Das eine ist PFLICHGEFÜHL, dort wo man gar keine Wahl hat, außer zu folgen. Es wird einem vorgegeben,was zu tun ist und man ist angehalten, diese Pflichten zu erfüllen.

.... und dann gibt es eine VERANTWORTUNGSGEFÜHL, wenn man anfängt selbstständig zu denken und Entscheidungen verantwortungsvoll zu treffen. Man handelt im Sinne nach besten Wissen und Gewissen.
Solange sie einvernehmlich nebeneinander existieren, bereiten Sie keinen Kopfzerbrechen
Schwierig wird es erst, wenn die beiden miteinander in Konflikt geraten… 
 
" gehorchen" hat bei mir einen bitteren Geschmack. Da bin ich nicht gefragt, ich werde regelrecht negiert.
Als Kind musste ich ewig gehorchen, einmal auch in der Arbeitswelt in einer unwürdigen Lage. Meine Gefühle zu diesem Menschen mag ich heute noch nicht formulieren. Ist mir zum Glück nie mehr passiert.
Hoffentlich muss ich auf meine alten Tage mal nicht einfach so gehorchen wie ich es in einem Pflegeheim erlebt habe.
Ich folge gern , wenn ich den Sinn verstehe und tragen kann.
Man gerät in einen heftigen Gewissenskonflikt, wenn man Befehle auszuführen hat, deren Sinnahftigkeit man überhaupt nicht versteht oder solche, die man mit seinem Gewissen nicht vereinbaren kann.

Im Strafrecht gibt es den Begriff "Befehlsnotstand".
Wirklicher Befehlsnotstand kann einen Menschen brechen - er muss sich und seine Bedenken wegschalten, um weiterleben zu können.
Den Begriff "Befehlsnotstand" kennen wir leider zur Genüge als Ausrede für alle Mitläufer, die Böses getan haben und dann behaupten, sie wären dazu gezwungen gewesen.
Ja, damit kann man ganz unterschiedliche Lebenssituationen verbinden.

Ich denke z.B. an meine zeitweilige Meldung bei der sog. Bundesagentur f. Arbeit
vor ein paar Jahren, um gesetzlich krankenversichert zu sein nach Scheidung und Wegfall der privaten.
Dafür musste man
sich für jeden vorgeschlagenen Job bewerben
dazu 8 eigene Bewerbungen jeden Monat nachweisen,
an einem sinnfreien Lehrgang teilnehmen und keinesfalls einen Tag fehlen
und auf Aufforderung zum Rapport im Amt erscheinen.

Das würde ich in so einem Fall aber nicht gehorchen nennen, "spuren" fällt mir noch ein (hätte meine Mutter das genannt :) ), sondern ein "Spiel", das ich wegen des genannten Vorteils einfach mit-gespielt habe.. :wink:
Wenn ich notgedrungen gehorche, das Spiel mit spiele, ist das nicht eine Vergewaltigung des eigenen
ICH ?
Es ging ja nicht um Leben und Tod beim Arbeitsamt. :wink: .
Ich kann solche Situationen ganz pragmatisch angehen.
Im Grunde war ich schon immer so, oder - bin nach zwei Scheidungen und etlichem anderen Familienzoff noch pragmatischer geworden.
Nicht, dass es mich nicht auch mal genervt hätte
(einem Herrn hab ich damals im Stillen den "Wadenbeisser" verpasst :) )
Aber nun gut, in diesem Fall lief es nur auf diese Weise.
Gehorchen tut man immer einem anderen Menschen, und nicht sich selber.

Folgen hingegen kann man seinen eigenen Grundsätzen, die man in der Kindheit von den Eltern als richtig vermittelt bekommen und entsprechend verinnerlicht hat, sodass man sie befolgt, auch ohne sich zu erinnern, wann das war, oder warum man das tut.

Dieser intuitive Zugang zu diesem Gesetz, was man auch Rechtsbewusstsein (Moral) nennt, wird fälschlicherweise mit den Gefühlen (Stimmungen) verwechselt, die man dabei hat. Richtigerweise müsste es jedoch nicht Pflichtgefühl heißen, sondern Pflichtbewusstsein, aus welchem heraus man seine Pflicht tut – egal, ob man das nun gerne tut (mit lustvollen Gefühlen) oder nicht.

Eine Verpflichtung geht man immer vorher ein, und eine Verantwortung trägt man im Nachhinein für das, was man getan hat, indem man dafür Rede und Antwort leistet, was meistens im negativen Sinne dazu führt, dass man auch die Konsequenz der Schadensersatzleistung trägt, wie es der Pflicht beider Vertragspartner entspricht.

Folgt man nun pflichtgemäß dem Befehl eines Vorgesetzten, so delegiert man auch die Verantwortung im Schadensfalle an ihn, sodass die Schuld des Schadensersatzes beim Vorgesetzten liegt, und nicht beim Befehlsempfänger, der keinerlei Alternative hatte, den Gehorsam zu verweigern, ohne selber in Not zu geraten.

Daher gilt die Nötigung zum widerspruchslosen Gehorsam auch als ein Strafbestand, der kurioserweise dann nicht gilt, wenn der Befehlende laut Strafgesetz, was er selber verabschiedet hat, nicht haftbar gemacht werden kann – wie zB im Kriegsfall, wo auch der Kriegsdienstverweigerer nach geltendem Kriegsrecht unter Androhung der Todesstrafe dazu genötigt werden darf, auf Andere zu schießen.

Hier wird nicht nur das ICH vergewaltigt, sondern der ganze Mensch, wobei ihm immerhin – sofern er das Massaker körperlich unbeschadet übersteht – die Absolution für seine Taten erteilt wird, indem man ihn von aller selbstverursachter Schuld freispricht, und den Krieg als eine Art gottgewollte, höhere Gewalt rechtfertigt, was die Toten allerdings weder wieder lebendig macht, noch den Überlebenden den getöteten Partner ersetzt, wie es eigentlich die Pflicht des Schädigers wäre.

Darin besteht dann auch der Unterschied zwischen Verantwortung und Rechtfertigung, indem man nicht nur ne schnöde Antwort auf die Frage nach dem Warum gibt, um seine Tat als richtig und notwendig darzustellen, sondern indem man den entstandenen Schaden trotzdem ersetzt – egal ob man ihn vorsätzlich, versehentlich oder auf höheren Befehl hin verursacht hat
Wer noch nie Zwiegespräche ( mit sich selbst) geführt hat, der kann gar nicht wissen wie das ist, sich selbst zu gehorchen.


Du machst es mit dem Vorgesetzten und die Schuldfrage viel zu einfach filofaxi!
Es gibt unzählige Fälle, wo man sehr wohl zu MIT Verantwortung herangezogen wird.
Gerade darum ist es essenziell wichtig, seinen Verantwortungsbewusstsein stets zu prüfen.
Gerade wenn der Vorgesetzte irgend etwas zweifelhaftes einem in Auftrag gibt.
Da ist ein ablehnen geradezu zwingend notwendig, um größeres Unheil zu vermeiden.
... oder springst du von der Eisenbahnbrücke wenn dein Vorgesetzter dir das befiehlt, nur weil er dafür die Verantwortung tragen wird?  
@ Kaoerlich

….Wer noch nie Zwiegespräche ( mit sich selbst) geführt hat, der kann gar nicht wissen wie das ist, sich selbst zu gehorchen......

Es ist der verinnerlichte Befehl der Eltern, dem man in diesem scheinbaren Zwiegespräch folgt, oder ihr Wunsch, den man erfüllt, und um ihnen zu gefallen, selbst wenn sie schon längst gestorben sind.

….Du machst es mit dem Vorgesetzten und die Schuldfrage viel zu einfach filofaxi!
Es gibt unzählige Fälle, wo man sehr wohl zu MIT Verantwortung herangezogen wird.....


Das, wofür man zur Verantwortung gezogen wird, kann manchmal sogar Etwas sein, was man gar nicht selber verursacht hat, wenn der tatsächliche Verursacher die Macht dazu hat, es Einem anzuhängen.

…..Gerade darum ist es essenziell wichtig, seinen Verantwortungsbewusstsein stets zu prüfen.
Gerade wenn der Vorgesetzte irgend etwas zweifelhaftes einem in Auftrag gibt.....


Nach heutigem geltenden Recht sind Verträge sittenwidrig und damit unwirksam, in denen von Jemandem verlangt wird, gesetzeswidrige Dinge zu tun, wozu auch der Selbstmord auf fremden Befehl gehört.

….Da ist ein ablehnen geradezu zwingend notwendig, um größeres Unheil zu vermeiden.
... oder springst du von der Eisenbahnbrücke wenn dein Vorgesetzter dir das befiehlt, nur weil er dafür die Verantwortung tragen wird?...


Ob die Notwendigkeit, die Unterzeichnung eines sittenwidrigen Vertrages aus sozialen Gründen zu verweigern, groß genug ist, oder nicht, hängt von der Größe der Versuchung ab, der man dabei ausgesetzt wird, denn noch stärker, als die Drohung mit Strafe bei Nichtbefolgung eines Befehls, ist bekanntlich die Belohnung für die Befolgung desselben, was man auch Bestechung nennt.

Und wen der Teufel einmal auf diese Weise erfolgreich zur Dankbarkeit verpflichtet hat, den lässt er erst wieder los, wenn der ihm diesen Dank wunschgemäß erwiesen hat. Und selbst wenn man sich seinem göttlichen Gegenspieler verpflichtet, um das Paradies nach dem Tode zu erfahren, muss man natürlich vorher erstmal gestorben sein.
siegfried37 hat geschrieben: Gehorchen heisst in Wirklichkeit weiter nichts als Verstehen!
Dienen ist helfen
Helfen aber bedeutet herrschen !

Oskar Ernst Bernhardt  


Ich höre die Worte, verstehe sie oder auch nicht und höre darauf / gehorche oder auch auch nicht.

Wenn ich auf die Worte höre, dem Sagenden gehorche, muss ich das Gesagte nicht unbedingt verstanden haben, Aber ich diene ihm damit und helfe ihm / lass es zu, dass er mich in diesem Fall beherrscht.