Pflanzen als Anzeiger einer Klimaänderung. Seit ca. 20 Jahren stelle ich enorme Veränderungen in der Pflanzenwelt fest, so finden sich Tropische Pflanzen wie das indische Springkraut und das gelbe Springkraut in den Mittelgebirgen in DE. Der Eichen- und der Buchenfarn, wärmeliebende Farne die lichte Eichen und Buchenwälder unter 400 Höhenmeter bevorzugen, sind bei uns im Fichtelgebirge bis auf 1000m Seehöhe vorgedrungen. Die Liste liese sich fortsetzen. Es sieht so aus daß doch etwas dran ist an der rasanten Klimaerwärmung. Wer hat ähnliche Beobachtungen gemacht?
Werner
:roll:

Hi Schwindeggerbua,

bei allen ambivalenten Gefühlen Deinen Beiträgen gegenüber (sie reichen von Sympathie bis komischen Unbehagen), sie sind immer interessant...

Aber diese Pflanzengattungen, so wie Du sie hier schilderst, kommen nicht wegen der sog. Klimaerwärmung, sondern wegen unserer enormen Reisefreudigkeit!

Samen kletten an Schuhsohlen, werden im Urlaubskoffer mitgepackt, große Ladefrachten für Schiffe und Flugzeuge sind "eingestaubt" mit einheimischen Pollen und gehen überallhin...immer schneller, immer mehr!
Insekten auch...

Und manchmal sind es einfach nur bestimmte Böden, um sich wohlzufühlen, nicht unbedingt 35-50° im Schatten...
So intelligent sind auch Pflanzen nicht, daß sie Gebiete weit im Voraus erobern, weil es da in 50 - 200 Jahren so warm werden könnte wie in den heutigen Tropen.
Hallo Chri51,
In gewisserweise hast du schon recht wenn du die Reisefreudigkeit als Grund der Veränderungen der Pflanzenwelt siehst, aber der Eichen- und Buchenfarn (Thelopteris Spp.) bevorzugt humosen tiefgründigen Boden und keine felsigen oder steinigen Böden, da muß mehr sein als die Reisefreudigkeit. Um in 1000m ü.NN. zu wachsen bedarf es schon einer klimatischen Veränderung. Auch die Spitzmorchel ein sehr teuerer Speisepilz kommt eigentlich südlich der Alpen vor aber seit einigen Jahren wächst er auch bei uns. Die Veränderungen an unserer Flora und Fauna sind Fakt und nicht mehr wegzu diskutieren.
Trotzdem freut es mich wenn meine Beiträge bei dir widersprechende Gefühle auslösen, es ist Sinn der Sache mit meinen Beiträgen aufzurütteln und die Leser zum Nachdenken zu bewegen
Grüße
von
Werner
Das Thema ist ziemlich komplex, weil bei der Pflanzenverbreitung mehrere Faktoren zusammenwirken, die sich z.T. verstärken, teils aber auch gegenläufig wirken.
Aus der aktuellen Verbreitung von Pflanzenarten auf jüngere Klimaverschiebungen zu schließen, ist nicht möglich; das macht auch kein seriöser Geobotaniker, auch nicht die oberfränkischen Fachkollegen im Fichtelgebirge.

Das Indische Springkraut wurde in Gärten eingeführt und ist von dort aus auf feuchte Auenböden ausgewandert. Es braucht viel Licht; bei Beschattung verschwindet es. Es hat bei uns eine standörtliche Nische gefunden, mit Klimaerwärmung hat seine Ausbreitung nichts zu tun.
Übrigens handelt es sich nicht um eine tropische Pflanze.

Eichen- und Buchenfarn waren von je her typische Waldpflanzen höherer Lagen bzw. der nördlichen Regionen. Vorkommen um 1.000m Seehöhe sind nichts ungewöhnliches, das höchste (bekannte) Vorkommen in den Bayerischen Alpen liegt bei 1.682m Seehöhe.

Tiefgründige Böden gibt es im Tiefland und im Bergland (hier etwas weniger). Auch im Hohen Fichtelgebirge hat es schon immer geeignete Standorte für Eichen- und Buchenfarn gegeben. Von einer klima-(wärme-)bedingten Ausbreitung in den letzten 20 Jahren ist den Fachleuten nichts bekannt. Allerdings könnten diese Arten durch forstlichen Umbau von Nadel- in Laubwälder gefördert worden sein.

Der vergangene kalte Winter und vor allem die Spätfröste Ende April haben übrigens der wärmebedingten Ausbreitung "tropischer" Pflanzen gewisse Grenzen gesetzt. So mancher vorwitzige Ausbreitungskanditat ist in jenen Tagen erfroren.
FagusW hat geschrieben: So mancher vorwitzige Ausbreitungskanditat ist in jenen Tagen erfroren.


oder hat enorme startschwierigkeiten um ins sommerliche jahr zu kommen.

in einer geschützten nische am haus wachsen zwei feigenbäume, der eine trägt nach jahren noch immer keine früchte, dafür kam er gut ins frühjahr. der andere, ein französischer import, trägt zwar früchte, die blätter mickern langsamst vor sich hin :?

das springkraut ist eine der ersten pflanzen, die sich im frühjahr wuchsfreudig gezeigt haben. und das trotz langen winters!
Red Deinen Feigenbäumen gut zu, dann werden sie schon (mein Ernst).
Am Neckar kannst Du das wagen, hier wäre nicht daran zu denken.
Bei meiner jungen Walnuss bin ich erst seit 14 Tagen sicher, dass sie es definitiv überlebt hat.

Dem Indischen Springkraut machen Winter nichts aus, es kommt von den Hängen des Himalaya.
Manchmal sind Fremdböden eine ganz tolle Errungenschaft für exotischen Pflanzen, weil einfach bestimmte "Feinde" fehlen!
Das können sowohl diverse Tiere, als auch andere Pflanzen sein, die einen Verdrängungswettbewerb veranstalten...

So kann es sein, daß eine Tropenpflanze sich gemütlich im Fichtelgebirge breitmacht, eingeschleppt von einem Sommertouristen...und völlig ungestört von Altfeinden die neue Ruhe genießt!

Die berüchtigte Kaninchenplage in Australien kam auch so zustande.
Hallo Buche(n)W alias FagusW,
Die Biologen,Botaniker etc. an der Uni BT trauen sich nicht, dies in dieser Deutlichkeit zu sagen, wenn ich mit ihnen diskutiere kommt dennoch verhaltene Zustimmung, aber es traut sich keiner soweit vorzubreschen wie ich dies in diesem Thread gewagt habe. In meinem Garten auf 540 müber NN wachsen auch Pflanzen, die es hier nicht geben dürfte. es sind dies Araukaria Araukana, Sequoia Sempervirens, der nach Meinung von Fachleuten des Botanischen Gartens Nymphenburg unter keinen Umständen bei mir wachsen dürfte, Aprikosen, Pau-Pau Bäume (Asimina Sp.) 18 verschiedene Bambusarten, Phormium Tenax Neuseeländischer Flax, auch nur winterhart bis etwa -15°C, trotzdem hat er den letzten kalten Winter geschafft. Warscheinlich kommt jetzt die Standard Erwiderung Das Kleinklima!. Es kann einfach nicht sein, daß man alles auf die rege Reisetätigkeit unbedarfter Zeitgenossen schiebt, irgend etwas bewirkt schon das Klima, das sich doch ändert und Indikatoren dieser Änderung sind nun mal Pflanzen.
Bis jetzt ist diese Diskussion recht interessant, hätte ich am Anfang nicht gedacht, übrigens in meinem Wald auf über 600 m wachsen auch Sequoiadendron Giganteum
Grüße
Werner
Ahäm...:roll:

merkst Du nicht den eigenen Widerspruch in Deinen Thesen?

Weil derzeit Tropenpflanzen bei Dir den letzten strapaziösen Winter überlebt haben, wären diese ein Indikator für die Klimaerwärmung?

Die anlaufende Klimaerwärmung (egal ob durch Co2 oder andere Mechanismen bewirkt) hat in Deutschland bis dato kein frostfreies Klima erwirkt, der letzte Winter war sogar -überhaupt nicht in dieses Bild passend- extrem kalt...
Wenn also Deine Tropenbäume/sträucher bei Dir überlebt haben, dann sind sie entweder resistenter gegen Kälte als angenommen, waren bei Anpflanzung schon älter als 3 Jahre (Sequoia Sempervirens).
Egal warum sie überlebt haben, sie haben es getan, weil sie mit den gegebenen Frösten umgehen/leben gelernt haben, bzw. weitgehendst noch schützende Maßnahmen bekamen, wie auch immer...

Und eingeschleppt hast Du sie! 8)

Deine von Dir selbst importierten Pflanzen ( s. Thread Reedwood!) standen also nicht vor Deinem oberfränkischen Garten und haben so für sich hingedacht:
"Also hier werden wir jetzt ein neues Land erobern, auch wenn es derzeit immer noch kalt ist, daß wir uns unseren letzten Wurzelarsch abfrieren. Wir wissen instinktiv, daß es in 30 - 50- 250 Jahren so gemütlich warm hier wird, daß wir auf jeden Fall schon mal hierbleiben" :twisted:

Ein bisschen mehr Logik bitte! :?

Übrigens, die chilenische Araukaria Araukana ist durchaus frostbeständig, sie mag nur keine Sonneneinwirkung bei sog. Kahlfrost, aber es gab ja letzten Winter viel bodenschützenden Schnee...
Schwindeggerbua hat geschrieben: In meinem Garten auf 540 müber NN wachsen auch Pflanzen, die es hier nicht geben dürfte.

Es gibt kaum echte Verbote für das Auftreten von Pflanzen. In der Natur kämpft die Pflanze mit Widrigkeiten des Standortes, mit dem Problem der Ausbreitung und dem der Konkurrenz der anderen Pflanzen. In einem Garten sind diese Faktoren ausgeschaltet. Der Gärtner sorgt für die Ausbreitung, er bekämpft die Konkurrenten ("Unkraut") und pflegt den Standort, indem er gießt und düngt.
Das Hauptproblem ist bei uns der Frost, und der trifft vor allem mediterrane bis tropische Pflanzen.

Schwindeggerbua hat geschrieben: Warscheinlich kommt jetzt die Standard Erwiderung Das Kleinklima!. Es kann einfach nicht sein, daß man alles auf die rege Reisetätigkeit unbedarfter Zeitgenossen schiebt, irgend etwas bewirkt schon das Klima, das sich doch ändert und Indikatoren dieser Änderung sind nun mal Pflanzen.

Die Wirkung des Kleinklimas sollte man nie unterschätzen, aber der springende Punkt ist doch ein anderer:
Wenn heute Sequoien, Gingkos und Konsorten vom Bodensee bis zum Fichtelgebirge und darüber hinaus vorkommen, dann liegt das am segensreichen Wirken von Gärtnerfreunden wie Dir. Selbstverständlich sind Pflanzen gute Indikatoren für Umwelteinflüsse, aber die möglichen Wirkungen von Klimaveränderungen werden von den Auswirkungen menschlicher Nutzungseingriffe noch bei weitem übertroffen.

Es macht einfach keinen Sinn, mit der Verbreitung einheimischer wie exotischer Waldpflanzen die Existenz einer Klimaveränderung nachweisen zu wollen, da wir gerade rst dabei sind, die Verbreitungsmuster an sich im Detail zu kennen und zu interpretieren. Was es mit deren kurz- und mittelfristigen Veränderungen auf sich hat - darüber wissen wir relativ wenig.
FagusW hat geschrieben: Red Deinen Feigenbäumen gut zu, dann werden sie schon (mein Ernst).
Am Neckar kannst Du das wagen, hier wäre nicht daran zu denken.
Bei meiner jungen Walnuss bin ich erst seit 14 Tagen sicher, dass sie es definitiv überlebt hat.



man sieht bereits einen unterschied, die pflanze hat ihre blätter weiter ausgetrieben. wir haben hier ja ebenfalls ein ideales weinbergwetter.

mein neuer "testbaum" ist eine khaki. bin schon gespannt, ob ich die zum anwachsen bekomme. :wink:
Hallo BucheW
Eigentlich wollte ich keine Klimaveränderung anhand von Pflanzen nachweisen, meine Frage war ob jemand ähnliche Beobachtungen gemacht hat. Ich beobachte die Natur eben sehr genau seit meinen ersten Erinnerungen mit ca 4 Jahren 1954, bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, deshalb ziehe ich meine Schlüsse aus meinen Beobachtungen der Natur. Dieser rasante Wechsel in der Flora unserer Heimat in den letzten 30 Jahre gibt mir halt zu denken. Manch einen interessiert dieser Wechsel in unserer Pflanzenwelt überhaupt nicht, ja er nimmt dies nicht einmal zur Kenntnis. Wieder andere sehen dies zwar, es ist ihnen aber sch...egal. Nur unsere Natur sollte niemanden egal sein!
Werner
zwar hast du FagusW angesprochen, nun gebe ich mal meinen senf zu deinen satzwürsten (nicht eng sehen, fiel mir zu "senf" ein :-)

ich bin mal da und mal dort aufgewachsen, doch immer in kleinen ortschaften.
nur sollte man nicht die bestehende flora als gegeben ansehen. es gab immer einen wandel in der natur.
für mich sind die gartenmärkte, die geänderten lebensbedingung der menschen und der tiere als gravierende einschnitte zu sehen. schau bitte mal die bilder von breugel an. diese menschen lebten max. bis zum 50. lebensjahr unter bedeutend anderen bedingungen als wir.
ein schlechtes erntejahr bedeutete hungrige mäuler. wir können ohne ende einkaufen und das gibt mir immer wieder zu denken.

wir kaufen nicht nur lebensmittel gedankenlos, nein auch in den gartenmärkten lassen wir es krachen. die wenigsten bauen gemüse und obst im eigenen garten an, wissen um die beschaffenheit der samen und um die verwertung der ernte.

sicherlich kennst du auch die goldrute, eine pflanze die sich ausbreitet und nicht in unseren breiten heimisch ist.
durch gartenmärkte, anpflanzungen im eigenen garten und unkenntnis werden pflanzen eingeschleppt, von denen wir spontan sagen könnten, das ist klimatisch bedingt. weit gefehlt, z.b. werden mit sonnenblumenkernen die allergieauslösende ambrosiasamen eingeschleppt. :wink:
Hallo Schleiereule,
Du hast schon Recht, unser gedankenloser Umgang mit Baumarktpflanzen, immer neue und exotischere Pflanzen müssen unsere Gärten bereichern und sie erreichen von da aus natürlich auch die umgebenden Felder und Wiesen.
Was sie dort anrichten erkennen wir erst Jahre danach. Eine der ersten Pflanzen die sich entlang der Verkehrswege ausbreiteten war die Robinie , die sich in 19. Jhdt. entlang der entstehenden Eisenbahn Trassen ausbreiteten. Heute sind sie so alltäglich, daß niemand auf die Idee kommt, die Robinie ist keine heimische Pflanze.
Grüße
Werner
cron