Rinderbaron hat geschrieben:
Wie du im Glaubensforum erfahren kannst, gehe ich in meinem Fall davon aus, dass ich nur aus Körper und Geist bestehe, also keine transzendentale Seele in mir trage.

Hallo Rinderbaron, wenn du keine (transzendentale) Seele in dir zu tragen glaubst, was ist dann für dich der Geist? Ist er deiner Meinung nach "nur" die Intelligenz? Und wie definierst du wiederum diese, was umfasst die Intelligenz für dich? Und welchem Bereich entstammen dann deine Emotionen - du hast dich ja immerhin als "total emotionalen Menschen" beschrieben, diese Eigenschaft sogar als "Geburtsmerkmal" bezeichnet (in einem Beitrag weiter oben). Und was ist für dich der Unterschied zwischen "Geist" und "Seele"?

Es geht mir nicht darum, dich hier zu examinieren, es interessiert mich einfach, da ich mir über das "Leib-Seele-Problem" auch schon öfter Gedanken gemacht habe.

Gruß Marcella
Lanzelot hat geschrieben:
maria_anna hat geschrieben: ...

Och nö, wer soll denn diese ellenlangen Beiträge immer lesen.


eben :wink:
Maria_anna - ich hab' den zitierten Beitrag auch nur voller Ungeduld kurz überflogen... :wink: :lol:
Hallo Marcella,

ach duu, Du dürftest mich sogar examinieren, so hübsch wie Du vom Bildchen lächelst....ot, ich weiß.....Prösterle

Nun aber Butter bei die Fische.

Aus hinlänglicher Unterhaltung wissen wir beide, dass der Mensch aus Körper - Geist und Seele bestehen soll.

Ich gehe aber davon aus, dass Gott mir keine Seele eingehaucht hat, weil ich dann nichts habe, was mich zum Nachfragen bei Gott nach dem Warum in seinen Entscheidungen berechtigen kann.

Dass Gott die Evolution eines bestimmten Lebewesens dazu bestimmt hat, ein Gehirn zu entwickeln, das diese Spezie denkfähig macht, kann ich Gott nicht vorwerfen.
Denn Gott wäre nicht Gott, wenn er sich von mir das vorwerfen lassen müsste.

Mit diesem eingebauten Wanderpokal in mir, würde ich aber doch glauben, Gott nach seinen Entscheidungen fragen zu dürfen, weil ich ihn immer dann nur schwer oder gar nicht verstehen will, wenn er mir das Leben schwer macht.
Denn ein liebender Gott macht den von ihm über alles geliebten Menschen nicht das Leben schwer, ist doch so lange unser Grundgedanke, solange wir davon ausgehen, dass wir über dieses Element Seele in direktem Kontakt zu Gott stehen.

Ohne Seele weiß ich, dass ich von Gott gewollt bin, also aus seinem Plan hervorgegangen bin..
Aber Gott muss mich als Kombination von Körper und darin verhaftetem Geist nicht mehr lieben als alles Andere, was aus seinem Willen heraus geworden ist.


Würden sich alle Menschen auf diese Wertigkeit einlassen, hätten wir mit einem Schlag so viele zwischenmenschliche Probleme ausgeschaltet, dass wir bis Weihnachten wieder das Paradies auf Erden einrichten könnten.

Würden alle Menschen davon ausgehen, dass sie für Gott nicht mehr und nicht weniger wert sind, als irgendein Lebewesen, also auch nicht wichtiger als eine Fliege an der Wand oder ein Wurm in der Erde wären, könnten wir sicherlich sehr schnell Begriffe wie Neid, Missgunst, Vorteils Sucht aus unserem Vokabular streichen, da wir begreifen würden, dass wir nur hier leben, für keine Zukunft Gold mit in unser Grab nehmen müssten und vieles andere auch gar nicht bräuchten, weil es lauter Dinge sind, die auf das Leben nach dem Tod ausgerichtet sind.

In dieser Wertigkeit hätten die Menschen kaum Anlass sich gegenseitig zu töten, denn sie bräuchten tatsächlich nicht mehr, als täglich eine Hand voll Reis, bis sie der Tod auch von dieser Notwendigkeit wieder befreit.

Schau doch mal, welche Menschen am ehesten friedfertig sind.

Ganz bestimmt sind es nicht die, welche viele Hände voller Reis in ihren Speichern haben.

Ein leerer Magen studiert zwar nicht gern, aber er streitet auch nicht gern.

Merkst du, dass ich gerade beginne davon zu sprechen, wie wir uns das Leben im Himmel vorstellen?
Wo wir weilen werden wie Lämmer, weil wir beim Gang durch die Himmelspforte unser Gehirn, dieses vielseitig einsetzbare Teil, mit dem man friedvolles aber auch bösartiges ersinnen kann, bei Petrus, Gottes Türsteher, abgeben müssen.

Alles Elend dieser Welt entsteht nur dadurch, dass es unser Gehirn nicht schafft, seine Fähigkeit, Böses zu ersinnen, selbst zu eliminieren.

Analog dazu....Selig die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich!

Unser Geist, die Fähigkeit zu denken, ist also der Apfel, den die Schlange uns hin hält, damit wir ihn gebrauchen, um Böses in die Welt zu tragen.



Weil der Geist uns befähigt, eine Frage von vielen Seiten zu beleuchten, mal was ganz anderes von mir.

Versuche doch mal dieses Ding mit dem Apfel und der Schlange so zu interpretieren:

Gott gab dem Korn in seinem Urstaub, aus dem sich im Laufe der Jahrmillionen die Spezie Mensch entwickelte, die Grundinformation mit, auch Gehirnmasse zu entwickeln, um sehen zu können, wie der Mensch die dadurch entstehenden Möglichkeiten nutzt.

Nachdem er dann gesehen hat, dass die Menschen diese Fähigkeit zum Streiten und Zanken nutzen, hat er der Sonne befohlen, sich im Jahre soundsoviel so stark abzukühlen, dass die Menschen nicht mehr leben können.

In seiner unendlichen Liebe hat er diesen Zeitpunkt der Sonnenauskühlung allerdings so gewählt, dass den Menschen genug Zeit zum Umdenken bleibt. Zum Umdenken auf eine Lebensweise, in der die Menschen all ihre Kräfte darauf ausrichten, dem Gottes Gericht der Auskühlung der Sonne durch Raumfahrt in Sonnen ferne Galaxien zu entgehen.

Ich könnte mir vorstellen, dass Gott so humorvoll wäre, an dieser unglaublichen Anstrengung der Menschen, die sie nur im gegenseitigen Frieden stemmen könnten, so sehr Gefallen zu finden, dass er dann die Menschheit wieder von ihrer Fähigkeit zu denken befreien würde, damit sie fortan ganztägig Harfe spielend ihr Leben in einer Welt ohne menschliche Niedertracht leben könnten.

Gott würde diese friedfertigen, fleißigen Ameisen also wieder in den Himmel zurückholen.
Hallo Rinderbaron,

eine wirkliche, konkrete Antwort auf meine Fragen war dein Beitrag nicht. Aber eigentlich habe ich das auch nicht erwartet. Meine Fragen, die ich an dich gestellt hatte, kann ich ja selber nicht eindeutig beantworten. Und "die Wissenschaft" ist (soweit ich das weiß) auch noch zu keiner einheitlichen Antwort auf diese Fragen gekommen. Und müsste ich eine Prognose erstellen: Das wird ihr auch nie möglich sein. Aber wie gesagt: Das ist nur meine ganz persönliche Meinung, und meine eigenen Begrenztheiten sind mir bewusst.

Bei dir fällt mir Folgendes auf: Du hast einerseits eine vollkommen "apersonale" Vorstellung von Gott - du schriebst einmal (im Religionsforum) von ihm als einer "immateriellen Intelligenz". Ich habe dir darauf geantwortet, dass mir das zu "seelenlos" sei.

Und andererseits "vermenschlichst" gerade du Gott (wer / was / wie immer das auch sein mag…) in ganz besonderer Weise. Wenn du über "ihn" schreibst, dann klingt das sehr oft so, als ob du über einen Menschen schreiben würdest, dessen Handeln, ja sogar dessen Gedanken für dich völlig nachvollziehbar sind, weil du ja auch ein Mensch bist. Das ist mir nicht etwa unsympathisch, wenn du dich so äußerst. Ich muss fast eher ein bisschen lächeln dabei, weil das so sehr abweicht von dem, wie du rein rational über Gott schreibst. Und ganz ehrlich: Ich glaube, du würdest es selber gar nicht ertragen, wenn dein Gott nur "immaterielle Intelligenz wäre". Das würde deine Sehnsucht nach etwas "Haltendem", auch Fühlendem, einfach nicht stillen. Das ist eine gewagte Behauptung, das weiß ich auch. Aber intuitiv würde ich es so sagen.



Du schreibst u.a.:
Ich gehe aber davon aus, dass Gott mir keine Seele eingehaucht hat, weil ich dann nichts habe, was mich zum Nachfragen bei Gott nach dem Warum in seinen Entscheidungen berechtigen kann.
(….)
Ohne Seele weiß ich, dass ich von Gott gewollt bin, also aus seinem Plan hervorgegangen bin....

Ja Herrschaftzeiten, Rinderbaron!!! Glaubst du denn, dass Gott (wenn es ihn gibt…) dir eine solche Sonderbehandlung angedeihen hat lassen (und wenn ja, warum)??? Und warum sollte denn die Tatsache, dass du keine Seele hast (was ich persönlich natürlich als fast schon absurd empfinde, das so anzunehmen…) - warum sollte also gerade deine "Seelenlosigkeit" dich dazu verurteilen, bei Gott nicht "nachzufragen", wenn du mit seinen Entscheidungen nicht einverstanden bist bzw. du deren "Warum" nicht kennst?



Du schreibst weiter:
Schau doch mal, welche Menschen am ehesten friedfertig sind.

Ganz bestimmt sind es nicht die, welche viele Hände voller Reis in ihren Speichern haben.

Ein leerer Magen studiert zwar nicht gern, aber er streitet auch nicht gern.

Ein armer Mensch streitet nicht gern, weil er nicht die Kraft dazu übrig hat! Er muss seine gesamte Energie darauf verwenden, sich und seine Kinder durchzubringen. Du verwechselst hier (meiner Meinung nach, wohlgemerkt) Friedfertigkeit mit Kraftlosigkeit und Lethargie.
Jaaaa - wir satten, zufriedenen Mitteleuropäer sind da recht schnell bei der Hand mit solchen Zuschreibungen. Sie beruhigen so schön das Gewissen. Ich kann hierzu nur eines sagen: Wenn ich miterleben müsste, wie eines meiner Kinder hungern müsste - ich glaube, ich wäre da keinesfalls friedfertig. Außer eben, ich hätte die Kraft zum Kämpfen nicht mehr. Ach - es gäbe in deinem Beitrag so Vieles, wo ich dir vehement widersprechen müsste, aber dazu fehlt nun mir wiederum die Energie.



Im weiteren Verlauf deines Beitrages oben schreibst du auch:
In seiner unendlichen Liebe hat er diesen Zeitpunkt der Sonnenauskühlung allerdings so gewählt, (…)
(Hervorhebung von mir)

Ich frage dich nun: Wie kann denn etwas, was nur "immaterielle Intelligenz" ist, gleichzeitig in "unendlicher Liebe" zu uns Menschen sein? Nein, tut mir Leid, Rinderbaron - sie wollen mir nicht in den Kopf, deine Vorstellungen von Gott. Und in die Seele (was immer das auch sein mag…) noch weniger.

Du vermutest sogar Humor bei Gott. Ja, das würde ich mir auch so wünschen. Und den braucht er auch, den Humor bei solchen Menschen wie dir und mir…:wink: :wink:

Aber bevor nun wiederum ich ins Humoristische abgleite, beende ich diesen Antwortversuch lieber. Aber es ist schon gut, dass du deine Gedanken hier so unkonventionell äußerst, dann kommt "frau" beim Lesen und Nachdenken auch auf manche unkonventionelle Überlegungen, und das mag ich ja.

Lieber Gruß -

Marcella
Liebe Marcella,

nach einem schönen Abend stelle ich gerade fest, dass ich schreiben kann wie ich will, aber ich schreibe an dir vorbei.

Zum Beispiel hob ich grün hervor, nun mal was ganz anderes von mir oder so.

Nach diesem grünen Satz versuchte ich Dir eine Vorstellung anzubieten, die in direktem Zusammenhang mit der Bibel steht.
Da wir nun doch schon eine weile hin und her schreiben müsste Dir doch auffallen, dass dieser Teil meines Beitrages nur eine "Denkübung" zu einer biblischen Szene ist und mit dem, was über dem grünen Satz steht, überhaupt nichts zu tun haben soll.

Das, was über dem grünen Satz steht,ist dagegen meine Ansicht, meine derzeitige Überzeugung, die sich wiederum durch neue Erkenntnisse verändern kann.

In deinem Dialog mit mannos scheint von mannos seiner Seite das gleiche Problem zu existieren wie von mir, wir wollen oder können nicht unsere Stühle tauschen.

Ich schreibe beispielsweise klipp und klar, dass Gott für mich eine "immaterielle Intelligenz" ist, die weder meinen Namen kennt noch eine Pin-Nummer abgespeichert hat.

Desweiteren schreibe ich, dass ich aus der von Gott installierten Evolution Mensch abstamme, also von Gott gewollt bin, mich aber als seelenloses Wesen sehe, weil ich keine persönliche Verbindung zwischen Gott und Mensch erkennen will.

Du folgerst aus all dem von mir geschriebenen, dass Du vermutest, dass ich das mit der immateriellen Intelligenz doch nicht ganz so seelenlos gemeint haben werde, weil Du dir das für mich auch nicht so richtig vorstellen kannst.

Marcella, ich befürchte, dass DU dich schwer tust in der Übung, gedanklich zu springen.
Vielmehr befürchte ich, dass du aus einer undefinierten Angst heraus bestimmte Dinge in deinem Geiste nicht nachvollziehen willst, weil sie dir Angst machen würden, wenn sie zuträfen.

Irgendwie tue ich mich im Dialog mit Dir sehr schwer.

Jetzt geh ich an ein warmes Plätzchen und fröne dem Schönen.

Liebe Grüße vom Rinderbaron
Lieber Robert,
wir (das behaupte ich jetzt einfach mal)
tun uns alle schwer im Dialog mit dir!
Tja, woran das wohl liegt!
Es kann nur an uns liegen!

Schönen Samstag trotzdem
nach Waldkirch!

Ibelieve
wieso und wer ist wir?
Ich gehöre wegen nicht so doller Eloquenz, wackeliger Grundeinstellung und dem Fehlen bohrender Fragen, die mir sowieso keiner beantworten kann, nicht dazu; aber es würde mich immer noch interessieren, was so stört.

...kann es nicht sein, dass wir einfach zuviel voneinander erwarten - zuviel Übereinstimmung und Bestätigung? Aber hinter vielen Abgrenzungen steckt ja auch eine Art Anerkennung, gegen die man meint, sich wehren zu müssen.

Sogar wenn ich eigene vergangene Beiträge später lese, die ich spontan runter geschrieben habe (ist eben meine Art), muss ich selbst nachdenken, was ich damals eigentlich gemeint habe. Welche "seelische" Verfassung gerade dahinter stand, die sich inzwischen wieder verändert hat.

Mir selbst ist der "Eroberungs-Blog" sauer aufgestoßen - ein Anlass zu fragen, welchen Sinn es hätte, maßregelnd darauf zu antworten oder etwas dazu zu lernen. Wie Männer nun mal oft ticken. Ich kann mich dann darauf einstellen und froh sein, dass mich niemand erobern will. Freiheit hat was - es ist einfach entspannter.

Aber zum Thema: klar habe ich eine Seele und das "Ego", die "Persönlichkeit" ist für mich wie eine Milchglasscheibe, die mir die Sicht darauf versperrt. Dieser "unpersönliche" Gott zum Beispiel: was geht mir ab, wenn er jede Ameise genauso "liebt" wie mich? Also wenn "Er" - ich sag lieber "Es" alles genauso liebt, kann ich mich nicht mehr abgrenzen. Schlecht für die Eitelkeit und meinen Wunsch, etwas Besonderes zu sein. Vorgezogen zu werden. (ich bin eine ältere Schwester und habe darunter gelitten, dass mein jüngerer Bruder grundlos vorgezogen wurde). Daran mag es bei mir liegen.

Wenn diese Energie nicht nur Intelligenz, Bewusstsein und auch "Liebe" an sich wäre, wovon meine Anteile daran nur Bruchstücke sind, manchmal überhaupt nicht erfahrbar - dann wäre das alles nicht mehr wichtig und ich wäre im Gleichgewicht. Und dann frag ich auch nicht mehr und kann vieles stehen lassen.
Hallo Rinderbaron,

irgendwie tut's mir ja Leid, dass wir oft so gar nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen, aber für mich liegt das wirklich auf der Sachebene und ist keinesfalls Ausdruck von persönlicher Ablehnung. Vorsichtig bin ich ja grundsätzlich, wenn ich jemanden nicht persönlich kenne, also auch dir gegenüber.

Ich habe das schon sehr genau verstanden, dass Gott für dich ein nicht-personales Wesen ist, zu dem daher auch keine "persönliche Verbindung" bestehen kann. Allerdings ist er für dich der Urheber alles Geschaffenen. Somit bist du wohl ein Anhänger des Deismus. Dieser geht ja davon aus, dass Gott zwar das Universum, die Menschen und überhaupt alles Seiende geschaffen hat (ich habe mal in dem Zusammenhang den Ausdruck gehört: "Ins Dasein geworfen hat...."), sich aber dann nicht mehr darum kümmert.

Vielleicht hast du insofern Recht: Dass ich "bestimmte Dinge in meinem Geist nicht nachvollziehen" will, weil sie mir Unbehagen bereiten. Ja, eine solche Vorstellung von Gott wäre für mich in der Tat sehr unbefriedigend. Denn dann würde mich die Frage nicht loslassen: Warum erschafft er dann erst alles, wenn er sich dann nicht mehr darum kümmert??? Das käme mir vor, wie wenn Menschen ein Kind zeugen und gebären und es dann sich selbst überlassen würden. Das erschiene mir als grobe Verantwortungslosigkeit, eigentlich fast schon als Grausamkeit und Sadismus.

Ja, natürlich sind das sehr menschliche Vorstellungen, die ich da im Zusammenhang mit Gott äußere, aber das tust du ja auch immer wieder. Und ich finde das auch völlig legitim und auch normal: Anhand welcher Kriterien sollen wir denn sonst nach Gott fragen, über ihn sprechen, wenn nicht nach menschlichen? Wir haben einfach keine anderen Maßstäbe! Die einzige mögliche Alternative dazu wäre, das Thema Gott völlig auszuklammern mit der Begründung, dass wir eben nicht über das notwendige Sensorium und gedankliche Instrumentarium verfügen, uns über Gott Gedanken zu machen. Aber das könnte nun ich wiederum nicht - all diese Überlegungen, wie ich sie z.B. auch hier zusammen mit vielen Anderen (und auch mit dir) angestellt habe, einfach abzublocken. Geht ja auch gar nicht.

Das Fazit, das ich aus unserem (nicht so ganz geglückten) Dialog ziehen möchte: Dass ich ohne Wenn und Aber deine Vorstellung von Gott als "immaterieller Intelligenz" so stehenlassen will. Und nicht insgeheim denke, dass man damit doch nicht froh werden könne und ich das aus diesem Grund immer wieder bei dir hinterfragen muss. Das war auf meiner Seite vielleicht auch so ein Stück Intoleranz, weil ich selber mir ja einen Gott wünschen würde, der auch erreichbar für uns Menschen ist.

Ich glaube, dass die jeweilige Biographie jedes einzelnen Menschen mitbestimmt, welches Gottesbild er für sich annehmen möchte. Für mich jedenfalls würde ich das so sagen. Und es wird auch bei dir seine Gründe haben, dass du dir Gott als etwas ganz und gar Unpersönliches vorstellen willst / musst.

Man kann sich ja über alles austauschen und, falls nötig, dazulernen - mit gutem Willen beiderseits. Ist jedenfalls meine Meinung.

Gruß Marcella
Hallo Marcella,

mit deinem letzten Beitrag hast Du virtuell die geistige Brücke gebaut, um sich wenigstens sprachlich besser zu verstehen.

Ja,

Du hast recht, wenn Du vermutest, dass mir mein Lebensweg zu meinem selbst errichteten Bild von Gott verholfen hat.

Weil ich irgendwann keine Möglichkeit mehr gesehen habe, Gott als nur liebenden Gott zu sehen, brauchte ich ein anderes, als das bisherige Gottesbild.
So treibe ich täglich neu mein Gehirn an, dieses neue Bild zu vervollkommnen, damit ich eines Tages zu dem Schluss kommen kann, eventuell nie das wahre Bild von Gott gefunden zu haben, aber mich wenigstens inständig darum bemüht zu haben.

Ja,

Du hast recht, dass auch ich mich oft nach einem Gott sehne, den ich wie einen menschlichen Bruder ansprechen kann.
Allein meine Ratio aber sagt mir, dass es besser für mich ist, nicht länger nach diesem Gott zu suchen, weil es ihn nach ihrem Dafürhalten nicht gibt.


Ja,

Du gehst recht in der Annahme, dass ich Gott als eine "immaterielle Intelligenz " verehre, die Gedanken in materielle Realitäten konvertiert, um diese Konvertiten dann ihrem Schicksal, sprich ihrer Evolution zu überlassen und sich nicht mehr weiter darum zu kümmern.

Nenne mir einen einzigen Grund, warum ein solches Wesen sich in seinem Denken und Handeln an menschlichen Gefühlen und sinnlichen Wahrnehmungen, sprich Gefühlen, orientieren muss.

Gott wäre für mich selbst dann Gott, wenn er nur Konvertiten produziert hätte, die wir abstoßend, lebensfeindlich oder einfach nur als sinnlos betrachten würden.

Gott muss nichts und darf alles.

Vor allem, muss das, was Gott veranlasst, in keinster Weise Sinn machen.

Gott kennt für sein Verhalten keinerlei Vorgaben, darf aber Allem, was er in die Evolution entlässt, seine Vorgaben mit auf den Weg geben.

Liebe Grüße von der Rinderalm
Hallo Rinderbaron,

es ist vermutlich ein Fehler, dir jetzt so ganz spontan zu antworten - vielleicht muss ich diese Antwort später auch wieder revidieren, das mache ich dann auch, aber so, dass es zu erkennen ist.

Beim Lesen deines Beitrages hatte ich wieder den sehr intensiven Wunsch verspürt nach einem "menschlichen" Gott, auf den eben Begriffe wie Liebe, Wärme, Zuneigung, Vertrauen, Hoffnung, Zuversicht, Schutz, Geborgenheit - usw. - anwendbar sind. Bitte das jetzt nicht als Kritik deines Gottesbildes verstehen - ich schreibe nur, was mir so durch den Kopf geht bei gleichzeitigem Bewusstsein, dass wir da eben verschieden ticken.

Was ich schon glaube ist, dass Gott (wenn es ihn gibt....) uns zum einen in der Natur Hinweise auf sein Wesen gibt. Und in der Natur wiederum hat alles einen Sinn, alles dient letztlich dem (Über-)leben. Und gerade frage ich mich: Sind z.B. bestimmte Naturerscheinungen, besonders auch der Flora und Fauna, nun wirklich so schön, oder empfinden wir sie "nur" als so schön, weil sie uns vertraut sind? Das wäre aber wiederum eher eine Frage für mannos' Thread "Über das Schöne". Würden wir z.B. auch tiefschwarze, eckige Blüten als "schön" empfinden, wenn wir nichts anderes kennen würden? Entschuldige, ich denke wieder mal laut.

Desweiteren glaube ich, dass Gott erfahrbar ist in allen Situationen, in denen es uns gut geht oder wir sogar glücklich sind. Für mich sind das in erster Linie Situationen aus dem zwischenmenschlichen Bereich, aber immer wieder auch, wenn ich allein mit mir bin.

So unterschiedlich nun deine und meine Vorstellungsversuche von Gott auch sind, ich glaube, sie sind beide gleich richtig und gleich falsch. Denn da wir ja keinen direkten Blick auf Gott haben, zieht eben jeder das als Vorstellungshilfe heran, was für ihn von Bedeutung ist. Das habe ich jetzt als Aussage formuliert, aber es ist natürlich nur ein Überlegen und Mutmaßen. Wirkliches Wissen kann meiner Meinung nach in diesem Bereich niemand für sich beanspruchen, auch nicht die Theologie. Ich hatte mich ja früher mal intensiver mit katholischer Dogmatik zu beschäftigen, und ich habe es als sehr vermessen empfunden, welche dezidierten Aussagen da über Gott (und Jesus) gemacht wurden.

So, ich breche ab, sonst verfranse ich mich wieder. Ich hoffe, dass meine Überlegungen dich zumindest nicht in irgendeiner Weise kränken. Und es sind nur Überlegungen, und ich bin mir ihrer Subjektivität und Nichtbeweisbarkeit bewusst.

Gruß Marcella
Liebe Marcella,

in unseren Gefühlen, Empfindungen, Herzschmerzen gewinnen wir zwar immer wieder den Eindruck, dass Gott gerade, einem Menschen gleich, zur Tür rein gekommen oder raus gegangen sei.
Wir fühlen uns einfach wohler, wenn wir "im Diffusen" jemand haben, mit dem wir Freud und Leid teilen dürfen.
Wir lieben das Gefühl, "im Diffusen" jemand dankbar sein zu dürfen, aber auch jemand nach dem Warum seines Handelns fragen zu dürfen, selbst wenn uns dieses Handeln nicht selbst betrifft. Ich würde das gerne den "Don Camillo Effekt unseres Lebens" nennen.

Vor längerer Zeit habe ich mal nachfolgenden Text geschrieben:

Das Stossgebet

Von hinten hupt es
Vorne seh" ich rot
Neben mir ein LKW

Ja um Himmels Willen,
wo soll ich hin?

Oh ja...ganz klar....
zu "Ihm".....

"Lieber Gott, bitte mache dass ....

Alle Ängste der Menschen lassen sich aus dieser Perspektive sehr gut nachempfinden.

Vor irgendetwas haben Menschen immer Angst.
Durch irgendetwas fühlen sie sich immer bedroht.

Deshalb benötigen sie Rettungsinseln, Fluchtpunkte oder Auswege.
Deshalb brauchen sie einen lieben Gott.

Aber können wir Gott, das Reinste, was sich unser Gehirn vorstellen darf,
in der Not überhaupt erkennen?

Ganz klar nein!

Nur wenn wir total entspannt sind, dürfen wir hoffen, das Phänomen Gott
in der innersten Tiefe unseres menschlichen Empfindens wahrnehmen zu können.

Sind wir derart entspannt müssen wir aber feststellen, dass sich Gott in seiner Ganzheit eben nicht nur als guter Gott zu erkennen gibt, sondern auch als fordernder Gott, der von uns verlangt, dass wir seine Entscheidungen bedingungslos akzeptieren.
Oft verstehen wir diese Entscheidungen nicht. Oft sehen wir in unserem Leben, in der Welt keinen Sinn.

In diesen Momenten sollten wir an die Liebe denken.

Sie allein gibt uns die Antwort auf alle Fragen nach dem Sinn des Lebens.

Denn, Liebe darf keinen Sinn machen, damit sie Liebe ist.

Gott und die Liebe sind gleich geartet.

Wenn sie erst Sinn machen müssen, damit wir sie akzeptieren, können sie nicht mehr sie selbst sein.

Weil ich eben auch nur ein Mensch und kein Übermensch bin, kann ich meine Gefühlswelt diesem Wunsch nach Nähe zu einem "im Diffusen" weilenden Jemand nicht verschließen.

Allein mein Geist, also meine durch das Gehirn mögliche Fähigkeit zu denken, ermöglicht mir einen Weg zur "gefühllosen" und somit von Freude und Angst befreiten Auseinandersetzung mit den Fragen über das Wesen und Wirken der Energie, die alle theistisch geprägten Menschen als Gott bezeichnen.

Dieser Geist brachte mich zu der Erkenntnis, dass der Mensch niemals das von ihm wahrgenommene Schicksal der Welt mit einem dafür Verantwortung tragenden Gott in Verbindung bringen sollte.
Zumindest nicht in unserem menschlichen Selbstverständnis von Recht und Gerechtigkeit.
Dieser Geist trug mich dann zu der Erkenntnis hin, dass Gott initialisiert, also gebiert, aber das Geborene, ähnlich dem Fischlaich, anschließend seinem Schicksal, sprich seiner Evolution überlässt.

Nur so konnte ich Antwort auf alle von Gott unbeantwortet gelassenen Fragen finden.

Gott ist eben ganz anders als wir, auch wenn wir eine seiner Kreationen sind.

Liebe Grüße von mir an Dich
Rinderbaron, ich freue mich, dass es marcella offenbar gelungen ist, dass du sachlich über Glaubensangelengenheiten reden kannst, ohne allgemeine Verurteilungen, wie etwa, dass die Bibel ein Märchenbuch sei. Es kann ja sein, dass dies nach deinem Empfinden so ist. Aber dann schreib das auch so und nicht als allgemeine Aussage, mit der du jeden vor den Kopf schlägst, dem die Bibel wichtig ist. Vielleicht gelingt es dir ja auch, dich in anderen threads solcher beleidigenden Äußerungen zu enthalten.
Noch einmal sehe ich meine Vermutung bestätigt, dass du ein Gottesbild hast, dass sich auf der Grundlage deiner persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse gebildet hat. Aber das beschreibst du jetzt so, dass ich es etwas mehr verstehen und nachvollziehen kann. Es klingt jetzt menschlich und gar nicht mehr so von oben herab.

Für mich ist die Bibel ein Buch, das u.a. von vielen solchen persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen mit Gott erzählt. Darum ist mir die Bibel so wichtig. Und darum ist es mir auch wichtig, was du mit Gott erlebt hast. Soweit ich es verstanden habe, muss es bei dir die Erfahrung der Gottesferne gegeben haben. Du hast Gott an einem Punkt in deinem Leben als jemanden erfahren, der sich nicht um seine Schöpfung kümmert, wenn ich richtig vermute. Und ich vermute, dass dieses Erlebnis für dich dann auch enttäuscheend war. Wenn ich mich richtig erinnere, ordnest du Gott dem Gegensatzpaar Gut und Böse zu. Du hast offenbar etwas Schlimmes erlebt, könnte ich mir vorstellen, und das hat dich auf den Gedanken gebracht, dass Gott für das, was er mal erschaffen hat, keine Fürsorge mehr trägt.
Dass jemand so denkt und fühlt, kann ich gut nachvollziehen.
Dahinter würde sich dann die Frage verbergen, wie kann Gott so viel Leid und Elend zulassen, wenn er denn Gott ist. Wie kann es so ungerecht in der Welt sein, wenn es Gott gibt.
Ich kann mir vorstellen, dass dies deine Frage ist. Und vielleicht wäre es sinnvoller, dieser Frage nachzugehen als sich einen Gott vorzustellen, der keine Fürsorge trägt für das, was er mal ans Laufen gebracht hat.

Denn so ganz konsequent bist du in deiner Gedankenführung nicht. Aber das sage ich jetzt aus dem Gefühl heraus. Irgendwie sehnst du dich auch nach einer Nähe zu Gott, nach einem liebenden Gott. Und dieser liebende Gott, den du dir erhoffst, hat dich mal verletzt, denke ich. Aus diesem Hintergrund könnte ich dann auch nachvollziehen, dass du so gerne andere Menschen verletzt. Du gibst dann einfach weiter, was du für dich erfahren hast.
Rinderbaron, nach deinem letzten Beitrag habe ich den Eidruck, es wäre vielleicht nicht verkehrt, wenn du statt wir einfach "Ich" sagst. So triffst du keine als allgemeingültig zu verstehende Aussagen. So braucht sich keiner von dem was du sagst abzugrenzen, wenn er es für sich anders sieht. Und das "Wir" bietet dir dann auch weniger Schutz vor dir selber - denn dann müsstest du schreiben, was du für dich empfindest.
aber wieso kann man den Gott nicht so vorstellen, dass es ihn einfach nicht gibt, als nichts, Leere, Opium, nur dazu da, um einige zu trösten, andere zu rechtfertigen und den dritten Angst vom Tod zu nehmen?
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