Es ist wieder einmal geschehen - der Nobelpreis für Litertur wurde vergeben!

Dieses Jahr wurde er einem meiner Meinung nach wirklich würdigen Autor verliehen:

Kazuo Ishiguro - Was vom Tage übrig blieb

Viele werden den Film kennen.
Der Roman wurde 1993 von James Ivory verfilmt und Anthony Hopkins war ein genialer Hauptdarsteller.

Die Geschichte handelt vom perfekten Butler, der seinem Herrn bedingungslos dient.
Er will nicht sehen, dass sein Herr politisch eine zwiespältige Person ist, er vergissst, sein eigenes Leben und seine Liebe zu leben, er lässt seinen Vater allein sterben, weil seine Pflicht, das Dienen, für ihn wichtiger ist.

Im Alter erst kommt er darauf, dass er die wichtigsten Dinge im Leben versäumt hat und versucht, doch noch ein Stückchen eigenes Leben leben zu dürfen.
Und er kommt darauf, dass alles seine Zeit hat und es für so Manches zu spät ist.

Das Buch ist wunderbar - es ist eine mitreissende Geschichte voller Poesie, Wehmut und Philosophie.


Ich würde mich freuen, mich hier mit einigen Leseratten über Literatur unterhalten zu können!
Krimis und Sachbücher werden bereits in anderen threads besprochen - bleiben wir bei der wunderbaren Kunst des Erzählens und genießen wir sie gemeinsam!
Ja, da bin ich dabei.
Es ist eine tolle Idee

Gerade habe ich nebenan einen Beitrag eingestellt, der auch gut hierzu gepasst hätte.

"Das Genie" von Klaus Cäsar Zehrer.
ich will hier nichts dopplen, aber es geht darin um ein ein Psychologenpaar, dass von der Idee besessen ist eine Erziehungsmethode zu etablieren, die jedes Kind zu einem Genie fördern soll.
Sie missbrauchen dazu ihr eigenes Kind und es gelingt tatsächlich um einen hohen Preis.
Die Geschichte ist so unerhört, weil sie auf einer wahren Begebenheit beruht und das Leben des William James Sidis beschreibt.

"was vom Tage übrig blieb" kenne ich leider nur als Film. Gut, dass das Buch dazu gewürdigt wird. Ich wusste gar nicht wer den Roman verfasst hat.
schön, dass jetzt ein Forum für solche Dinge gibt :))

schönes Lesewochenende, falls nicht doch die Sonne rauskommt
Schlunzke
Gibt es hier jemanden, der Karl-Ove KNAUSGARD mag?
Ich lese gerade das letzte (7.?) Buch von ihm: KÄMPFEN und bin total begeistert, wie vorher auch schon bei jedem Buch.
Er beschreibt sein Leben als Schriftsteller und Vater in Schweden, so genau und so tief philosophisch, ich lebe quasi mit ihm. Zum Glück ist es sehr dick, 1200 Seiten, da hat man lange was davon.

liebe Grüße
mausxx
Eines meiner Lieblingsbücher ist

Zeno Cosini von Italo Svevo

Zeno lebt im Triest der Jahrhundertwende.

Sein an sich komfortables und sorgenfreies Leben kann er nicht genießen, weil er ausschließlich mit seinen eigenen seelischen Nöten beschäftigt ist.
Er versucht, sich ungefähr zweimal pro Woche das Rauchen abzugewöhnen, ist zweimal die Woche ein Held der guten Vorsätze und genauso oft ein Gescheiterter.

Er verliebt sich in die schöne Ada, wird aber von ihr nicht erhört und nimmt stattdessen ihre unattraktive Schwester zur Ehefrau, die ihn anbetet und die er ohne allzu viele Gewissensbisse betrügen kann.

Zeno schafft es, so ausschließlich mit sich selbst beschäftigt zu sein, dass er angesichts seiner eigenen permanenten Nöte den Ausbruch des Ersten Weltkriegs nicht mitkriegt.

Die Geschichte wird erzählt von seinem Psychiater, der seinen Patienten einfach nicht mehr ertragen konnte....


Italo Svevo war Beamter der K.K.-Monarchie, lebte in Triest und schrieb nicht sehr viel - leider!
Er war befreundet mit James Joyce, der ihn dazu animierte, dieses einzigartige Buch einem Verleger zu zeigen.

Die Geschichte ist unglaublich witzig, selbstironisch und ein Dokument der Zeit des Fin De Siecle.
Di Psychoanalyse wurde gerade modern...
Gerade gelesen:
Franz Hohler, Das Päckchen

Ernst ist Bibliothekar in Zürich, in den besten Jahren, in einer Beziehung und weltmüde.
Beim Spazierengehen passiert es ihm, dass neben ihm ein öffentlicher Fernsprecher klingelt.
Er ist zwar Schweizer aber die Situation hat ihn im Griff, er nimmt den Hörer ab.

"Ernst , bist du es?"
Man mag sich seine Verblüffung vorstellen und er antwortet.
So beginnt eine Geschichte, die sich nicht entscheiden will, ob sie Novelle, Krimi oder Historie werden soll . Und so macht sie Alles und das gut.

Ernst wird zu einer Adresse geleitet, an der ihn eine fast blinde alte Dame für einen Verwandten hält , ihm ein Päckchen überreicht und bald darauf tot ist.
Im Päckchen befindet sich eine alte Handschrift, die der erfahrene Bibliothekar auf das 8. Jhdt. datiert.
Ab hier fährt das Geschehen auf zwei Ebenen fort.
Zum einen wird die Geschichte der alten Schrift erzählt, (die im Übrigen ein Wörterbuch althochdeutsch - Latein darstellt).
Zum andern will Ernst unbedingt aufklären, was es mit dem Tod der alten Dame auf sich hat und mit den anderen Personen, die nach und nach auf der Bildfläche erscheinen.

Jetzt höre ich auf, ihr wollt vielleicht selber lesen :))

Franz Hohler ist Schweizer, die berühmte Gelassenheit ist durchaus herauszulesen, aber das Buch ist so verdammt spannend, dass man es nicht weglegt bevor man Bescheid weiß.
Dabei ist es humorvoll und voller Menschenkenntnis.
Ich mag`s :)
Danke, Schlunzke!
Das klingt nach einem kulinarischen und kurzweiligen Lesevergnügen!
Ist bereits bestellt - natürlich bei meiner Buchhändlerin, die nicht Amazone heißt...
Du wirst Freude haben Barbera,
(hoffe ich) :)
Hört sich richtig gut an. So ein bißchen kafkaest. Das wage ich auch. Er scheint seine zweite Ebene, anscheinend sein wirkliches Anliegen, Schrift 8. Jhd., gut unterzukriegen.
Danke
Felix
Ich lese gerade die Autobiografie von Gregor Gysi.

Das ist zwar nicht hohe Literatur (ein Lektor wäre nicht so schlecht gewesen), aber höchst interessant.
Er thematisiert die Wende von einer ganz anderen Seite als man es gewöhnt ist - er sieht auch die Menschen, die etwas verloren haben.

Die Biografie ist ein Stück Zeitgeschichte aus subjektiver Sicht eines Betroffenen.
Sehr interessant - es tut richtig gut, so Manches auch von einer anderen Seite zu betrachten.
Gibt es auch von Euch etwas zu lesen? Reizt Euch der hochwertige Literaturgebrauch nicht zum Gebrauch der Feder?
Felix
Hallo 41acul,

bitte nicht zuviel erwarten - " Das Päckchen" ist Unterhaltung.
Passt aber gut in den Advent.
LG Schlunzke
Gerade hab ich "Unterleuten" von Juli Zeh aus der Hand gelegt.
Ist nicht mehr ganz neu, der darauffolgende Roman ist schon im Handel.

Juli Zeh erzählt von einem Dorf in Brandenburg.
Alteingesessene und ruhebedürftige EX-Großstädter leben Zaun an Zaun. Am Zaun beginnt auch schon das erste Drama.
Es ist mir unmöglich alle Figuren und Ihre Wandlungen zu schildern.
Mit der Beschreibung der Protagonisten ahnt man das Konfliktpotential nicht ansatzweise, als mitten im Idyll ein Windpark errichtet werden soll. Obwohl man jeden wiedererkennt :)
Alte Konflikte gären und treten doch ganz anders ans Tageslicht als man erwartet und die Neuen wenden sich auch ständig in Spiralen..
Sie sagt: „Es gibt eben keine Wahrheit (...), sondern immer nur Perspektiven.“

Juli Zeh hat ganze Arbeit geleistet, das fiktive Dorf Unterleuten hat eine eigene Website
http://www.unterleuten.de/ ,
ebenso wie der Unterleutener Natusrchutzbund und die Dorfkneipe.


Unbedingte Empfehlung

Mag sein, dass das für viele schon ein alter Hut ist, aber " Leere Herzen" liegt auch schon hier.

Liebe Grüße
"Ich lese gerade die Autobiografie von Gregor Gysi."

Hallo Barbera,

das nehme ich als Tipp. Ich mag den ja.
Und wahrscheinlich ist es auch ganz gut, wenn man nicht vergisst wie es wirklich war.

Schönen Restadvent , 3. :)
Hallo Schlunzke!!!!

Das Buch "Unterleuten" habe ich vor kurzem gelesen.
Juli Zeh ist eine ganz interessante und kluge Autorin!

In diesem Buch gibt es keine Guten und keine Bösen - jeder hat einen Grund für sein Verhalten, und man kann Jeden verstehen.
Jeder ist Täter und jeder ist Opfer - ein tolles Buch!


"Leere Herzen" habe ich gerade durchgelesen und weiter verborgt.
Dieser Roman hat seine Längen.
Da wurde die ziemlich zynische Grundidee einer Geschichte etwas zu breit ausgewalzt.

Ich befürchte, dass Juli Zeh unter ziemlichem Produktionsdruck ihres Verlages steht.

So ergeht es leider den meisten Autoren nach einem Bestseller...
Ein Buch pro Jahr.....
Hui Barbera,

wie find ich denn das?
Herrlich die Unterleutener Geschichte, oder?
Jeden Einzelnen hat man schon mal erlebt und hat sogar ein Gesicht dazu.
Und vor allem: Man kann die Geschichte sofort kaufen, ganz genauso könnte sich das abgespielt haben oder irgendwo in Brandenburg gerade geschehen.


"Leere Herzen" kenne ich bisher nur vom Klappentext und von der vorsichtigen Beschreibung einer Freundin, die mir aber nicht zuviel verraten wollte.
Dann werd ich es mal wagen, wir können ja dann vergleichen. :)
cron