Eine Metapher aus der Romantik sind die Nebensonnen. Ich möchte von der politischen Bedeutung einmal absehen und das lyrische Bild betrachten. Namentlich bilden sie den Titel eines Gedichtes aus der Winterreise.

Die Nebensonnen
Wilhelm Müller

Drei Sonnen sah ich am Himmel stehn,
Hab lang und fest sie angesehn;
Und sie auch standen da so stier,
Als könnten sie nicht weg von mir.
Ach, meine Sonnen seid ihr nicht!
Schaut andren doch ins Angesicht!
Ja, neulich hatt ich auch wohl drei:
Nun sind hinab die besten zwei.
Ging' nur die dritt erst hinterdrein!
Im Dunkel wird mir wohler sein.

Das Schubert-Lied gesungen von D. Fischer-Dieskau
http://www.youtube.com/watch?v=baFvDOJRAo4

Das Gedicht setzt mit „Drei Sonnen sah ich am Himmel stehn, / Hab lang und fest sie angesehn“ ein und endet mit den Versen: „Nun sind hinab die besten zwei. / Ging’ nur die dritt erst hinterdrein! / Im Dunkel wird mir wohler sein.“ Üblicherweise werden die beiden Nebensonnen als die Augen der Geliebten gedeutet, die nun also untergegangen sind – haben doch Augensterne oder eine Verknüpfung zwischen geliebten Augen und dem Sonnenlicht im Repertoire der Liebesbilder ihren festen Platz.

Verfolgen wir nun das Bild des Augensterns zurück, so finden wir dies schon bei Michelangelo Buonarotti in mehreren Sonetten z.B.:

47.
O käm' der Schönheit deiner Augensterne
Das Feuer gleich, das sie ringsum entzünden,
…….

und sogar schon bei Catull in der "Heimkehr nach Sirmio":

O du, der Inseln und Halbinseln Augenstern,
O Sirmio, so viel in den Landseen auch,
Und draußen auf dem weitem Meer Neptunus trägt,
…..

Ältere Gedichte mit diesem Bild habe ich noch nicht entdeckt.

Das physikalische Phänomen der Halo mit Nebensonnen wäre ein Thema für ein anderes Forum.