Ich habe mich eine Zeitlang intensiv mit dem Thema Industrie 4.0 / IoT beschäftigt.

Dabei habe ich festgestellt, dass vielen Menschen nicht klar ist, was das für die Zukunft bedeutet. Und dass jede Menge Angst davor besteht.
Zu recht und unbegründet beidermaßen. Das ist meine Meinung.

Wie steht Ihr dazu? Macht Euch das Thema Angst? Findet Ihr es spannend?

Ein Ansatz um die Diskussion zu eröffnen: es werden durch IoT keine Arbeitsplätze verlorengehen, sondern lediglich - wie damals bei der Entwicklung der IT auch - aktuelle gegen neue Berufe ersetzt werden. (Natürlich ist das für diejenigen, die betroffen sind, unschön bis katastrophal - keine Frage.)
Autonome Robotik und andere Ausprägungen von Industrie 4.0 gibt des in Teilbereichen seit vielen, vielen Jahren. Nach meiner - auch beruflichen - Erfahrung insbesondere wie so oft als Vorreiter die Automobilindustrie
Aber mein Rat: Hier ist sicher nicht die richtige Plattform für dieses anspruchvolle, breit angelegte Thema. Es fehlt an Wissen/Erklärung. Die Meisten scheinen nicht mehr berufstätig oder stehen kurz vor Ende des Arbeitslebens und sind nicht selbst betroffen. Oft wird auch in Foren und Blogs nur die reine Unterhaltung gesucht. Ängste fühlt man in anderen Bereichen.
Das Wort "Autonom" bedeutet "Eigengesetzlich, selbständig" und das ist hier wirklich fehl am Platz.
Der Mensch baut Roboter, die sinnvoll etwas produzieren sollen und keine Dummheiten machen dürfen, denn das wäre verschwendetes Geld im Bau und Programmierung der Geräte.

Also ist man letztendlich wieder dort wo wir schon einmal waren. Fertigungsroboter sind in der Fertigungshalle zuhause und haben draußen nichts zu suchen. Nur eines ist im Fortschritt der Technik zu bemerken: Die Roboter sind schneller und genauer und haben viel mehr Sensoren für eventuelle Störungen des Ablaufs und können kleine Fehler selbständig ausgleichen.

Das Wort "Angst" ist hier falsch. Ja, Angst hätte ich in einem autonom fahrenden Vehikel. Hier kann so viel schiefgehen und geht auch schief, wie man immer wieder hört.
Ich bleibe bei der Benutzung der "Öffis".
Also ganz daneben finde ich das Thema nicht.

Es gibt viele welche den Zenit 50 bereits überschritten haben, aber bis zur Rente noch einige Jahre im Berufsleben stehen müssen. (Ca. ab 64 Pensionsanspruch)

Ich glaube man sollte zu erst erklären was Industrie 4.0 unter anderem beinhaltet.

Es handelt sich dabei um die Verzahnung der Produktion mit moderner Informations- bzw. Kommunikationstechnik, angetrieben durch die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Die Grundlage für eine digitale Produktion liegt in intelligenten (smarten), vernetzten Systemen, die miteinander kommunizieren.
Das Ziel ist es, eine autonome Produktion zu schaffen, bei der Menschen, Maschinen, Anlagen und Produkte selbstständig miteinander kommunizieren.


(entnommen aus:
https://www.industry-of-things.de/iot-basics-schlagwort-industrie-40-a-691740/)
-.-
Wenn ich das richtig verstehe wird der Mensch zum Handlanger der Maschinen degradiert. Facharbeiter werden ja nicht gebraucht, da die Anlage selber weis, Wann und Wo was nötig ist.
Und die Industrie gibt den Arbeitstakt und Effizienz vor.

Glaubt Ihr dass ein 55 jähriger gestandene Facharbeiter da sich noch zurecht finden wird?
Gerade diese Generation sehe ich als gefährdet, da diese unsere Pension einbezahlen.

Charlie Chaplins Moderne Zeiten werden wahr
Also, ich sehe dem Ende meines Berufslebens noch lange nicht entgegen und verstehe auch nicht, was das mit dem Thema zu tun hat.

Es gibt bereits heute viel IoT im privaten Umfeld: Parkhäuser, die dein Auto selbstständig einlagern, Fahrzeuge, die autonom fahren ... und es wird stetig mehr.

Können wir uns dagegen wehren? Sollen wir? Ist es dazu nicht zu spät?

Es wird immer Berufe geben, die dem Wandel der Zeit angepasst werden müssen, teilweise wegfallen und durch neue ersetzt werden. Für die Betroffenen eine Katastrophe - ganz klar.

Ich habe gesehen, wie Maschinen Teile produzieren und bei erreichen einer Menge/Gewicht von produzieren Teilen anhalten, einen Transportroboter anfordern und erst dann weitermachen, wenn dieser den vollen Teilebehälter gegen einen leeren Behälter ausgetauscht hat. Der volle Behälter wird an einen anderen Transportroboter übergeben wenn dieser noch Kapazitäten hat und das richtige Ziel ansteuert.
Die Mitarbeiter wurden umgeschult, als dieses System eingesetzt wurde. Aus Maschinenbedienern wurden z.B. Kontrolleure oder Techniker, die das System warten. Das war ein langjähriger Prozess und wurde nicht von allen willkommengeheissen. Aber es sicherte dem Unternehmen die Marktposition, damit die Arbeitsplätze und die Einkommen.
Da schweben ganz unterschiedliche Begriffe im Raum, die nicht gleichzusetzen sind.
Industrie 4.0 geht zurück auf die Bundesregierung. Es geht um die umfassende Produktionsautomatisierung, Digitalisierung etc. Das ist grundsätzlich ein komplexes Thema, wird daher von den Politikern nicht verstanden, folglich falsch aufgesetzt und erfolglos vorangetrieben um irgendwann eingestellt zu werden. Mehr dazu unten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Industrie_4.0
IoT, das Internet der Dinge, betrifft vor Allem die Kommunikation, die Verknüpfung eindeutig identifizierter Objekt inkl. der Menschen bzw. ihrer virtuellen Agenten. Ich kann mich noch gut erinnern, dass unser Technik-Vorstand im Unternehmen uns lange vor der Jahrtausendwende schon beschrieb, wie der Kühlschrank selbstständig Lebensmittelnachlieferungen ordert, wenn das Limit unterschritten wurde. Und RFID gesteuerte Einkaufszentren kenne ich schon seit ca. 20 Jahren, hat sich noch nicht durchgesetzt. Was jetzt zu uns rüberschwappt: Verkäuferinnen werden eingespart und man soll das Zeug selber scannen. Das ist weder IoT noch Industrie 4.0.
https://de.wikipedia.org/wiki/Internet_der_Dinge

Zur automatisierten Fertigung: Habe ich schon Mitte der 80er noch selbst gemacht. Vollautomatisierte Leiterplattenproduktion, die einzelnen Bestückungsautomaten wurden zentral und flexibel mit den Programmen versorgt, der Transport erfolgte durch kleine selbstständige Fahrzeuge, etc. Hat mir viel Spaß gemacht.
Wir kennen noch die Schlagworte "Just in Time Produktion und Logistik", das "Lean Supply Chain Management", etc. Alle paar Jahre wieder ein neuer Hype.

Elon Musk hat eingestanden, dass sein Unternehmen es bei der Fertigung des Model 3 mit der Automatisierung übertrieben habe. Der Einsatz von Robotern sei zu komplex geworden und habe die Prozesse sogar verlangsamt.
https://www.heise.de/newsticker/meldung ... 24318.html

Und schon 2001 stand in einer Untersuchung von Fraunhofer ISI:
Die Flexibilitätsanforderungen, die sich durch Umsatzschwankungen aber auch Produktionsumstellungen auf neue Produkte ergeben, können nur mit erheblichem Aufwand bei bei hochautomatisierten Anlagen umgesetzt werden. Dies trifft in besonderem Umfang auf den Bereich der Montage zu. Fast 50 Prozent der Betriebe mit einem starken Umsatzwachstum haben ihr Automatisierungsniveau beim Materialfluss in der Montage bereits reduziert oder planen dies.
https://www.econstor.eu/handle/10419/29534
dick01 hat geschrieben: Industrie 4.0 geht zurück auf die Bundesregierung. Es geht um die umfassende Produktionsautomatisierung, Digitalisierung etc. Das ist grundsätzlich ein komplexes Thema, wird daher von den Politikern nicht verstanden, folglich falsch aufgesetzt und erfolglos vorangetrieben um irgendwann eingestellt zu werden.

Dazu noch ein paar Infos: Vorsitzende des Digitalrates ist Frau Suder.
https://de.wikipedia.org/wiki/Katrin_Suder
Sie war zuvor Staatssekretärin bei von der Leyen und hat sich dann noch rechtzeitig abgeseilt. Aus ihrer McKinsey Zeit kannte sie den U. Meister und holte ihn zum BWI
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 81648.html
Im Laufe der Zeit flossen einige hundert Millionen in Beratertaschen und Herr Meister nahm seinen Abschied.
https://www.behoerden-spiegel.de/2018/0 ... i-der-bwi/
Frau Suder sitzt jetzt dem Digitalrat vor und mag dem Bundestag nichts zu den Beratermillionen bei der Bundeswehr erzählen. Fazit: Die "Digitalisierungskampagne" wird sehr teuer werden und sehr erfolglos!
http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/D ... at-abgeben
von Felida » 16.12.2018, 14:06

.... Thema Industrie 4.0 / IoT

Dabei habe ich festgestellt, dass vielen Menschen nicht klar ist, was das für die Zukunft bedeutet. Und dass jede Menge Angst davor besteht.
Zu recht und unbegründet beidermaßen. Das ist meine Meinung.

Wie steht Ihr dazu? Macht Euch das Thema Angst? Findet Ihr es spannend?



Hallo Felida,

ja, das Thema macht mir Angst, weil ich zu wenig darüber weiß und weil es, so liest man allenthalben, unumstößlich auf uns zukommt, wir nicht dran vorbeikommen. Und ja, ich finde es spannend, vielleicht auch, weil ich zuwenig darüber weiß.

Derzeit besuche ich an der VHS eine Vortragsreihe zum Thema Digitalisierung. Wobei diese Reihe nur Eindrücke vermitteln und Anstösse und Anhaltspunkte für weitere Lektüre geben kann. Zu umfangreich und komplex ist dieses Thema.

Mein Eindruck ist, dass man sich schon sehr intensiv mit dem Thema auseinandersetzen muss, um zu erkennen, was da auf uns zukommen kann. Aber wer hat schon die Zeit dafür? Und für Nicht-Techniker auch schwierig zu verstehen.

Das Eine ist ja die Technik/Theorie: was mittlerweile alles möglich ist bzw. wäre.

Das Andere ist aber, was damit beabsichtigt wird. Und darüber, meine ich, vernehme ich wenig Konkretes und Sicheres. Gibt es ein Konzept in unserer Gesellschaft/Politik? Wann, was, wie umgesetzt werden soll und zu welchem Zweck/Ziel? Und welche Möglichkeiten der Einzelne hat, wenn er dabei nicht mitmachen will?

Und oft scheint mir, dass man umsetzen will, was möglich ist, ohne auf die Umstände und Menschen Rücksicht zu nehmen. Man wird in manchen Bereichen „gezwungen“, die Reise mitzumachen, auch wenn man nicht will (z. B. wenn Bargeld abgeschafft werden soll, der Einzelne damit so ziemlich naggisch wird). Oder ich hab gehört, dass die Bahnschalter abgeschafft werden sollen. Fahrkarten nur noch über das Internet zu bestellen sind – wo bleiben dann die Alten – zuhause?

Wie werden die Bürger „mitgenommen“? Haben wir Möglichkeiten, Einfluß zu nehmen?

Ist es richtig, dass man Hightech entwickelt, um dann die Lebens- und Arbeitsbedingungen daran anzupassen? Sollte es nicht so sein, dass man fragt: was braucht die Gesellschaft oder eine Arbeitsgruppe, um dann entsprechende Lösungen (auch technische) zu finden?

In dem Unternehmen, in dem ich arbeitete (Sachbearbeitung, Arbeitsmittel: Computer), hat man die Mitarbeiter nicht befragt, wo die Probleme sind, was verbesserungswürdig wäre, was man braucht. Nein, man hat entwickelt und die „neue“ Technik einfach vor unsere Nasen gesetzt. Es gab nicht mehr wie früher eine Technikunterstützung in menschlicher Form, sondern PDF-Dateien, die man sich zusätzlich zum Arbeitsaufkommen durcharbeiten musste und eine Hotline irgendwo im Ausland, kaum erreichbar oder ein „Ticket“, welches man im PC aufmachen, ausfüllen und abschicken konnte. Um aber den aufgetretenen Fehler zu melden, musste man zum Teil die Fachbegriffe der IT und deren Beziehung zueinander kennen! Was für ein Schwachsinn. Gleichzeitig war die neue Technik instabil, sodass wir oft genug eher behindert waren im Arbeitsablauf, als dass wir einen Vorteil sahen. So kann „Effizienz“ im Arbeitsleben aussehen und Shareholder Value gesichert werden. Na ja!


Ich weiß, dass ich dranbleiben will und muss, damit es mir nicht mal geht, wie meiner Oma (geb. 1895).

Als Ende der 70er Jahre meine Brüder und ich nach dem Mittagessen anfingen, abwechselnd und nacheinander zu telefonieren (damals gab es noch nur das Festnetztelefon an der Schnur), saß sie weiterhin am Eßtisch und schaute und hörte uns zu. Irgendwann als ich telefonierte, fing sie an nervös und ungeduldig mit den Fingern auf den Tisch zu trommeln. Mich ärgerte und störte das.
„Was ist denn los?"
„Ei, wenn ihr die ganze Zeit telefoniert, dann kann ja im ganzen Städtchen kein anderer telefonieren“.

Da war ich dann ganz schön baff. :roll:
So jedenfalls soll es mir mal nicht ergehen.
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