Heute am Mittagstisch haben wir über das Bauen gesprochen und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir in den 70ern ganz anders gebaut haben, als das noch einige Generationen vor uns der Fall war.
Wenn man sich die alten Bauernhäuser hier in der Gegend anschaut, sieht man deutlich, dass sich diese, auch von den Materialien her, von den neueren Bauwerken deutlich unterscheiden.

Ich stecke selbst nicht mehr in der Materie drinnen, aber in der Verwandtschaft sind gerade einige beim Hausbauen. Die Herangehensweise scheint eine andere zu sein, als die, die ich kannte.

Was hat sich beim Hausbauen in den letzten Jahrzehnten verändert? Nicht nur was die Materialien, sondern auch was die Gepflogenheiten angeht?  
die Decken waren niedriger, speziell in Bauerhäusern............und vorgefertigte Elemente gab´s
auch nicht........wer damals baute mußte vor allem viel Zeit haben
Was sich geändert hat? Vor allem die Baugesetze!
was sich geändert hat ?
die Materialien und das Profitdenken.....
es wird so billig wie möglich gebaut und so teuer wie möglich verkauft.....

es gibt Bauernhäuser, die sind Jahrhunderte alt.....

ich habe vor 17 Jahren eine Neubauwohnung gekauft.....sie gefällt mir sehr und es ist das was ich mir im Alter als Single-App vorgestellt hatte - mit Aufzug - Hausmeisterservice usw.........

aaaaber.....traten leider bereits nach 5 Jahren die ersten Mängel auf......
doch weder der Architekt noch die Firmen konnten belangt werden, da entweder bankrott oder nicht mehr existent....

das weiß gestrichene Balkongeländer blättert ab, da mit billiger Farbe ohne Grundlage gestrichen wurde....warum konne man dann das verzinkte Geländer nicht naturbelassen ?
jedes Jahr sind mehr Wasserschäden in der Wohnanlage gemeldet - da billige Zinkrohre verlegt wurden, die ungeeignet sind für das aggressive weil mineralstoffhaltige Wasser in unserer Gegend....

und jetzt haben sie uns - zusätzlich zu unseren Einlagen - noch Geld abgenommen für die Außenfassade neu zu streichen....

der Witz an der ganzen Sache - da könnte ich jedesmal lachen wenn ich daran denke:
die ganzen Jahre, in denen ich in meinem Blockhaus outdoor gelebt habe - hatte ich nicht soviel Ärger........
mein Blockhaus hat toll ausgesehen - drumrum zugewachsen mit Wicken und Heckenrosen....
der Brunnen hat zuverlässig funktioniert......und der Holzofen auch (ab und zu mußte ich den Kamin saubermachen und das Rohr ersetzen.....das konnte ich aber selber machen und die Rohre haben nicht viel gekostet....
Fazit:
je mehr oberflächliche Show und je mehr Technik - desto mehr Kosten....
ich zahle ja gerne mein Service-Geld jeden Monat für den Aufzug, Hausmeister-Service usw.....
es muss aber in einem Verhältnis bleiben !
Wie war das denn mit dem Bauboom in den 70ern? Da ging es auch nur um schnell was aus dem Boden stampfen und möglichst schnell möglichst viel Profit machen. Die Mängellisten waren schier endlos.
genauso war es, als meine Eltern Mitte/Ende der 60er gebaut haben....
ich kann mich noch daran erinnern, wie sie abwechselnd die Baustelle "bewacht" haben.....

das Haus war - schlampig gebaut mit unqualifizierten Arbeitern - für meinen Vater zeitlebens eine Baustelle....

das ist mit ein Grund, warum ich zwar mein eigenes App gekauft habe und darin wohne - mir jedoch keine weiteren Bauaktivitäten antun möchte..... :?
scherzkeks69 hat geschrieben: die Decken waren niedriger, speziell in Bauerhäusern............und vorgefertigte Elemente gab´s
auch nicht........wer damals baute mußte vor allem viel Zeit haben


Die Zimmerhöhe war nicht nur in den Bauernhäusern, sondern auch in vielen Fachwerkhäusern der Arbeiterklasse niedrig. Ausschlaggebend war sicher auch die Größe der Menschen, die damals, sagen wir mal so im 18. Jahrhundert, nicht über die durchschnittliche heutige Körpergröße verfügten.

Damals waren die Menschen ca. 10-15 cm kleiner als heute.

Entsprechend wurde im einfachen Milieu auch kostensparend niedrig gebaut.

Was gut war und heute alternativ manchmal wieder verwendet, war das Bauen mit Lehm. Ein tolles Baumaterial und sehr Klimaausgleichend.

Wer "bauen mit Lehm" googelt wird sich einige höchst interessante Infos ergattern. :)
Ich glaube, heute gibt es zwei grundlegend unterschiedliche Möglichkeiten zu bauen als früher: Massiv oder Fertigbauweise.

Wenn man bei diesen beiden Möglichkeiten die Lebensdauer oder -erwartung berücksichtigt, käme für mich niemals ein Fertighaus in Frage, und das aus mehreren Gründen: Wir hatten vor einigen Jahren ein gemütliches Zusammentreffen mit einigen Nachbarn und mehrere Damen sagten ihren Männern, daß sie auch eine so schöne Rankrose an ihrem Haus hätten wie sie sie bei uns gesehen hätten.

Die Enttäuschung bei ihnen war groß, als die Männer ihnen sagten, daß man Fertighäuser -wie sie eines hatten- weder für rankende Rosen noch für sonst etwas anbohren könne. Und dann zählt für mich, daß man ein mehrere Jahrhunderte altes massiv gebautes Haus nach eigener Fantasie umbauen und neu gestalten kann. Und das, indem man dem Haus seinen Charakter erhält, wenn man will.
Ich habe einige Jahre in einem ca. 300jährigen Lehmhaus gewohnt. Das war eine sehr angenehme Erfahrung, denn im Sommer blieb es bei der grössten Hitze angenehm kühl und im Winter bei der grössten Kälte doch noch erträglich warm ohne viel zu heizen. Die Mauern waren so dick, dass Hitze und Kälte gar nicht durchdringen und gespeichert werden konnten.
Lehm ist sicher was Tolles und ein umgebautes Bauernhaus wäre mein Ideal.

Heute baut man wohl vor allem energiesparend bei Fenstern, Dämmung, Dach
und komfortabel - Fussbodenheizung ist schon was Feines.
Und es wird optisch mehr Wert auf Innen als auf Aussen gelegt, mein Eindruck.
Bei uns sieht man neuerdings viele Kästen oder Würfel mit Tür, Fenstern und FlachDach,
ziemlich reduziert irgendwie.
Nach meiner Sicht besteht der große Unterschied in der Bauweise und der Güte ihrer Ausführung hauptsächlich darin , ob ich das Haus speziell für meinen Eigenbedarf baue und selbst bewohne , oder ob es nur als reine Kapitalanlage dienen soll und vermietet wird .
Bei letzterem wird möglichst mit wenig Geld auf eine hohe Rendite geachtet .
das ist nur bedingt so....aber ich weiß was Du meinst......

bevor ich mein Neubau-App gekauft habe, hatte ich Wohnungen noch und nöcher angeguckt ....
alle so im Bereich 10 bis 15 Jahre alt....
da war immer irgend etwas.....eine Wohnung hat mir super gut gefallen - nicht zu weit weg von meiner Arbeitsstelle.....
da waren aber die Verwalter mit dem "Topf" abgehauen - d.h. es waren keine Rücklagen mehr da....
oder die Wohnungen waren in Frankfurt Altbauwohnungen .....oder sie hatten nach 10 Jahren schon Risse in der Außenfassade ....usw....usw....

erst danach habe ich mich zu dem Neubau entschlossen....doch auch ein Neubau hat seine Tücken....... :wink:
Ja ein Neubau hat tatsächlich auch seine Tücken. Schnell hochgezogen und nicht genug ausgetrocknet sofort vermietet bietet dem Schimmel Nahrung. Musste ich leider auch erfahren. In den oberen Wohnungn durch Kältebrücken, unten durch eindringendes Grundwasser.
So etwas ist natürlich bitter... Das muss aber nicht unbedingt an den Baumaterialien liegen... Das beste Material bringt nichts, wenn man es schlecht verarbeitet. Bei meiner Schwester hat es von oben reingeregnet, weil die Mieterin oberhalb bei einem Open Space offenbar einige Dinge missachtet hat. Davor hatte es jahrelang keinerlei Probleme gegeben.

Wir haben bislang nur Erfahrungen mit Ziegelbauten gemacht und die modernen Ziegel sind beständiger und außerdem braucht man grundsätzlich keine extra Wärmedämmung mehr. Außerdem meine ich gehört zu haben, dass man heutzutage auf Baustellen keinen Mörtel mehr anrühren muss.
In meinem Fall waren es definitv Baumängel, das wurde gerichtlich abgeklärt, weil der Vermieter dem Vormieter schon Geld abgeknöpft hat für die Schimmelschäden, für die er nicht selber verantwortlich war. Die Schäden wurden nur übermalt, aber nicht saniert und der Vermieter wollte sich dann an mir schadlos halten. Sein Pech, dass das Gericht gründlich recherchiert und die Klage des Vermieters abgewiesen hat, weil die Faktenlage eindeutig war und mir keinerlei Fehlverhalten nachgewiesen werden konnte.
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