Sich für Geld über den Verlust eines Menschen hinwegtrösten zu lassen, indem Einem suggeriert wird, er sei gar nicht gestorben, und sich in seinem Elend mit der Inaussichtstellung auf eine Belohnung nach dem Tode zu begnügen, statt sich gegen seine Peiniger zu wehren, schafft nicht nur eine schöne Stimmung, sondern verhindert auch wirksam, dass sich an dem Missstand selber Irgendwas ändert.

Ähnlich ist es auch mit der Ursachenzuschreibung menschlicher Fehlentscheidungen an den Teufel (Satan ode Saturn), den man dafür hassen kann, und der richtigen Entscheidung an den liebenswerten Jehova, Zeus oder Jupiter und deren (übrigens alle männlichen) Engel, denen dafür Dank gebührt.

Auch die Verabreichung von Hopa-Mitteln oder der dümmlichen Empfehlung, man könne Alles bewirken, wenn man es nur genügend wollte, sodass man zynischerweise letztlich selber als der Verursacher seines Unglücks bezeichnet werden kann, weil man es nicht genügend verhindern wollte, oder es sogar willentlich beabsichtigt hat, um einen geheimen, bereits vorgeburtlich gefassten Plan zu verwirklichen, ist wenig hilfreich.

Brecht nannte sowas Opium fürs Volk, und Luther machte die Ablasstechnik zu seinem Thema, um sich von der katholischen Kirche und ihren Machthabern zu distanzieren. Aus den selben moralischen Gründen hat sich vorher Jesus gegen die jüdische Amtskirche gewendet, die den schnöden Mammon im Tempel duldete, und Buddha gegen die Hindupriester gewettert, die das Volk in Abhängigkeit von den eigenen Weisheiten und Ritualen hielt, statt ihm Hilfe zur Selbsthilfe zu gewähren.

Es geht im Leben eben nicht nur um schöne Stimmungen, in denen man seine Probleme vergessen kann, sondern auch darum, die Ursachen seines Schmerzes zu beseitigen, und falls man das nicht alleine kann, andere Mitmenschen um Hilfe zu bitten, die Einem nicht nur weiterhelfen, weil sie Einen lieben (aus Nächstenliebe), sondern weil sie die moralische Fürsorgepflicht befolgen, die zumindest bei uns in Deutschland auch im Grundgesetz verankert ist, und vor der man sich nicht drücken kann, indem man mit einem kleinen billigen Ablassbrief einen Götzen anbetet, damit er statt dessen dem Nachsten hilft, sodass man es selber nicht tun muss, und obendrein noch ein gutes Gewissen dabei hat.

Dass man selber sterben muss, ist keine Gewissheit, sondern auch nur eine Vermutung, denn man könnte theoretisch ja der erste Mensch sein, der nicht sterben muss, weil er das Unsterblichkeitsgen in sich trägt. Also wird die Vermutung erst dann zur Gewissheit, wenn man wirklich gestorben ist, und dann ist man ja nicht mehr da, um sich noch darüber zu freuen oder zu ärgern.

Das selbe betrifft auch jede andere teuer erkaufte, schöne oder schlechte Illusion durch Inaussichtstellung menschlicher Erfolge oder Höllenqualen nach dem Tode, die auf Täuschung beruht, und erst dann erkannt werden kann, wenn man nicht mehr lebt, und zwar nur von den Überlebenden, aber nicht von Einem selber, sodass man die Betrüger auch nicht mehr auf Schadensersatz verklagen kann, wenn manr Alles, was man besaß, irgendwelchen Sektenführern vermacht hat, damit die Einem dafür den Weg ins nachtodliche Paradies ebnen, und sich selbst damit das vielgeschmähte Paradies auf Erden verschaffen.
@filofaxi,
Du bist ja ein richtiger Epikuräer:
"Der Tod geht mich nichts an. Ich weiß nicht, wann er kommt und wenn er da ist, weiß ich auch nichts mehr."
Epikur war für sein glückliches Leben berühmt. Auch seine schwere Krankheit zum Schluss ertrug er mit heiterer Gelassenheit. Stoiker halt.
In seiner Lehre ist etwas ganz außerordentlich. Er glaubte nicht an einen Aufenthaltsort irgendeiner Seele an irgendeinem Ort, er meinte der Mensch gibt seine Atome seines Körpers wieder an das Universum ab. Moderner geht es wohl nicht. Die hatten schon was drauf:-)
Felix
Du warst wieder sehr fleißig. Ich antworte deshalb etwas einseitig.
Was ich jetzt schreibe geht eigentlich am Thema vorbei und betrifft doch das Theme im weitesten Sinne.

Seit ich vor wenigen Wochen einen Autounfall verbunden mit dem Verlust meines Autos hatte, nutze ich die öffentlichen Verkehrsmittel. Was man da zu sehen bekommt, ist erschreckend und das in unserem reichen Deutschland mit dem so guten Grundgesetzt - Felix, von Dir im folgenden Abschnitt benannt.:

"Es geht im Leben eben nicht nur um schöne Stimmungen, in denen man seine Probleme vergessen kann, sondern auch darum, die Ursachen seines Schmerzes zu beseitigen, und falls man das nicht alleine kann, andere Mitmenschen um Hilfe zu bitten, die Einem nicht nur weiterhelfen, weil sie Einen lieben (aus Nächstenliebe), sondern weil sie die moralische Fürsorgepflicht befolgen, die zumindest bei uns in Deutschland auch im Grundgesetz verankert ist, und vor der man sich nicht drücken kann, indem man mit einem kleinen billigen Ablassbrief einen Götzen anbetet, damit er statt dessen dem Nachsten hilft, sodass man es selber nicht tun muss, und obendrein noch ein gutes Gewissen dabei hat. "

Ursache meines Kommentars ist ein Vorfall auf dem Bahnhof Zoo, der mich schlaflose Nächte kostet und in mir die Frage auslöst:"Wo beginnt die Fürsorgepflicht lt. Grundgesetz und wo hört sie auf?"

Situation: Vor zwei Tagen habe ich am Abend auf dem Bahnhof Zoo auf die S-Bahn gewartet. Es war so kalt und nass, dass ich meinen Kragen hochgeschlagen habe und trotz Felljacke fror. Neben mir warteten noch andere Fahrgäste auf ihre Bahn. Plötzlich lief ein Mann (Obdachloser) barfuß, nur mit einer zerissenen dünnen Sommerhose, einem zerissenen dünnen Hemd, das nicht einmal den Oberkörper bedeckte den Bahnsteig entlang. Ich hatte leider kein Handy dabei, sonst hätte ich die Polizei angerufen und sie aufgefordert, sich um den Mann zu kümmern. Da ich das nicht konnte, bin ich zur Bahnsteigsaufsicht gegangen und habe sie aufgefordert, das zu tun. Zur Antwort bekam ich, dass sie diesen Mann kennen und er sich nicht helfen lassen würde. Ich wollte ihn ansprechen, aber da war er schon verschwunden.

Mich beschäftigt seit dem die o.g. Frage und auch die: Was bedeutet "Die Würde des Menschen ist unantastbar", wenn wir Menschen vor unseren Augen so verkommen lassen, uns auf ein "der läßt sich nicht helfen" zurückziehen? Sind wir schon wieder so weit, dass wir wegschauen, das Unglück anderer Menschen einfach als gegeben hinnehmen?

Über eine Antwort, besonders von Dir Felix , würde ich mich freuen.
@digeridoo,
es ist in der Tat so, dass Obdachlosigkeit für manche Menschen freiheitliches Leben und Ungezwungenheit bedeutet. Sie suchen die bereitgestellten Pflege- und Übernachtungsmöglichkeiten nur im extremsten Notfällen freiwillig - sehr starke Minusgrade - auf. Es ist für sie auch in ihren Kreisen eine Ehre, viel auszuhalten und stolz darauf zu sein. Sonst reißen sie sie sofort wieder aus. Ein sehr schwieriges Problem für die sehr vielen auch ehrenamtlichen Helfer. Es sind ausreichende finanzielle Mittel vorhanden.
Wie würdest Du entscheiden: 1.Zwangseinweisung wegen persönlicher Gefährdung mit medikamentöser Ruhigstellung über einige Zeit?
2.Ihre Freiheit leben lassen? Es ist ihr ausdrücklicher Wunsch. Du siehst sie nicht so, weil nichts da ist.
Ich bin über Deine Antwort gespannt.
Felix
Es ist manchmal nicht so, wie es scheint.
Oder andere wieder haben Angst, in der Notunterkunft beraubt zu werden - die "letzten Pfennige", die warme Jacke, das Smartphone ... Andere wieder ertragen die Nähe zu anderen Menschen nicht. Kann auch passieren, dass sich jemand auf dem Lager eines anderen erbricht. Welches Übel erscheint einem Menschen erträglicher? Die Antworten fallen so unterschiedlich aus. Meine Sicht der Dinge ist eine sehr beschränkte, wie ich immer wieder feststellen muss.
Milafranzi hat geschrieben: Ist so: Der Mensch kann in seine Zukunft blicken, denn er weiß, das er sterben wird. Daran ist nichts zu deuteln und herumzuschwurbeln!



Doch gibt es!! Ich werde nicht sterben, denn ich gehe nur auf die andere Seite! 8)
Das kannst du nicht wissen! Das kannst du nur hoffen!
Bonbonchen hat geschrieben: Welches Übel erscheint einem Menschen erträglicher? Die Antworten fallen so unterschiedlich aus. Meine Sicht der Dinge ist eine sehr beschränkte, wie ich immer wieder feststellen muss.


Zum Glück sind wir heute so frei, dass jeder sein Leben auch freiwillig komplett selbst versauen kann.
Milafranzi hat geschrieben: Das kannst du nicht wissen! Das kannst du nur hoffen!


Nein es ist mehr als bloß eine Hoffnung, so wie der Schlaf der kleine Bruder des Todes ist so sind unsere nächtlichen Träume ein ganz reales anderes Leben in der Anderswelt.
Wenn man schon zu Lebzeiten seinen Körper zeitweise verlassen kann, warum soll das nach dem Übergang nicht dauerhaft möglich sein ??
Noch etwas zu den Obdachlosen:
Ist eine Zwangseinweisung medizinisch erforderlich - Lebensgefahr -, muss ein Amtsrichter innerhalb 24 Stunden entscheiden, ob solch ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht gerechtfertigt ist. Ein Ruhigstellung mit Psychopharmaka ist keine Kleinigkeit.
in Berlin werden viele Millionen für das Problem zur Verfügung gestellt und die Übernachtungsplätze dieses Jah um 30% erhöht. Zusätzliche Problematik: Die Obdachlosen aus den osteuropäischen Ländern überwintern zunehmen in Berlin - keine Hilfen in den Heimatländern. Die Zahl wird jetzt auf 30000 geschätzt, Tendenz weiter steigend.
Felix
noch zur obdachlosigkeit ......obwohl es keine direkte obdachlosigkeit war

im rahmen meiner teestubenarbeit, und auch sonstigem, ......stand ich mal im geschäft neben einem mann .... langer wolfsmantel, lange zottelige haare, gestunken wie die pest.
ich habe ihn dann angesprochen, und ihn in die teestube eingeladen.

ein mann, so um die 30, ich auch so in dem alter ..... alkohol, drogen, direkt nach dem abi abgedriftet, bestes abi an der schule, lebte in einer auffangstation an rande der stadt, wo alles leute lebten, die ihr leben ohne drogen und alkohol nicht mehr leben konnten, wollten.

total verkommen, der boden vollgekotz, vollgeschissen, vollgepinkelt ....ich sags so drastisch, weil es auch so drastisch war.
auch zwangseinweisungen.

ich/wir, sind oft dort gewesen, oder sie waren auch in d er teestube. jedesmal stank alles wie die pest.

es waren viele erlebnisse, die ich aber nun nicht alle erzählen möchte ..... auf jeden fall, diesem mann fing es an, besser zu gehen, er machte dann eine therapie, war trocken, drogenfrei ........
über einige zeit ..........

und dann ...... kam eines tages ein anruf .....abgerutscht, hat alles keinen zweck .....so ging es eine zeit, hin und her .... ein kampf......den er dann verloren hat

in einer bitterkalten nacht legte er sich auf die bahnschienen .... und dort ist er erfroren .
@filofaxi Du schreibst
>>> Auch die Verabreichung von Hopa-Mitteln oder der dümmlichen Empfehlung, man könne Alles bewirken, wenn man es nur genügend wollte, sodass man zynischerweise letztlich selber als der Verursacher seines Unglücks bezeichnet werden kann, weil man es nicht genügend verhindern wollte, oder es sogar willentlich beabsichtigt hat, um einen geheimen, bereits vorgeburtlich gefassten Plan zu verwirklichen, ist wenig hilfreich. <<<<


Siehst Du, so habe ich mir über die "alten Wege" die Möglichkeiten zur Erkenntnis meiner eigenen Selbsterlösung geschaffen.
Deine Welt der Hoffnungslosigkeit und Betteln um Nächstenliebe oder Zuwendung habe ich schon lange den Rücken gekehrt und lebe die Tarotkarte 0 ,das ist die des Narren und steht für das Ende und zugleich für den Anfang..
Diese Karte besagt ja auch: "ich bin geweiht mir selber".
Andere für sein Unglück oder Schicksal verantwortlich zu machen, ist einfach nur geistige Unreife für mich.
Da letztendlich aber niemand genau weiß, wie oder ob es nach dem Ableben weitergeht, gefallen mir meine Ansichten erheblich besser als Deine Trostlosigkeiten.
Fumaria,
das ist doch einmal ein klares Wort. Das gilt für alle und viele sind einverstanden:
Da letztendlich aber niemand genau weiß, wie oder ob es nach dem Ableben weitergeht, gefallen mir meine Ansichten erheblich besser.
Felix
DonnaToscana hat geschrieben: und dann ...... kam eines tages ein anruf .....abgerutscht, hat alles keinen zweck .....so ging es eine zeit, hin und her .... ein kampf......den er dann verloren hat

in einer bitterkalten nacht legte er sich auf die bahnschienen .... und dort ist er erfroren .


Er konnte seinem Herrgott gehasst oder zumindest wohl nicht verzeihen können, dass er ihn in dieses elende Leben geschickt hat. Daher auch sein Selbstmord, damit er nicht zum Herrgott in den Himmel kommt.
nein nein, so war es nicht, fumaria .....ganz im gegenteil ... und doch ....