Mir solls recht sein ! Ich finde, wunderbar
schmeckt Eierspeis mit Kaviar.
Hier kommt nochmals ein "Ei-Gedicht"
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Das Ei des Columbus

Da gab es mal ein junges Huhn,
das wollte hoch hinaus
und sprach : „ich will was Gutes tun“
raus, aus dem Hühnerhaus

Es rief dem Gockel : „komm herbei
und hilf bei grosser „Tat“,
verschaff mir schnell ein Sonder-Ei
steh’ bei mit Tat und Rat

Der Gockel doch – sehr unbequem,
der zierte sich gar sehr
stolzierte quer durch Dreck und Lehm
als hätt’ er kein Gehör

Das Huhn hieb auf den Gockel ein,
traf seinen roten Kamm
und liess das Hacken dann erst sein
als dieser wurde zahm

Nun „trat“ er brav, mal kurz, mal lang
stolzierte vor ihr her,
der Erstversuch jedoch misslang
drum übten sie noch mehr

Die Tat vollbracht, Huhn müd’ und matt
der Eier legt’ sie zwei
doch eins von beiden, welches stand
war des Columbus’ Ei


©26.05.2011 / fischli47
Keine Feier – ohne Meier

(kleiner, ironischer „Seitenhieb“ an sogenannte Dauer-Degustanten – der Name ist rein zufällig ausgewählt und steht in keinem Bezug auf geneigte Leser)

Unser Nachbar, der Herr Meier
braucht fast täglich eine Feier –
wo es kostenlos was gibt,
da macht er sich doch gern beliebt

Messen, und auch Vernissagen
an Wochen- wie selbst Feiertagen,
sind ein beliebtes „Reiseziel“
denn dort gibt‘s, was er haben will

Bei sämtlichen Eröffnungsfeiern
mit Speck-, Rühr- oder Spiegeleiern
da ist Herr Meier gern zu Gast
„frisst“, trinkt sich voll – ganz ohne Hast

Hochzeiten und Beerdigungen
sind für ihn – quasi notgedrungen
bequem und ausserdem beliebt
weil’s dort nichts zu bezahlen gibt

Wo degustieren angesagt –
der Meier stets Event’s nachjagt
er ist dafür im ganzen Land
und weit darüber gut bekannt

Vom „Meier“ gibt’s unsäglich viel
da kann man denken, wie man will
er gibt sich wie ein Komödiant
zu deutsch : als „Dauer-Degustant“

© 05.08.2015 / fischli

Kleines Selbstgespräch

Der Himmel zieht die Stirne kraus,
er ist so bleich und blaß.
Der Himmel schaut so wütend aus.
Mir scheint, er muß einmal hinaus.
Paß auf – er macht uns naß.

Die ersten Tropfen fallen schon.
Verflucht und zugenäht.
Den Kragen hoch, mein Kronensohn.
Mein Regenschirm, der lächelt Hohn,
weil er zu Hause steht.

Von oben feucht, von unten feucht,
von hinten und von vorn.
Der Sturmwind mit dem Hut entfleucht.
Die gute Laune ist verscheucht,
der ganze Leib voll Zorn.

O, grolle nicht und schmolle nicht
und komme nicht in Wut.
Bedenke, lieber Erdenwicht:
Der kleinste Ärger lohnt sich nicht.
Der Himmel meint es gut.

Sieh dort die Regenbogenpracht,
sie zeigt dir deutlich, wie
man eine heitre Miene macht.
Wie schön, wenn man sich selbst belacht.
Das ist – Selbstironie.

Fred Endrikat (1890 - 1942)
Größenwahn

Nebel, Nebel – tief und hoch
vom Bodensee zum Jungfraujoch
dies zeigt seit Tagen die Natur
was mach‘ ich bei dem Nebel nur ?

Er legt sich stündlich auf‘s Gemüt
und dies tut mir nun gar nicht „güt“
denn auch der Kopf, er leidet sehr
steckt der doch unterm Nebelmeer

Oh, wär‘ ich doch nicht ganz so klein
dann sollte es doch möglich sein
mit Kopf in „höheren Gefilden“
den eignen Ausguck mir zu bilden

Dreitausend Meter wären gut
vom Fuß hinauf bis hin zum Hut
dann wäre toll die Rundumschau
der Nebel unten – oben blau

Ich wär‘ als „Größter“ dieser Welt
nicht mehr dem Nebel unterstellt
kein Kopfschmerz, keine Schläfrigkeit
Schlechtwetter nur für kurze Zeit

Doch bin ich noch nicht „Karl der Große“
drum bleib‘ ich in der Nebelsauce
und sehn‘ mir Sonnenschein herbei
ein Sonnentag macht alles neu !

© 11.10.2015 / fischli
Ernst Jandl

Ottos Mops
https://www.youtube.com/watch?v=oMtCa-_ygto
ottos mops trotzt
otto: fort mops fort
ottos mops hopst fort
otto: soso

otto holt koks
otto holt obst
otto horcht
otto: mops mops
otto hofft

ottos mops klopft
otto: komm mops komm
ottos mops kommt
ottos mops kotzt
otto: ogottogott



i
Weltanschauung

Der Sommer färbt die Äpfel rot,
die Trauben und die Beeren.
Der Mohn in Farbenflammen loht,
sein Leuchten zu entzünden droht
die strahlend gelben Ähren.

Nur Farbenpracht, wohin man schaut,
wohin man hört, ein Klingen.
Der weite Sommerhimmel blaut,
in lichten Höhen jubelnd laut
die kleinen Lerchen singen.

Der Maulwurf in der Erde gräbt,
weiß nichts von diesen Dingen.
Er hat das Schöne nie erlebt.
Der Finsterling nach unten strebt
und wühlt nach Engerlingen.

Es findet jeder, wie er kann,
auf seine Art Erbauung.
Schaut man die Welt von oben an –
von unten – so hat jedermann
die beste Weltanschauung.

Fred Endrikat (1890 - 1942)
Arne Rautenberg

das krokodil von kiel fraß viel fraß viel

es fraß alles damwild von sylt
es fraß den riesenstör von föhr
es fraß die salmonelln von köln
es fraß die großpython von bonn
es fraß das unschuldslamm von hamm
es fraß das beuteltier von trier
es fraß das raubkamel von kehl
es fraß das schaukelpferd von fürth
es fraß die wilden bulln von ulm

und doch war es nicht satt!

es fraß die edlen herrn von bern
es fraß die kirchturmuhr von thur
es fraß den wolkenflug von zug
es fraß das ungetüm von brünn
es fraß den sarkophag von prag
es fraß das gitternetz von metz
es fraß die biskuits von leeds
es fraß das fundament von kent
es fraß die pappkartons der bronx

und doch war es nicht satt!

es fraß das ganze geld der welt
es fraß die vorderfront vom mond
es fraß den heißen kern vom stern
es fraß sogar das ganze all

da gab es einen riesenknall!

(mit dem gab es das all nochmal)
und weil es so schön ist, gerade noch etwas vom Krokodil :
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Der Krokodil (Kroko-Deal) …

Es lag dereinst ein Krokodil
ganz hungrig nach n‘er Beute
erhoffte sich, am langen Nil
zu fressen ein paar Leute

Da kam ein „Taschendieb“ vorbei
mit einer großen Flinte
sah das Reptil, sprach zu sich, hei –
jetzt brauch‘ ich eine Finte

Das „Kroko“ dachte, na was will
der Dandy denn – wozu
hat der denn eine „Knarre“ um
braucht der etwa n‘en Schuh ?

Der Mensch, der dachte sich ganz leis‘
dir will ich nun ans Leder,
der Preis für Deine „Haut“ ist heiß
dies weiß inzwischen Jeder

Das Krokodil zeigt diesem nun
sein großes Maul mit Zähnen
daß so dem Dandy Bange ward
bleibt müßig, zu erwähnen

Wag Du es nur, dann schnapp ich Dich
und setze mich zur Wehr
komm erst mal in die Nähe mir –
dann nützt Dir kein Gewehr

Doch, daß es ein so friedlich Tier
ist – zeigt es schnell durch Gähnen
was heisst – ich will ja nichts von Dir
vergieß gar Kroko-Tränen

Es sagt zum Reptiljäger eben,
wir schließen einen Deal
ein jeder lässt den andern leben,
Du draussen – ich im Nil

© 16.01.2016 / fischli
und noch etwas tierisches :|


Die Affen

Der Bauer sprach zu seinem Jungen:
Heut in der Stadt da wirst du gaffen.
Wir fahren hin und seh'n die Affen.
Es ist gelungen
Und um sich schief zu lachen,
Was die für Streiche machen
Und für Gesichter
Wie rechte Bösewichter.
Sie krauen sich,
Sie zausen sich,
Sie hauen sich,
Sie lausen sich,
Beschnuppern dies, beknuppern das,
Und keiner gönnt dem andern was,
Und essen tun sie mit der Hand,
Und alles tun sie mit Verstand,
Und jeder stiehlt als wie ein Rabe.
Paß auf, das siehst du heute.
O Vater, rief der Knabe,
Sind Affen denn auch Leute?
Der Vater sprach: Nun ja,
Nicht ganz, doch so beinah.

(Wilhelm Busch, 1832-1908)
Joachim Ringelnatz

Bumerang
https://www.youtube.com/watch?v=8o2XdQkLCgM





Bumerang





War einmal ein Bumerang;

War ein weniges zu lang.

Bumerang flog ein Stück,

Aber kam nicht mehr zurück.

Publikum — noch stundenlang —

Wartete auf Bumerang.
Sauerampfer

Am Bahndamm steht ein Sauerampfer
sieht immer nur den Zug
und niemals einen Dampfer,
armer Sauerampfer

Ringelnatz - oder war' s Morgenstern? 
Sorry, aber das kann ich so nicht stehen lassen. Da dreht sich ja Ringelnatz im Grab um! :mrgreen:


Ringelnatz, Joachim (1883-1934)


Arm Kräutchen


Ein Sauerampfer auf dem Damm
Stand zwischen Bahngeleisen,
Machte vor jedem D-Zug stramm,
Sah viele Menschen reisen.
Und stand verstaubt und schluckte Qualm
Schwindsüchtig und verloren,
Ein armes Kraut, ein schwacher Halm,
Mit Augen, Herz und Ohren.

Sah Züge schwinden, Züge nahn.
Der arme Sauerampfer
Sah Eisenbahn um Eisenbahn,
Sah niemals einen Dampfer





Sommerfrische


Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.
Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir,
dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.
Bilden Sie mal einen Satz mit...
von Robert Gernhardt

•visuell
Vi su ell die Sonne strahlt -
als würde sie dafür bezahlt.


•pervers
Ja, meine Reime sind recht teuer:
per Vers bekomm ich tausend Eier.


•Minister
Aus welchem Mund dringt dies Geplärr?
"Min is ter Rachen", spricht der Herr.


•Metapher
Herr Kapitän, der Steuermann
hat grade lallend kundgetan,
er brächte jetzt das Schiff zum Sinken -
me taph er wirklich nicht mehr trinken.


•Symbol
Herr Dschingis Khan, das tut man nicht,
daß man in fremdes Land einbricht.
Nu aber raus mit Ihren Horden -
Sie sym bol wahnsinnig geworden!


•allegorisch
Nichts wird sich ändern hier auf Erden,
bevor nicht alle gorisch werden.


•sensibel
Herr Ober! Bringt mir einen Kübel!
Mir wird von diesem Nonsens ibel!

https://www.youtube.com/watch?v=Mv1LFk4O0E8
ganz köstlich, auch das Video :lol:
cron