@Verdandi

Sorry für OT

Leider konnte ich erst heute Deine Antwort auf meinen Beitrag im politischen Thread über die aus meiner Sicht fatale Flüchtlingspolitik und über das Erstarken der Rechtsparteien in Europa als Reaktion darauf lesen.
Ich bedaure es natürlich, daß Du Dich von mir offenbar angegriffen fühltest, denn Du weißt doch, daß ich froh bin, daß Du hier mitmachst, und keineswegs wollte ich Dich angreifen!!
Ich hatte jedoch den Eindruck, Du respektierst meine konträre Sichtweise nicht wirklich, wenn Du bezweifelst, daß es sinnvoll ist, darüber nachzusinnen, warum denn die IB so viele Studenten interessieren könnte...
Und deswegen bat ich Dich, auch meine Sichtweise zu respektieren.

Aber nun fühle ich mich von Dir total abgewertet, ich weiß nicht, ob zu Recht.
Es kann natürlich sein, daß ich nicht überzeugend darlegen konnte, warum ich den Eindruck habe, in der Flüchtlingspolitik spiele die "Moral des schlechten Gewissens" eine viel zu große Rolle, bei den Linken der SPD und den Grünen und ebenso bei sehr vielen in der CDU, und auf die Ängste derjenigen, die unter den Folgen unserer Unfähigkeit leiden, effektiver den Zustrom von Armutsmigranten zu stoppen, werden zu wenig ernst genommen.
Aber mußt Du meine Argumente deshalb so abwerten? Wie hätte ich es denn überzeugender begründen können?----
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--- Leider hab ich es noch nicht geschafft, über die Neurechten mehr zu recherchieren.
Sobald ich das getan habe, werde ich einen neuen Thread zum Thema "Philosophie der Neuen Rechten" eröffnen.
Ich hatte mal etwas über die konservativen Denker des 20 Jahrh. exzerpiert, über E.Burke (?) und Leopold Ziegler, aber leider finde ich das Blatt nicht mehr.
Es wird also noch etwas dauern, bis ich schreiben kann, auch über Marc Jongen, und Sloterdijk z.Bsp., und über Carl Schmitt, der offenbar meinte, ohne Führer ginge es nicht.

No apology! Was denn genau? Dass bewusst der falsche Ort gewählt wurde, um mich zu provozieren? Dafür habe ich kein Verständnis. 

OT in diesem Thread ist völlig unnötig, denn der betreffende Dialog inklusive meines letzten Beitrags vom 12.02.2019, auf den sich der obige Beitrag bezieht, befindet sich in einem ganz  anderen Thread: "Politische Philosophie" (Seite 8, unten), – wie sogar oben erwähnt wurde! Falls es dort gepostet wird, werde ich dort inhaltlich darauf antworten. Hier nicht. Hier geht es um etwas ganz anderes.


PS 23.02.: Ich habe heute im Thread „Politische Philosophie“ geantwortet.



Kritik zur angestrebten „Einheit des Selbst“ – mit einer Anmerkung zu Liebe

(Aus meinem Beitrag in einem anderen Thread, der besser oder zumindest gut auch in diesen hier passt und hier thematisch weitergeführt werden könnte.)

Wer die Einheit des Selbst anstrebt, meint vielleicht eher die Fähigkeit des kohärenten, also des in sich zusammenhängenden und logischen Denkens?

Das Zentrum unseres Bewusstseins erscheint uns geschärft, auf das Wesentliche und Notwendige fokussiert, während den widersprüchlichen, zum Teil gegenteiligen Wahrheiten mehr und mehr bloß periphere Bedeutung zuerkannt oder diese gar ausgeblendet werden (müssen), um die für den Seelenfrieden und die Selbstorganisation vermeintlich notwendige (Pseudo-) Einheit zu konstruieren. Allein das ist eine menschliche Höchstleistung, die für eine lange Weile ihren Zweck zu erfüllen vermag. Aber nicht für jeden auf Dauer.

Ein „Charakterpanzer“ (s. Wilhelm Reich) wächst nach innen weiter und verringert den persönlichen Freiraum zunehmend, je länger er aufrechterhalten wird. Die einst errungene vermeintliche Einheit wird auf diese Weise zunehmend zum Kerker ihrer selbst. Menschen, die sich nicht daraus zu befreien wagen, befürchten zu Recht eine große Krise, aber zu Unrecht, dass das daraus entstehende Chaos wiederum bleibt, was es ist.

Tatsächlich kann der Mensch gar nicht anders, als sich stets auf Neue aus jedem Chaos neue Ordnungen zu schaffen. Er sollte nur auch aufs Neue bereit dafür sein, diese selbst wieder zu zerstören, um das jeweils nächste Level seiner Entwicklung erklimmen zu können.

Ich nutze die Film-Trilogie „Matrix“ gern als symbolische Fundgrube - und als Metapher für das gerade Geschilderte fällt mir eine Schlüssel-Szene mit dem erweckten Neo ein, dessen Blick letztlich den Schein der schönen Welt durchdringt und den ihr zugrunde liegenden Algorithmus (im Film als eine rasende Abfolge grüner Ziffern auf schwarzem Grund verbildlicht) direkt erfasst. Er hatte sich am Anfang für die Wahrheit entschieden und begonnen, damit umzugehen. Der schöne Schein vermeintlicher Einheit vermag ihn nun nicht mehr zu blenden.

______________


>>… Der Mensch muss sich sein eigenes Wesen schaffen; indem er sich in die Welt wirft, in ihr leidet, in ihr kämpft, definiert er sich allmählich; und die Definition bleibt immer offen; man kann nicht sagen, was ein bestimmter Mensch ist, bevor er nicht gestorben ist, oder was die Menschheit ist, bevor sie nicht verschwunden ist.<<

>>Der Mensch kann nichts wollen, wenn er nicht zunächst begriffen hat, dass er auf nichts anderes als auf sich selber zählen kann, dass er allein ist, verlassen auf der Erde inmitten seiner unendlichen Verantwortlichkeiten, ohne Hilfe noch Beistand, ohne ein anderes Ziel als das, das er sich selbst geben wird, ohne ein anderes Schicksal als das, das er sich auf dieser Erde schmieden wird.<<


(Jean-Paul Sartre, „Zum Existentialismus. Eine Klarstellung“, in „Der Existentialismus ist ein Humanismus - und andere philosophische Essays, 1943 – 1948“, Hg. Vincent von Wroblewski, Rowohlt TB, 2000)



▬▬▬__________


Und was die Liebe betrifft: Je mehr sie von allem, das sie hervorgebracht hat und mit dem sie interagiert, abgesondert wird, um sie als Einzigartigkeit zu betrachten und zu bewahren, desto mehr verliert sie von ihrer Kraft der Ursprünglichkeit und schwindet dahin wie alles, das im Leben nur um seiner selbst willen festgehalten und von ihm isoliert wird und somit wahrlich nur in der Erinnerung weiter existieren kann. So wie ein reines Wunschgebilde in einem Traum.

Die sich wie das Leben selbst stets erneuern müssende Liebe dagegen benötigt die Freiheit, sich zu entwickeln und zu wandeln, um zu verschwinden und fernzubleiben oder zurückzukehren im neuen Gewand, ganz so wie der Mensch sich wandelt. Ihre größte Tiefe und Treue kommen ganz unspektakulär daher, wie nebenbei sich ergebend – hoffentlich wahrgenommen, still und ohne Anspruch genossen und dann einfach … gelebt.

______________


>> In Wirklichkeit gibt es für den Existentialisten keine andere Liebe als jene, die gelebt wird, es existiert keine andere Möglichkeit der Liebe als die, die sich in einer Liebe ausdrückt …<<

(Jean-Paul Sartre, „Der Existentialismus ist ein Humanismus“, in „Der Existentialismus ist ein Humanismus - und andere philosophische Essays, 1943 – 1948“, Hg. Vincent von Wroblewski, Rowohlt TB, 2000)


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Verdandi hat geschrieben:
No apology! Was denn genau? Dass bewusst der falsche Ort gewählt wurde, um mich zu provozieren? Dafür habe ich kein Verständnis. 

OT in diesem Thread ist völlig unnötig, denn der betreffende Dialog inklusive meines letzten Beitrags vom 12.02.2019, auf den sich der obige Beitrag bezieht, befindet sich in einem ganz  anderen Thread: "Politische Philosophie" (Seite 8, unten), – wie sogar oben erwähnt wurde! Falls es dort gepostet wird, werde ich dort inhaltlich darauf antworten. Hier nicht. Hier geht es um etwas ganz anderes.

@Verdandi

Auf keinen Fall wollte ich Dich durch mein OT provozieren, weder unbewusst noch bewusst! Denn ich bin doch froh, wenn Du auf meine Beiträge reagierst, so oft reagiert hier niemand, und ich monologisiere.
Irgendwie war ich gehemmt, Dir im richtigen Thread zu antworten, denn es hätte gestört, nach meinem Empfinden, da Ihr inzwischen ein ganz anderes Thema hattet.
Aber ich hätte das als Erklärung hinzufügen müssen, dachte ich Stunden später...-

Und Du hättest vielleicht hinzufügen können, daß Du so vehement ablehnend reagierst, weil Dich die Haltung dieser Neuen Rechten empört...
Ich war jedenfalls erschrocken, und traurig, und hatte den Eindruck, daß Du auch bezüglich anderer Themen keinen Wert mehr darauf legst, mir mir zu debattieren...
Das ist natürlich ein großer Verlust für mich...


PS 23.02.: Ich habe heute im Thread „Politische Philosophie“ geantwortet.



Zur Funktion des Postens an der richtigen Stelle

@Migranda, Du solltest nicht bloß deshalb, weil der Beitrag, auf den Du Dich beziehen willst, schon ein paar Seiten zurückliegt, Deine Antwort in einen fremden, thematisch völlig andersgelagerten Thread posten! Du kannst stattdessen jeden Beitrag im richtigen Thread durch die Zitierfunktion wieder hervorholen! Du solltest aber dann darauf achten, Deinen Text unterhalb des Zitats zu setzen und nicht mitten in das Zitat hinein, wie Du es hier oben gemacht hast! Denn das ist total irreführend! Um das vor dem Losschicken kontrollieren zu können, gibt es die Funktion der Vorschau. Ein bisschen sollte man sich schon an solche Funktionsregeln halten, um keine Verwirrung zu erzeugen.




Da ich demnächst auf diesen Beitrag rekurrieren werde, um den Gedanken fortzuführen, hole ich ihn wieder nach vorn...



Verdandi hat geschrieben:
Kritik zur angestrebten „Einheit des Selbst“ – mit einer Anmerkung zu Liebe

(Aus meinem Beitrag in einem anderen Thread, der besser oder zumindest gut auch in diesen hier passt und hier thematisch weitergeführt werden könnte.)

Wer die Einheit des Selbst anstrebt, meint vielleicht eher die Fähigkeit des kohärenten, also des in sich zusammenhängenden und logischen Denkens?

Das Zentrum unseres Bewusstseins erscheint uns geschärft, auf das Wesentliche und Notwendige fokussiert, während den widersprüchlichen, zum Teil gegenteiligen Wahrheiten mehr und mehr bloß periphere Bedeutung zuerkannt oder diese gar ausgeblendet werden (müssen), um die für den Seelenfrieden und die Selbstorganisation vermeintlich notwendige (Pseudo-) Einheit zu konstruieren. Allein das ist eine menschliche Höchstleistung, die für eine lange Weile ihren Zweck zu erfüllen vermag. Aber nicht für jeden auf Dauer.

Ein „Charakterpanzer“ (s. Wilhelm Reich) wächst nach innen weiter und verringert den persönlichen Freiraum zunehmend, je länger er aufrechterhalten wird. Die einst errungene vermeintliche Einheit wird auf diese Weise zunehmend zum Kerker ihrer selbst. Menschen, die sich nicht daraus zu befreien wagen, befürchten zu Recht eine große Krise, aber zu Unrecht, dass das daraus entstehende Chaos wiederum bleibt, was es ist.

Tatsächlich kann der Mensch gar nicht anders, als sich stets auf Neue aus jedem Chaos neue Ordnungen zu schaffen. Er sollte nur auch aufs Neue bereit dafür sein, diese selbst wieder zu zerstören, um das jeweils nächste Level seiner Entwicklung erklimmen zu können.

Ich nutze die Film-Trilogie „Matrix“ gern als symbolische Fundgrube - und als Metapher für das gerade Geschilderte fällt mir eine Schlüssel-Szene mit dem erweckten Neo ein, dessen Blick letztlich den Schein der schönen Welt durchdringt und den ihr zugrunde liegenden Algorithmus (im Film als eine rasende Abfolge grüner Ziffern auf schwarzem Grund verbildlicht) direkt erfasst. Er hatte sich am Anfang für die Wahrheit entschieden und begonnen, damit umzugehen. Der schöne Schein vermeintlicher Einheit vermag ihn nun nicht mehr zu blenden.

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>>… Der Mensch muss sich sein eigenes Wesen schaffen; indem er sich in die Welt wirft, in ihr leidet, in ihr kämpft, definiert er sich allmählich; und die Definition bleibt immer offen; man kann nicht sagen, was ein bestimmter Mensch ist, bevor er nicht gestorben ist, oder was die Menschheit ist, bevor sie nicht verschwunden ist.<<

>>Der Mensch kann nichts wollen, wenn er nicht zunächst begriffen hat, dass er auf nichts anderes als auf sich selber zählen kann, dass er allein ist, verlassen auf der Erde inmitten seiner unendlichen Verantwortlichkeiten, ohne Hilfe noch Beistand, ohne ein anderes Ziel als das, das er sich selbst geben wird, ohne ein anderes Schicksal als das, das er sich auf dieser Erde schmieden wird.<<


(Jean-Paul Sartre, „Zum Existentialismus. Eine Klarstellung“, in „Der Existentialismus ist ein Humanismus - und andere philosophische Essays, 1943 – 1948“, Hg. Vincent von Wroblewski, Rowohlt TB, 2000)



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Und was die Liebe betrifft: Je mehr sie von allem, das sie hervorgebracht hat und mit dem sie interagiert, abgesondert wird, um sie als Einzigartigkeit zu betrachten und zu bewahren, desto mehr verliert sie von ihrer Kraft der Ursprünglichkeit und schwindet dahin wie alles, das im Leben nur um seiner selbst willen festgehalten und von ihm isoliert wird und somit wahrlich nur in der Erinnerung weiter existieren kann. So wie ein reines Wunschgebilde in einem Traum.

Die sich wie das Leben selbst stets erneuern müssende Liebe dagegen benötigt die Freiheit, sich zu entwickeln und zu wandeln, um zu verschwinden und fernzubleiben oder zurückzukehren im neuen Gewand, ganz so wie der Mensch sich wandelt. Ihre größte Tiefe und Treue kommen ganz unspektakulär daher, wie nebenbei sich ergebend – hoffentlich wahrgenommen, still und ohne Anspruch genossen und dann einfach … gelebt.

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>> In Wirklichkeit gibt es für den Existentialisten keine andere Liebe als jene, die gelebt wird, es existiert keine andere Möglichkeit der Liebe als die, die sich in einer Liebe ausdrückt …<<

(Jean-Paul Sartre, „Der Existentialismus ist ein Humanismus“, in „Der Existentialismus ist ein Humanismus - und andere philosophische Essays, 1943 – 1948“, Hg. Vincent von Wroblewski, Rowohlt TB, 2000)


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(2) Kritik zur angestrebten „Einheit des Selbst“
– oder: Der Weg in die Revolte im Sinne der Philosophie der Freiheit


Die Einheit des Selbst ist nicht möglich. Wer sie dennoch anstrebt, leugnet diese Tatsache oder: er revoltiert dagegen. Letzteres ist unabdingbar, um persönliche Freiheit zu erlangen. Die Revolte kann aber nur das Ergebnis einer nach vollem Bewusstsein aller Konsequenzen strebenden Haltung sein.

Wer Fragen, auf die es keine Antworten gibt, ausblendet, fügt sich der Sinnlosigkeit, die er letztlich zu vollenden trachtet, womit ihm nicht geholfen ist. Oder er beginnt zu leugnen und flieht in den Selbstbetrug irgendeines Glaubens an die Illusion einer höheren Bewusstheit außerhalb seiner selbst, um diese demütig oder fordernd anzuflehen, ihn zu verschonen, gar zu beschützen.

Wer aber nicht leugnet, nicht flieht und sich nichts vormacht, erlebt sich aufrecht verharrend vor dem, was ihm als Nichts erscheint – wie vor einem gähnenden Abgrund, dessen Ende nicht erkennbar ist, sondern in Schwärze versinkt. Bis hierhin hat er es geschafft und ... staunt:

Erstaunt blickt er an sich herab: Er ist ja immer noch da! Aber was kann er jetzt tun, um mit diesem Bewusstsein weiterhin so frei zu sein, um auf eigene Rechnung zu existieren? So zu existieren, als gäbe es die Einheit des Selbst trotz allem und ohne Ausflüchte direkt zu erringen? Denn er hat nur noch die Wahl, im vollem Bewusstsein des Abgrunds und ohne Ausflüchte trotzdem weiter zu sein – oder sich hineinzustürzen und seinen Seinsgrund auszulöschen. Aber für letzteres ist er nicht mehr zu haben. Er ist bereit für die Revolte. Noch nie zuvor hat er sich so lebendig gefühlt wie jetzt! Hier wird es spannend und es hört nicht mehr auf, spannend zu sein.


>>Leben heißt: das Absurde leben lassen. Das Absurde leben lassen heißt: ihm ins Auge sehen. Im Gegensatz zu Eurydike stirbt das Absurde nur, wenn man sich von ihm abwendet. Eine der wenigen philosophisch stichhaltigen Positionen ist demnach die Auflehnung. Sie ist eine ständige Konfrontation des Menschen mit seiner eigenen Dunkelheit. Sie ist der Anspruch auf eine unmögliche Transparenz. Sie stellt die Welt in jeder Sekunde in Frage. Wie die Gefahr dem Menschen die unersetzliche Gelegenheit verschafft, sich des Bewusstseins zu bemächtigen, so bereitet die metaphysische Auflehnung des Bewusstseins sich über die ganze Erfahrung aus. Sie ist die ständige Anwesenheit des Menschen bei sich selbst. ...

Diese Auflehnung gibt dem Leben seinen Wert. Erstreckt sie sich über die ganze Dauer einer Existenz, so verleiht sie ihr ihre Größe. Für einen Menschen ohne Scheuklappen gibt es kein schöneres Schauspiel, als die Intelligenz im Widerstreit mit einer ihm überlegenen Wirklichkeit. Das Schauspiel des menschlichen Stolzes ist unvergleichlich. Alle Entwertungen können ihm nichts anhaben. Diese Zucht, die der Geist sich selbst vorschreibt, dieser gehörig gehämmerte Willen, dieses Aug-in-Auge haben etwas Einzigartiges. ...

Der absurde Mensch kann nur alles ausschöpfen und sich selber erschöpfen. Das Absurde ist seine äußerste Anspannung, an der er beständig mit einer unerhörten Anstrengung festhält; denn er weiß: in diesem Bewusstsein und in dieser Auflehnung bezeugt er Tag für Tag seine einzige Wahrheit, die Herausforderung. Das ist eine erste Schlussfolgerung. ...

Die einzige Freiheit die ich kenne, ist die des Geistes und des Handelns. Wenn aber das Absurde alle meine Chancen einer ewigen Freiheit zunichtemacht, dann gibt es mir ja eine Handlungsfreiheit wieder und steigert sie sogar noch. Dieser Verlust der Hoffnung und der Zukunft bedeutet für den Menschen einen Zuwachs an Verfügungsrecht. ...<<


Albert Camus, „Der Mythos von Sisyphos“ (Übersetzung von L. Richter), Auszüge S. 49-51.


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" Angst ist die Wirklichkeit der Freiheit vor der Möglichkeit."
Sören Kierkegaard
....in seinem Buch, dem "Begriff Angst beschreibt Kierkegaard in Anlehnung an den biblischen Sündenfallmythos den Ursprung der Sünde, um sich dem theologischen Dogma der Erbsünde zu nähern. Es geht Kierkegaard dabei also um die Aufhellung der jedem Daseins-Vollzug voraus liegenden Grundtatsachen,um Existenz - Strukturen.
Der Verfasser von Begriff "Angst" verstand die Angst als Befindlichkeit des träumenden Geistes, der seine eigene Wirklichkeit als Möglichkeit der Freiheit plant. Solange er sich noch nicht entschieden hat, ist seine Freiheit bloß ein vages Nichts
Der Begriff Angst stellt somit weniger ein Phänomen der Angst als vielmehr das der Unfreiheit dar. Als Grundbefindlichkeit menschlichen Daseins führt die Angst dem einzelnen seine Möglichkeiten vor Augen, sie ist das Zeigen der Freiheit in der Möglichkeit. Doch sobald der Mensch in den Abgrund seiner Freiheit blickt, schwindelt ihm vor seiner unendlichen Möglichkeit des Könnens und er findet die Freiheit schließlich als erstarrte vor.
Angst artikuliert sich im Gegenüber der Freiheit also stets zwiespältig als abstoßend, mit empfindend. Sie ist geheimnisvoll wirkend, weil sie die Sehnsucht nach letzter menschlicher Verwirklichung der Freiheit ausdrückt,sie ist gefühlsmäßig ablehnend, weil sie das mögliche Scheitern erahnt, also Angst vor Verlust der eigenen Freiheit ( und damit Selbst-Verlust ) ist. Die Angst ist der Begleiter der Freiheit.


@ everyone

Kiergegaard ist zwar ein wichtiger Mitbegründer, gar „Vater“ des modernen Existenzialismus und ein wichtiger Bezugspunkt auch für Albert Camus, dessen Werk ich sehr goutiere, aber er vollzog im Gegensatz zu den Atheisten Sartre und Camus den „Sprung in den Glauben“. Was nicht meine Sache ist! – Das Zitat „Die Angst ist der Begleiter der Freiheit“ aber ist genial, auch wenn ich es mit neuem Sinn für mich erst erfüllen muss.

Kaum jemand sieht in der Angst auch eine Chance, ein Phänomen, das zu nutzen wäre – etwas, das man nie aus den Augen verlieren und mit dem man immer rechnen sollte – solange, bis es zum besten Freund geworden ist.

Das erinnerte mich an ein persönliches Erlebnis…



A n g s t


Ein Mensch, der sich seiner Angst stellt, hat schon viel gewonnen. Er wendet sich ihr zu, zerrt sie aus dem Schatten heraus, will Angesicht in Angesicht mit ihr verharren, sie nicht wieder aus den Augen verlieren.

Sie soll ihn nie wieder hinterrücks überfallen. Sie soll von nun an seine ständige Begleiterin werden. Immer an seiner Seite sein.

Manchmal laufen sie um die Wette, so dass er atemlos stehen bleibt und fast einen Lachkrampf bekommt. Er spürt, wie das Leben in ihm pulsiert! Und die Angst? Sie lächelt milde... Das ist doch schon was. Keine bösen Überraschungen mehr!

Aber dann ist es auch wieder hart, so hart… Sie ringen miteinander wie Teufel mit Beelzebub, speien Feuer und würgen sich bis zur Bewusstlosigkeit. Erschöpft lassen sie voneinander ab.

Keiner hat gewonnen. Keiner hat verloren. Ein Ende der Spannungen ist nicht abzusehen. Aber vielleicht wird ihr Verhältnis ruhiger mit der Zeit, selbstverständlicher, gelassener.

Angst ist Angst, nicht mehr und nicht weniger, wird er dann achselzuckend bemerken. Und wer weiß, eines Tages wird er seine alte Begleiterin vielleicht sogar überleben?


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Dies ist das Resümee einer intensiven persönlichen Erfahrung. Die Geschichte dazu werde ich nachher noch in meinem Blog erzählen.


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.....ohne Einheit des Selbst, "gäbe es kein gleichbleibendes, vernünftiges Wesen ! " John Locke. Und so neigt der Mensch dazu, die Störelemente seines äußeren Lebens zum Schutze seiner Person zu reflektieren, zu integrieren oder beiseite zu schieben, um sich durch die Auswahl dessen, was er erinnert die Einheit wieder herzustellen.
Das Selbst ist keine zufällige " Form " des Seins, die nicht aufgegeben werden kann, denn sie ist eine notwendige, so notwendig als die Bewegung des Denkens, die in ihr das Ziel findet. Die Einheit des Denkens mit sich selbst !...... sucht eben die Verwirklichung des Selbst
Zur Liebe : Ein Leben in Liebe, Einigkeit Empathie, Nächstenliebe und Freiheit ist mit einem dahin ausgeprägten Bewusstsein für alle Menschen machbar.Der Raum der sich zwischen allen in der Distanz zu den anders denkenden ausbreitet, muss kein Raum der Isolation sein, sondern ein Raum gemeinsamer Gestaltung.
Nur dort wo Liebe und Freiheit Hand in Hand gehen, gibt es noch Kreativität und " ein aufeinander zu, miteinander empor. "

Die als notwendig vorgestellte Einheit des Selbst ist ein Gedankenkonstrukt. Tatsächlich ist nichts dem anderen gleich. Einzig Fraktale scheinen die Voraussetzungen zu erfüllen, sich selbst in allen Bestandteilen zu gleichen. Aber ihre Wirklichkeit "hängt" zwischen der zweiten und dritten Dimension fest,  ist  also nichts "Handfestes", eher wiederum mehr Muster. Beispiel: eine fraktale Küstenform hat für die Bewohner keinerlei Bedeutung. Für den Mathematiker, der Muster für seine Chaostheorie sucht, schon.

Wenn wir also eine Einheit des Selbst als Muster konzipieren, kann das irgendwelchen  abstrakten Methoden  zur Entwicklung von Musterlösungen für komplexe Aufgabenstellungen dienen. Aber der komplexen Psyche des Individuums selbst wird es nicht gerecht, denn seine Vielfalt und Widersprüchlichkeit ist der Urgrund all seiner schöpferischen Potenz.



.....im sich erinnern hat unser Selbstbewusstsein die feste und notwendige Grundlage. Ohne Gedächtnis gäbe es keine Einheit unseres Bewusstseins, keine Identität unseres Ich,zerfiele unser Bewusstsein in so viele Splitter, als es Augenblicke gibt.
Sich einzugestehen, von Nichts (k)eine Ahnung zu haben, bedeutet den sicheren Tod..... :D

Verdandi, Du allerdings beherrscht sogar die Kunst des Bogenschießens..... :roll:

Es geht mir nicht um die Infragestellung eines starken, bewussten Ich's. Im Gegenteil, das ist sogar Voraussetzung dafür, um die eigenen Widersprüche und Widerstände erst einmal aushalten und sich diese so weit wie möglich bewusst machen und halten zu können, sie nicht in den Schatten des Selbst verdrängen zu müssen, um sich keine falsche Einheit desselben vorzugaukeln.

In unseren ausgeglichenen Zeiten wähnen wir unser Selbst als Einheit, weil wir uns einfach gut fühlen. Aber in diesen Zeiten verändern wir uns nicht. Entwicklung und Wachstum erfolgen in den anderen Zeiten, denen der Störungen und der Umbrüche. Wenn sich neue Möglichkeiten auftun und wir plötzlich damit konfrontiert werden, unsere Komfortzone verlassen zu müssen, um adäquate, zukunftsrelevante Entscheidungen zu treffen.

Das gilt genauso später in den Zeiten des altersbedingten "Niedergangs", wenn es nicht mehr um Wachstum, sondern um Reduzierung auf das verbleibende Wesentliche geht. Auch und gerade dann ist Ichstärke gefragt, um die widersprüchlichen Bedürfnisse nicht zu "vereinen", sondern sie nebeneinander gelten zu lassen, ohne auf bewusste Entscheidungen darauf zu verzichten, welchen Rang ihnen jeweils zuzuordnen ist.

Die Widersprüche in uns verlangen nicht nach Vereinheitlichung, sondern nach Toleranz und Nachsicht mit uns selbst.



" Denken und Sein werden vom Widerspruch bestimmt." Aristoteles
.......der Mensch bleibt auch in der späten Lebenszeit ein auf Erfüllung und Glück ausgerichtetes Lebewesen. Ebenso wie die anderen Lebensphasen, ist das Leben im Alter ein konstitutiv riskantes, gefährdetes Werden zu sich selbst. Dabei können scheinbare Widersprüche, die in der Tiefe der Psyche friedlich nebeneinander bestehen können, durch vom Menschen selbst geschaffene Widersprüche, rätselhaft erscheinen. Der Mensch sollte sich daran gewöhnen, dass es keinen Augenblick gibt, indem jeder Mensch widersprüchlich lebt......... im Konflikt zwischen Unterdrückung und Freiheit auf allen Ebenen der Wirklichkeit.
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