Wachhund Amygdalo (Mandelkern) und sein Frauchen. Möglichkeiten, voll aus dem Leben gegriffen:

Einsam ein Häuschen. Es ist schon dunkel und der nahe Wald schwarz, abweisend, unheimlich.
Drinnen Frau mit Hund. Frau hat es sich in ihrem Bett bequem gemacht und liest. Hund? Auf dem Boden liegt er vor seinem Frauchen auf einer Decke und hat die Schnauze auf seine Pfoten gelegt. Ein großer Kerl, schwarzbraun, Belgischer Schäferhund. Sieht aus wie der leibhaftige Teufel mit halb abgebissenem rechtem Ohre.
Da! Zuerst der Hund. Er hat jetzt die Augen offen, knurrt böse und zeigt Zähne. Schnell ist er auf seinen Vorderpfoten. Frauchen lässt schnell das Buch sinken. Sie liest so wieso das falsche: „Bestie Mensch“ von Thomas Müller. Sie ist alarmiert. Waren da nicht Stimmen? Amygdalo steht jetzt, bellt was das Zeug hält. Seit längerer Zeit hat es das nicht mehr gegeben, hier nachts Fußgänger? Haben die irgendetwas im Sinn? Frauchen ist es nicht einerlei, sie ist aus dem Bett gesprungen. Mit ihrem Morgenmantel und einer Handlampe gehen sie gemeinsam an die Tür, Amygdalo dicht bei ihr, er krakeelt fürchterlich und aufgeregt. Jetzt ganz deutlich, da gehen draußen Leute. Was tun? Sie verharren angespannt. Doch ja, langsam entfernen sich die Stimmen.

Frauchen wieder im Bett. Und jetzt?
Amygdalo ist schwer in Fahrt und kann das Bellen nicht mehr lassen. Im Kopf von Frauchen geben sich die grausigsten Vorstellungen die Klinke in die Hand. Das Buch brachte die richtigen Anregungen. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Der Atem flach, das Herz klopft rasend bis zum Hals. Na dann gute schlaflose Nacht!
Diagnose: Generalisierte Angst. Das Bewusstsein ist überwältigt. Ihren Wachhund (Amygdalo) hat sie nicht unter Kontrolle und er bellt noch die ganze Nacht. Er heizt ihre Fantasien über mögliche Gefahren immer wieder an.

Eine andere Möglichkeit:
Frauchen spricht zu Amygdalo: „Jetzt ruhig, alles in Ordnung, auf deinen Platz!“ Und da liegt er dann wieder. Er ist zufrieden, Frauchen ist zufrieden.
Sie denkt noch: „Es waren wohl die Nachbarn von weit drüben. Sie hatten wahrscheinlich eine Partie. Waren ganz schön in Stimmung. Einbrecher sprechen nicht so laut und beschwingt. Und sie lächelt und ruft nochmal zu Amygdalo: „Gut gemacht!“ Er hebt den Kopf und der Schwanz wedelt: „Ach Worte, ein Leckerli hätte es schon sein dürfen.“
Sie löscht das Licht und Ruhe ist.
Diagnose: Ihr Wachhund reagiert situationsgerecht. Und hört auf sein Frauchen (Bewusstsein). Hier regiert sie, nicht der Mandelkern mit seinen aufpeitschenden Emotionen (Bellen). Braver Amygdalo, braver Mandelkern.

Und dieser Unterschied in der generalisierten Angstbereitschaft ist weitgehend angeboren. Sie zeigt sich schon im Säuglingsalter. Die einen erkunden krabbelnd sofort die Umgebung, die anderen hängen am Rockzipfel der Mama. Die Literatur war natürlich völlig daneben.

Da ist die Meditation zur Linderung gerade richtig. In der Achtsamkeit die aufdrängenden Angstgedanken einschätzen, weiterziehen lassen, entspannen, tief durchatmen.
Felix
41acul hat geschrieben: Hier die Fortsetzung der Antwort auf Fumaria (technische Probleme):

Um auf diese Zahl zu kommen muss ich 30 Jahre täglich drei Stunden meditieren. Dann ist man angeblich vom Glück und Empathie durchdrungen. Die Gehirne zeigen im MRT die höchste Aktivität des linken Vorderhirns - Hinweis für optimistische Lebenseinstellung - und ganz eindeutige morphologische Veränderungen in bestimmten Hirnregionen.
Ohne Glaubensanreiz ist das wohl nicht zu schaffen.

Felix


mein spontaner Gedanke war:
Sollte es wirklich so sein, dass eine linke aktivierte Gehirnhälfte in Zusammenhang mit Frohsinn und Empathie steht, dann müssten doch auch viele Kinder über eine oftmals aktivere linke Gehirnhälfte verfügen,
Kinder sind oft empathischer als Erwachsene ..

Ich recherchierte und fand auch einen entsprechenden Artikel der dies bestätigte.
Kinder und fröhliche Erwachsene mit vielen sozialen Kontakten sollen über mehr Aktivität im linken Bereich der vorderen Großhirnrinde verfügen. Stimmt das ?

Also , das heisst viel lachen, soziale Kontakte pflegen und ein wenig Kind in sich stets bewahren, dann klappts auch mit der Amygdala und der Regulierung negativer Emotionen.

hab ich da jetzt nen Denkfehler drin, oder ist da was dran ?
Emotionen, Gefühle und Verstand

Am Anfang der evolutionären Entwicklung des Gehirns waren wohl die Emotionen. Sie reagierten auf mögliche Erscheinungen und meldeten Unangenehmes und Angenehmes. War es gut für das Überleben oder nicht. Eine kreative Gestaltung dieser Reaktionen gab es noch nicht. Dann kamen die Gefühle als zweite Ebene hinzu. Damit wurden uns die körperlichen Veränderungen der Emotionen bewusst, ein mentales (geistiges) Warnsignal, dass sich auf die Aufmerksamkeit und das Gedächtnis auswirkte. Ein kleines Kind fasst nur einmal auf eine heiße Herdplatte. So führten die Gefühle mit Gedächtnis, Vorstellungsvermögen und Denken zur Entwicklung von Voraussicht – „die Platte kenne ich, die ist heiß und schmerzhaft“ – und der Fähigkeit neue, kreative Reaktionen zu entwickeln. Den zweiten Versuch nach schmerzenden Fingern kann ich mir sparen.
Und auf genau dieser Bühne des Theaters spielt unsere Meditation. Nach einer schlaflosen Nacht mit Amygdalo hat Frauchen vielleicht erkannt: Ich habe da eine Amygdala als Wachhund in meinem Kopf, die ist ja „hysterisch“, die kann sich gar nicht beruhigen. Und mit Verstand, Gedächtnis und Vorstellungen kommt sie im Zustand der Achtsamkeit zu der Einsicht: Jetzt wird trainiert, mit Meditation. Das lasse ich mir auf Dauer nicht gefallen.
Felix
@Dragonfly,

danke für Deine Anregungen. Besser können wir nicht zusammen lernen, als wenn wir uns fragen. Und so versuche ich einen zusätzlichen Anlauf:

Angeboren haben etwa 1/3 der Säuglinge eine vermehrte Hirnaktivität der Vorderhirnhälfte links, 1/3 rechts und das restliche Drittel ist "neutral". Die Messungen wurden durch fMRT durchgeführt, die keine Röntgenbelastung beinhaltet. Wie schon beschrieben, drückt sich schon im Säuglingsalter diese Grundstimmung im Verhalten aus: Linke Hälfte vermehrt aktiv: optimistisch, Risikofreude, Erkundungsdrang, Drang nach Selbstständigkeit. Eigentlich liest sich das ja wunderbar, die Person, die auf solch einen Schlingel aufpassen soll, hat natürlich alle Hände voll zu tun. Abends ist sie "fertig", sie kann sich aber über ihren Stromer freuen. Die Welt gehört ihm. Diese Gehirnzustände sind aber nicht in Stein gemeißelt. Erziehung und Strenge, ich plädiere hier ausdrücklich nicht für antiautoritäre Erziehung, können die Intensität beeinflussen. Auch durch Meditation konnte bei buddhistischen Mönchen eine enorme Steigerung der linken Vorderhirnaktivität gemessen werden. Sie zeigten Werte, die zuvor noch keine Person erreicht hatte.

Da sind wir uns sicher einig: Frohsinn ist nicht gleich Empathie.

Und zusätzlich bist Du auf etwas sehr Wichtiges gestoßen: Das Frontalhirn (Verstand, Frohsinn, Empathie) konkurriert mit der Amygdala um das Bewusstsein. "Langweit" sich das Frontalhirn, dann schickt augenblicklich die Amygdala wüste Gedanken hinein. Dann so begrenzt das Bewusstsein auch ist (Flaschenhals), es muss immer belegt sein. Deshalb der Spruch: Was ist das Schwerste für den Menschen: Nichts zu tun, keine Arbeit.
Fumaria:
Im Umkehrschluss sagt ein russisches Sprichwort, dass eine Depression zumeist das Ergebniss fauler Hände sei.


Gruß

Felix
von 41acul » 04.10.2018, 4:10
aus Forum Philosophie: "Wie kommuniziere ich am..."



@Verdandi,
Du bist auf einen wesentlichen Kern der Kommunikation gestoßen. Es sind die Emotionen. Seit den Griechen (Stoiker, Kant) versuchte man diese Beeinflussung herauszuhalten, wollte man eine "saubere" Vernunft und empfand diese Affekte als Trübung. Erst seit wenigen Jahrzehnten weiß man, dass der Verstand ohne die "Leitplanken" der Emotionen seine Entscheidungen falsch setzt, der Mensch stürzt im sozialen Gefüge ins Bodenlose.

Es war ein Unfall 1848 in Vermont, der zum ersten Mal einen Hinweis gab. Der Fall des armen Phineas Gage wurde weltberühmt, aber erst richtig vor 30 Jahren. Er machte einen Fehler bei der Vorbereitung einer Sprengung beim Eisenbahnbau und eine Eisenstange in seinen Händen flog ihm in den linken Kiefer und am Schädeldach hinaus. Nach 30 Metern schlug sie wieder am Boden auf.
Und er? Saß benommen auf dem Boden, ansprechbar, keinerlei Beeinträchtigung seiner Bewegungen, ohne Bewusstlosigkeit. Wenn man von oben durch das "Sprengloch" hineinschaute, sah man sein blankes Gehirn pulsieren.
Er überlebte Unfall und die unvermeidliche Wundinfektion. Er konnte danach alles, konnte sich völlig unauffällig bewegen, sprechen, einer Arbeit nachgehen.

Doch dann bemerkte man doch einer Unterschied. Er konnte seine sozialen Entscheidungen nicht mehr angemessen treffen, wurde in der Kommunikation ausfallend und abscheulich. Aus einem erfolgreichen Vorarbeiter mit 28 Jahren wurde eine soziale "Ruine".

Was war die Ursache. Die Eisenstange hatte Teile seines Frontalhirn (Präfrontaler Kortex) beidseitig mittig zerstört. Die heute anerkannt Steuerungszentrale der sozialen Intelligenz. Sein Fall geriet zunächst weitgehend in Vergessenheit. Damasio und Ekmann holten vor einigen Jahren das Wissen über ihn wieder hervor und stürzten die Erkenntnis der Stoiker und Kan, die Forderung nach der reinen Vernunft. Inzwischen weiß man, dass eine Vielzahl Gages unter uns sind (Verletzungen, Tumore usw.)
Und Schädel und Eisenstange liegen heute im Museum bei Vermont.

Jetzt ist es doch ein kleines Stück Philosophisches geworden. Nehmen wir die Erkenntnis, zum richtigen Denken braucht es die Hilfe der Emotionen. Nicht verdrängen, anerkennen und Deine angesprochenen Filter bei der Kommunikation und seinen Entscheidungen mit beachten. Die Detektivarbeit mit Meditation ist da der Goldstandard. Dann ist man nicht nur klug, dann ist man weise:-).

Grüße

Felix
41acul hat geschrieben: Wie ist es richtig?
Fühlen, Denken, Handeln, oder,
Denken, Fühlen, Handeln.

Das müsste stimmen: Fühlen nehmen wir bewusst wahr, Gefühle eben. Emotionen selbst nicht, sie sind die Bewerter der Gefühle, das Urteil spüren wir schon.
Der Kaffee ist kalt.
Kalt sagt das Gefühl und die Emotion beurteilt: ärgerlich.
Felix


Die 3-Typenlehre und die Psychographie von Friedmann und Winkler , untersucht gerade diese Schwerpunktverteilungen und zeigt auf, das jeder Mensch sich auf einen der 3 Bereiche spezialisiert hat.

Es gäbe also Menschen bei denen das Muster in unterschiedlicher Reihenfolge verläuft.
Demzufolge wäre - je nach Typ - alles richtig.

Die einen wären im Denken besonders gut, die Anderen im Fühlen und der dritte Typ im Handeln, bei jedem sei die Reihenfolge also anders.

denken-handeln-fühlen
handeln-fühlen erkennen
fühlen - erkennen -handeln

Das interessante daran sei, dass der mittlere Bereich gerne übersprungen würde, also die, die immer sofort handeln, oft das Fühlen dabei "vergessen" usw....bzw. in dem Bereich des Fühlens noch Entwicklungspotential haben.
(kennt glaub ich jeder solche Leuts..sie tun und tun und handeln und merken dabei gar nicht, wies den anderen dabei geht )

Gruß
Dragonfly
und das andere Ende der Fahnenstange:
vor lauter Denken/Nachdenken/zweifeln - vergessen wir das Handeln.....

ohne handeln zu wollen/zu können, gibt es keine Erkenntnisse....d.h. - es gibt weder Fehlschläge noch Erfolgserlebnisse....

wir brauchen jedoch beides:
die Fehlschläge lassen uns erkennen, was wir falsch gemacht haben und zwingen uns, nach neuen Möglichkeiten suchen.....
und die Erfolgserlebnisse sind wichtig für unser Ego - unseren Glauben an uns selbst....

wobei Emotionen/Gefühle unsere Handelsbereitschaft "anleiern".....
@dragonfly schreibt:

Die einen wären im Denken besonders gut, die Anderen im Fühlen und der dritte Typ im Handeln, bei jedem sei die Reihenfolge also anders.

denken-handeln-fühlen
handeln-fühlen erkennen
fühlen - erkennen -handeln

Das interessante daran sei, dass der mittlere Bereich gerne übersprungen würde, also die, die immer sofort handeln, oft das Fühlen dabei "vergessen" usw....bzw. in dem Bereich des Fühlens noch Entwicklungspotential haben.
(kennt glaub ich jeder solche Leuts..sie tun und tun und handeln und merken dabei gar nicht, wies den anderen dabei geht )


Da hast Du mir ganz schön etwas zum Knabbern aufgetragen. Nun, ich würde es gerne so sehen: Das "Überspringen" ist natürlich ein aufregender Gesichtspunkt. Ich würde es aber nicht als völliges Fehlen des mittleren Bereiches - es hätte also nicht stattgefunden - sondern als flüchtigen "Besuch" auffassen. Aber das ist sicher richtig, die Verweildauer ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Ich bin auch der Überzeugung, dass es auch zwischen Mann und Frau Unterschiede gibt. Es wird oft geklagt, dass Männer gelegentlich zu rational seien.

Zu entsprechenden "Dreier" (Mann?) möchte ich noch etwas sagen:

denken-handeln-fühlen

Das ist sicher nicht haltbar. Mit den Gedanken erscheinen automatisch die angehängten Emotionen, die Leitplanken der Entscheidungen. Habe ich sie wenig erfühlt, also bewusst wahrgenommen = Gefühle, dann sind sie trotzdem ganz sicher unbewusst sehr wirksam. Mann erscheint kaltschnäuzig, er ist aber kein Phineas Gage und kann seinen sozialen Weg nicht mehr steuern.

Das sollte uns bewusst sein: Eine klare Unterscheidung von Emotionen und Gefühlen ist völlig neu. In 95% der einschlägigen Bücher wird es noch durchgewirbelt verwendet. Da macht das Internet keine Ausnahme.

Grüße

Felix
@Gundulabella

und das andere Ende der Fahnenstange:
vor lauter Denken/Nachdenken/zweifeln - vergessen wir das Handeln.....


Das trifft voll Dein Spezialgebiet, die Börse. Es ist das Timing. Du kannst sicher ein Lied darüber singen. Und das ist sicher auch vollkommen richtig, ohne Entscheidungen keine Erfahrungen. Ich kann hier aber auch durch Nichthandeln - das war meine Entscheidung - das Ergebnis einige Tage später betrachten und den entgangenen Gewinnen nachtrauern. Auch jede Menge anderer Gelegenheiten gibt es, durch Nichthandeln wurde ich nicht mit heruntergerissen. Und jetzt ist Freude angesagt.
Gruß
Felix
41acul hat geschrieben: @Gundulabella

und das andere Ende der Fahnenstange:
vor lauter Denken/Nachdenken/zweifeln - vergessen wir das Handeln.....


Das trifft voll Dein Spezialgebiet, die Börse. Es ist das Timing. Du kannst sicher ein Lied darüber singen. Und das ist sicher auch vollkommen richtig, ohne Entscheidungen keine Erfahrungen. Ich kann hier aber auch durch Nichthandeln - das war meine Entscheidung - das Ergebnis einige Tage später betrachten und den entgangenen Gewinnen nachtrauern. Auch jede Menge anderer Gelegenheiten gibt es, durch Nichthandeln wurde ich nicht mit heruntergerissen. Und jetzt ist Freude angesagt.
Gruß
Felix


ich war/bin ein Mensch, der immer viel gezweifelt hat in seinem Leben....
manchmal war ich total gelähmt durch meine "depressiven Gedanken"....

irgend etwas zu unternehmen war mir in diesen Phasen fast unmöglich....

vielleicht weiß ich gerade deshalb, wie wichtig es ist, wenn man "handlungsbereit" bleibt ?.... :wink:

und ja - gerade die Börse zwingt mich dazu, "handelsbereit" zu bleiben - gut so !

dennoch kostet es mich nach wie vor Überwindung zu handeln - egal in welchem Bereich..... :wink:
@Gundulabella,
es ist genau so, wie du es beschreibst. In trüber (depressiver) Stimmung sind der Gedankenfluss und die Entscheidungsfreude deutlich verlangsamt und reduziert. So, als laufe der innere Motor zäh. Ganz anders natürlich in guter Stimmung, Hochstimmung: Man könnte "Bäume ausreisen". An den objektiven Entscheidungskriterien hat sich dabei jeweils nichts geändert.
Felix
@Dragonfly,
ich habe geknabbert und geknabbert. Und was ist dabei herausgekommen?
Ein gravierender Geburtsfehler: Ich habe in der Überschrift des Threads die Emotionen vergessen. Sozusagen den Regisseur nicht erwähnt.

Es darf nicht heißen: Fühlen, Denken, Handeln

Unbedingt: Gefühle/Emotionen, Denken, Handeln
es geht auch: Denken, Emotionen/Gefühle, Handeln

Beispiel: Ich denke - habe die Vorstellung - an einen unangenehmen Gesprächspartner, sofort reagieren die angehefteten Emotionen mit den Körpersignalen Unmut/Wut. Und die fühle ich mit meinem Verstand im Bewusstsein = bewusstes Gefühl, ich bin wütend. Und entscheide (Handeln) mich für eine Kopfnuss.

Jetzt bin ich aber weiser geworden und habe eine Schwäche in meinem System erkannt, Meditation? Die Wut ist unangemessen. Es ist dann keine Kopfnuss, es wird eine versuchte sachliche Nachricht.

Ich wusste es, wir lernen gemeinsam. Aber wir waren in guter Gesellschaft, viele Philosophen haben diesen Fehler begangen. Wie oben im anderen Beitrag schon beschrieben, vor allem die Stoiker und Kant. Die Zeiten der Ausblendung sind vorbei.

Gruß
Felix
Phineas Gage und der Nobelpreis
(aus der Schreckenskammer der Schulmedizin)

Nun, Phineas Gage und sein Schicksal war nahezu in Vergessenheit geraten. Da kam es fast 100 Jahre später 1934 zu einem folgenschweren Versuch:
J.F. Fulton und D. Jakobson beschäftigten sich damals an der Yale Universität mit zwei Schimpansen Weibchen. Diese, Becky und Lucy, waren sehr unangenehme Geschöpfe. Schnell waren sie frustriert und wurden dann äußerst unangenehm: aggressiv und tückisch. Überhaupt zählen Schimpansen zu den aggressivsten Tierarten und führen in der freien Wildbahn regelrechte Vernichtungskriege gegen Artgenossen aus anderen Gruppen.
Jedenfalls kamen Fulton und Jakobson auf die Idee, die Folgen auf das Verhalten ihrer „Schützlinge“ durch einen Eingriff (Leukotomie) im Frontalhirn zu studieren. Sozusagen eine Nachahmung von Phineas Gage. Und siehe da, Friedfertigkeit und Gelassenheit bestimmten fortan die Begegnungen.
Soweit wohl nicht schlecht. Alles wurde 1935 auf dem Weltkongress für Neurologie mit lebhaften Worten berichtet. Auch Egas Moniz – ein portugiesischer Arzt – war zur Stelle, fragte noch dies und das und sein Entschluss zu einer neuen operativen Behandlungsmethode bei psychotischen Patienten mit schweren Erregungen war gefallen, der Leukotomie oder Lobotomie = operative Durchtrennung von Nervenbündeln im Frontalhirnbereich. Phineas Gage war ja vergessen und so operierte man willentlich weitere Gages. 1949 erhielt er zur Krönung dafür den medizinischen Nobelpreis. „Einer flog über das Kuckucksnest“, dieser Film von Milos Foreman thematisiert die damalige Situation aus der Sicht eines Patienten. Als aufsässiger Simulant wird er zur Strafe zu einem Gage gemacht.

Erst durch Damasio und Ekmann drang man ab den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ernsthaft in das Reich der Emotionen ein.

Seit dieser Zeit gelang es zunehmend auch Emotionen und Gefühle auseinander zu halten:
Emotionen sind das Grundmuster von Verhaltenshilfen. Auf dem Weg der Evolution der Gehirne ging es ganz früh ohne Bewusstsein. Emotionen schalteten: Gut für das Leben? Ja oder Nein? Keine Begutachtung durch Gedanken. Mit Bewusstsein: Der Mensch erfühlt die körperlichen Reaktionen der Emotionen, es wird ihm als Gefühl bewusst und er kann sie erkennen, abwägen und sich gedanklich damit auseinandersetzen. Jetzt hat er die Möglichkeit, weise zu reagieren. „Blind“ vor Wut oder bei Panikattacken ist das Bewusstsein durch die heftige Emotionsflut überwältigt. Das machte über Jahrtausende den schlechten Ruf der Emotionen aus. e wurden als Charakterschwäche abgetan. Wer wollte auch schon „blind“, ohne Verstand, im Bewusstsein verharren.

Felix
von 41acul » 10.10.2018, 4:46 aus Thread "Ich-Illusion" Philosophie

Hallo Verdandi,

„Körperbewusstsein“, ein sehr anschauliches Wort. Darüber besteht sicher Einigkeit: Es braucht ein Bewusstsein im Gehirn, einen Körper in laufender Zustandsänderung und eine Bestandsaufnahme mit Übermittlung.

Dein Beispiel: Wenn ich einen schweren Autounfall hatte und keine Chance bestand, diese moderne, durch Technik beschleunigte Gefahr auf natürlichem Wege (Flucht oder Angriff) abzuwehren, weil unsere älteren Hirnregionen darauf nicht eingestellt sind, dann nutzt es uns nichts, wenn die unbewusste Leistung dieser älteren Hirnregionen anschließend darin besteht, unsere Angst vor Autos so zu verstärken, dass wir in keines mehr zu steigen vermögen. Für die Amygdala und die Emotion "Angst" wäre das ein Erfolg, aber für uns bewusste Menschen keinesfalls, im Gegenteil!

Stellen wir uns mit Hilfe Deines Beispiels Zustände vor:

Ich rase auf das vordere Auto zu und schlage dann ein. Mein Bewusstsein? Manche berichten, dass in dieser kurzen Zeit der Todesangst ihm das ganze Leben aus dem episodischen Gedächtnis durchlief. Damit ist der Flaschenhals (nur etwa fünf Phänomene möglich) des Bewusstseins = Arbeitsspeicher voll besetzt. Vom Körper erfährt man so gut wie nichts. Der umgekehrte „Trick“ bei der Meditation, ich fülle den begrenzten Arbeitsspeicher mit einem Bodycheck, taste mit Gefühl den Körper ab. Volle Konzentration auf „Körperbewusstsein“. Dann haben lästige Gedanken durch die erzeugten Phänomene des Gefühlten keinen Platz mehr. Entspannung.

Doch wir rasen ja noch. Amygdala ist richtig sauer. Höchste Not: Programm mit Herzrasen, Verkrampfung, Adrenalinausschüttung usw. Durch den Flaschenhals fühlen (Gefühl) wir nur einen Bruchteil (der Film des Lebens läuft ja, die Stühle des Bewusstseins sind besetzt).
Wieso ist die Amygdala denn sauer? In der Steppe gab es doch keinen Autoverkehr? Blitzartig haben wir die Situation erfasst mit schrecklichen Vorstellungen durch Denken mit den Bausteinen der Erinnerungen – Berichten, Fernsehen. Und an diesen Vorstellungen hängen automatisch die Emotionen mit Amygdala.

Einschlag. Bewusstlosigkeit. Zunächst Ende des Körperbewusstseins. Die Emotionen laufen aber in Höchstform weiter, sie wollen den Körper mit seinen schweren Verletzungen in einem Notprogramm am Leben halten. Die Überwachungsapparate zeichnen einen Teil davon auf.

Entlassung. Uns sitzt der Schreck noch in den Knochen. Denn bei jeder Wiedervorstellung des Unfalls ist die Amygdala (in den Knochen stecken) automatisch mit ihrem Emotionsprogramm (Angst) wieder da. Jetzt fühlen (Gefühl) wir erst richtig diese Körpersignale. Die Angst vor dem Autoverkehr ist deutlich verstärkt, die Leitplanken unseres Verhaltens haben sich durch die Amygdala verändert, sie ist „hellhöriger“. Ist es vernünftig, nicht mehr Auto zu fahren: die Amygdala sagt ja. Ist es rational, nicht mehr Auto zu fahren: nein. Wir brauchen eventuell als moderner Mensch dieses Transportmittel. Zur Angstüberwindung gibt es verschiedene psychotherapeutische Programme, kommt auf die Person an. Coole Socken haben es leichter. Verhaltenstherapie ist im Moment das wirksamste.
Und da sich die "Leitplanken" verändert haben, halte ich ab jetzt größeren Abstand zum Vordermann. Denn dichter dran meldet sich Angst.
Liebe Grüße
Felix

Ein Gefühl berichtet mir, Herzklopfen bei soviel Unfallnot:-)

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