Hier wäre – um das Umherirren zu beenden – zunächst erst mal die Angst vor dem noch Ungewissen (im Gegensatz zu dem, was man bereits zu wissen meint, und was Einem daher gewiss und daher auch wirklich existent, und nicht nur wahr, und nicht gelogen, zu sein scheint) zu bekämpfen, und vor der eigenen Unfähigkeit, seine Meinung überhaupt noch ändern oder gegen eine Andere ersetzen zu können, was einen Moment der Meinungslosigkeit bedeuten würde, wo Einem die ganze schöne Sicherheit des Orientiert-Seins abhanden kommt, und wo man nie weiß, ob die jemals wiederkommen wird.

Diese Ungewissheit beheben kann man mit dem Wissen, dass man als Person unvergänglich ist, solange man lebt, was fälschlicherweise mit ewigem Leben verwechselt wird. Das Einzige, was also verändert wird, wenn man seine Meinung ändert, ist seine EINSTELLUNG, die das Verhältnis zu anderen Dingen, die Einen umgeben, prägt, und die darauf beruhenden eigenen VERHALTENSWEISEN, die diese Einstellung zum Ausdruck bringen.

Man ändert also nicht sich selbst als Person, und damit das, was man IST, sondern nur das, was man besitzt, dh was man erworben oder vererbt bekommen HAT, und auch wieder verlieren kann, bzw was man verändern kann, oder was zwangsläufig mitgeändert wird, wenn die Lebensumstände und die Überlebensnotwendigkeit es erfordern, sodass man sich auch wieder etwas Neues beschaffen kann, wenn das Alte nichts mehr taugt, was natürlich auch für die Bilder gilt, die wir uns von unseren Eigenschaften und Verhaltensweisen, oder von denen der Anderen machen, und die wir an sie weitervermitteln, damit sie sie mit uns teilen können.
jJulchen01 hat geschrieben: Das sind die Lügen , mit denen wir uns selbst belügen oder auch andere, um uns zu rechtfertigen.
Aber was ist mit den Lügen die man aus Rücksicht auf Andere bewußt eingeht? Ich betone nochmals:
Aus Rücksicht auf Andere!
Nicht um mich besser ins Bild zu rücken, nicht vom Unterbewußsein gesteuert, nicht um mich zu entziehen, wenn ich mich nicht offenbahren möchte.



@ jJulchen01

Perikles7 fragte (29.10.2016, 21:50): >>und was ist mit den Notlügen, um sich und andere zu schützen? In schwierigen und bedrohlichen Situationen?<< Ich antwortete, dass dies eine gute Tat sei und mit Selbstbetrug nichts zu tun habe. – Natürlich wird aber auch hier nicht nur jemand geschützt, sondern ein Dritter getäuscht. Ist derjenige, den ich durch eine Lüge schütze, in Gefahr, weil das Rechtssystem ein diktatorisches, willkürliches ist, habe ich tatsächlich jedes Recht der Welt, andere und mich selbst mittels Täuschung vor dem Zugriff der Schergen des Unrechtssystems zu bewahren.

Anders sieht es innerhalb eines demokratischen Rechtssystems aus, wenn die Motivation von Lügen in der Beziehung des Lügners zum Betreffenden, den er zu „schützen“ versucht, zu finden ist, weil er mit ihm verwandt oder eng befreundet und aufgrund dieser Beziehung emotional stark beteiligt ist und alles für ihn tun würde, um ihn vor negativen Konsequenzen seines Handelns zu bewahren – auch wenn dessen Schuld objektiv gegeben ist, so dass er seiner gerechten Bestrafung nicht entzogen werden sollte. – Aber in Fällen persönlicher Nähe zum Täter und damit starker eigener emotionaler Betroffenheit ist man nachsichtig mit dem Lügner! Engen Verwandten spricht man aus diesem Grund ein Zeugnisverweigerungsrecht zu; man möchte eine Mutter gar nicht erst in die Situation bringen, für ihren geliebten Sohn lügen zu „müssen“. Ein nicht verwandter Freund kann sich nicht auf dieses Recht berufen und muss seinen Konflikt zugunsten der Wahrheit durchstehen. Ansonsten macht er sich, der kein Zeugnisverweigerungsrecht hat, vor dem Gesetz des Meineides schuldig.

Lügen mit Rücksicht auf andere kann ganz selbstlos, aus einem Gefühl der Zusammengehörigkeit, erfolgen – aber auch aus egoistischen Gründen. Oft vermischen sich die Motive sogar, zum Beispiel bei einer Mutter, die sich davor fürchtet, vom Umfeld geächtet zu werden wegen ihres zum Täter gewordenen Sohnes…

So genau kann ein Gesetz das nicht eruieren, wenn es darum geht, die Fälle dafür festzulegen, wann jemand das Recht zuerkannt werden kann, zu lügen oder die Wahrheit zu verschweigen. Vor Gericht unter Eid ist jeder zur wahrheitlichen Aussage unter Androhung von Strafen verpflichtet. Im Verfahren um das Strafmaß für einen Meineid wiederum können je nach Umstand mildernde Umstände berücksichtigt werden.

Der einzelne Mensch ist immer gefragt, sich zu prüfen, ob er eine bestimmte Haltung oder Handlung, die moralisch zumindest problematisch ist, zunächst vor sich selbst aus bestimmten Gründen rechtfertigen kann, falls er meint, sie gegen Moral und Gesetz durchsetzen zu müssen. Ist er sich dann sicher, kann ihn nichts davon abbringen. Das ist unter anderen auch ein Zeichen individueller Freiheit und Verantwortlichkeit.


das ist richtig - vor allem der letzte fett unterlegte Teil.....

ehrlich zu sich selber sein, ist deshalb so schwierig, weil wir unsere unbewußten Gefühle und Gedanken oft gar nicht wahrnehmen.....

ich habe mich selber dabei ertappt, dass ich überzeugt davon war, ehrlich zu mir selber zu sein und doch habe ich mir innerlich "was zurechtgeschustert", um es als ehrlich fühlen zu können .... :wink:

unsere bewußten Gefühle und Gedanken machen grad mal 4 bis 12 % aus (nur zur Erinnerung)..... :wink:
"Der unumstößliche Beweis kann von einem gebildeten Zuhörer angenommen worden sein,
aber das Unbewusste in ihm wird ihn schnell zu seinen ursprünglichen Anschauungen zurückführen."


- Gustave Le Bon


Das erscheint mir nicht als sehr logisch - denn würde dieses stimmen, gäbe es kein Lernen.




Ich habe jetzt doch noch mal nachgeschaut, worum es bei dem Zitat oben eigentlich gehen könnte...

Gustave Le Bon (1841 - 1931) war lt. Wikipedia der Begründer der Massenpsychologie (als Bestandteil der Sozialpsychologie) – und massenpsychologische Untersuchungen beschäftigen sich natürlich vorrangig mit dem Verhalten von Gruppen, weniger mit dem von Einzelpersonen. – Von daher wird evtl. auch die Grundlage und Zielsetzung des oben zitierten Spruches deutlicher. :!:

Es ist also nicht zielführend, Zitate aus dem Sinnzusammenhang zu reißen, wenn sich die betreffenden Aussagen so losgelöst nicht erschließen lassen, mitunter sogar fälschlicherweise ins Gegenteil verkehrt interpretiert werden könnten - womit wir es unversehens wieder mit einer "Lüge" zu tun bekämen. :wink:


Verdandi hat geschrieben:

Das erscheint mir nicht als sehr logisch - denn würde dieses stimmen, gäbe es kein Lernen.



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Zumindest, dass das Lernen ein äußerst mühsamer und dornenreicher Prozess ist, der wohl nie abgeschlossen sein wird!... zum Beispiel, der Mensch hat es bis heute nicht gelernt, sich aus seiner geistigen Unmündigkeit zu befreien, wie das die Aufklärung lehrte und heute noch lehrt. 


Mein von Dir zitierter Beitrag von vor ein paar Tagen hat sich bereits durch meinen heutigen Beitrag relativieren lassen. :wink:


Verdandi hat geschrieben:

Ich habe jetzt doch noch mal nachgeschaut, worum es bei dem Zitat oben eigentlich gehen könnte...

Gustave Le Bon (1841 - 1931) war lt. Wikipedia der Begründer der Massenpsychologie (als Bestandteil der Sozialpsychologie) – und massenpsychologische Untersuchungen beschäftigen sich natürlich vorrangig mit dem Verhalten von Gruppen, weniger mit dem von Einzelpersonen. – Von daher wird evtl. auch die Grundlage und Zielsetzung des oben zitierten Spruches deutlicher. :!:

Es ist also nicht zielführend, Zitate aus dem Sinnzusammenhang zu reißen, wenn sich die betreffenden Aussagen so losgelöst nicht erschließen lassen, mitunter sogar fälschlicherweise ins Gegenteil verkehrt interpretiert werden könnten - womit wir es unversehens wieder mit einer "Lüge" zu tun bekämen. :wink:



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Aber du hast jetzt "Le Bon" kennengelernt! 


PS

Unter massenpsychologischen Gesichtspunkten - die ja auch die Massenbegeisterung (Begeisterungs-"Stürme", Massenhysterie) zu berücksichtigen haben, ist vieles denkbar, was ein Undividuum beeinflusst, was ihm hinterher im stillen Kämmerleinmit sich allein vielleicht (wieder) bedenklich vorkommen mag. - Sich selbst zu belügen ist in der Situation des Nur-Bei-Sich-Seins sicher schwieriger durchzuhalten, als in einer Gesellschaft Gleichgeschalteter, der man sich kritiklos zugesellt.



Ja, das sehe ich auch so!


@ Daiyogen

Le Bons Erkenntnisse galten insbesondere auch den Nazis als Vorbild für deren Massenmanipulationen. - Also wie so vieles an wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht nur grundsätzlich missbrauchbar, sondern tatsächlich auch schon missbraucht worden.





Daiyogen » 11.11.2016, 15:27

Ja genau! Du greifst in die Lostrommel und ich schaue nach, was wir da haben.
– Sorry, das konnte ich mir jetzt nicht verkneifen. :wink:


Die "Lostrommel" ist nicht das schlechteste Verfahren für absolut freie Entscheidungen ohne jede Determination, außer der Tatsache, dass das Losverfahren vorgegeben ist!