Aus meinem ersten Lyrikband:

Gedankenspirale

Gedanken kreisen um Bedenken,
der Alltag droht uns ganz zu lenken.
Uns gar zu schieben und zu drängen,
mit Zeigefingern und mit Zwängen.
Drum in Gedanken Nähe finden,
kann ohne Wort Liebe binden.
Denn Seelen schweben ohne Zeit,
lass dich drauf ein und sei bereit.


Gleise 2004

Meine Vorstellungen pendeln zwischen festen Stationen
Meine Gedanken fahren ohne Unterbrechung im Kreis
Meine Probleme folgen dem Alltag wie der Zug dem Gleis
Nur eines habe ich noch nicht gewagt:
Einfach auszusteigen und dort drüben im Wald Pilze zu suchen.


Glück

Bewegt sich wie ein Schmetterling,
verweilt mal hier, mal dort.
Genieße, wenn es dir begegnet, egal an welchem Ort.
Sei stets bereit es anzunehmen und denke stets daran,
wie kostbar solche Stunden sind, verrinnen schnell fortan.
Glück zeigt sich dir gar in Symbolen,
verneigt sich tief vor dir.
Und streichelt zärtlich deine Seele,
selbst als du schliefst noch hier.
Du kannst es teilen immerdar, mit jedem, den du liebst,
Ob einem Freund wie einem Fremden,
für den du alles gibst.
Was ist das Leben?
Ein kurzer Traum,
Wie Frühlingsblüten
an einem Baum,
Ein Hauch und sie sind entschwunden.....
Zum 2.Nov.passend.....

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge zieh'n.
Ich werde den letzten vielleicht
nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Rainer Maria Rilke
Gedichte sind Geschenke an die Aufmerksamen.

Paul Celan
DER DREIZEHNTE MONAT

Wie säh er aus, wenn er sich wünschen liese ?
Schaltmonat wär ? Vielleicht Elfember hieße ?
Wem zwölf genügen, dem ist nicht zu helfen.
Wie säh er aus, der dreizehnte von zwölfen ?

Der Frühling müßte blühn in holden Dolden.
Jasmin und Rosen hätten Sommerfest.
Und Äpfel hingen, mürb und rot und golden,
im Herbstgeäst.

Die Tannen träten unter weißbeschneiten
Kroatenmützen aus dem Birkenhain
und kauften auf dem Markt der Jahreszeiten
Maiglöckchen ein.

Adam und Eva lägen in der Wiese.
Und liebten sich in ihrem Veilchenbett,
als ob sie niemand aus dem Paradiese
vertrieben hätt.

Das Korn wär gelb. Und blau wären die Trauben.
Wir träumten, und die Erde wär der Traum.
Dreizehnter Monat, lass uns an dich glauben !
Die Zeit hat Raum !

Verzeih, dass wir so kühn sind, dich zu schildern.
Der Schleier weht. Dein Antlitz bleibt verhüllt.
Man macht, wir wissen`s, aus zwölf alten Bildern
kein neues Bild.

Drum schaff dich selbst! Aus unerhörten Tönen!
Aus Farben, die kein Regenbogen zeigt !
Plündre den Schatz des ungeschehen Schönen!
Du schweigst? Er schweigt.

Es tickt die Zeit. Das Jahr dreht sich im Kreise.
Und werden kann nur, was schon immer war.
Geduld, mein Herz. Im Kreise geht die Reise.
Und dem Dezember folgt der Januar.
Erich Kästner
Träumereien

Was träumt der Spatz
bei Wind und Sturm?
Von einem fetten
Regenwurm.

Was träumt der Krebs
so dann und wann?
Dass er auch vorwärts
laufen kann.

Was träumt das Fischchen
auf dem Grund?
Von Seifenblasen
herrlich bunt.

Was träumt das Küchlein
in dem Ei?
Dass seine Schale
bricht entzwei.

Was träumt die Raupe
auf dem Stein?
Vom Falterflug
im Sonnenschein

Alfred Könner.