Castanea hat geschrieben:
Verdandi hat geschrieben: (...) Einem Freund von mir ist es beispielsweise schon öfter passiert, dass Textpassagen aus seinen Büchern, ohne jede Quellenangabe, von jungen WissenschaftlerInnen seiner Zunft für eigene Publikationen im Netz schamlos ausgeschlachtet wurden, über Begebenheiten, für die er selbst zuvor monatelang recherchieren musste, also viel Zeit und Arbeit und Formulierkunst aufgewendet hat! (...)

Ich kann mir vorstellen, wieviel Mühe es macht, für ein Buch akribisch zu recherchieren, das Material aufzubereiten und stilistisch gekonnt in Form zu bringen. Dies dann umfangreich und öffentlich plagiiert vorzufinden, löst verständlicherweise keine Woge der Begeisterung aus.

Was das geistige Eigentum betrifft, kursieren unterschiedliche Meinungen, bis hin zur Abschaffung des Urheberrechtes. Auf jeden Fall ist ein Kopieren problematisch und kann teuer werden. Und darauf darf in einem Forum hingewiesen werden. Nicht jeder setzt sich damit auseinander, gehe ich von aus.

Fein, dass Du das Thema aufgegriffen und vertieft erläutert hast, Verdandi. Ich danke Dir meinerseits für Deine Umsicht! :D


Liebe Castanea, ich danke Dir auch, – ich sehe, wir verstehen uns! :D



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Die HALTUNG ...
zwischen Viktor E. Frankls Sinn und eigenem Unsinn.
(1)


Viktor E. Frankl sollte mein nächstes Thema für diesen Thread nach meiner Beschäftigung mit dem französischen Existenzialismus werden. Ausgangspunkt war zunächst ein „Fundstück“ im Netz, eine Passage aus einem seiner Bücher, die ich hier auf Seite 35 bereits zitiert habe:

»Was die Sinnfindung gegenüber der Gestaltwahrnehmung auszeichnet, ist meines Erachtens folgendes: Es wird nicht einfach eine Figur wahrgenommen, die uns vor einem Hintergrund in die Augen springt, sondern bei der Sinn-Wahrnehmung handelt es sich um die Entdeckung einer Möglichkeit vor dem Hintergrund der Wirklichkeit. Und diese Möglichkeit ist jeweils einmalig. Sie ist vergänglich. Aber auch nur sie ist vergänglich. Ist eine Sinnmöglichkeit einmal verwirklicht, ist der Sinn einmal erfüllt, so ist er es nämlich ein für allemal.«
Viktor E. Frankl (1905-1997), Das Leiden am sinnlosen Leben. Psychotherapie für heute. Wien, Herder, 1981, S. 28*


*Ich habe mir dieses und andere Bücher von Frankl inzw. gekauft, um den Kontext zu erfahren. Quellenangabe nun: w.o., Überarbeitete Neuausgabe Herder 2013 / Kreuzverlag 2015, S. 29

Des Weiteren kann ich mich sehr gut daran erinnern, mich bereits Anfang der 80erJahre erstmalig intensiv mit Frankl und seinem Buch „Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn“ beschäftigt zu haben, und dabei vor allem sehr beeindruckt gewesen zu sein von seiner verblüffend einfachen Darstellung notwendiger Perspektivenwechsel.

Dieses Buch habe ich mir inzwischen auch wieder besorgt: w.o. Pieper, 1979, TB-Ausgabe 1985/1996 (2 Zeichnungen zur Dimensionalontologie, S. 24/25)


▬▬▬__________


Inzwischen habe ich einiges aus diesen Büchern (wieder-) gelesen, aber auch das eine und andere über Frankls Lehre vom Sinn im Netz gefunden, u.a. eine sehr interessante Arbeit, einen Vergleich zwischen seiner Lehre und der des französischen Existenzialismus'. Bei vielen Übereinstimmungen, die man finden kann (obwohl offenbar nie ein Kontakt bestand), besteht der größte Unterschied in Frankls religiöser Gläubigkeit im Ggs. zum Atheismus der Existenzialisten Sartre und Camus.

Nach Sartre und Camus habe ich kein Interesse mehr daran, religiöse Zugeständnisse zu machen. Wenn ich dann bei Frankl lese, dass der Sinn nur „draußen“ liegen könne, merke ich, dass es wirklich falsch wäre für mich, neue Erkenntnisse darauf aufzubauen.

Aber ich könnte Frankls Lehre zum Anlass nehmen, um erst einmal einer bestimmten Themen-Struktur zu folgen, um dann eigene Gedanken und Ideen dagegen zu setzen. Nebenbei und unterwegs ist bestimmtes Handwerkszeug Frankls auch sehr brauchbar (z.B. die Sache mit den Perspektiven / -Wechseln).


(Fortsetzung folgt)







Zwischenspiel
Viktor E. Frankls Dimensionalontologie,
demonstriert an zwei verblüffend simplen Beispielen ….


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Abb. 1*
Das erste Gesetz der Dimensionalontologie:

»Ein und dasselbe Ding, aus seiner Dimension heraus in verschiedene Dimensionen hinein projiziert, die niedriger sind als seine eigene, bildet sich auf eine Art und Weise ab, dass die Abbildungen einander wiedersprechen. Projiziere ich beispielsweise das Trinkglas da, geometrisch ein Zylinder, aus dem dreidimensionalen Raum heraus in die zweidimensionalen Ebenen des Grund- und Seitenrisses, dann ergibt dies in einem Fall einen Kreis, im anderen Fall jedoch ein Rechteck. Darüber hinaus ergibt die Projektion aber auch insofern einen Widerspruch, als es sich in jedem Falle um eine geschlossene Figur handelt, während das Trinkglas doch ein offenes Gefäß ist.«

(Quelle: Viktor E. Frankl, Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn, Piper TB, 1985/1996, S. 24)


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Abb. 2*
Das zweite Gesetz der Dimensionalontologie:

»(Nicht ein und dasselbe, sondern) verschiedene Dinge, aus ihrer Dimension heraus (nicht in verschiedene Dimensionen, sondern) in ein und dieselbe Dimension hinein projiziert, die niedriger ist als ihre eigene, bilden sich auf eine Art und Weise ab, dass die Abbildungen (nicht einander widersprechen, sondern) mehrdeutig sind. Projiziere ich beispielsweise einen Zylinder, einen Kegel und eine Kugel aus dem dreidimensionalen Raum heraus in die zweidimensionale Ebene des Grundrisses hinein, dann ergibt dies in jedem Falle einen Kreis. Nehmen wir an, es handle sich um die Schatten, die der Zylinder, der Kegel und die Kugel werfen, dann sind die Schatten insofern mehrdeutig, als ich aus ihnen, die ja die gleichen sind, nicht darauf schließen kann, ob es ein Zylinder, ein Kegel oder eine Kugel ist, was sie wirft.

Wie sollen wir nun all das auf den Menschen anwenden? Nun, auch der Mensch, um die Dimension des spezifisch Humanen reduziert und in die Ebenen der Biologie und der Psychologie projiziert, bildet sich auf eine Art und Weise ab, dass die Abbildungen einander widersprechen. Denn die Projektion in die biologische Ebene ergibt somatische Phänomene, während die Projektion in die psychologische Ebene psychische Phänomene ergibt. Im Lichte der Dimensionalontologie aber widerspricht der Widerspruch nicht der Einheit des Menschen. Er tut es ebensowenig, wie der Widerspruch zwischen dem Kreis und dem Rechteck der Tatsache widerspricht, dass es sich um die Projektionen ein und desselben Zylinders handelt. Wollen wir aber im Auge behalten: Die Einheit der menschlichen Seinsweise, welche die Mannigfaltigkeit der unterschiedlichen Seinsarten, an denen sie teilhat, überbrückt, also die Überbrückung von Gegensätzen wie Soma und Psyche, werden wir vergebens in den Ebenen suchen, in die wir den Menschen projizieren. Vielmehr ist sie einzig und allein in der nächst höheren Dimension, in der Dimension des spezifisch Humanen zu finden.«

(Quelle: Viktor E. Frankl, Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn, Piper TB, 1985/1996, S. 25/26)


*) Beide Zeichnungen ursprünglich aus Viktor E. Frankl: Der Pluralismus der Wissenschaften und das Menschliche im Menschen. In: Das neue Menschenbild. Die Revolutionierung der Wissenschaften vom Leben. Ein internationales Symposion, herausgegeben von Arthur Koestler und J.R. Smythies, Wien-München-Zürich 1970, S. 374-385)


Damals, als ich das las und mir die verblüffend simplen wie passenden Zeichnungen dazu anschaute, begriff ich endlich (ich war erst Ende 20/Anfang 30), was ich tun musste, um mir einen größeren und reicheren Eindruck von der Wirklichkeit mit all ihren Dimensionen zu verschaffen. Ich begriff nun auch, worin mein Problem lag, wenn ich zu lange auf einer ganz bestimmten Sichtweise ver- und beharrte, und dass andererseits die Lösung, nämlich neue Perspektiven einzunehmen, gar nicht so schwer zu bewerkstelligen war, wenn ich die Notwendigkeit erst einmal erkannt hatte.

Bis heute habe ich diese Zeichnungen im Hinterkopf behalten und ich hole sie mir immer dann ins Bewusstsein zurück, wenn mal wieder ein Perspektivenwechsel dringend angebracht erscheint – egal in welchem Zusammenhang.





Die HALTUNG ...
zwischen Viktor E. Frankls Sinn und eigenem Unsinn.
(2)


(Fortsetzung...)

Bei Frankls Unterscheidung zwischen gefundenem Sinn (dem seiner Meinung nach richtigen) und bloß selbst erzeugten (dem seiner Meinung nach falschen) oder Unsinn, regte sich ebenfalls Widerstand in mir. Frankl geht von Aufgaben „dort draußen“ aus, die nur gefunden werden müssten und dann einen wahren Sinn ergäben. („Das Leiden am sinnlosem Leben“, S. 29ff)

Mein Frankl-widerständiger erster Gedanke war: Wo genau zwischen Frankls externem Sinn und eigenem inneren Unsinn würde ich das verorten wollen, was mir wichtig ist? Wie würde ich es nennen?

Ich würde es HALTUNG nennen!

In die angestrebte, für richtig befundene HALTUNG würde alles hineinfließen, was ich an Werten mir angeeignet und verinnerlicht hätte. Der Prozess der Aneignung impliziert stets die bewusste Herstellung eines Bezuges zwischen mir und der Welt außerhalb meiner selbst. Ich wäre mir bei der bewussten Bewertung meiner angestrebten Haltung zu den betreffenden Dingen aber dennoch stets selbst die gesamt-verantwortliche zielführende Instanz.

Seit meiner jüngsten, intensiven Beschäftigung mit der „Philosophie der Freiheit“ von Sartre und Camus, steht für mich ganz außer Frage, dass ich die eigene Freiheit und das damit einhergehende Selbstbestimmungsrecht nur dann maximal verwirklichen kann, wenn ich mir tatsächlich das Recht heraus nehme, mir meine eigene letzte Instanz zu sein.

Welchen Unterschied mache ich zwischen „Sinn“ inkl. Handlung und der damit verbundenen Haltung – und der HALTUNG, auf die ich hier abstelle: ohne notwendigen Bezug zur Sinnfindung und entsprechenden Handlungen im Franklschem Sinne?

Das mir am wichtigsten Erscheinende: Ich gehe grundsätzlich nicht davon aus, dass ich notwendig einen Sinn da draußen für mein Leben finden und die damit verbundenen „Aufgaben“ übernehmen muss, um ein Gefühl von Erfülltsein, Zufriedenheit oder gar Glück, zumindest einer inneren Balance empfinden zu können.

Ich glaube auch nicht, dass das „Gewissen“, von dem Frankl noch spricht und das einem den richtigen Weg weisen würde, als Instanz der mir übergeordneten Selbstkontrolle (Gott, Obrigkeit, Eltern / Über-Ich) als Begriff für mich noch relevant sein kann. Zumindest das erwachsene Ich ist durchaus in der Lage, sich im vollen Bewusstsein seiner sämtlichen, selbstverantworteten Aufgaben, neben einem ständigen Prozess der Wertebestimmung (im Abgleich mit den externen Normen), jederzeit auch die notwendigen Kontrollen der eigenen Authentizität durchzuführen.

Natürlich lebe ich immer in einem ständigen Bezug zu meiner Umwelt und das ist sogar die Voraussetzung dafür, die eigene Persönlichkeit stets weiter entwickeln zu können. Ich sollte jederzeit offen und fähig dafür sein, neue Inputs aufzunehmen und meine jeweils aktuell errungene HALTUNG auf ein Neues daran zu überprüfen, zu modifizieren und das neue Ergebnis wiederum nach außen hin zu erproben.

Diese Erprobung erfordert keine Bestätigung von außen, sondern zielt allein darauf ab, mir meiner Selbst sicher zu werden.

Alle Zweifel an meiner bisherigen HALTUNG, die durch neue Informationen von außen, aber auch durch diverse eigene Denkprozesse von innen her aufkommen sollten, müssen dann umgehend dahin führen, dass ich beides, die neuen Informationen und meine bisherige HALTUNG, jeweils kritisch und ergebnisoffen überprüfe, bis ich letztere erforderlichenfalls modifiziert habe und wieder eins mit mir sein kann, also zu einer aktuellen HALTUNG gefunden habe.

Meine auf diese Weise errungene, durch und durch authentische HALTUNG, für die ich niemanden, außer mir selbst gegenüber, Rechenschaft abzulegen habe, ist mein kostbarste Gut als freier, selbstbestimmter Mensch.

Dafür nicht zwingend notwendig sind weitere Umstände und Tatsachen, die mein Leben bestimmen und beeinflussen können: Zum Beispiel die Frage, ob ich in den Augen vieler anderer („der Gesellschaft“) „sinnvolle“ Aufgaben wahrgenommen habe, oder eben nicht – aus welchen Gründen auch immer.

Ich bin überzeugt davon, dass sich ein Mensch, der permanent an seiner möglichst authentischen HALTUNG arbeitet, ohnehin zum „Besseren“ verändert – natürlich nach den eigenen Maßstäben und dem eigenen Empfinden. Er wird sich ganz einfach besser fühlen, wenn es ihm gelingt, in Übereinstimmung mit seinem Selbst zu leben, egal welcher (vielleicht entwürdigenden) Arbeit er nachgehen muss, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Andererseits wird er nicht versucht sein, seinen Selbstwert über die Anerkennung seiner Leistungen durch andere zu definieren.





@Verdandi

Sehr interessant, was Du schreibst, lese es mit großem Interesse, auch wenn mich selbst das Thema der Authentizität nicht mehr bewegt.
Vermutlich ist das biografisch bedingt, da ich viele Jahre ein sehr freies Leben führen konnte, in dem es mir vor allem um Selbstfindung und Selbstverwirklichung ging, und jetzt geht es mir nur um das Glück des bewußten Daseins, und das Gefühl der Verbundenheit mit allen und allem...
Also auch mir ist vor allem diese innere Haltung sehr wichtig!

Meinst Du, Frankl fände nur deswegen "Aufgaben" im Draußen, weil er gläubig ist? Aus meiner Sicht ist es das Fundament eines sinnerfüllten Lebens, wenn man im Draußen bestimmte selbst gesetzte " Aufgaben" erfüllen kann...
Ich bin nicht gläubig, aber irgendwie religiös, deshalb ist mir außer des polit. Engagements (z.Zt. für unsere geschundenen Nutztiere, und für den Naturschutz!) auch die Haltung der zugewandten Offenheit für alle Menschen und Lebewesen sehr wichtig.
Es gibt also für mich außer der Authentizität noch weitere sehr wichtige Ziele der Persönlichkeitsentwicklung bis zum Lebensende...
.
Bei vielen Dingen fällt es mir nicht schwer, eine grundsätzliche Haltung einzunehmen, z,B. bei der Frage : Was ist mir wichtig, was ist für mich nicht wichtig.
Da bin ich mir ziemlich sicher bei meinen Entscheidungen.

Anders sieht es bei mir aus, wenn ich Probleme in mitmenschlichen Beziehungen habe. Da wälze ich oft längere Zeit ein Für und Wider hin und her.
Es hilft mir, wenn ich etwas Zeit vergehen lassen und mich erst dann für eine bestimmten "Haltung" entscheide.
Die kann dann wesentlich gelassener sein als vorher , aber auch viel konsequenter,weil ich mir dann meiner selbst weit sicherer bin.


@ Migranda

Vielen Dank!

Ich bin der Ansicht, dass „Selbstfindung und Selbstverwirklichung“ keine einmalige Sache ist, die man irgendwann hinter sich bringen kann. Das wäre ja dann ein eher statischer, unveränderlicher Zustand, den man ein- für alle Mal erreicht hätte. Ich meine aber, dass die Authentizität nicht nur einmalig, sondern immer wieder aufs Neue errungen und erhalten werden muss; das ist ein andauernder Prozess.

Während andere (wie sicher auch Du, wenn ich Dich richtig verstehe) aber eher darauf vertrauen, dass dieser Prozess im „Hintergrund“ (des Bewusstseins) stets von sich aus seinen unaufhaltsamen, aber auch ungestörten, ja geradezu perfekten Gang nehmen möge, um sich bewusst mehr auf andere Dinge zu konzentrieren, habe ich für mich erkannt, dass ich ihn bewusst im Fokus meiner Aufmerksamkeit behalten muss, um nicht unversehens wieder in alte Fahrwasser zu geraten, die ich überwunden zu haben glaubte.

Nach Frankl sind die Aufgaben draußen eben nicht selbst gesetzt (initiiert, kreiert), sondern nur selbst (vor-) gefunden. Sie existieren bereits und man müsse nur einen Zugang zu ihnen finden und sie sich aneignen. Dahinter steht wohl der Zweifel daran, dass ein Mensch aus sich heraus einen Sinn zu erfüllen vermag. Ich glaube auch, dass diese Überzeugung mit religiöser Gläubigkeit zu tun hat. Ich zweifle nicht daran, dass es unzählige sinnvolle Aufgaben gibt, die sich einem draußen aufdrängen – es gibt so viele Missstände, an deren Beseitigung man sich beteiligen kann. Engagement gegen Armut, Hunger, für Naturschutz usw. kann selbstverständlich sehr sinnvoll und sinnerfüllend sein!

Die Frage ist nur, ob ein Mensch ohne all dies nur eine sinnlose Existenz führen könnte. Ich verneine das. Es ist jedem selbst gegeben, bewusst eine authentische Haltung einzunehmen, aus der heraus er sein Leben als sinnvoll erfahren kann. Und sei es nur, um zu konstatieren, dass es eines „Sinnes“ gar nicht bedarf, um dennoch ein gutes Leben zu führen, im Einklang mit sich selbst und der Umwelt.





@ Milafranzi

In so manchen zwischenmenschlichen Beziehungen geht es mir ganz genauso wie Dir! Nicht bei den wenigen engen und guten Freunden und Verwandten, eher bei den nur teilweise bekannten, in Wirklichkeit meist unbekannten Menschen, auf die man im realen Umfeld oder auf digitalen Kommunikationskanälen täglich so treffen kann.

Wie geht man am besten mit ihnen um, wenn man keinen schnellen, direkten Zugang findet, wenn man sich gar mit ihren falschen Vermutungen und Werturteilen die eigene Person betreffend konfrontiert sieht? Soll ich das volle Risiko eingehen und mich ihnen weitgehend öffnen, damit sie eine Chance haben, mich besser kennen zu lernen? Aber was ist, wenn sie das gar nicht zu schätzen wissen, sondern ganz andere Absichten hegen, also Offenheit gar nicht zu würdigen wüssten? Wie steht es mit den eigenen Vor-Urteilen ihnen gegenüber und wie weit ist es tatsächlich her mit meinem Interesse an ihnen?

... Fragen über Fragen, die mich ständig herausfordern, Stellung zu beziehen. Ich weiß also, wovon Du sprichst und Deiner vorläufigen Lösung, nichts zu übereilen, kann ich nur voll zustimmen. Die meisten Fragen klären sich, wenn man Geduld aufbringt und die Nerven, ungeklärte Situationen eine Weile auszuhalten.



Bevor nun die Wellen allzu hoch schlagen bin ich leider erst heute daraufgekommen das ich mir einen Fauxpass geleistet habe. Ich hatte leider die Zeilen "alles oder nichts" ohne den Hinweis Autor unbekannt hochgeladen, wofür ich mich in dieser Runde höflichst entschuldige. Obwohl ich keinerlei Beanspruchung auf diesen Text hinzu schrieb kann ich mir vorstellen das es den Eindruck erweckte der Text sei von mir.

@Verdani

@crisols Text stammt also komplett von einem 21jährigen Studenten! Er hat das nicht kenntlich gemacht, wollte also, dass wir ihn für den Urheber halten, was ich schäbig finde.

Meine Replik galt dem alten, nicht dem jungen Mann. Letzterer hat noch viel Zeit, um seine Erfahrungen zu machen und dazuzulernen.

Da nun festgestellt wurde der Text stammt von einem 21jährigen Studenten der mittlerweile auch schon 30 lenze zählt würde es mich interressieren welches Statement Sie einem jungen Autor zubilligen, da Sie ja Ihr erstes Statement dem alten Mann widmeten. Kleine Bemerkung am Rande Gnädigste sind ja ich nicht mehr ganz Taufrisch was wiederrum die Frage erhebt was ist alt. Und wer solche Texte mit 21 Jahren schreibt der braucht soviel wie nichts dazuzulernen der ist reifer als viele sogenannte Alte.

@Castanea

Mir kam das bekannt vor...

Komplette Texte ohne Quellenangabe aus dem Netz zu veröffentlichen
kann wegen des Urheberrechts Ärger bereiten, Crisol.


Liebe gnädige Frau ist mir absolut klar und wie gesagt nicht beabsichtigt und mein Fehler nicht darauf hinzuweisen. Möchte aber trotzdem darauf hinweisen wenn so etwas passiert warum dann derjenige nicht damit konfrontiert wird das er hier eine sagen wir mal mindere Straftat begangen hat. So wie in meinem Fall ich erst heute daraufkam das hier eine Ungerechtigkeit vorliegt.
Nichts desto Trotz Daumen hoch für Ihre Arbeit hier mein Kompliment für Ihr Engagement.

In diesem Sinne allen noch einen schönen Abend
crisol


Nun, Gnädigster,

falls der junge Autor den von Ihnen ohne Quellenangabe zitierten Text im Alter des Gnädigsten noch vertreten, also nach 46 Jahren nichts dazugelernt haben sollte, würde ich ihm genau das schreiben, was ich dem Gnädigsten schon geschrieben habe (» 18.07.2018, 0:00). – Aber warum sollte ich annehmen, dass auch er den betreffenden Text so ohne jeden inhaltlichen Zusammenhang in diesem Thread als Beitrag posten würde?

Alles klar?



Bezüglich der Lebensaufgaben, und des Gefühls, ein sinnerfülltes Leben zu führen:
Ich erinnere mich, daß mich nach meiner "Aussteigerzeit" der berühmte Entwicklungspsychologe E. Erikson sehr interessierte.
Er meinte, in der 2. Lebenshälfte gehe es vor allem darum, etwas an die kommende Generation weiterzugeben...
Nach meinen Erfahrungen ist es so, daß Menschen nur dann wirklich zufrieden sind mit ihrem Leben, wenn ihre Kinder sich gut entwickelten, und ihr Leben meistern können, oder wenn sie sich beruflich oder künstlerisch verwirklichen konnten, wenn sie also Aufgaben finden konnten, deren Erfüllung ihnen möglich war...


@Migranda

Einerseits hast Du sicher Recht, andererseits: Was ist mit denen, die keine Kinder oder Sorgenkinder haben oder sich weder künstlerisch noch beruflich verwirklichen können? Wollen wir ihnen absprechen, ein sinnvolles Leben zu führen?

Ich denke nein, es kommt allein darauf an, sein Leben auf sich zu nehmen und eine aufrichtige, authentische Haltung diesem gegenüber einzunehmen. Es kommt darauf an, wie wir unser Leben führen. Ob wir in der Lage sind, das was wir bekommen können, wirklich anzunehmen und auf das, was wir nicht bekommen können, wirklich zu verzichten.

Eigentlich aber ist dies auch nur eine Theorie. Die tatsächlichen Wege sind oft verschlungen und unergründlich, zumindest für Außenstehende. Jeder wird nur für sich selbst schließlich feststellen können, ob er im Einklang steht mit sich und seinem Leben, und das muss er niemanden sonst gegenüber rechtfertigen.

Viktor E. Frankl hatte sogar eingeräumt, dass eine späte Einsicht (er nannte das extreme Beispiel einer sehr alten Frau auf dem Sterbebett) in die versäumten potenziellen Möglichkeiten, also die Erkenntnis der eigenen Wahrheit an sich ohne weitere Handlungsmöglichkeiten noch ein Empfinden von Sinn vermitteln und somit zum inneren Frieden führen könne.

Als ich das in den 80er Jahren als noch junge Frau las, hat mich das sehr beeindruckt und mir eine erste Vorstellung von der ungeheuren Tragweite der Bedeutung von Einsichten vermitteln können.



Ja, das ist wirklich sehr beeindruckend, dass selbst dann, wenn man nicht mehr handeln kann, uns die Erkenntnis unserer ganz persönlichen Individualität zu innerem Frieden verhelfen kann. -

Wir können natürlich nur von unseren eigenen Lebenserfahrungen ausgehen, und dem, was uns in unserer Lektüre begegnete.
Mir ist noch nie ein seelisch gesunder, normal intelligenter Mensch im Erwachsenenalter begegnet, der im Einklang mit sich und seinem Leben war, ohne es für wichtig zu halten, in bestimmten Bereichen seine Kompetenzen zu realisieren. Deshalb kann ich es mir im Gegensatz zu Dir nicht vorstellen. Und ich gehe immer von Wahrscheinlichkeiten aus.
Aber Du hast Recht, möglich ist es vielleicht trotzdem.


@Migranda

Du schriebst:


>>Mir ist noch nie ein seelisch gesunder, normal intelligenter Mensch im Erwachsenenalter begegnet, der im Einklang mit sich und seinem Leben war, ohne es für wichtig zu halten, in bestimmten Bereichen seine Kompetenzen zu realisieren.<<

Ich hätte das ohne weiteres bestätigen können, wenn Du „im jüngeren Erwachsenenalter“ geschrieben und das „seelisch gesunder“ durch ein „körperlich gesunder“ ergänzt hättest.

Ich gehörte jedenfalls den größten Teil meines Lebens zu denjenigen, die sich immer nur über ihre Leistungen definiert haben. Bis ich endlich, im fortgeschrittenen Alter, zunächst von nahe stehenden Menschen davon angeregt, mich allmählich selbst davon überzeugen konnte, dass es nicht bloß auch ohne geht, sondern existenziell äußerst wichtig sein kann, sich davon eben nicht abhängig zu machen.

Was ist denn mit all denen, die nicht das Glück hatten, zu den Leistungsträgern der Gesellschaft zu gehören? Ich habe in meiner Familie einen Verwandten, der durch seine körperliche Behinderung nie in die Lage kam, Anerkennung von außen erhalten zu können über irgendwelche vollbrachten Leistungen. Allein seine Persönlichkeit, seine unbändige Neugierde auf das Leben und seine nicht abreißenden Bemühungen, sich Wissen anzueignen und eigene Betrachtungen über das Leben anzustellen, kennzeichnen ihn als äußerst interessanten und tiefgründigen Menschen, mit dem ich die wunderbarsten Gespräche führen kann.

Was ist es, was mich an ihm so fasziniert? Es ist seine HALTUNG, übrigens frei von jeglichem Selbstmitleid, die alle seine Lebensäußerungen bestimmt, obwohl er keine gesellschaftlich relevanten Aufgaben wahrnehmen konnte und jemals können wird.



Du hast natürlich völlig Recht mit Deinem Hinweis, daß ich ja gar nicht an Behinderte und Menschen mit chron. Krankheit gedacht hatte, denn für diese ist die Möglichkeit der Selbstverwirklichung durch Arbeit meistens sehr eingeschränkt bzw. nicht vorhanden.
Erst einige Stunden später oder am Tag danach wurde mir das bewußt, vergaß aber, nachzuschauen, ob Du schon reagiert hast, oder ob ich meinen Beitrag noch ändern kann.
Tja, so etwas passiert mir leider nun öfter... :( ---

Aber es ging mir keineswegs nur um Leistung, wie Du meinst, sondern um die Erfahrung, daß man sich bei seiner Arbeit ganz entfalten kann!
Und natürlich können sich Kranke und Behinderte auch ohne eine sie befriedigende Arbeit verwirklichen, es wäre schrecklich, wenn dem nicht so wäre! Und genau so sah es sicher auch Frankl, trotz seiner Vorstellung, daß das LEBEN uns Aufgaben stellt, Behinderte und Kranke haben eben ganz andere Aufgaben...
(Für mich selbst war es ein großes Glück, daß ich nach meinem langen "Ausstieg" eine Arbeit gefunden hatte, die ich ganz nach eigenen Vorstellungen gestalten konnte.) Und wohl auch deshalb mußte ich nicht auf Authentizität so achten wie Du...---

Jedenfalls bin ich dankbar für Deinen zum Nachsinnen anregenden Thread, auch wenn ich manches anders sehe.
Meine Erkenntnisse weiten sich meistens, indem ich zunächst mal widerspreche, dadurch wird mir bewußter, wie ich selbst es sehe...---
Will nun endlich mal in diesen Camus-Blog schauen, den Du erwähntest, schlampig wie ich bin, suche ich gerade den Zettel, auf dem ich den Namen der Autorin vermerkte ("Jeder Tag mit Camus", oder so ähnlich")...:-)
cron