Ich hatte einen kleinen, aber stabilen Freundeskreis, der 23 Jahre lang bestand. Ich dachte, es würde für immer so sein. Bis ich krank wurde und nicht mehr die starke Eiche war, an die sich alle anlehnen konnten. Als mir die Puste ausging und ich selbst ein bißchen Hilfe und Zuspruch brauchte, waren sie weg. Nur meine Familie war immer für mich da und dafür bin ich dankbar. Einen Freundeskreis gibt es nicht mehr.

O-Ton meiner ehemals besten Freundin: "Wir haben uns in verschiedene Richtungen entwickelt. Du bist nur noch ein krankes Hausmuttchen und ich eine erfolgreiche Unternehmerin. Es passt einfach nicht mehr".

Das tat verdammt weh und ich habe lange gebraucht, darüber hinweg zu kommen. Inzwischen tut es nicht mehr weh, aber ich frage mich, ob das die Normalität ist. Gilt Freundschaft wirklich nur für die guten Zeiten? Ich sah das immer anders, aber vielleicht habe ich mir zu viel gewünscht - immerhin war ich mit einem gehörigen "Helfersyndrom" gesegnet, das ich zum Vorteil meiner Mitmenschen ausgelebt habe. Nie hätte ich einen Menschen im Sttich gelassen, der Hilfe gebraucht hätte - schon gar nicht meine Freunde.

Inzwischen geht es mir zum Glück wieder deutlich besser und auch dieses "Helfersyndrom" ist deutlich kleiner als früher.

Was habt ihr für Erfahrungen? Wie ist es euch ergangen, haben eure Freunde euch auch in länger anhaltenden Krankheits- und Krisenzeiten unterstützt oder wurdet ihr ebenfalls als nicht mehr passend empfunden?

Ich freue mich auf Beiträge mit euren Erfahrungen.
Was du da schreibst , habe ich nach der Trennung von meinen Mann auch erlebt ,dann lernt man die richtigen Freunde kennen . Mit einigen hatte ich 30 Jahre verbracht , heute grüßen die nur kurz und gehen Ihren Weg , dass tut weh aber ich bin darüber hinweg .
Ich bereue nicht meine Vergangenheit , sondern nur die Zeit die ich mit den falschen Menschen verbracht habe .
Falsche Freunde sind wertlos ,
lieber weniger Freunde aber dafür die richtigen und man hat ja auch noch seine Familie .


Ein Zitat:

Den wahren Charakter
eines Menschen
erkennt man daran ,
wie er mit den
Menschen umgeht ,
die er nicht braucht .

von Johann Wolfgang von Goethe
Hallo akinom!

Danke für deinen Post. Es tut mir leid, dass du auch so negative Erfahrungen gemacht hast. Ich kann mir vorstellen, wie es sich anfühlt, den einstigen Freunden zu begegnen und die Ablehnung zu spüren. Das bleibt mir zum Glück erspart, ich begegne ihnen nicht mehr.

Ich sehe es ähnlich wie du. Ich habe noch nie viele Freunde gebraucht, legte schon immer mehr Wert auf Qualität als auf Quantität. Lieber wenige, dafür die richtigen ... Aber wer weiß es schon, wer die richtigen, die wahren Freunde sind? Das merkt man ja dann doch erst in der Not, oder? Und ja, meine Familie ist mir auch sehr wichtig.

Aber eines sehe ich doch anders: ich bereue es nicht, mit diesen Menschen so lange eng befreundet gewesen zu sein. Es war eine schöne Zeit, die ich mit ihnen hatte. Da gibt es nichts zu bereuen.
Wie heißt es doch so schön : Freunde in der Not,
gehen 1000 auf ein Lot!
Es ist leider so.
Oft ist es aber auch so, dass man sich selber in der Krankheit verändert.Man ist empfindlicher u verletzbarer.
Zuviel von den Freunden erwartet, schließlich braucht man Hilfe, Zuneigung oder Trost u hat, wie Du sagst selbst immer geholfen u jetzt sollen die gefälligst auch für mich da sein.Das funktioniert natürlich nicht , ohne Austausch u Sprache.Auch wenn man denkt , der Andere muß doch wissen was grad mein Bedarf ist., Nein, er weiß es nicht.

Sicher gibt es auch Menschen die mit schwerer Krankheit anderer schlecht umgehen können.
Denen kann man sagen: ich weiß, die Situation ist neu, aber es muß unsere Freundschaft nicht belasten, sei nachsichtig wenn ich anders bist wie Du mich kennst, aber es wär schön mal von Dir zu hören.
Meine Freundinnen habe ich am dringendsten gebraucht als mein Mann starb. Sie haben , jede in ihrem ihr möglichen Rahmen, für mich ein Netz gewoben und meine Kinder und mich aufgefangen. Sie sind heute noch da, manche sind nochmal voll in den Beruf eingestiegen, die meisten sind verheiratet, aber ich weiß, wenn ich sie brauche wären sie wieder da und ich für sie auch.
Augen auf bei der Suche nach Freuden.
Zoeteke Du Liebe,
auch da muß man selbst offen sein in dieser schweren Situation u Zeit.
Viele verschließen sich in ihrer Trauer , lassen niemanden an sich ran , wundern sich aber dass sich keiner kümmert.

Sehr wohl weiß ich daß manche Menschen mit Trauernden nicht umgehen können, wechseln die Straßenseite um sich nicht zu begegnen.
Auch hat es keinen Sinn zu dem Trauernden zu sagen: ruf mich an wenn Du mich brauchst, er wird es nicht tun. Immer wieder nachfragen, auch wenn man eine Abfuhr erhält. Man muß sich darüber im Klaren sein, dass der Mensch der einen so großen Verlust erlitten hat, in einer totalen Ausnahmesituation ist.
@Moewenadlerin
In Laufe der Zeit ändert sich vieles und manche Freude bleiben auf der Strecke, es heißt : alleine weiter gehen. :wink:
einatmenausatmen hat geschrieben: Oft ist es aber auch so, dass man sich selber in der Krankheit verändert.Man ist empfindlicher u verletzbarer.
Zuviel von den Freunden erwartet, schließlich braucht man Hilfe, Zuneigung oder Trost u hat, wie Du sagst selbst immer geholfen u jetzt sollen die gefälligst auch für mich da sein.Das funktioniert natürlich nicht , ohne Austausch u Sprache.Auch wenn man denkt , der Andere muß doch wissen was grad mein Bedarf ist., Nein, er weiß es nicht.

Sicher gibt es auch Menschen die mit schwerer Krankheit anderer schlecht umgehen können.
Denen kann man sagen: ich weiß, die Situation ist neu, aber es muß unsere Freundschaft nicht belasten, sei nachsichtig wenn ich anders bist wie Du mich kennst, aber es wär schön mal von Dir zu hören.


Ja, ich hatte mich verändert - ich brauchte ein bißchen Halt. Ich hatte schwere depressive Phasen mit Suizidgedanken. Dennoch und gerade in dieser Zeit wünschte ich mir Kontakt zu meinen Freundinnen, insbesondere zu meiner "besten" Freundin. Und ich gehöre nicht zu denen, die ihre Wünsche nicht artikulieren. Aber es war ihr zu viel, mich alle 8 Wochen mal zu sehen oder wenigstens eine Mail zu beantworten. Die latente Gefahr, mich durch einen Suizid zu verlieren, war zu viel für sie. Verloren hat sie mich dann trotzdem und zwar ausdrücklich auf ihren Wunsch, sie wollte keinen Kontakt mehr. Das hat meinen Lebenswillen damals nicht gerade beflügelt. Aber ich bin ihr heute nicht mehr böse und es tut auch (fast) nicht mehr weh.
_SPHINX_ hat geschrieben: @Moewenadlerin
In Laufe der Zeit ändert sich vieles und manche Freude bleiben auf der Strecke, es heißt : alleine weiter gehen. :wink:


Ja, genau so ist es.
Zoeteke hat geschrieben: Meine Freundinnen habe ich am dringendsten gebraucht als mein Mann starb. Sie haben , jede in ihrem ihr möglichen Rahmen, für mich ein Netz gewoben und meine Kinder und mich aufgefangen. Sie sind heute noch da, manche sind nochmal voll in den Beruf eingestiegen, die meisten sind verheiratet, aber ich weiß, wenn ich sie brauche wären sie wieder da und ich für sie auch.
Augen auf bei der Suche nach Freuden.


Wie schön, dass es auch Menschen gibt, die andere Erfahrungen machen durften. Es freut mich sehr für dich, dass du so gute Freunde um dich hast. Das ist soooo viel wert!
@Moewenadlerin

Ich habe auch ähnliche Erfahrungen gemacht wie Zoeteke. Wann immer es mir schlecht ging, waren meine Freundinnen für mich da. Umgekehrt ist es genauso :D
Hallo tigi,

auch für dich freut mich das.

Ich war immer für alle anderen da .... jeder konnte mit seinem Seelenmüll zu mir kommen. Und dann gab es für mich kein Halten mehr, ich musste ja die Welt verbessern. :roll:

Na ja, zuminmdest eins hat mir meine Erfahrung gebracht - heute gehe ich sorgsamer mit meiner Kraft um - muss ich auch, denn gesund bin ich immer noch nicht.
Im meiner schwierigsten Zeit hab ich mich mit meinen Problemen nicht an meine Freundinnen oder Freunde gewandt.
Jemand, der nie selbst an Depressionen gelitten hat, ist sicher nicht in der Lage, diese endlose Leere nachvollziehen zu können. Gut gemeinte Ratschläge , zum Beispiel Büchlein lesen, haben mich an den Rand der Verzweifliung gebracht. Und das Schlimmste daran ist, dass einem die Kraft fehlt, sich dagegen zu wehren.

Eine Therapeutin hat mir geholfen, aus dem Loch wieder herauszukommen, und ich habe keine Freundschaft zu Tode strapaziert.
Viele haben Hilfe angeboten, und die Hilfe hab ich in der Zeit meiner Genesung gut dosiert auch in Anspruch genommen. Ein Tabuthema war meine Krankheit - die hatte ich sowieso nur mit mir selbst und meiner Therapeutin durchzukämpfen.

Mit den Freunden und Freundinnen bin ich wieder ins neue Leben durchgestartet.
" ... und ich habe keine Freundschaft zu Tode strapaziert...."

Schön für dich. Ich war halt der irrigen Ansicht, dass 20 Jahre alte Freundschaften auch aushalten können, wenn eine aus dem Freundeskreis an mehr als Schnupfen erkrankt. Aber wie gesagt, mein Fehler. Nur weil ich das so sah und niemals Hilfe verweigerte, muss das ja nicht allgemeingültig sein.

Ich fand es nicht überstrapazierend, alle 2 Monate ein bißchen Kontakt haben zu wollen.

Zudem ich immer noch gut genug war, wenn mein Freundin Hilfe brauchte. Sie während einer 6-wöchigen Reha in ihrer Firma zu vertreten - dafür war ich durchaus noch gut genug.

Sorry, wenn ich etwas aggressiv wirke, das Thema wühlt mich doch immer noch auf.
cron